Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for August 2008

Bei -> Arte gibt es die Krimiwelt-Bestenliste des Monats September 2008:

1. Richard Stark: Fragen Sie den Pagagei

2. Jenny Siler: Portugiesische Eröffnung

3. Heinrich Steinfest: Mariaschwarz

4. Andrew Vachss: Der Fahrer

5. Leonardo Padura: Der Nebel von gestern

6. Deon Meyer: Weißer Schatten

7. John Harvey: Schlaf nicht zu lange

8. Tana French: Grabesgrün

9. Rex Miller: Fettsack

10. Hakan Nesser: Eine ganz andere Geschichte

Vier der Titel sind neu. Es dominieren bekannte Namen und ehemalige DKP Gewinner. Jenny Siler ist jetzt den dritten Monat dabei; eine derartige Aufmerksamkeit wird ihr im eigenen Lande kaum zuteil – erfreulich.

Ein wenig überraschend ist für mich Andrew Vachss Der Fahrer (The Getaway Man). Es erzählt in einer sehr reduzierten Art die Geschichte von Eddie einem Fluchwagenfahrer. Streng aus der ersten Person erzählt dieser, immer aus der Sicht „des Jobs“, von seiner Kindheit, wie er in den Job hinein wächst und von seiner großen Liebe. Vachss ist ja mit seinen „trojanischen Pferden“ berühmt geworden, mit denen er versucht den Lesern für den Missbrauch und die Vernachlässigung von Kindern zu sensibilisieren, auch Getaway Man kann man entsprechend lesen. Es ist im Stil der klassischen Noirs und kam auch in den USA entsprechend als Vintage Crime (mit „Gebrauchsspuren“ auf dem Umschlag) auf den Markt. Es ist beileibe kein schlechtes Buch, erinnert aber von der Erzählperspektive und dem naiven Stil sehr an Shella, einem der besten Bücher Vachss, so dass ich ein wenig enttäuscht war. Es macht allerdings Hoffnung, dass ein anderes, sehr gutes Buch Vachss‘, Two Train Running auch noch auf den Markt kommen könnte und das ist nun eine ganz andere Geschichte.

Fünf der zehn Bücher sind Tb-Ausgaben. Ein Buch ist von einem deutschsprachigen Autoren, zwei Bücher sind von Frauen geschrieben.

bernd

Read Full Post »

Die großen Buchhandelsketten bekommen von den Verlagen Bücher zu günstigeren Konditionen als kleinere Händler. Die Tatsache, dass die großen Ketten aufgrund der Buchpreisbindung (BPB) diese günstigeren Konditionen über den Preis an mich nicht weiter geben dürfen, stört mich im Prinzip. Eine Lösung wäre sicher die Aufhebung der BPB. Die aktuellen Geschehenisse in der Schweiz zeigen jedoch, dass das Ganze etwas schwieriger ist.

Dort war im Mai letzten Jahres die BPB aufgehoben worden – wohl nur in einigen Gebieten, in der französisch sprechenden Schweiz bestand sie vorher schon nicht. Nun soll sie dort wieder eingeführt werden (-> hier ausführlich in DLF zu hören).

Wenn auch der Beitrag des DLF einige Schwachstellen hat, er verweist auf einen Anstieg der Buchpreise in UK seit 1995 von 30%, sagt aber nicht wie diese Zahl ermittelt wurde (der Anteil der Hardcover ist in den letzten Jahren dort dramatisch zurückgegangen, Bestseller sind wohl billiger geworden usw.) und wie hoch der Anstieg in Frankreich oder Deutschland ist.

Informationen gibt es auch vom Treuhänders der Buchpreisbindung, so zu einem Symposium in der Schweiz, darüber hinaus aber auch der Arbeitsbericht 2008.

So wird in dem Bericht festgestellt, dass in der Romandie höhere Preise erzielt werden als in Frankreich und Buchpreise, außer für Bestseller seien in der Schweiz seit letztem Jahr gestiegen.

Darüber hinaus ist der Arbeitsbericht sehr interessant und spannend.

Der Preisabschlag der Großen bei den Verlagen läge bei 50 – 55% des Ladenpreises, dagegen erzielten die Kleinen nur 40-47%. Wenn man eine ähnliche Kostenstruktur unterstellte, können aus den rund 20% Differenz 100 % auf der Ertragsseite werden (bei angenommenen 10% Rendite der Kleinen). Von daher finde ich die Diskussion welchen Einfluss die BPB auf die Händler hat naiv: Ob die BPB die Konzentration „retardiere“ oder beschleunige ist laut Bundeskartellamt unklar, laut Börsenverein würde die BPB dämpfend wirken.

Einleuchtend scheint mir, dass die BPB die Konzentration verzögern wird, aber nicht verhindern. Dazu erwirtschaften die Großen einfach zuviel mehr. Im Buchgroßhandeln ist die Konzentration wohl schon weit fortgeschritten. Es bestehen dort „zwei Firmen mit jeweils 45% Anteil„.

Aber die eigentliche Bedrohung für die BPB sieht der Treuhänder nicht von außen, sondern von innen. So bei der Praxis der Mängelexemplare (mit Hunderten von Mahnverfahren), der Tatsache, dass Großmärkte (Real, REWE) Bücher als Remittenten verkaufen, obwohl diese keine seien, ganze Teilauflagen als Remittenten auf den Markt geworfen werden und dem laxen Umgang mit Rezensionsexemplaren, die nur zum Zwecke des Verkaufs von Journalisten bestellt würden.

Der Buchhandel sei gefordert, selbst Maßnahmen zur Erhaltung unabhängiger Buchhändler zu treffen. […] Die Verlage müssten zudem selbstkritisch ihre Konditionengestaltung überprüfen.

Das werden die global aufgestellten, milliardenschweren Verlage bestimmt berücksichtigen.

Bei den E-Books scheint es noch ein wenig strittig, ob sie der BPB unterliegen. Aber vermutlich werden sie mit einem anderen Preis als die papierene Ausgabe, preisgebunden werden.

bernd

Read Full Post »


Nachdem in den letzten Büchern der Serie um Cork O’Connor, Mercy Falls und Copper River, dieser persönlich stark bedroht war und die Rahmengeschichte der Serie als solche im Mittelpunkt stand, tritt Cork in Thunder Bay einen (wenn auch nur kleinen) Schritt zurück. Familiär war bei ihm schon lange Ruhe eingekehrt, sie währt jedoch nur, bis seine älteste Tochter sich verliebt und ihr lang gehegter Wunsch von einer Schriftstellerausbildung gefährdet wird. Beruflich hat er sich nicht nur um seinen Stehimbiss zu kümmern, sondern er besitzt neuerdings auch eine Lizenz als Privatdetektiv.

Henry Meloux, väterlicher Freund, ein Mide (Heiler), circa 90 Jahre alt bricht auf der Strasse zusammen. Im Krankenhaus liegend, bittet er Cork seinen Sohn zu suchen und Cork macht sich auf, einen Mann zu suchen, den Henry nie gesehen hat und von dem er selber noch nie gehört hatte. Überraschend leicht gelingt es ihm den Mann zu finden. Doch den auf den er da trifft, der lässt ihn ‚rausschmeissen.

Es entwickelt sich im Weiteren eine Geschichte in der Geschichte, die den Leser mit zurück in die 20er Jahre nimmt, in eine Zeit als die Natur noch rauher war und das Rassenbewusstsein der Weißen noch erhabener.

Es ist ja gar nicht so leicht einer Serie immer wieder neues Leben einzuhauchen. Die Personen um Cork herum in der kleinen Gemeinde am Rande der Wildniss und des Reservates sind immer die gleichen. Sie machen einen Teil des Charmes der Serie aus. Die Gegend, auch heute kaum gezähmt, mit harten Wintern, erfrischenden Sommern, mit ihren Seen und Bergen ist zwar dem Zugriff des Menschen nicht entzogen, aber dieser ist doch verhältnismäßig gering.

Hier ist die Geschichte in der Geschichte, die Geschichte eines Geschichtenerzählers eine gelungene Abwechslung. Eigentlich dienen ja solche Geschichten häufig des Luftholens, aber Krueger packt auch hier, wie in das ganze Buch einen Haufen Spannung, viel Gefühl, Atmosphäre und Hintergrundsinformation.

Es ist schon eigenartig: Trotz des zweimaligen Gewinns des Anthony und des Dilys Awards ist William Kent Krueger auch in den USA nicht besonders bekannt. Bei uns gab es in den späten 90ziger Jahren einen Versuch mit seinem Erstling. Er ist kein Avangardist, kein Experimentator, sondern schlichtweg jemand, der gute Bücher in einer starken Serienrahmenhandlung schreibt und uramerikanische Tugenden wie Familie und Freundschaft ebenso wie kulturelle Toleranz hochhält.

Spannung entsteht bei Krueger genauso aus dem Kleinen, der einzelnen Handlung, wie auch aus dem großen Ganzen, so wie hier, wenn schon in der ersten Szene klar wird, dass auf Cork eine kaum lösbare Aufgabe wartet. Mit kurzen, schlichten Sätzen treibt Krueger seine Geschichten voran, bringt seine Figuren in emotionelle Konflikte, die sie (üblicherweise) nur mit der Hilfe anderer lösen können.

Thunder Bay fügt sich auf hohem Niveau in die Serie ein. Es schreibt die Rahmenhandlung fort, liefert eine packende Geschichte und ist letztlich herzenswarm wie je.

bernd

Read Full Post »

Bei npr, einem privaten, nicht kommerziellen Radiosender in den USA (-> hier geht’s zum Stream) bietet einige Reiseempfehlungen. Reisebegleiter sind Autoren die auch in Deutschland bekannt sind.

Colin Cotterill, Autor von Dr. Siri und seine Toten entführt uns nach Laos. Als er ins Land kam fing er sich eine Hepatitis (Gelbsucht) ein – ich vermute Hepatitis A und wundere mich warum die Unesco, die Cotterill nach Laos geschickt hatte, ihn nicht auf die Impfung hin wies (vielleicht war das vor der Verbreitung der Impfung). Zum Ausgleich arbeitete Cotterill anschließend zwei Jahre als Ehrenmitglied des Krankenhauses in Vientiane. Heute lebt der Autor wieder in Thailand, dessen Sprache er auch beherrscht.

Jason Goodwin, der mit The Janissary Tree (deutsch: Die Weisheit des Eunuchen) überraschend den Edgar gewann, bringt uns Istanbul näher. Der Autor erzählt von der Pracht der Stadt im 19. Jahrhundert und stellt ein Kochrezept vor.

Matt Beynon Rees‚ Bücher spielen in Palästina und sind in UK und USA recht populär. Hier erzählt er von dem Markt von Nablus und von seiner Suche nach den gewöhnlichen Leuten, die während seiner Zeit als Journalist nie im Mittelpunkt seines Interesses standen (-> Hier das Transkript des Textes).

Etwas näher bei uns in Europa ist Denise Minas Stadt. Sie erzählt von Glasgow, Easterhouse, dem Ghetto der Stadt und den ökonomischen Umbrüchen der 80er Jahre, die sie in ihrer Serie um Patty Meehan dargestellt hat. Der Beitrag berichtet aber auch von Minas Vergangenheit als Kriminalogin und ihren Versuchen weiblichen Tätern, die seelenkrank sind eine Stimme zu geben „I discovered really interesting things about what happens when people are mentally ill, [and] how they’re treated afterwards,“ she says. „And I thought, ‚If I write a Ph.D. thesis about this, no one’s ever going to read it. But if I put it in a crime fiction novel, lots of people will read it!‘„.

Alle Beiträge enthalten kurze Buchauszüge und sind zum Anhören.

bernd

Read Full Post »

Am Anfang des Buches will es Marco Conde scheinen, als öffne er mit der Tür der Privatbibliothek, die er gerade entdeckt hat den Weg zum Paradies, am Ende fühlt er sich, als wär’s die Büchse der Pandora gewesen.

Die Bibliothek, sie enthält Schätze von immensen Wert, sehr alte Bücher, Raritäten, kostbare Erstausgaben … alles Bücher, die außerhalb Kubas sehr gute Preise erzielten. Mario Conde, Expolizist, nun als Buchhändler unterwegs, sucht sich die ‚raus, die sich in Kuba gut verkaufen lassen und lässt die zurück, die schlecht verkäuflich sind und, ehrliche Haut die er ist, die, welche als nationales Kulturgut nicht verkauft werden dürfen. Mehrmals noch wird er mit seinem Freund und Partner, Yoyi zur Bibliothek zurückkehren um weitere Bücher mitzunehmen. Bis schließlich ein Mordfall sie stoppt.

In einem der Bücher findet Conde einen alten Zeitungsausschnitt, der über das Ende der Gesangskarriere einer jungen, offensichtlich schönen Bolerosängerin berichtet. Eine Erklärung für dieses Karriereende liefert der Artikel nicht. Conde fühlt sich eigentümlich berührt und als auf Nachfrage keiner seiner Bekannten die Sängerin zu kennen scheint, macht er sich auf die Suche nach der rätselhaften Sängerin und ihrem Karriereende.

Padura malt in Die Nebel von gestern ein Bild Kubas der Gegenwart, dass einem Hören und Sehen vergeht. Mit Menschen so verloren, mit Vierteln so elendig und dabei so von Gewalt durchsetzt, dass die Polizei sich nur noch pro forma hineinbewegt. Andererseits, das doch schon wieder mondäne Havanna mit Clubs, die einen Eintritt von 5 US$ verlangen, etwas was man eher in den Metropolen der postkommunistischen Staaten Europas gewöhnt ist.

Padura greift aber auch zurück in die Zeit, die vor Castro lag. Das Gebäude um die Bibliothek symbolisiert den Verfall, den die Castrozeit für Kuba mit sich brachte. Padura zeigt uns am Ende aber auch, dass das Leben damals auch nur für die wirklich besser war, die reich waren.

Mit einem Wort: Padura hat hier die Elemente beisammen, die man benötigt, um sich in die Krimiannalen zu schreiben.

Im Laufe der Jahre hatte Mario Conde sich darin geübt, mit den unterschiedlichsten Idealisierungen oder Verteufelungen der Vergangenheit zu leben, mochten diese, je nach Interessenlage und bisweilen mit leidenschaftlichen Eifer oder maßloser sich die Wahrheit zurechtrücken, wild darüber spekulieren oder unerschütterlich dazu schweigen. Er hatte gelernt, dass jeder Mensch, jede Generation, jedes Land, kurz gesagt jeder, ob er will oder nicht, seine Vergangenheit mit sich herumschleppen muss wie eine Sträflingskette, eine Vergangenheit, die unwiederbringlich zu ihm gehört, ob er sie nun vorteilhaft ausschmückt oder im Gegenteil ihre hervorstechenden Hässlichkeiten betont. Und die Erfahrung hatte ihn, ganz langsam und manchmal schmerzhaft, auch gelehrt, dass man die Wahrheit hermetisch in einer Truhe verschließen und den Schlüssel ins Meer werfen kann, ohne dadurch die Garantie zu haben, vor ihren verzweifelten Prankenhieben geschützt zu sein; denn weder das konsequenteste Vergessen noch die verbissensten Vorsätze sind imstande, die Schreie der Erinnerung, deren Nahrung natürlich ausschließlich ebenjene Vergangenheit ist, ein für alle Mal verstummen zu lassen.

Der Abschnitt, zugegeben ein sehr auffälliges Beispiel, zeigt ein wenig ein Dilemma des Buches. Würde ja kaum jemand leugnen, dass man die enthaltene Botschaft nicht auch wesentlich kürzer darstellen könnte. Solche Darstellungen, von denen es im Buch einige gibt, wirken ein wenig wie Fremdkörper und sie fügen weder der Person Condes, noch der Handlung, noch der Atmosphäre etwas hinzu.

Ansonsten, wenn Conde durch die verfallende Stadt wandert, sind die umfangreichen Darstellungen sehr schön und dort schafft Padura es tatsächlich die Atmosphäre der Orte heraufzubeschwören und Charaktere zu zeichnen.

Soviel Krimi war bei Padura vermutlich noch nie. Tatsächlich sieht der Autor sich der amerikanischen Krimitradition verpflichtet, eine Szene die Raymond Chandler referenziert, macht das deutlich. Vielleicht wählt Padura auch deshalb den Kniff, dem Beobachter der Conde auf der Schulter sitzt, eine zweite Stimme hinzuzufügen: Eingestreut finden sich im Text Briefe einer Frau, von der der Leser anfänglich nicht weiß, wer sie ist und an wen sie schreibt. Mit diesen Briefen gewinnt der Leser einen Wissensvorsprung, so dass am Ende Conde ohne den Leser ‚rumrätseln muss. Dee Leser, ohne diese Last wird deshalb die intuitive Vorgehensweise Condes nicht so ausgeprägt wahrnehmen.

Vielleicht, vielleicht ist es auch ganz anders, so ganz will mir der Sinn der rätseldämpfenden Briefe auf jeden Fall nicht einleuchten.

Am Ende bleibt also die Frage, wollte Padura zuviel ? Nicht unbedingt. Er hatte so einen reichen Schatz, den er erzählen wollte und konnte nicht immer Maß halten. In der Summe ist ein sehr gutes Buch, ein absolut lesenwertes Buch, das es dem Leser nicht immer einfach macht. Aber es ist auch ein Buch, bei dem mehr drin gewesen wäre.

bernd

Union Verlag 2008, 366 S., Übersetzung Hans-Joachim Hartstein

Read Full Post »

Da wandert man ein wenig durch’s Netz, zu schauen, was man da an Stimmen in Deutschland zu Lisa LutzLittle Miss Undercover finden kann und stößt dann auf einen Text, der mit folgendem Satz beginnt:

«Little Miss Undercover» hat Lisa Lutz ihr Buch genannt. Der Titel erinnert unwillkürlich an die Filmkomödie «Miss Undercover» mit Hugh Grant und Sandra Bullock und ähnlich frivol kommt auch das Buch daher.

Mit dem Satz hätte man die Aufnahmeprüfung zur Rezensentenschule nicht bestanden. Die jungen Damen und Herren der Buchhändlerlehranstalt in Leipzig dagegen hätten bestanden (kleiner Hinweis: Das Buch hieß im Original The Spellman Files).

Aber um diesen Text soll es mir primär gar nicht gehen, obwohl ich gleich noch einmal auf ihn zurückkomme.

Man kann die wenigen Besprechungen zu Lisa Lutz Buch in drei Kategorien unterteilen. Zum einen gibt es handwerklich verfasste Texte, die mal positiver, mal negativer über das Buch schreiben. Dann gibt es die parasitären Seiten erster Ordnung, die schlichtweg den Verlagstext übernehmen, ganz generell sehr populär das, meisten ohne Quellenangabe. Die entsprechenden Seiten meinen offensichtlich somit Content zu erwerben (von „Inhalt“ kann man ja nun wirklich nicht sprechen).

Und dann gibt es die parasitären Seiten zweiter Ordnung. Diese Seiten haben auch einen Content, wenn auch einen fremden und wenn auch einen schwachen. Den obigen Text findet man nämlich nicht einmal sondern insgesamt fünfmal. So in der Lausitzer Zeitung, der Osnabrückert Zeitung, dem Portal der WAZ-Gruppe, Glaube aktuell (den man, in der Tat, verlieren könnte) und Monsters and Critics (was für seine Plattform, dort übrigens der Hinweis, dass Hugh Grant bei dem oben genannten Film gar nicht mitgespielt hat). Erstellt hat den Text die dpa.

Angesichts der Tasache, dass da jemand bei der dpa sitzt, mit wenig Ahnung wie man sieht und Rezensionen verfasst, die dann von Onlinemedien und regionalen Zeitungen auch noch übernommen werden, bin ich mir allerdings nicht sicher inwieweit die Blogger Deutschlands eine Gefährdung der öffentlichen Literaturordnung bei uns darstellen.

Die Frage ist natürlich, ob die Rezensionsparasiten nicht auf ein neues Businessmodell hinweisen. Zwei eigentlich. Zum einen müsste man die engagierten Textproduzenten in dem Bereich viel mehr zusammenführen und die Menschen die Hilfestellung bei der Buchauswahl wünschen, vielmehr als bisher auf den parasitären Missbrauch ihres Interesse und ihrer Zeit hinweisen. Mit einem gestiegenen Bewusstsein kann man dann Text der Engagierten sammeln und an entsprechend Interessierte verkaufen.

bernd

Read Full Post »

Noch ein Link für Frau krimi.krimi, die sich frug weswegen sie Krimis liest. Ich weiß natürlich nicht weswegen (und ob) sie das Buch den anderen Medien vorzieht, aber auf eine Alternativantwort zu der die dpr in seiner unnachahmlichen Art gab, kann ich verweisen. Die Antwort von Adrian McKinty (der gleiche Link wie im vorigen Beitrag !) auf Declan Burkes Blog Crime Always Pays, beide übrigens Vielleser und Leser über die Genregrenzen, mag etwas „technischer“ sein.

In Bezug zur klassischen Literatur (literary fiction) verweist McKinty darauf dass „Lit-fic’s problems are social and philosophical. First the social: there’s a clubby atmosphere in the New York and London literary worlds that pushes depressingly unreadable novels down our throats.[…] Philosophically, literary types are ill at ease. The conventional novel is too dull for them but Joyce already did everything you could with the form, so what can they do? Their books try too hard, shouting “Look at me!” instead of focusing on what the reader wants: good stories and good characters.

Das Genre sei aber nicht nur flexibel, was unterschiedliche Unterformen, bespielte Regionen und dargestellte Aspekte des menschlichen Tuns betrifft, es sei auch besonders geeignet die verschiedenen Schwächen und Probleme menschlicher Gesellschaften darzustellen. McKinty macht aber noch einen interessanten Punkt. „Nineteenth century Russia, Elizabethan London, Periclean Athens“ hätten große Kunst in repressiven Systemen hervorgebracht, vielleicht kitzelt das Genre das beste aus den Autoren ‚raus, weil es gewissenmaßen auch repressiv sei und so die volle Konzentration auf die gegebenen Möglichkeiten erfordert.

“So, to sum up: like the young Cassius Clay, crime fiction is the prettiest, nimblest and deftest of the Olympians, easily overpowering the lumbering horror and sci-fi athletes, dodging that lady with the romance handbag, and knocking cold that weepy young fogey from Kensington whose father never told him he loved him [die gehobene Literatur, bk]. Except nobody’s father told them they loved them. Get over it mate, stop gurning and go read THE COLD SIX THOUSAND instead.”

Ich würde stattdessen LA-Confidential empfehlen.

bernd

Read Full Post »

Older Posts »