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Archive for the ‘Barry’ Category

(Russisches Abendmahl)

Es ist immer ein wenig schwierig zu beurteilen, wie realistisch ein Buch ist, dass von den inneren Angelegenheiten eines Landes erzählt und dabei gar nicht von einem Bewohner dieses Landes geschrieben wurde. Stalin’s Ghost von Martin Cruz Smith zum Beispiel. Ein verstörendes Buch über ein Russland, das die alte Ordnung verloren und die neue noch nicht gefunden hat – leider, wenn man so will, von einem Amerikaner geschrieben, der nicht in dem Land lebt. Was nun wenn Smiths Klischees die gleichen sind wie die meinen ? Wo bliebe der Erkenntnisgewinn ?

Volk’s Game behandelt ähnliche Themen wie Cruz Smiths Buch. Es ist weniger ein Buch über Stalin’s Geist als über den, der von der putinschen Politik freigesetzt wurde. Alexei Volkovoy, genannt Volk war Scharfschütze in Tschetschenien, irgendwann hatten ihn die dortigen Rebellen erwischt, nach einem halben Jahr Gefangenschaft, Folter und dem Verlust eines Unterschenkels kam er frei. Nun lebt er in Moskau im Untergrund, betreibt illegale Geschäfte, findet Rückhalt in gewissen einflussreichen Kreisen und steht mit gewissen anderen Personen im Konflikt.

Ein früherer Freund bittet um seine Expertise bei dem Schmuggel eines unbekannten Werkes von Leonardo Da Vinci aus dem Lager der Eremitage in St. Petersburg. Mag die Sache auch noch so geheim sein, dennoch finden sich zahlreiche Personen, die brennend an dem Bild interessiert sind. Der Wolf (russ. Volkovoy) hetzt um die halbe Welt und trifft auf alte Bekannte und alte Gegner.

Es ist ein bemerkenswertes Buch. Mehrfach ändert diese mit Blut und Hirnmasse getränkte Erzählung ihre Richtung. Volk selber ist komplex charakterisiert, in ihm wüten die Erinnerungen an Tschetschenien, der Respekt vor den russischen Soldaten, die Schaden genommen haben und nun vom Staat vergessen sind und seine Zuneigung zu den Personen seiner Umgebung – da ist für ein Gewissen kein Platz, zumindest nicht für ein Gewissen konventioneller Prägung.

Düster, bitter, gewalttätig. Russland, ein Land das auf den Hund gekommen ist, moralisch gesehen auf den Wolfshund. Der Generation, die im Krieg in Tschetschenien war, bleibt offensichtlich nur die Möglichkeit in Friedenszeiten das erlernte Handwerk im eigenen Lande weiter auszuüben, Man mag das alles irgendwie glauben und ist bereit sich vorzustellen, dass niemand mit der Wimper zuckt, wenn Putin einen Oppositionellen tot haben möchte (wenn auch dieser in diesem Falle mit der Sache gar nichts zu tun hatte), aber darf man dieses Bild annehmen ?

Wie dem auch sei, wer Stalins Geist gelesen hat, findet hier, so gesehen, die Fortsetzung der Geschichte. Weniger literarisch verspielt, sondern mehr auf den Punkt gebracht, nie jedoch plump vorerzählt sondern immer gekonnt erzählt, mit einer den Leser verstörenden Atmosphäre.

Das Kunstwort „goregeous“ beschriebe das Buch ziemlich gut.

bernd

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Und auch die Gewinner für die Barrys sind bekannt gegeben worden.

Gewinner in der Kategorie Bestes Buch:

Gewinner in der Kategorie Bestes Erstes Buch:

Gewinner in der Kategorie Bestes Taschenbuch:

Gewinner in der Kategorie Best Brit

  • Damnation Falls von Edward Wright

Gewinner in der Kategorie Bester Thriller

Auch hier keine Überraschung und eine hohe Übereinstimmung zu den Macavitys.Die weiteren nominierten Bücher können -> hier und  -> hier und -> hier und (für die weiteren Kategorien) -> hier nachgelesen werden.

Mit Dank an Rap Sheet.

bernd

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Zum Abschluss der Vorstellung der Kandidaten der Barry, Macavity und Anthony Awards, die zwischen 9. und 12.Oktober in Baltimore beim Bouchercon vergeben werden, nun die Kategorie Bestes Buch (nach Bestes Erstes Buch und Bestes Taschenbuch). Beim Macavity beinhaltet diese Kategorie auch die Taschenbücher – wie dieses Jahr Blood of Paradise von Davis Corbett.

Folgende Bücher sind dieses Jahr nominiert:
Macavity

Soul Patch, von Reed Farrel Coleman
The Unquiet, von John Connolly
Blood of Paradise, von David Corbett
Water Like a Stone, von Deborah Crombie
What the Dead Know, von Laura Lippman

Anthony

Tin Roof Blowdown, von James Lee Burke
Bad Luck and Trouble, von Lee Child
The Watchman, von Robert Crais
Thunder Bay, von William Kent Krueger
What the Dead Know, von Laura Lippman

Barry

Soul Patch, von Reed Farrel Coleman
The Unquiet, von John Connolly
Down River, von John Hart
Dirty Martini, von J.A. Konrath
What the Dead Know, von Laura Lippman
Red Cat, von Peter Spiegelman

16 Nominierungen und 12 verschiedene Bücher also, einzig What the Dead Know ist für alle drei Preisen nominiert. Schon Anfang des Jahres war zu lesen, dass dieses Buch jeden der diesjährigen Preise gewinnen sollte, ganz so kam es bisher nicht, aber tatsächlich könnte es Lippmans Wochenende werden. The Unquiet und Soul Patch sind bei Barry und Macavity nominiert, so dass diese beiden Preise insgesamt drei nominierte Bücher teilen.

What the Dead Know ist ein weiteres dieser so unscheinbar daher kommenden Bücher Laura Lippmans, die wenig vordergründige Spannung bieten und doch spannend sind und die scheinbar simpel, aber doch eindeutig intelligent geschrieben sind. Es erzählt die Geschichte einer Frau, die 30 Jahre nachdem zwei Mädchen für immer spurlos verschwanden, auftaucht und behauptet eine der beiden zu sein. Lippman nutzt diese Geschichte um die Leben der Personen der Umgebung des Mädchens nach zu erzählen, gleichzeitig bleibt beim Leser aber immer dieser nagende Zweifel, was er nun glauben dürfe. The Unquiet von John Connolly hat einen Touch von „otherworldliness“. Gestalten tauchen in diesem Buch auf, das von Kindesmissbrauch handelt, die scheinen nicht von dieser Welt zu sein. Das vermittelt insgesamt so eine Stimmung von Gedrängtheit und Getriebenheit und zerstört doch nicht die Realitätstüchtigkeit des Buches, das auch noch humorvoll ist und und in einer lyrischen Sprache erzählt ist, die Connelly als großen Stilisten ausweist.

Soul Patch von Reed Farrel Coleman ist ohne Zweifel dominiert vom Protagonisten und seiner Gedankenwelt, die ihn lähmt und ihm den Schlaf raubt. Dieses kennt man auch von anderen Autoren und Büchern, selten aber schafft es ein derartiger Stil, einen stimmigen, auch nur halbwegs komplexen Plot ans Tageslicht zu fördern. Dieser Geschichte von alten Freundschaften, Treu und Glauben gelingt das. Auch Red Cat von Peter Spiegelman ist vom Protagonisten und seinen Konflikten dominiert und auch hier gibt es einen stimmigen Plot mit komplexen Gefüge. John March, Expolizist und Privatdetektiv, von seinem Bruder gebeten bei einer delikaten Angelegenheit zu helfen, muss ins New Yorker Künstlermilieu eintauchen. Zwischen Hinterhof und dezenter Nobelgalerie angesiedelt, produzieren dort, mal arrogant, mal unsicher auftretend mehr oder wenig hyppe Künstler Videokunst und Performance oder spielen im Theater. Es ist auch ein Buch, bei dem Sprache und Atmosphäre überzeugen. Im direkten Vergleich gefällt es mir noch etwas besser.

Bei David Corbetts Blood of Paradise (eines der sechs Bücher, die diese Wochenende insgesamt dreimal nominiert sind) dreht es sich dagegen um die große Politik. Das Buch erzählt die Geschichte eines Bodyguards in El Salvador, der zwischen die verschiedenen Parteien in einem Land gerät, in dem offiziell Frieden und de facto eine Form von Bürgerkrieg herrscht. Es ist eine vielschichtige, kompromisslose und beseelte Darstellung einer Realität, an der die USA und ihre diversen geheimen Dienste nicht ganz unschuldig sind. Auch The Tin Roof Blowdown von Altmeister James Lee Burke über die Hurrikans Katrina und Rita ist (zum Teil) ein politisches Buch. Es ist ein Toben und ein Rasen, nicht nur der Naturgewalten, sondern noch viel mehr des Schriftstellers und seines Protagonisten in dieser sprachlich und inhaltlich komplexen Geschichte.

In Lee Childs Bad Luck and Trouble ist Jack Reacher, der Held der Serie diesmal nicht allein tätig, sondern Teil einer Gemeinschaft von alten Kameraden der Militärpolizei. Wie gewohnt, schafft es Child diese Balance zwischen Rätsel und Thrill zu wahren, die ihn auszeichnet. Es ist etwas mehr Zahlenspielerei als sonst und das Buch wirkt schon beinahe politisch, nicht nur, dass Reacher nicht mit Alaska Airline fliegen mag, da diese dem Bordmenü Bibelsprüche beilegen und dass die ehemaligen Soldaten, die besten ihres Faches, doch alle irgendwie haltlos und verloren wirken, auch die Bush-Administration bekommt ihr Fett ab. Joe Pike in Robert Crais The Watchman erinnert entfernt an Jack Reacher, ohne dessen detektivische Qualitäten, nonchalanten Esprit und Köperhaftigkeit zu erreichen. In den USA kommt das Buch sehr gut an. Geboten bekommt man ein Stück Lebensgeschichte des sonst zweiten Manns in der Serie um Elvis Cole und eine rasante Geschichte, die sich in ein grandioses Finale steigert. Das alles kurz und knapp, immer mit einem Augenzwinkern, vorgetragen, ohne dass es einen wirklich vom Hocker hauen würde. Pike ist einer dieser Typen, die durch jeden Sturm hindurch schreiten und man ist sich sicher, nicht nur er sondern auch etwaige Schutzbefohlene kommen unbeschadet durch.

Nachdem William Kent Krueger zuletzt mehrere hochdramatische Geschichten in der Serie um Cork O-Connor vorlegte, wirkt Thunder Bay im Vergleich dazu direkt besinnlich. Die Familie und Freunde, insbesondere Henry Meloux, sein väterlicher Freund stehen im Vordergrund. Ein Auftrag, den Cork nicht alleine lösen kann, wird Ausgangspunkt für eine Reise in die Vergangenheit und es entwickelt sich eine packende und ist letztlich herzenswarme Geschichte in der uramerikanische Tugenden wie Familie und Freundschaft ebenso wie kulturelle Toleranz hochgehalten werden. Wenn man so mag ist Deborah Crombie, Water Like Stone das britische Gegenstück. Duncan Kincaid und Gemma James, er Detective Superintendent und sie Detective Inspector, sie geschieden und seine Frau an Krebs verstorben, beide mit einem Kind aus ihren Ehen, leben zusammen und sind über die Weihnachtstage zu seinen Eltern gefahren um dort die Tage zu verbringen. Als seine Schwester den Leichnam eines kleinen Kindes und später sein Sohn eine ermordete Frau finden, müssen Kincaid und Gemma mehr oder weniger zuschauen wie Ronnie Babcock, sein Freund aus Jugendtagen die Ermittlungen leitet und eher heimlich wie Privatdetektive eigene Ermittlungen anstellen. Auszeichnen tut das Buch seine „Britishness“, der Ton, die Dialoge, die Darstellung. Ein Brite mag Mängel finden, aber es ist ja ein amerikanischer Krimipreis.

Down River von John Hart ist der diesjährige Gewinner des Edgars, literarisch will er sein, ein Thriller zudem. Nicht nur ich fand den literarischen Teil ein wenig gewollt. Am Ende überzeugt diese Geschichte von Einen der nach Jahren der Abwesenheit heimkehrt und den sie für ein früheres Verbrechen verantwortlich machen, als nahe am Mystery weilendes, im Grunde überraschend gradliniges, die Atmosphäre der ländlichen Region North Carolinas beschwörendes Buch, welches das klassische Familienthema nutzt, um dem Thrill ein Rückgrat zu geben. Ein ganz anderer Thriller ist Dirty Martini von J.A. Konrath. Der Humorkrimi beschreibt die Jagd nach einen Killer, der erst in kleinem Maßstab mit Botulinustoxin Lebensmittel vergiftet und dann mit der Drohung Gifte im großen Maßstab einzusetzen, Geld zu erpressen versucht. Anders als viele derartige Bücher, findet sich hier nicht nur überdrehte Beschreibungen, überbordernden Darstellungen und treten Personen auf, die nicht unbedingt plastisch aber plakativ dargestellt sind und sich zur Illustration von Sachverhalten unseres Lebens eignen, sondern all dieses ist um einen knackigen Thrillerplot gespannt.

Auch hier gilt, dass eine vernünftige Vorhersage über den Ausgang nicht möglich ist. Der Mcavity Award scheint mir die stärkte Truppe am Start zu haben, wenn What the Dead Know wohl (angesichts der Publikumsbegeisterung) auch leicht vorne liegt, dürften Soul Patch, The Unquiet und Blood of Paradise (in dieser Reihenfolge) doch Chancen besitzen. Ähnlich gut ist das Feld beim Macavity besetzt, gerne sähe ich Red Cat vorne, aber ich fürchte dieses wunderbare Buch hat nur Außenseiterchancen. Die Chancen von Down River kann ich nicht einschätzen,nach dem Gewinn des Edgars ist alles möglich, aber besonders stark ist das Buch nicht. The Tin Roof Blowdown, das für den Anthony nominiert ist, ist meiner Meinung nach das stärkste Buch überhaupt, aber angesichts dass der Anthony ein Publikumspreis ist, wird wohl Lippman hier das Rennen machen,

bernd

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Nachdem ich letzte Woche die Nominierten der Kategorie Bestes Erstes Buch für Macavity, Barry und Anthony Awards vorstellte, folgen diese Woche die Bücher für die Kategorie Bestes Taschenbuch für den Barry und Anthony – beim Macavity wird diese Kategorie nicht vergeben; herausragende Taschenbücher können hier in der Kategorie Bestes Buch nominiert werden (wie dieses Jahr Blood of Paradise von Davis Corbett), in den letzten zehn Jahren betraf das insgesamt vier Bücher, gewonnen hatte allerdings keines.

Folgende Bücher sind dieses Jahr nominiert:

Anthony

Queenpin, von Megan Abbott
Slide, von Ken Bruen und Jason Starr
Blood of Paradise, von David Corbett
Baby Shark’s Beaumont Blues, von Robert Fate
A Thousand Bones, von P.J. Parrish

Barry

Queenpin, von Megan Abbott
Black Widow Agency, von Felicia Donovan
Choke Point, von Jay MacLarty
The Mark, von Jason Pinter
Wash This Blood Clean from My Hand, (deutsch: Der vierzehnte Stein) von Fred Vargas
Who Is Conrad Hirst ?, von Kevin Wignall

Insgesamt also 10 verschiedene Bücher für 11 Nominierungen, während es bei der Kategorie Bestes Erstes Buch (9 Bücher für 16 Nominierungen) einige Bücher gab, die zwei oder gar dreimal genannt wurden, gibt es hier nur ein Buch, das für beide Preise nominiert ist: Der Gewinner des Edgars in dieser Kategorie Queenpin von Megan Abbott. Nach all den begeisterten Besprechungen aus dem englischsprachigen Raum ist es sehr gut möglich, dass Abbott noch zweimal gewinnt.

Ihr Buch ist eine ins Weibliche gedrehte moderne Variante der klassischen Pulpkrimis aus den 50er und 60 Jahren. Sprache und Wortwahl verweisen auf die Vorbilder und zeigen doch Drive, Eigenständigkeit und machen einfach Spaß. Aber die Geschichte selber langweilt, die namen- und konturlose Icherzählerin, ihr Verhalten und ihre Motive, man versteht sie nicht so richtig. Ihr Verhalten ist nicht konsistent und scheint mir mehr der Dramaturgie geschuldet.

Von dem gleichen, weiblichen Geist ist Baby Shark’s Beaumont Blues von Robert Fade beseelt, auch hier eine Geschichte, die in den 50er Jahren spielt, auch hier eine junge Frau, die nicht als Heimchen am Herd weilt, extremer noch als bei Abbott schießt, schlägt und messersticht sie ganze Heerscharen von toughen Gangstern ins Jenseits. Viel authentische Atmosphäre und stimmige Zeitgeschichte darf man da nicht erwarten, im Vergleich zu Abbott eindeutig humorvoller, aber weniger handwerklich ambitioniert. Auch die vier Frauen der The Black Widow Agency von Felicia Donovan wollen es den Männern ‚mal so richtig zeigen. An Frauen begangenes Unrecht rächt die skurrile Truppe ohne sich um Gesetz und Ordnung zu scheren. Das ist schräg und unterhaltsam aber eigentlich flach wie das Meer bei Windstärke Null, wenn kein Schiff in der Nähe ist.

Slapstick und überdrehte Unterhaltung bietet auch Slide von Ken Bruen und Jason Starr. Der Nachfolger des in Deutschland wohl eher durchgefallenen Flop, will witzig sein und ist es auch häufig, diverse Anspielungen dienen der Bindung der Stammleser der Bücher der beiden Autoren. Weit weniger überdreht und mehr mit einem neckisches Augenzwinkern erzählt, ist Choke Point von Jay MacLarty. Ein Thriller, der mit der großen Politik kokettiert und sowohl spannend als auch witzig ist. Das Buch bietet gute Unterhaltung, der Kompromiss zwischen den beiden Polen fordert aber einen Tribut: Das Buch ist in keiner Hinsicht extrem.

Ein lupenreiner Thriller ohne Hintersinn und doppelten Boden ist The Mark von Jason Pinter, das die Geschichte eines jungen Journalisten erzählt, der von Mafia und Polizei gejagt wird. Es ist ein Buch mit überraschenden Wendungen und einem Hauch von Bruen bei der Darstellung des Helden, wenn auch die große Linie und das Ende wenig überraschend sind. Ebenfalls auf Thrillerpfaden wandelt A Thousand Bones von P.J. Parrish. Ein Buch, das nicht nur überraschende Wendungen hat, sondern die Stilistik ändern. Es beginnt als Rätsel mit dem Versuch den Fund einzelner Knochen aufzuklären und entwickelt sich zu einem außergewöhnlich spannenden Roman um einen Serienkiller.

Auch David Corbetts Blood of Paradise geht als Thriller durch. Es erzählt die Geschichte eines Bodyguards in El Salvador, der zwischen die verschiedenen Parteien in einem Land gerät, in dem offiziell Frieden und de facto eine Form von Bürgerkrieg herrscht. Es ist eine vielschichtige, kompromisslose und besselte Darstellung einer Realität, an der die USA und ihre diversen geheimen Dienste nicht ganz unschuldig sind. Ebenfalls fast ein Thriller könnte Kevin Wignalls Who is Conrad Hirst ? sein. Ein Buch, fast mit einer theaterstückähnlichen Anmutung, das den Versuch eines Killers nacherzählt auszusteigen. Dabei zeichnet Wignall den Weg des Menschen zu sich selber nach, was zu einer ganz anderen Geschichte führt, als vom Leser erwartet: Voller Innerlichkeit und allerdings auch Kühle, bei der Thrill nur bedingt aufkommt.

Mit Der vierzehnte Stein von Fred Vargas ist tatsächlich auch ein europäisches Buch vertreten und was für eins. Adamsberg und seine Truppe reisen nach Quebec, in eine andere Sprach- und Kulturwelt. Kaum ein Autor, der so mystisch versonnene Krimis, voller prickelnder Spannung schreiben kann. Das ist schon große Klasse wie hier zu dem Esoteroiden, Sphärischen die kalte Klammer kommt, die sich um Adamsberg zu schließen droht, dabei ist das Buch humorvoll und hat starke Dialoge.

Auch für diese Kategorie sind Voraussagen über die Gewinner müßig. Nach all der Hype ist Queenpin wohl Favorit bei beiden Preisen. Meine persönlichen Favoriten sind Blood of Paradise vor A Thousand Bones beim Anthony und Der vierzehnte Stein vor Who Is Conrad Hirst ? beim Barry. Die anderen Nominierten sind mehr oder weniger lesenswert aber angesichts dessen, dass sie für einen der großen US-amerikanischen Krimipreise nominiert sind, eine gewisse Enttäuschung.

bernd

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Einen saftigen Thriller mit internationaler Intrige und einem US-Präsidenten, der sich von den stillen Helden des Landes aushelfen lassen muss, erwartet man, wenn man den Text auf der Rückseite des Buches gelesen hat. Kein Wunder also, dass es eine längere Zeit ungelesen in meinem Regal lag.

Zum Glück jedoch ist Choke Point anders als versprochen. Natürlich geht es auch hoch her. Eine Handelsallianz soll geschmiedet werden. China, Taiwan und die USA wollen eng zusammen arbeiten und damit dieses gelingt, war Big Jake Raynerson, nebenbei einer der reichsten Männer der Welt, vom Präsidenten gebeten worden, im chinesische Spielerparadies Macao ein Hotel zu bauen. Ganz klar, solche weltpolitischen Ereignisse, mögen sie auch noch so geheim sein, rufen Gegner auf den Plan. Zuerst wird nur der Bau sabotiert, dann ist auch Big Jake selber dran.

Um diese Allianz zu würdigen, bedarf es natürlich eines besonderen Zeichens, das an die Volksrepublik übergeben werden soll. Der geheime Transport dieses Kulturgutes muss organisiert werden. Nicht das erste Mal bedient sich die Familie Raynerston für solche Botendienste der Hilfe Boris Leonidovichs, dessen Spezialität hochriskanten Spezialtransporte sind und der das Gut nach Macao und weiter nach Peking bringen soll.

Mitten im Buch passiert es dann, eigentlich erwartet man ja einen James Bond Dreh, angelassen hat’s sich wie ein Whodunnit, die Drahtzieher müssen schließlich gefunden werden, doch plötzlich entwickelt sich die Geschichte ganz anders als erwarten und es entwickelt sich ein sehr intimes Katz-und-Maus-Spiel zwischen Leonidovich und Raynerstons Tochter auf der einen Seite und einer wildgewordenen Söldnertruppe und dem Drahtzieher der Sabotageakte auf der anderen Seite.

Insbesondere ist es aber der Ton des Buches, der einen überrascht und der nicht ohne Weiteres zu einem untraseriösen Thriller passt. Ständig ist ein neckisches Augenzwinkern zu spüren, mit dem die Dramatik zwar nicht gebrochen, aber auf eine sehr angenehme Art unterbrochen wird. Leonidovich und Rayberston frotzeln nicht nur miteinander, sondern die Perspektive wechselt auch zu dem Anführer der Söldnertruppe, die mit allerlei technischen Gerät und militärischer Präzision den beiden zu Leibe rücken will, und zwischen dessen Selbstwahrnehmung und der Realität klafft eine, im Verlauf des Buches größer werdende Lücke.

Es ist ein Buch, dass trotz der Gewalt und trotz der Dramatik eine Laidback-Atmosphäre vermittelt, hierzu trägt auch Leonidovich selber bei. Der ist so eine Art patenter Alleswisser, der durchaus Angst zeigt, aber in Notsituationen immer das richtige tut und ansonsten gepflegt Buck-Zitate austauscht, zwar kein Chinesisch kann, aber die regionale Sprachvariante (Kantonesisch) der Begrüßung versteht usw usf.

Diese Art von Bücher sind gar nicht so leicht hinzubekommen. Es ist spannend, wenn es drauf ankommt, witzig, wenn die Geschichte es zulässt und intelligent aufgebaut, denn im Katz-und-Maus-Spiel zwischen den Parteien muss auch Leonidovich immer wieder erleben, dass der Gegner mehr mitdenkt als er gerne hätte.

bernd

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Zu den Büchern, die mich generell eher kalt lassen, gehören diese Thriller bei denen ein einsamer Held gegen alle Widerstände, Menschen und Mächte entweder gleich die ganze Welt oder nur sich selbst retten will. Gerne, aber nicht immer besitzt er besondere Fertigkeiten und zumeist findet er nicht nur den Gral, sondern er wird auch mit einer schmucken Frau belohnt, die er auf seiner Flucht kennen gelernt hat und die ihm geholfen hat. Frauen, so scheint mir, sieht man seltener in dieser Heldenrolle. Kein Wunder also, dass ich nicht besonders scharf darauf war Jason Pinters The Mark zu lesen, das mit entsprechenden Attributen aufwarten sollte.

Gemessen an meinen Erwartungen schlägt sich das Buch dann aber ganz außerordentlich. Henry Parker, 24 Jahre alt, frisch von einer Ivy League Universität kann seinen Traum wahr machen und ist seit einem Monat bei der New York Gazette als Journalist untergekommen. Die ersten Aufgaben sind natürlich unter par, bis der Star der Zeitung einen kleinen Auftrag hat und Harry plötzlich mitten drin ist in einer wahren Geschichte, die er eigentlich nicht überstehen kann.

Die Polizei verfolgt ihn, weil er einen der ihrigen getötet haben soll, ein Killer des Mafia, der es persönlich meint, ist auf seinen Fersen und sein Arbeitgeber hat ihn schneller fallen gelassen als einen glühenden Stein. Nun, Harry ist ja sicher ein intelligentes Bürschchen, aber nicht besonders „street-wise“ und mit seinem kleinen Rettungsring auch kein Kämpfer. Aber irgendwie hat er ja unheimliches Glück und dann ist da noch diese Frau …

Pinter stellt Harry als mehr oder weniger gewöhnlichen Mann dar, der da einfach in etwas geraten ist, das eine Nummer zu groß ist, die folgerichtige Ausstattung mit den (derzeit genre-) üblichen seelischen Blessuren (z.B. verkorkste Beziehung zum Vater) verleiht dem Buch ein Touch von Bruen. Dieses Element macht das Buch gut lesbar, zumal es innerhalb der einzelnen Situationen immer wieder anders kommt, als erwartet.

Vom Ende, das genauso kommt, wie man es erwarten durfte, kann man das leider kaum behauptet.

bernd

Jason Pinter

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Zwischen 9. und 12.Oktober findet in Baltimore die Bouchercon statt, eine jährliche Veranstaltung des Genres bei der sich Autoren, Verlagsmenschen, Kritiker und Leser treffen. Dabei werden auch vier der bedeutenden US-Amerikanischen Krimipreise vergeben: Anthony, Macavity, Barry und Shamus Awards. Letzterer richtet sich an Krimis mit Privatdetektiv, während die anderen drei das gesamte Genre abbilden, von ihrer Ausrichtung her einige Gemeinsamkeiten teilen und allesamt eher mainstreamige Bücher und Autoren bevorzugen.Die diesjährigen Kandidaten für diese Preise möchte ich getrennt nach den drei Kategorien gemeinsam besprechen. Den Anfang machen die Bücher der Kategorie Bestes Erstes Buch, die Nominierten der beiden anderen Kategorien folgen in den nächsten beiden Wochen.

Folgende Bücher sind dieses Jahr nominiert:

Macavity

In the Woods, von Tana French
Heart-Shaped Box, von Joe Hill
The Spellman Files, von Lisa Lutz
Stealing the Dragon, von Tim Maleeny
The Collaborator of Bethlehem, von Matt Beynon Rees

Anthony

Big City, Bad Blood, von Sean Chercover
In the Woods, von Tana French
The Spellman Files, von Lisa Lutz
Head Games, von Craig MacDonald
The Blade Itself, von Marcus Sakey

Barry (erschienen 2007 in den USA):

Missing Witness, von Gordon Campbell
Big City, Bad Blood, von Sean Chercover
In the Woods, von Tana French
The Spellman Files, by Lisa Lutz
The Collaborator of Bethlehem, von Matt Beynon Rees
The Blade Itself, von Marcus Sakey

Insgesamt also neun verschiedene Bücher für 16 Nominierungen. In the Woods von Tana French, Edgar Gewinner und einer der Stars der Saison und, nachdem ich es gelesen habe, gar nicht so überraschend The Spellman Files von Lisa Lutz wurden für alle drei Preise nominiert. Dieses Jahr mindestens einen Krimipreis gewonnen haben The Collaborator of Bethlehem von Matt Beynon Ress und Big City, Bad Blood von Sean Chercover, sie sind ebenso wie das in den USA gehypete The Blade Itself von Marcus Sakey für zwei der Preise nominiert.

Damit sind wohl auch die Bücher herausgehoben, welche die größte Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit bekommen haben. Lisa Lutz Buch (deutsch: Miss Undercover: Ein Familienroman) ist international recht erfolgreich und wird nicht nur in Deutschland nicht als Krimi vermarktet, Es erzählt keine sehr handlungsreiche Geschichte, sondern beschreibt eine Familie mit ihren schrägen Mitgliedern und reichlich eigentümlichen Interaktionen. Es ist ein ganz vorzügliches Buch, aber als Krimi hat es nicht gerade seine Meriten. Ganz anders natürlich In the Woods (deutsch: Grabesgrün) von Tana French, ein Buch das die Leserschaft spaltet. Einige irritiert das verhältnismäßig offene Ende, viele sind angetan von seiner düsteren Atmosphäre. Es bewegt sich gekonnt zwischen den verschiedenen Subgenre und lässt sich als Psychothriller, als Kreuzung zwischen Whodunnnit und Ellroys Black Dahlia lesen.Ähnlich komplett ist Big City, Bad Blood (das im Gegensatz zu den beiden vorgenannten Bücher noch für den Shamus nominiert ist, so dass es auch beim Bouchercon mit drei Nominierungen aufwarten kann) von Sean Chercover, in dem sich ein Privatdetektive marlowescher Prägung in einen Thriller moderner Machart hinein verpflanzt sieht, eine spannende Geschichte die Chercover mit Humor und Gespür für Menschen erzählt.

Auch Marcus Sakey versucht mit The Blade Itself (Deutsch: Der Blutzeuge) dem Trend des stilistischen Mixes zu folgen. Ein wenig Noir, der Rückbezug zur gemeinsamen Jugend a la Mystic River und ein furioses Finale können aber nicht ganz verbergen, dass die Hauptfigur etwas blass und der Mix etwas gewollt wirkt. The Collaborator of Bethlehem (Deutsch: Der Verräter von Bethlehem) erzählt eine Geschichte aus Palästina. Auch wenn Palästinenser unter sich sind, könnte dem Leser vor Zorn der Kamm schwellen und er/sie übersehen, dass das Rätsel dünn und die Gründlichkeit im Denken beim detektivischen Lehrer nicht die ist, de er von seinen Schülern einfordert.

Lediglich für den Macavity nominiert ist Joe Hills The Heart-Shaped Box (Deutsch: Blind). Der Gewinner des Bram Stoker und des ITW (International Thriller Writer) Awards lässt Geister auftreten die unangreifbar wirken. Um diese stimmig aufgebaute und spannende Geschichte, die aber mit überraschend gut gezeichneten Charakteren aufwartet, werden klassische Krimileser sicher einen Bogen machen. Ebenfalls nur für den Macavity nominiert ist Stealing the Dragon von Tim Maleeny. Das Buch lebt ein wenig von der Exotik Südostasiens und der Chinatowns San Franziskos, entwickelt eine komplexe Geschichte, zeigt gelungenes Handwerk, stimmige Charaktere, ist herzenswarm und unterhält mit einigen überraschenden Wendungen und einem packenden Finale.

Nur für den Anthony ist Head Games von Craig MacDonald nominiert, das ambitioniert geschriebene Buch war auch für den Edgar nominiert. Es ist ein turbulenter Road Movie, bei dem es um den verschwundenen Schädel eines der mexikanischen Helden im Kampf gegen die USA geht. Es ist vollgepumpt mit Pulp Fiction, 50er Jahre Atmosphäre, Hollywood, Hemingway usw und ist auf eine angenehme, klug beobachtende Art und Weise witzig.

Ebenfalls für den Edgar nominiert war Missing Witness von Gordon Campbell, das nun für den Barry nominiert ist. Von einer originellen juristischen Finte ausgehend, entwickelt sich ein Courthousedrama mit starken Whodunnitelementen das voller überraschender Wendungen ist und den Bundesstaat Arizona in starkes Licht taucht.

Voraussagen über die Gewinner scheinen schwierig und ehrlich gesagt führen sie auch zu wenig. Meiner Meinung nach sind In the Woods und Big City, Bad Blood die stärksten der hier versammelten Bücher, sie teilen möglicherweise die Preise unter sich auf. The Collaborator von Bethlehem und The Blade Itself sind wohl nach den Erfolgen und Belobigungen Chancen einzuräumen, da bleiben wohl für die gelungenen und eigenständigen Head Games und Missing Witness wenig Chancen,

bernd

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