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Archive for the ‘Macavity’ Category

Wie auch schon von Axel Bussmer mitgeteilt, sind (dieses Jahr schon relativ früh) die Bücher bekannt gegeben worden, die von Mystery Readers International für die 2009 Macavity Awards nominiert worden sind:

Bestes Buch:

  • Trigger City von Sean Chercover
  • The Draining Lake (deutsch: Kältezone) von Arnaldur Indridason
  • Where Memories Lie von Deborah Crombie
  • The Cruelest Month (deutsch: Der grausame Monat) von Louise Penny

Deborah Crombie war auch letztes Jahr nominiert, Trigger City sollte dieses Jahr noch öfter nominiert werden, Declan Hughes und Lisa Lutz waren für den Edgar nominiert, Louise Penny hat zum zweiten Mal in Folge den  Agatha gewonnen, Arnaldur Indridason hat 2005 den Dagger gewonnen und ist auch bei uns kommerziell erfolgreich und Louise Ure ist Bloggerin bei murderati und gewann mit ihren ersten Buch den Shamus 2006 in der Kategorie Bestes erstes Buch.

Anders als bei den meisten anderen Preisen treten hier Taschenbücher und Hardcover gemeinsam an, wie in den meisten Jahren sind Taschenbücher dieses Jahr nicht vertreten.

Bestes Erstes Buch:

  • Finding Nouf von Zoe Ferraris
  • The Girl with the Dragon Tattoo von Stieg Larsson
  • Death of a Cozy Writer von G.M. Malliet
  • An Innocent Client von Scott Pratt
  • A Carrion Death von Michael Stanley
  • The Blood Detective von Dan Waddell

Calumet City war für den Edgar und ist für den ITW nominiert, der Triumph von Stieg Larsson ist vermutlich nicht aufzuhalten, Finding Nouf war -> hier schon von Jürgen (aka Billabong) für den Edgar gefordert worden, Death of a Cozy Writer hat gerade den Agatha gewonnen. Die weiteren Titel sagen mir nichts.

Sue Feder Memorial Historical Mystery:

  • A Royal Pain von Rhys Bowen
  • Stealing Trinity von Ward Larsen
  • The Whiskey Rebels von David Liss
  • Veil of Lies von Jeri Westerson
  • Company of Liars von Karen Maitland
  • Nox Dormienda von Kelli Stanley

Her Royal Pain ist ein weiterer Maisie Dobbs-Nachkömmling, und David Liss gewann mit seinem Erstling A Conspiracy of Paper 2001 Edgar, Barry, Macavity und war für den Anthony nominiert.

Die Preisvergabe erfolgt im Oktober.

bernd

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Die Gewinner für die Macavitys sind bekannt gegeben worden, es kam wie es kommen musste.

Gewinner in der Kategorie Bestes Buch:

Gewinner in der Kategorie Bestes Erstes Buch:

Überraschungen sehen anders aus. Die weiteren nominierten Bücher können -> hier und  -> hier nachgelesen werden.

Mit Dank an Rap Sheet.

bernd

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Zum Abschluss der Vorstellung der Kandidaten der Barry, Macavity und Anthony Awards, die zwischen 9. und 12.Oktober in Baltimore beim Bouchercon vergeben werden, nun die Kategorie Bestes Buch (nach Bestes Erstes Buch und Bestes Taschenbuch). Beim Macavity beinhaltet diese Kategorie auch die Taschenbücher – wie dieses Jahr Blood of Paradise von Davis Corbett.

Folgende Bücher sind dieses Jahr nominiert:
Macavity

Soul Patch, von Reed Farrel Coleman
The Unquiet, von John Connolly
Blood of Paradise, von David Corbett
Water Like a Stone, von Deborah Crombie
What the Dead Know, von Laura Lippman

Anthony

Tin Roof Blowdown, von James Lee Burke
Bad Luck and Trouble, von Lee Child
The Watchman, von Robert Crais
Thunder Bay, von William Kent Krueger
What the Dead Know, von Laura Lippman

Barry

Soul Patch, von Reed Farrel Coleman
The Unquiet, von John Connolly
Down River, von John Hart
Dirty Martini, von J.A. Konrath
What the Dead Know, von Laura Lippman
Red Cat, von Peter Spiegelman

16 Nominierungen und 12 verschiedene Bücher also, einzig What the Dead Know ist für alle drei Preisen nominiert. Schon Anfang des Jahres war zu lesen, dass dieses Buch jeden der diesjährigen Preise gewinnen sollte, ganz so kam es bisher nicht, aber tatsächlich könnte es Lippmans Wochenende werden. The Unquiet und Soul Patch sind bei Barry und Macavity nominiert, so dass diese beiden Preise insgesamt drei nominierte Bücher teilen.

What the Dead Know ist ein weiteres dieser so unscheinbar daher kommenden Bücher Laura Lippmans, die wenig vordergründige Spannung bieten und doch spannend sind und die scheinbar simpel, aber doch eindeutig intelligent geschrieben sind. Es erzählt die Geschichte einer Frau, die 30 Jahre nachdem zwei Mädchen für immer spurlos verschwanden, auftaucht und behauptet eine der beiden zu sein. Lippman nutzt diese Geschichte um die Leben der Personen der Umgebung des Mädchens nach zu erzählen, gleichzeitig bleibt beim Leser aber immer dieser nagende Zweifel, was er nun glauben dürfe. The Unquiet von John Connolly hat einen Touch von „otherworldliness“. Gestalten tauchen in diesem Buch auf, das von Kindesmissbrauch handelt, die scheinen nicht von dieser Welt zu sein. Das vermittelt insgesamt so eine Stimmung von Gedrängtheit und Getriebenheit und zerstört doch nicht die Realitätstüchtigkeit des Buches, das auch noch humorvoll ist und und in einer lyrischen Sprache erzählt ist, die Connelly als großen Stilisten ausweist.

Soul Patch von Reed Farrel Coleman ist ohne Zweifel dominiert vom Protagonisten und seiner Gedankenwelt, die ihn lähmt und ihm den Schlaf raubt. Dieses kennt man auch von anderen Autoren und Büchern, selten aber schafft es ein derartiger Stil, einen stimmigen, auch nur halbwegs komplexen Plot ans Tageslicht zu fördern. Dieser Geschichte von alten Freundschaften, Treu und Glauben gelingt das. Auch Red Cat von Peter Spiegelman ist vom Protagonisten und seinen Konflikten dominiert und auch hier gibt es einen stimmigen Plot mit komplexen Gefüge. John March, Expolizist und Privatdetektiv, von seinem Bruder gebeten bei einer delikaten Angelegenheit zu helfen, muss ins New Yorker Künstlermilieu eintauchen. Zwischen Hinterhof und dezenter Nobelgalerie angesiedelt, produzieren dort, mal arrogant, mal unsicher auftretend mehr oder wenig hyppe Künstler Videokunst und Performance oder spielen im Theater. Es ist auch ein Buch, bei dem Sprache und Atmosphäre überzeugen. Im direkten Vergleich gefällt es mir noch etwas besser.

Bei David Corbetts Blood of Paradise (eines der sechs Bücher, die diese Wochenende insgesamt dreimal nominiert sind) dreht es sich dagegen um die große Politik. Das Buch erzählt die Geschichte eines Bodyguards in El Salvador, der zwischen die verschiedenen Parteien in einem Land gerät, in dem offiziell Frieden und de facto eine Form von Bürgerkrieg herrscht. Es ist eine vielschichtige, kompromisslose und beseelte Darstellung einer Realität, an der die USA und ihre diversen geheimen Dienste nicht ganz unschuldig sind. Auch The Tin Roof Blowdown von Altmeister James Lee Burke über die Hurrikans Katrina und Rita ist (zum Teil) ein politisches Buch. Es ist ein Toben und ein Rasen, nicht nur der Naturgewalten, sondern noch viel mehr des Schriftstellers und seines Protagonisten in dieser sprachlich und inhaltlich komplexen Geschichte.

In Lee Childs Bad Luck and Trouble ist Jack Reacher, der Held der Serie diesmal nicht allein tätig, sondern Teil einer Gemeinschaft von alten Kameraden der Militärpolizei. Wie gewohnt, schafft es Child diese Balance zwischen Rätsel und Thrill zu wahren, die ihn auszeichnet. Es ist etwas mehr Zahlenspielerei als sonst und das Buch wirkt schon beinahe politisch, nicht nur, dass Reacher nicht mit Alaska Airline fliegen mag, da diese dem Bordmenü Bibelsprüche beilegen und dass die ehemaligen Soldaten, die besten ihres Faches, doch alle irgendwie haltlos und verloren wirken, auch die Bush-Administration bekommt ihr Fett ab. Joe Pike in Robert Crais The Watchman erinnert entfernt an Jack Reacher, ohne dessen detektivische Qualitäten, nonchalanten Esprit und Köperhaftigkeit zu erreichen. In den USA kommt das Buch sehr gut an. Geboten bekommt man ein Stück Lebensgeschichte des sonst zweiten Manns in der Serie um Elvis Cole und eine rasante Geschichte, die sich in ein grandioses Finale steigert. Das alles kurz und knapp, immer mit einem Augenzwinkern, vorgetragen, ohne dass es einen wirklich vom Hocker hauen würde. Pike ist einer dieser Typen, die durch jeden Sturm hindurch schreiten und man ist sich sicher, nicht nur er sondern auch etwaige Schutzbefohlene kommen unbeschadet durch.

Nachdem William Kent Krueger zuletzt mehrere hochdramatische Geschichten in der Serie um Cork O-Connor vorlegte, wirkt Thunder Bay im Vergleich dazu direkt besinnlich. Die Familie und Freunde, insbesondere Henry Meloux, sein väterlicher Freund stehen im Vordergrund. Ein Auftrag, den Cork nicht alleine lösen kann, wird Ausgangspunkt für eine Reise in die Vergangenheit und es entwickelt sich eine packende und ist letztlich herzenswarme Geschichte in der uramerikanische Tugenden wie Familie und Freundschaft ebenso wie kulturelle Toleranz hochgehalten werden. Wenn man so mag ist Deborah Crombie, Water Like Stone das britische Gegenstück. Duncan Kincaid und Gemma James, er Detective Superintendent und sie Detective Inspector, sie geschieden und seine Frau an Krebs verstorben, beide mit einem Kind aus ihren Ehen, leben zusammen und sind über die Weihnachtstage zu seinen Eltern gefahren um dort die Tage zu verbringen. Als seine Schwester den Leichnam eines kleinen Kindes und später sein Sohn eine ermordete Frau finden, müssen Kincaid und Gemma mehr oder weniger zuschauen wie Ronnie Babcock, sein Freund aus Jugendtagen die Ermittlungen leitet und eher heimlich wie Privatdetektive eigene Ermittlungen anstellen. Auszeichnen tut das Buch seine „Britishness“, der Ton, die Dialoge, die Darstellung. Ein Brite mag Mängel finden, aber es ist ja ein amerikanischer Krimipreis.

Down River von John Hart ist der diesjährige Gewinner des Edgars, literarisch will er sein, ein Thriller zudem. Nicht nur ich fand den literarischen Teil ein wenig gewollt. Am Ende überzeugt diese Geschichte von Einen der nach Jahren der Abwesenheit heimkehrt und den sie für ein früheres Verbrechen verantwortlich machen, als nahe am Mystery weilendes, im Grunde überraschend gradliniges, die Atmosphäre der ländlichen Region North Carolinas beschwörendes Buch, welches das klassische Familienthema nutzt, um dem Thrill ein Rückgrat zu geben. Ein ganz anderer Thriller ist Dirty Martini von J.A. Konrath. Der Humorkrimi beschreibt die Jagd nach einen Killer, der erst in kleinem Maßstab mit Botulinustoxin Lebensmittel vergiftet und dann mit der Drohung Gifte im großen Maßstab einzusetzen, Geld zu erpressen versucht. Anders als viele derartige Bücher, findet sich hier nicht nur überdrehte Beschreibungen, überbordernden Darstellungen und treten Personen auf, die nicht unbedingt plastisch aber plakativ dargestellt sind und sich zur Illustration von Sachverhalten unseres Lebens eignen, sondern all dieses ist um einen knackigen Thrillerplot gespannt.

Auch hier gilt, dass eine vernünftige Vorhersage über den Ausgang nicht möglich ist. Der Mcavity Award scheint mir die stärkte Truppe am Start zu haben, wenn What the Dead Know wohl (angesichts der Publikumsbegeisterung) auch leicht vorne liegt, dürften Soul Patch, The Unquiet und Blood of Paradise (in dieser Reihenfolge) doch Chancen besitzen. Ähnlich gut ist das Feld beim Macavity besetzt, gerne sähe ich Red Cat vorne, aber ich fürchte dieses wunderbare Buch hat nur Außenseiterchancen. Die Chancen von Down River kann ich nicht einschätzen,nach dem Gewinn des Edgars ist alles möglich, aber besonders stark ist das Buch nicht. The Tin Roof Blowdown, das für den Anthony nominiert ist, ist meiner Meinung nach das stärkste Buch überhaupt, aber angesichts dass der Anthony ein Publikumspreis ist, wird wohl Lippman hier das Rennen machen,

bernd

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Zwischen 9. und 12.Oktober findet in Baltimore die Bouchercon statt, eine jährliche Veranstaltung des Genres bei der sich Autoren, Verlagsmenschen, Kritiker und Leser treffen. Dabei werden auch vier der bedeutenden US-Amerikanischen Krimipreise vergeben: Anthony, Macavity, Barry und Shamus Awards. Letzterer richtet sich an Krimis mit Privatdetektiv, während die anderen drei das gesamte Genre abbilden, von ihrer Ausrichtung her einige Gemeinsamkeiten teilen und allesamt eher mainstreamige Bücher und Autoren bevorzugen.Die diesjährigen Kandidaten für diese Preise möchte ich getrennt nach den drei Kategorien gemeinsam besprechen. Den Anfang machen die Bücher der Kategorie Bestes Erstes Buch, die Nominierten der beiden anderen Kategorien folgen in den nächsten beiden Wochen.

Folgende Bücher sind dieses Jahr nominiert:

Macavity

In the Woods, von Tana French
Heart-Shaped Box, von Joe Hill
The Spellman Files, von Lisa Lutz
Stealing the Dragon, von Tim Maleeny
The Collaborator of Bethlehem, von Matt Beynon Rees

Anthony

Big City, Bad Blood, von Sean Chercover
In the Woods, von Tana French
The Spellman Files, von Lisa Lutz
Head Games, von Craig MacDonald
The Blade Itself, von Marcus Sakey

Barry (erschienen 2007 in den USA):

Missing Witness, von Gordon Campbell
Big City, Bad Blood, von Sean Chercover
In the Woods, von Tana French
The Spellman Files, by Lisa Lutz
The Collaborator of Bethlehem, von Matt Beynon Rees
The Blade Itself, von Marcus Sakey

Insgesamt also neun verschiedene Bücher für 16 Nominierungen. In the Woods von Tana French, Edgar Gewinner und einer der Stars der Saison und, nachdem ich es gelesen habe, gar nicht so überraschend The Spellman Files von Lisa Lutz wurden für alle drei Preise nominiert. Dieses Jahr mindestens einen Krimipreis gewonnen haben The Collaborator of Bethlehem von Matt Beynon Ress und Big City, Bad Blood von Sean Chercover, sie sind ebenso wie das in den USA gehypete The Blade Itself von Marcus Sakey für zwei der Preise nominiert.

Damit sind wohl auch die Bücher herausgehoben, welche die größte Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit bekommen haben. Lisa Lutz Buch (deutsch: Miss Undercover: Ein Familienroman) ist international recht erfolgreich und wird nicht nur in Deutschland nicht als Krimi vermarktet, Es erzählt keine sehr handlungsreiche Geschichte, sondern beschreibt eine Familie mit ihren schrägen Mitgliedern und reichlich eigentümlichen Interaktionen. Es ist ein ganz vorzügliches Buch, aber als Krimi hat es nicht gerade seine Meriten. Ganz anders natürlich In the Woods (deutsch: Grabesgrün) von Tana French, ein Buch das die Leserschaft spaltet. Einige irritiert das verhältnismäßig offene Ende, viele sind angetan von seiner düsteren Atmosphäre. Es bewegt sich gekonnt zwischen den verschiedenen Subgenre und lässt sich als Psychothriller, als Kreuzung zwischen Whodunnnit und Ellroys Black Dahlia lesen.Ähnlich komplett ist Big City, Bad Blood (das im Gegensatz zu den beiden vorgenannten Bücher noch für den Shamus nominiert ist, so dass es auch beim Bouchercon mit drei Nominierungen aufwarten kann) von Sean Chercover, in dem sich ein Privatdetektive marlowescher Prägung in einen Thriller moderner Machart hinein verpflanzt sieht, eine spannende Geschichte die Chercover mit Humor und Gespür für Menschen erzählt.

Auch Marcus Sakey versucht mit The Blade Itself (Deutsch: Der Blutzeuge) dem Trend des stilistischen Mixes zu folgen. Ein wenig Noir, der Rückbezug zur gemeinsamen Jugend a la Mystic River und ein furioses Finale können aber nicht ganz verbergen, dass die Hauptfigur etwas blass und der Mix etwas gewollt wirkt. The Collaborator of Bethlehem (Deutsch: Der Verräter von Bethlehem) erzählt eine Geschichte aus Palästina. Auch wenn Palästinenser unter sich sind, könnte dem Leser vor Zorn der Kamm schwellen und er/sie übersehen, dass das Rätsel dünn und die Gründlichkeit im Denken beim detektivischen Lehrer nicht die ist, de er von seinen Schülern einfordert.

Lediglich für den Macavity nominiert ist Joe Hills The Heart-Shaped Box (Deutsch: Blind). Der Gewinner des Bram Stoker und des ITW (International Thriller Writer) Awards lässt Geister auftreten die unangreifbar wirken. Um diese stimmig aufgebaute und spannende Geschichte, die aber mit überraschend gut gezeichneten Charakteren aufwartet, werden klassische Krimileser sicher einen Bogen machen. Ebenfalls nur für den Macavity nominiert ist Stealing the Dragon von Tim Maleeny. Das Buch lebt ein wenig von der Exotik Südostasiens und der Chinatowns San Franziskos, entwickelt eine komplexe Geschichte, zeigt gelungenes Handwerk, stimmige Charaktere, ist herzenswarm und unterhält mit einigen überraschenden Wendungen und einem packenden Finale.

Nur für den Anthony ist Head Games von Craig MacDonald nominiert, das ambitioniert geschriebene Buch war auch für den Edgar nominiert. Es ist ein turbulenter Road Movie, bei dem es um den verschwundenen Schädel eines der mexikanischen Helden im Kampf gegen die USA geht. Es ist vollgepumpt mit Pulp Fiction, 50er Jahre Atmosphäre, Hollywood, Hemingway usw und ist auf eine angenehme, klug beobachtende Art und Weise witzig.

Ebenfalls für den Edgar nominiert war Missing Witness von Gordon Campbell, das nun für den Barry nominiert ist. Von einer originellen juristischen Finte ausgehend, entwickelt sich ein Courthousedrama mit starken Whodunnitelementen das voller überraschender Wendungen ist und den Bundesstaat Arizona in starkes Licht taucht.

Voraussagen über die Gewinner scheinen schwierig und ehrlich gesagt führen sie auch zu wenig. Meiner Meinung nach sind In the Woods und Big City, Bad Blood die stärksten der hier versammelten Bücher, sie teilen möglicherweise die Preise unter sich auf. The Collaborator von Bethlehem und The Blade Itself sind wohl nach den Erfolgen und Belobigungen Chancen einzuräumen, da bleiben wohl für die gelungenen und eigenständigen Head Games und Missing Witness wenig Chancen,

bernd

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Nicht nur von Mexiko aus übers Land drängen zahllose Menschen über die zunehmend abgeriegelte Grenze in die USA, sondern auch aus China übers Meer ziehen die Menschen in das für sie gelobte Land. Einmal dort eingetroffenen, müssen sie als Illegale im Lande die zumeinst horrenden Gebühren der Schlepper abarbeiten. In A Bitter Feast hatte R.S. Rozan dieses Thema und die sich wandelnde Struktur der chinesischen Immigranten dargestellt.

Viele der chinesischen Einwanderer bleiben in Kalifornien. So hat San Franzisco die größte Chinatown des Landes (deren Expansion über die Jahre hat Domenic Stansberry in Chasing the Dragon dargestellt) und die Asian American stellen mittlerweile ein Drittel der Population der Stadt.

Tim Malleny nimmt in seinem sehr gelungenem Erstling, Stealing the Dragon diese Themen auf. Eins dieser Schiffe, der Bauch voll mit Emigranten, läuft vor San Franzisco auf Grund. Dabei muss, wie sich ‚rausstellt, jemand an Bord gewesen sein, der asiatische Kampftechniken beherrscht, denn von der Besatzung ist nicht mehr viel übrig.

Einer der mit der Sache befassten Polizeibeamten wendet sich deshalb an Cape Weathers, einem ehemaligen Journalisten mit Lizenz als Privatdetektiv, denn der hat eine Bekannte in Chinatown, die genau diese Fertigkeiten besitzt. Doch diese Frau ist verschwunden. Und während sich Cape in der Vergangenheit darauf verlassen konnte, dass sie ihm den Rücken freihielt, wenn er sich in dem fremden Terrain der Chinatown bewegte, ist er diesmal auf sich allein gestellt, als er sich dort auf die Suche nach ihr und dem Geheimnis des Schiffes macht.

Als Leser neigt man ein wenig dazu, dieses Buch zwar zu schätzen, aber doch nicht ganz ernst zu nehmen. Ein wenig schnoddrig ist der Ton und entspricht damit Capes Persönlichkeit, der zwar offensichtlich ein guter Detektiv ist, aber mit seiner Kleidung im späten Studentenstil seine Gegenüber nicht gerade beeindruckt.

Dabei ist es nicht nur in einem flüssigen Stil geschrieben, führt durch die fremde Welt Chinatowns, sondern es ist auch relativ komplex aufgebaut. Es handelt sich ja schließlich um das erste Buch der Serie und liefert auch die Lebensgeschichten seiner zwei Protagonisten. In einem zweiten Erzählstrang wird deshalb die Geschichte dieser asiatischen Freundin dargestellt, von den Anfängen als Fünfjährige über die Zeit in einer Trainingseinrichtung der Triaden bis dann die beiden Stränge in einem dramatisch verdichteten Finale zusammenfinden.

Ob denn nun die Welt so ist, ist dabei zweitrangig. Mit in klosterähnlichen Anlagen zu Killern ausgebildete asiatische Kinder und neunfingrigen Yakuza bedient das Buch gängige Vorstellungen. So viel kommt nicht nach, die Auseinandersetzung mit fremden Kulturen ist eher sekundär.

Nicht ganz auf dem Niveau der allerbesten Erstlinge des Jahres, doch nur wenig darunter, zeigt Stealing the Dragon gelungenes Handwerk, stimmige Charaktere und macht mit ein wenig Herz, einigen überraschenden Wendungen und einem packenden Finale, viel Spass.

bernd

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(Deutsch: Miss Undercover: Ein Familienroman)


Was für ein köstliches Buch. Die Spellmans sind eine Familie welche in ihrer schrägen Eigentümlichkeit ein wenig so wirkt, als käme sie aus einem Buch John Irvins. Die Eltern besitzen ein Detektivbüro, in dem die Kinder schon früh mitarbeiten müssen.

In dieser Familie hat man immer ein Geheimnis, welches man vor einem anderen bewahren möchte und dessen Kenntnis für andere Familienmitglieder ein wertvolles Tauschobjekt darstellt. Das ganze Leben und Denken der Familie ist folglich in den Kategorien Geheimnis und Nachspüren organisiert. Man unterhält sich nicht miteinander, sondern fragt einander aus und selbstverständlich beschattet man einander, wenn man wissen will, was der anderer treibt.

David, der älteste Sohn und perfekte Wunderknabe unterliegt zwar auch dem spell (Bann) der Familie, er ist dennoch der einzige, der ein wenig den Absprung geschafft hat und als Anwalt im einer renommierten Kanzlei arbeitet. Rae, das Nesthäckchen hat schon mit sechs Jahren an Überwachungen mitgemacht; sie wirkt reichlich frühreif, nutzt die Geheimnisse ihrer Geschwister schamlos zu ihrem eigenen Vorteil aus und hatte schon in jungen Jahren gelernt, dass man alles verhandeln kann – auch und gerade Bestrafungen. Ray, der Bruder des Vaters war einst Polizist, lebte ultragesund und hat, nachdem er einen Krebs besiegte, das Rauchen, Saufen, Huren und Glückspielen für sich entdeckt. Gelegentlich muss er von seiner Familie eingefangen werden, wenn er ‚mal wieder für ein Wochenende untertaucht.

Izzy, die erwachsene Tochter ist die Icherzählerin des Buches, ihr Erwachsenwerden dürfte, was die Eltern betrifft, durch den Begriff Albtraum nur unzureichend charakterisiert sein. Mittlerweile ist sie jedoch wertvoller Teil des Büros. Als die Vorstellung von Ex#9 bei den Eltern schief geht, beschließt sie von daheim auszuziehen und das Detektivbüro zu verlassen, muss aber zuvor einen letzten Fall lösen. Es handelt sich um einen zwölf Jahre alten Fall, dessen Spuren mittlerweile reichlich tot sind.

Trotz der Rahmenhandlung und trotz der Tatsache, dass The Spellman Files dieses Jahr in den USA für insgesamt fünf Krimipreise nominiert wurde, als Krimi würde ich es kaum bezeichnen. Ernsthafte Aufklärungsarbeit und Beschäftigung mit dem Bösen sähe anders aus. Diese in Episoden erzählte Familiengeschichte ist einfach ein sehr gutes Buch. So sehr überspitzt die Figuren auch gezeichnet sind, das Ganze kippt nie ins Burleske um, alles wirkt eigentümlich real, etwas das vermutlich an diesen unheimlich knackigen und gelungenen Dialogen liegt. Dabei kennt Lutz die Versatzstücke des Genres, die Verfolgungsfahrten sind spannend, die Informationsbeschaffung originell und die Schlussfolgerungen der Personen gewagt.

Ein garantiert leichenfreies Stück Unterhaltungsliteratur also, dem man die Erfahrung von Lutz mit der Filmindustrie anliest und das weit herausragt, so dass die vielen Nominierungen auch schon wieder verständlich sind. In Deutschland wohl gänzlich anders vermarktet („Zielgruppe: junge Menschen, vor allem Frauen, die Unterhaltungsliteratur suchen„). Nichtsdestotrotz: Dicke Empfehlung. Vorsicht jedoch, wer Bücher bierenst will, wird schimpfen.

bernd

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(Deutsch: So will ich schweigen)

Das Britische, seine Kultur und seine Krimistilistik scheinen einen gewissen Reiz auf US-Amerikaner auszulösen. Deborah Crombie ist eine weitere lupenreine Amerikanerin, Texanerin zudem, die britische Krimis „almost in an classical mode“ schreibt. Im Zentrum ihrer Bücher stehen Duncan Kincaid und Gemma James, er Detective Superintendent und sie Detective Inspector Sie ist geschieden und seine Frau ist an Krebs verstorben, beide haben ein Kind aus ihren Ehen, leben zusammen und haben das eigene kurz vor der Niederkunft verloren.

In Water like Stone sind sie jedoch nicht alleine im Zentrum der Aufmerksamkeit. Sie sind zu seinen Eltern gefahren, dort die Weihnachstage zu verbringen. Kincaids Sohn macht Schwierigkeiten in der Schule, Kincaids Schwester hat Probleme mit dem Mann und deren Tochter steckt im Pubertätskampfgetümmel. Als dann erst die Schwester den Leichnam eines kleinen Kindes und später sein Sohn eine ermordete Frau finden, müssen Kincaid und Gemma mehr oder weniger zuschauen wie Ronnie Babcock, sein Freund aus Jugendtagen die Ermittlungen leitet und eher heimlich wie Privatdetektive eigene Ermittlungen anstellen.

Man könnte fortsetzen, das Gespinst welches Crombie spinnt zu beschreiben, ihre Absicht jedoch, die aktuelle Handlung mit den Problemen der Personen zusammen zu bringen und psychologisch aufzuladen, dürfte deutlich geworden sein. Das macht sie auch soweit gut. Die Welt, so kann man ja argumentieren, besteht nun nicht nur aus den gewaltgewöhnten Gettokindern sondern auch aus denen der Mittelschicht und diese und ihre Eltern werden hier beschrieben.

Auszeichnen tut das Buch allerdings seine „Britishness“, der Ton, die Dialoge, die Darstellung. Ein Brite mag Mängel finden, ich find’s überzeugend. Dabei spielt Water like Stone in einer sehr typische Region England: Die Shropshire mit ihren schiffbaren Kanälen auf denen zu früheren Zeiten Güter transportiert wurde und heute Hobbyschiffer mit ihren Narrowboats unterwegs sind.

Ein Buch also mit profunder Atmosphäre, welches einen mehr oder weniger klassischen Whodunit um eine mit Brüchen versehene Familie gruppiert, dabei die Personen überzeugend darstellt, allerdings mit einer Auflösung aufwartet, die, nun, nicht gänzlich unerwartet ist.

Kein Buch, das den Lesehorizont verändert, aber eines das zeitgemäße gute Unterhaltung bietet. Zu Büchern dieser Art gehört es mittlerweile auch, dass sie Hoffnung auf Besserung bieten, aber keine heile Welt liefern.

bernd

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