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Archive for Dezember 2007

Guten Rutsch !

Trebuchet und Feuerwerk

Ich wünsche allen, die hier gelegentlich oder regelmäßig vorbeikommen, um zu lesen oder auch einen Kommentar abzugeben, zu schimpfen oder zu loben einen Guten Rutsch und einen Guten Anfang im neuen Jahr … und natürlich Bücher, über die es zu diskutieren lohnt.

bernd

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Stille Helden

Zum Jahresausklang soll es noch einmal um Autoren gehen, die zwar Qualität haben, die aber zu wenig Würdigung erfahren. Inspiriert durch einen Beitrag bei murderati suchte auch Peter Rozovsky in einem Beitrag nach diesen „unbesungenen Helden“. Während der murderati-Beitrag mehr auf amerikanische Autoren fokusiert und Namen wie Eugene Izzi (der als Gaitan, seinem Pseudonym auch als Kneipenname in Ian Rankins Dead Souls auftaucht) oder Daniel Woodrell nennt, achtet Peter getreu des Titels seines Blogs „detectives beyond borders“ mehr auf internationale Autoren; Namen wie Matt Beynon Ree oder Bill James, werden hier genannt.

Da in den Regalen der amerikanischen Buchhandlungen häufig rassische Segregation herrscht, könnte man aus der Entfernung noch Iceberg Slime, als einen der Klassiker der amerikanischen Krimiliteratur anfügen.

Ich bin sicher, jedem von uns fielen einige Autoren ein, ceterum censeo Ken Bruen. Darüberhinaus bekommen aber einige der amerikanischen Klassiker offensichtlich bei uns nicht die Aufmerksamkeit, die ein kontinuierliches Erscheinen ihrer Bücher in deutscher Sprache sichern würde. George P. Pelecanos, Jan Burke oder auch T. Jefferson Parker zum Beispiel.

Ein Buch ist zuletzt erschienen, da könnte man’s besser machen; und wie Axel Bussmer bin auch ich ein wenig überrascht, dass es nicht in der KrimiWelt-„Bestenliste“ auftaucht – aber vielleicht ist der Autor, ein weiterer der großen Klassiker der USA und ein ebenso großer Stilist, den Juroren auch unbekannt ?

Thomas H. Cook Red Leaves (deutsch: Das Gift des Zweifels). Das Buch übrigens mit dem Cook seinen (späten) Durchbruch in Großbritannien hatte.

bernd

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bei -> Arte gibt es ab heute die Krimiwelt-Bestenliste des Monats Januar 2008.

1. Martin Cruz Smith: Stalins Geist

2. Jean-Patrick Manchette/Jean-Pierre Bastid: Lasst die Kadaver bräunen!

3. James Sallis: Driver

4. Ian Rankin: Im Namen der Toten

5. Arne Dahl: Ungeschoren

6. Charles Todd: Zeit der Raben

7. Gianrico Carofiglio: Das Gesetz der Ehre

8. Oliver Bottini: Im Auftrag der Väter

9. Marek Krajewski: Gespenster in Breslau

10. Rick DeMarinis: Kaputt in El Paso

Die heißen Lüfte, die John S. Coopers Das 5. Flugzeug nach oben trugen, scheinen sich verflüchtigt zu haben. Neu in der Liste ist das unter dem Pseudonym Charles Todd schreibende Mutter/Sohnpaar, dessen Romane im Großbritannien kurz nach dem „großen Krieg“, dem ersten Weltkrieg also, angesiedelt sind, die jedoch nach eigener Aussage an der Ostküste der USA leben.

Gespannt kann man ja langsam auf den DKP (Deutscher Krimipreis) sein, dessen Preisträger bald bekannt gegeben werden sollte. Nachdem es eine gewisse Übereinstimmung der Juoren gibt, können die Arte/Welt-Listen als Fingerzeig dienen. Überraschen würde es mich, wenn Driver von James Sallis nicht gewänne und wenn Oliver Bottinis Im Auftrag der Väter nicht einen der deutschen Preise bekäme.

Vier der Zehn Bücher sind übrigens TB-Ausgaben, die restlichen Hardcover. Ein Buch ist aus deutscher Produktion.

Es wäre übrigens schön, wenn auf der Arteliste bei übersetzten Titeln nicht nur der Übersetzer angegeben wäre, sondern auch der Titel der Originalausgabe, denn gelegentlich hängt die deutsche Ausgabe mehrere Titel hinter dem aktuellen Werk eines übersetzten Autors hinterher.

bernd

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Ein Scharmützel und die anschließend angemessene Erläuterung auf dem Blog vom Bremer Sprachblogger gibt mir Gelegenheit ein Zitat loszuwerden, das ich schon lange Zeit mit mir herumtrage:

A series of readings and discussions that celebrate the body of literature written by women across the African diaspora—African-American, Afro-Caribbean, Afro-Latina, Afro-European, and continental African.

aus the new school

Anatol Stefanowitch hatte Malcom X als schwarz bezeichnet, was zur Replik führte, dass dieser Begriff eine beleidigende Konnotation hätte und „farbig“ neutraler wäre. Später verwies Anatol Stefanowitch darauf, dass mittlerweile „african-american“ der „state of the art“-Begriff sei. Er schrieb, dass Kreise, die Schwarzen gegenüber ein „Galanteriespiel“ betrieben, die Verschiebung der Begriffe nigger -> black – african american verursacht hätten.

Das ist sicher richtig, birgt jedoch ein wenig die Gefahr, dass man die Bedeutung übersieht, die dem Begriff „african american“ innewohnt. Hier ist mehr im Spiel als politische Korrektheit. Mit diesen Wort kommt der Bezug der schwarzen Amerikaner (oder zumindest eines Teil von ihnen) auf ihre afrikanischen Wurzeln zum Ausdruck (siehe das obige Zitat). Spätestens mit der Bürgerrechtsbewegung der 60er Jahre kam das Bewusstsein, dass die Schwarzen nicht freiwillig nach Amerika gekommen, sondern dorthin verschleppt worden waren und dass die amerikanische Gesellschaft keinen Platz für sie hat(te).

Im Begriff der Diaspora, der sich ursprünglich auf die Vertreibung der Juden bezog, kommt die Vorstellung der Heimatlosigkeit und des mythischen Ortes der Heimat zum Ausdruck. Aber anders als die Juden werden die meisten schwarzen Amerikaner kein reales Interesse daran haben, tatsächlich nach Afrika zurückzukehren.

Da man mit molekularbiologischen Methoden relativ einfach genetische Wurzeln auffinden und Stammbäume rekonstruieren kann, hat sich mittlerweile ein Gewerbe (-> hier, -> hier, -> hier) gebildet, das einen Nachweis der afrikanischen Wurzeln erlaubt. Es scheint zu florieren und bietet seine Dienste für gutes Geld an (400 $ für die väterliche oder mütterliche Wurzel scheint mir ein stolzer Preis. Zumal, wenn man nur vier Generationen zurückgeht, man ja schon 16 Wurzeln, 8 mütterliche und 8 väterliche hat. Dass das also Bauernfängerei auf hohem Niveau ist).

Zwei Bücher fallen mir auf die Schnelle ein, die das Thema der afrikanischen Wurzeln aufgreifen: Eleanor Taylor Blands Fatal Remains und Clyde W. Fords The Long Mile.

bernd

PS Von den weißen Einsprengseln vieler Afroamerikaner ganz zu schweigen.

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Gregory Huffstutter arbeitet bei einer Marketingagentur. Sein Erfolg beruht auch darauf, dass er weiß, wo der Einsatz von Werbung/Marketing sich für seine Kunden lohnt. Auf M.J. Rose Blog Buzz, Balls & Hype macht er sich Gedanken über die voraussichtlich „heißesten“ Internettrends des kommenden Jahres. Etwas das uns als Verbraucher auch interessieren sollte. Die Schnelllebigkeit von Trends im Internet bereite Marketingleuten Probleme. Kaum hätten sie sich auf einen Trend eingeschossen, schon gibt es wieder einen neueren.

Zwei Dinge, so meint Huffstutter, werden bei der Internetnutzung und – werbung in den USA herausragen und auch die Werbebemühungen seiner Kunden beeinflussen.

Zum einen die Sozialen Netzwerke, wie MySpace oder Crimespace, die schon 2007 rasant gewachsen sind und die auch 2008 (ebenso wie die Werbeausgaben) deutliche Zuwächse verzeichnen werden:

As it was, social networking dominated 2007, following several years of huge growth, and it will again dominate in 2008, as the big internet wave. This will occur against a backdrop of rising broadband penetration and double-digit growth in ad spending.

Auch wenn noch nicht klar ist, wie die Werbewirtschaft an diesem Erfolg Teil haben kann und wie sie solche Netzwerke nutzen kann, stellen sie „interessante Ziele“ dar. Insbesondere bei Jugendlichen wird der schon hohe Anteil an Nutzern solcher Dienste weiter steigen.

EMarketer is forecasting that the percentage of U.S. adult internet users visiting social networks at least once a month will grow from 37 percent in 2007 to one half of the adult internet population in 2011. Among teens, eMarketer forecasts a rise from 70 percent to 84 percent in the same period.

Internetvideos stellen einen weiteren interessanten Trend dar. Plattformen wie YouTube sind noch relative junge Phänomene. Auch hier ist sich die Werbewirtschaft noch unsicher, wie sie solche Videos für ihre eigenen Zwecke nutzen soll.

The challenge will be in coming up with an advertising model uniquely suited to online video. Is it TV? Is it the movies? Is it the internet? Or is it something entirely different? What forms of ads work best?

Grundsätzlich ist es so, dass solche Medien dem Bestreben der Werbewirtschaft entgegenkommen, den Effekt ihrer Mittel quantifizieren zu können, so dass klassische Formen der Internetwerbung (Popups, Banner u.A.) seltener werden werden:

In fact, Atwood sees the move into online video as part of a larger trend. Advertisers, he believes, are beginning to move their ad money away from traditional forms of online advertising, like popups, banner ads and listings. Instead they are moving more money into paid search, email and online video. This is something that he expects to continue in 2008.

“These areas are all popular because they are easier to measure, and easier to calculate return on investment,” … .

Neugierig kann man sein, mit welcher Verspätung das Internetvideo auch nach Deutschland kommt.

bernd

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Weihnachtsgrüße

Tom Waits – Christmas Card From a Hooker in Minneapolis (live)

Ich wünsche Allen ein schönes Weihnachtsfest !

Und melde mich hier am Donnerstag wieder.

bernd

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Joachim Linder verweist auf eine Tagung der ev. Tutzingen über die bösen brutalen Jugendlichen und ihre Verrohung durch Computerspiele und eine Zusammenfassung dieser Tagung in der Süddeutschen … und siehe da, es ist alles ein wenig komplizierter:

„Je Playstation, desto dümmer. Hier sind methodische Zweifel angebracht: Denn in der Kausalkette von wenig gebildeten Eltern über Bildschirme im Kinderzimmer zu schulischen Leistungsdefiziten könnte man den Einfluss der elektronischen Unterhaltungsmedien ebensogut vernachlässigen.“

Ich fürchte nur, dass der typische Konsument solcher Zeilen, der mit den Computerspielen meint, neben dem „Denglisch“ noch eine zweite Abwehrfront gegen die sich wandelnde Kultur aufmachen zu können, nicht versteht, was
mit „methodischen Zweifeln“ gemeint ist.

Mitunter könnte man ja auch meinen, solche gern gepflegten Urteile der Generation der Älteren sind auch ein Versuch zu vertuschen, dass man vor der Kultur zu kapitulieren beginnt, mit der die Jüngeren zurecht kommen (müssen).

Ich persönlich habe schon immer gerne am Computer gespielt und meine Söhne tun dies auch. So hat der Olaf (6 Jahre) mittlerweile im Kindergarten den Begriff des Trebuchets populär gemacht und Jan (9 Jahre) spielt immer noch gerne gemeinsam mit mir, so hat er auch gelernt, dass in „Civilisation“ und deren Klone, wenn man Erfolg haben will, eine funktionierende Wirtschaft und gute Wissenschaft und nicht exzessive Kriegsführung essentiell sind – fast wie im echten Leben also.

bernd

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