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Archive for Dezember 2007

Guten Rutsch !

Trebuchet und Feuerwerk

Ich wünsche allen, die hier gelegentlich oder regelmäßig vorbeikommen, um zu lesen oder auch einen Kommentar abzugeben, zu schimpfen oder zu loben einen Guten Rutsch und einen Guten Anfang im neuen Jahr … und natürlich Bücher, über die es zu diskutieren lohnt.

bernd

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Stille Helden

Zum Jahresausklang soll es noch einmal um Autoren gehen, die zwar Qualität haben, die aber zu wenig Würdigung erfahren. Inspiriert durch einen Beitrag bei murderati suchte auch Peter Rozovsky in einem Beitrag nach diesen „unbesungenen Helden“. Während der murderati-Beitrag mehr auf amerikanische Autoren fokusiert und Namen wie Eugene Izzi (der als Gaitan, seinem Pseudonym auch als Kneipenname in Ian Rankins Dead Souls auftaucht) oder Daniel Woodrell nennt, achtet Peter getreu des Titels seines Blogs „detectives beyond borders“ mehr auf internationale Autoren; Namen wie Matt Beynon Ree oder Bill James, werden hier genannt.

Da in den Regalen der amerikanischen Buchhandlungen häufig rassische Segregation herrscht, könnte man aus der Entfernung noch Iceberg Slime, als einen der Klassiker der amerikanischen Krimiliteratur anfügen.

Ich bin sicher, jedem von uns fielen einige Autoren ein, ceterum censeo Ken Bruen. Darüberhinaus bekommen aber einige der amerikanischen Klassiker offensichtlich bei uns nicht die Aufmerksamkeit, die ein kontinuierliches Erscheinen ihrer Bücher in deutscher Sprache sichern würde. George P. Pelecanos, Jan Burke oder auch T. Jefferson Parker zum Beispiel.

Ein Buch ist zuletzt erschienen, da könnte man’s besser machen; und wie Axel Bussmer bin auch ich ein wenig überrascht, dass es nicht in der KrimiWelt-„Bestenliste“ auftaucht – aber vielleicht ist der Autor, ein weiterer der großen Klassiker der USA und ein ebenso großer Stilist, den Juroren auch unbekannt ?

Thomas H. Cook Red Leaves (deutsch: Das Gift des Zweifels). Das Buch übrigens mit dem Cook seinen (späten) Durchbruch in Großbritannien hatte.

bernd

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bei -> Arte gibt es ab heute die Krimiwelt-Bestenliste des Monats Januar 2008.

1. Martin Cruz Smith: Stalins Geist

2. Jean-Patrick Manchette/Jean-Pierre Bastid: Lasst die Kadaver bräunen!

3. James Sallis: Driver

4. Ian Rankin: Im Namen der Toten

5. Arne Dahl: Ungeschoren

6. Charles Todd: Zeit der Raben

7. Gianrico Carofiglio: Das Gesetz der Ehre

8. Oliver Bottini: Im Auftrag der Väter

9. Marek Krajewski: Gespenster in Breslau

10. Rick DeMarinis: Kaputt in El Paso

Die heißen Lüfte, die John S. Coopers Das 5. Flugzeug nach oben trugen, scheinen sich verflüchtigt zu haben. Neu in der Liste ist das unter dem Pseudonym Charles Todd schreibende Mutter/Sohnpaar, dessen Romane im Großbritannien kurz nach dem „großen Krieg“, dem ersten Weltkrieg also, angesiedelt sind, die jedoch nach eigener Aussage an der Ostküste der USA leben.

Gespannt kann man ja langsam auf den DKP (Deutscher Krimipreis) sein, dessen Preisträger bald bekannt gegeben werden sollte. Nachdem es eine gewisse Übereinstimmung der Juoren gibt, können die Arte/Welt-Listen als Fingerzeig dienen. Überraschen würde es mich, wenn Driver von James Sallis nicht gewänne und wenn Oliver Bottinis Im Auftrag der Väter nicht einen der deutschen Preise bekäme.

Vier der Zehn Bücher sind übrigens TB-Ausgaben, die restlichen Hardcover. Ein Buch ist aus deutscher Produktion.

Es wäre übrigens schön, wenn auf der Arteliste bei übersetzten Titeln nicht nur der Übersetzer angegeben wäre, sondern auch der Titel der Originalausgabe, denn gelegentlich hängt die deutsche Ausgabe mehrere Titel hinter dem aktuellen Werk eines übersetzten Autors hinterher.

bernd

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Ein Scharmützel und die anschließend angemessene Erläuterung auf dem Blog vom Bremer Sprachblogger gibt mir Gelegenheit ein Zitat loszuwerden, das ich schon lange Zeit mit mir herumtrage:

A series of readings and discussions that celebrate the body of literature written by women across the African diaspora—African-American, Afro-Caribbean, Afro-Latina, Afro-European, and continental African.

aus the new school

Anatol Stefanowitch hatte Malcom X als schwarz bezeichnet, was zur Replik führte, dass dieser Begriff eine beleidigende Konnotation hätte und „farbig“ neutraler wäre. Später verwies Anatol Stefanowitch darauf, dass mittlerweile „african-american“ der „state of the art“-Begriff sei. Er schrieb, dass Kreise, die Schwarzen gegenüber ein „Galanteriespiel“ betrieben, die Verschiebung der Begriffe nigger -> black – african american verursacht hätten.

Das ist sicher richtig, birgt jedoch ein wenig die Gefahr, dass man die Bedeutung übersieht, die dem Begriff „african american“ innewohnt. Hier ist mehr im Spiel als politische Korrektheit. Mit diesen Wort kommt der Bezug der schwarzen Amerikaner (oder zumindest eines Teil von ihnen) auf ihre afrikanischen Wurzeln zum Ausdruck (siehe das obige Zitat). Spätestens mit der Bürgerrechtsbewegung der 60er Jahre kam das Bewusstsein, dass die Schwarzen nicht freiwillig nach Amerika gekommen, sondern dorthin verschleppt worden waren und dass die amerikanische Gesellschaft keinen Platz für sie hat(te).

Im Begriff der Diaspora, der sich ursprünglich auf die Vertreibung der Juden bezog, kommt die Vorstellung der Heimatlosigkeit und des mythischen Ortes der Heimat zum Ausdruck. Aber anders als die Juden werden die meisten schwarzen Amerikaner kein reales Interesse daran haben, tatsächlich nach Afrika zurückzukehren.

Da man mit molekularbiologischen Methoden relativ einfach genetische Wurzeln auffinden und Stammbäume rekonstruieren kann, hat sich mittlerweile ein Gewerbe (-> hier, -> hier, -> hier) gebildet, das einen Nachweis der afrikanischen Wurzeln erlaubt. Es scheint zu florieren und bietet seine Dienste für gutes Geld an (400 $ für die väterliche oder mütterliche Wurzel scheint mir ein stolzer Preis. Zumal, wenn man nur vier Generationen zurückgeht, man ja schon 16 Wurzeln, 8 mütterliche und 8 väterliche hat. Dass das also Bauernfängerei auf hohem Niveau ist).

Zwei Bücher fallen mir auf die Schnelle ein, die das Thema der afrikanischen Wurzeln aufgreifen: Eleanor Taylor Blands Fatal Remains und Clyde W. Fords The Long Mile.

bernd

PS Von den weißen Einsprengseln vieler Afroamerikaner ganz zu schweigen.

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Gregory Huffstutter arbeitet bei einer Marketingagentur. Sein Erfolg beruht auch darauf, dass er weiß, wo der Einsatz von Werbung/Marketing sich für seine Kunden lohnt. Auf M.J. Rose Blog Buzz, Balls & Hype macht er sich Gedanken über die voraussichtlich „heißesten“ Internettrends des kommenden Jahres. Etwas das uns als Verbraucher auch interessieren sollte. Die Schnelllebigkeit von Trends im Internet bereite Marketingleuten Probleme. Kaum hätten sie sich auf einen Trend eingeschossen, schon gibt es wieder einen neueren.

Zwei Dinge, so meint Huffstutter, werden bei der Internetnutzung und – werbung in den USA herausragen und auch die Werbebemühungen seiner Kunden beeinflussen.

Zum einen die Sozialen Netzwerke, wie MySpace oder Crimespace, die schon 2007 rasant gewachsen sind und die auch 2008 (ebenso wie die Werbeausgaben) deutliche Zuwächse verzeichnen werden:

As it was, social networking dominated 2007, following several years of huge growth, and it will again dominate in 2008, as the big internet wave. This will occur against a backdrop of rising broadband penetration and double-digit growth in ad spending.

Auch wenn noch nicht klar ist, wie die Werbewirtschaft an diesem Erfolg Teil haben kann und wie sie solche Netzwerke nutzen kann, stellen sie „interessante Ziele“ dar. Insbesondere bei Jugendlichen wird der schon hohe Anteil an Nutzern solcher Dienste weiter steigen.

EMarketer is forecasting that the percentage of U.S. adult internet users visiting social networks at least once a month will grow from 37 percent in 2007 to one half of the adult internet population in 2011. Among teens, eMarketer forecasts a rise from 70 percent to 84 percent in the same period.

Internetvideos stellen einen weiteren interessanten Trend dar. Plattformen wie YouTube sind noch relative junge Phänomene. Auch hier ist sich die Werbewirtschaft noch unsicher, wie sie solche Videos für ihre eigenen Zwecke nutzen soll.

The challenge will be in coming up with an advertising model uniquely suited to online video. Is it TV? Is it the movies? Is it the internet? Or is it something entirely different? What forms of ads work best?

Grundsätzlich ist es so, dass solche Medien dem Bestreben der Werbewirtschaft entgegenkommen, den Effekt ihrer Mittel quantifizieren zu können, so dass klassische Formen der Internetwerbung (Popups, Banner u.A.) seltener werden werden:

In fact, Atwood sees the move into online video as part of a larger trend. Advertisers, he believes, are beginning to move their ad money away from traditional forms of online advertising, like popups, banner ads and listings. Instead they are moving more money into paid search, email and online video. This is something that he expects to continue in 2008.

“These areas are all popular because they are easier to measure, and easier to calculate return on investment,” … .

Neugierig kann man sein, mit welcher Verspätung das Internetvideo auch nach Deutschland kommt.

bernd

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Weihnachtsgrüße

Tom Waits – Christmas Card From a Hooker in Minneapolis (live)

Ich wünsche Allen ein schönes Weihnachtsfest !

Und melde mich hier am Donnerstag wieder.

bernd

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Joachim Linder verweist auf eine Tagung der ev. Tutzingen über die bösen brutalen Jugendlichen und ihre Verrohung durch Computerspiele und eine Zusammenfassung dieser Tagung in der Süddeutschen … und siehe da, es ist alles ein wenig komplizierter:

„Je Playstation, desto dümmer. Hier sind methodische Zweifel angebracht: Denn in der Kausalkette von wenig gebildeten Eltern über Bildschirme im Kinderzimmer zu schulischen Leistungsdefiziten könnte man den Einfluss der elektronischen Unterhaltungsmedien ebensogut vernachlässigen.“

Ich fürchte nur, dass der typische Konsument solcher Zeilen, der mit den Computerspielen meint, neben dem „Denglisch“ noch eine zweite Abwehrfront gegen die sich wandelnde Kultur aufmachen zu können, nicht versteht, was
mit „methodischen Zweifeln“ gemeint ist.

Mitunter könnte man ja auch meinen, solche gern gepflegten Urteile der Generation der Älteren sind auch ein Versuch zu vertuschen, dass man vor der Kultur zu kapitulieren beginnt, mit der die Jüngeren zurecht kommen (müssen).

Ich persönlich habe schon immer gerne am Computer gespielt und meine Söhne tun dies auch. So hat der Olaf (6 Jahre) mittlerweile im Kindergarten den Begriff des Trebuchets populär gemacht und Jan (9 Jahre) spielt immer noch gerne gemeinsam mit mir, so hat er auch gelernt, dass in „Civilisation“ und deren Klone, wenn man Erfolg haben will, eine funktionierende Wirtschaft und gute Wissenschaft und nicht exzessive Kriegsführung essentiell sind – fast wie im echten Leben also.

bernd

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Vielleicht wenig überraschend, aber ich gehöre nicht zu denjenigen, die Rezensionen bei Amazon lesen, bevor sie neue Bücher kaufen. Vor Jahren war das anders, ich entdeckte aber bald, dass die Rezensionen von zu unterschiedlicher Qualität sind und dass die mir unbekannten Autoren auch häufig meine persönlichen Präferenzen nicht teilen. Heute stolpere ich nur noch gelegentlich über die Rezensionen, häufig von Büchern die ich selber gelesen habe; mitunter, so ich muss zugeben, finden sich dort dann auch meinungssichere und glaubwürdige Urteile.

Diejenigen die auf die Beurteilungen bei Amazon zurückgreifen, sind dann umso mehr enttäuscht/überrascht wenn Schindluder mit ihrer Informationsquelle getrieben wird.

Bei crimespace, „einem Platz an dem sich Leser und Autoren von Krimiliteratur treffen können“ wird immer wieder von Absonderlichkeiten auf dem US-amerikanischen Auftritt von Amazon berichtet. So klagt ganz aktuell Alex Scarrow über die Phantomrezensenten, die über Nacht aus dem Nichts auftauchen, eine Fünfsternerezension abwerfen und im Nichts wieder verschwinden. Gelegentlich tauchen neben ihnen noch eine oder zwei weitere Phantomrezensionen auf. Die Folge ?

So bad is the proliferation of author-authored reviews, that the only reviews I’m beginning to trust are the negative ones!

Richards Curtis dagegen vertritt auf Backspace eine ganz andere Meinung, dass nämlich die Grasswurzelrezensionen auf Amazon in wenigen Jahren eine wichtige Werbehilfe darstellen werden.

Eigentümlich mutet es schon an, dass die Dame mit den meisten Rezensionen auf „Amazon.com“, die berühmte Harriet Klausner alleine in diesem Jahr bisher 2371 Rezensionen geschrieben hat [also circa 7 pro Tag, bei 250 Seiten pro Buch sind das bei 18 Lesestunden 100 pro Stunde und dann sind die Rezensionen noch nicht geschrieben].

Bei uns in Deutschland hat jüngst Salome darauf hingewiesen, dass Menschen die einem Buch/Autor emotional oder kommerziell nahe stehen, dem gleichen Muster folgend wie es in den USA, Phantomrezensionen verfassen.

Man sollte also nie den Hinweis aus den Augen verlieren, den Barbara Fister auf den Weg gab:

A formal publisher of reviews – whether in print (Mystery Scene, Mystery News, Crimepree, etc.) or online (Reviewing the Evidence etc.) tries to make sure there’s no potential conflict of interest involved when assigning reviews and the reviewers are expected to approach books with an open mind. Amazon reviews (the ones not coming from a published source) are a mix of review, fan response, friends and family boosting their buddies, product rating and, on occasion, lunacy. Of course it can be gamed! It’s all a game.

bernd

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(deutsch: Die Ahnungslose)


Deutschlands Krimileser dürfen sich freuen. Im Sommer brachte der DistelLiteraturVerlag Cathi Unsworth brillanten Erstling The Not Knowing unter dem Titel “Die Ahnungslose“ auf den Markt. Endlich einmal, möchte man sagen, gibt es ein Buch eines der jungen wilden Talente Großbritanniens auf dem deutschen Markt.

The Not Knowing ist ein verqueres, eigenwilliges Buch, das als stimmige, atmosphärisch intensive Darstellungen der Londoner Kultur- und Undergroundszene beginnt und sich zu einem veritablen Psychothriller auswächst. Wobei das Buch auch in den Schlussphasen eine sehr eigene Tönung hat, denn Unsworth teilt mit Ken Bruen die Bereitschaft die Hauptdarstellerin schonungslos vor sich her zutreiben und ihr emotional das Äußerste abzuverlangen.

Diana Kemp ist Co-Editorin und Redakteurin einer jungen Kulturzeitschrift, wie sie in London und anderen Städten jeden Tag entstehend könnte. Man hat erste Erfolge: Die Zeitschrift wird zur Kenntnis genommen. Die nächste Ausgabe steht an, Kemp möchte ein Interviews mit Krimiautoren machen. Darunter auch Simon Everill, ein junger britischer Autor, der mit seinem eigenwilligen Erstling viel Aufmerksamkeit erregt. Das Gespräch geht in die Hose: Arrogant, hochfahrend ist er. Später will er’s dann gut machen und siehe da: Die Beiden kommen sich näher.

Das emotionale Leben der drei Redakteure der Zeitung gerät aus den Fugen als einer der Stars der Undergroundszene, der junge Regisseur Jon Jackson verschwindet und dann grausig zugerichtet aufgefunden wird. Langsam, ohne ihr Zutun gerät Kemp immer näher dran an das Verbrechen und den Täter.

Kemp erzählt ihre Geschichte selber. Daneben gibt es noch einen zweiten Erzähler, der den unbekannten Mörder Jacksons begleitet und Episoden seines Lebens festhält. Mit Verlauf der Geschichte, ganz allmählich bis zum furiosen Finale nähern sich beide Erzählungen an.

The Not Knowing, das so nonchalant erzählt anfängt, nimmt den Leser mit auf eine düstere Reise, es ist freizügig in der Gewaltdarstellung, ohne dass man das Gefühl hätte, Gewalt wird hier um ihrer selbst willen dargestellt. Bei der Begeisterung über die Geschichte könnte man beinahe übersehen, dass das ganze Buch deshalb so vortrefflich funktioniert, weil Unsworth eine gute Erzählerin ist, die die emotionalen Zwänge Kemps kurz und knapp charakterisieren kann, wunderbar die Londoner Kneipenatmosphäre ‚rüberbringt und die Gewaltszenen angemessen, mal „hymnisch“, mal ekelhaft darstellt.

bernd

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So wie ich die Bücher einschätze, die ich dieses Jahr noch lesen werde, wird keines mehr darunter sein, welches zu den allerbesten des Jahres gehören wird. Zeit also sich einen Überblick über die gelesenen Bücher des Jahres 2007 zu verschaffen. Ich hatte Glück: Gute Bücher habe ich viele gelesen, packende, mich nachhaltig beschäftigende einige. Zwölf besondere sollen im Folgenden herausgehoben werden. Mit dabei ein Ire , überraschenderweise vier Briten und ein Argentinier; zwei der Bücher sind älter. Insgesamt sieben der Bücher sind oder werden ins Deutsche übersetzt und die Aufzählung erfolgt streng alphabetisch: Hard Man steht also nicht oben.

1. Ken Bruen, The Magdalen Martyrs: Es ist ein Buch über den Fluch der Erkenntnis, mit dem die Menschen gesegnet sind und die es dem Protagonisten, Jack Taylor (dem Sisyphus der Schuld) überhaupt erst ermöglicht, die Schuld für alles „Übel“ bei sich zu finden. Die Bücher aus der Serie um Taylor werden nicht nur einfach besser, sondern, so will es mir scheinen, sie wachsen zusammen, wie es die Bücher einer Serie nur selten tun. Und mit diesem Buch meine ich zu erkennen, dass Bruen nicht nur ein eigenständiger, begnadeter und zuweilen komischer Autor ist, sondern dass hier jemand die Grenzen des Genres auslotet, wie es nur wenige tun.
   
bloodline.jpg 2. Jan Burke, Bloodlines (deutsch: Totenruhe): Bloodlines ist ein episches Werk, das eine Geschichte erzählt, die über sieben Jahrzehnte reicht. Das ursprüngliche Verbrechen wird mit wechselnden Personen, neuen Informationen und zunehmender Kriminaltechnik immer wieder aus anderen Blickwinkeln angegangen und letztlich gelöst. Dabei schreibt Jan Burke mit einer geradezu federnden Leichtigkeit. Direkt provokant unangestrengt, aber nie schal liest sich das Buch. So manche Metapher, so manches Motiv, so manches Empfinden transportiert sie gekonnt durch die Zeit und greift diese immer wieder auf.
   

3. Thomas H. Cook, The City When it Rains: Ein wunderbar erzähltes Buch von einer Qualität, dass wieder und wieder ein entzücktes Lächeln über die Lippen des Lesers huscht, mit dem Regen als ständige Metapher die das Buch begleitet. Aber auch diese Stadt … in den Straßen wo die Bewohner kämpfen müssen und wir doch heute wissen, dass sie vermutlich verloren haben und diese Straßen gentrifiziert worden sind, strahlt eine innige Atmosphäre aus.
   
ciao-papa.jpg 4. Juan Damonte, Ciao Papa: Ciao Papa ist eine kurze Geschichte, die sich von einem fast gemütlichen Anfang in einen Rausch steigert: Wie eine Vorahnung der Hölle ist das, was der Protagonist sieht, als er durch die Müllberge der Stadt watet. Müllberge, die von den Schergen der Junta genutzt werden, um dort ihre Leichen zum Verbrennen abzuladen. Ciao Papa ist packend, tiefsinnig und kompromisslos. Mit Dialogen deren Sprache so gnadenlos ist wie die im Buch beschriebene Realität.
   
oc.jpg 5. Brian Evenson, The Open Curtain: The Open Curtain ist kein Buch, welches sich in die gängigen Schemata für Krimis unterbringen lässt. Zwar gibt es ein Rätsel, dieses spielt jedoch keine wesentliche Rolle. Einzig die Person Rudd Theurer und ihr „Abstieg zur Hölle“ steht im Zentrum des Interesses: Selten hat man letzte 50 Seiten gelesen, die so packend, so intim eine psychische Innenwelt darstellen. Brian Evenson ist ein hervorragender Erzähler, der gänzlich unaufgeregt Dramatik erschafft und dessen Buch so ein wenig an die Kurzgeschichten Poes erinnert.
   
hard-mane.jpg 6. Allan Guthrie, Hard Man: Wie der Mongolensturm über Europa, wie Katrina über die Golfküste, wie Feuersbrünste in den Städten nach Bombenangriffen. Hard Man fegt über den Leser hinweg. Das Buch inszeniert Gewalt, wie es nur selten ein Buch tut. Gewalt so real und unscheinbar wie Gewalt nur sein kann, die in den Vorstädten vorkommt und die so leicht in der Zeitung zu überblättern ist. Das Buch ist witzig, lustig, überdreht. Dass ein Gekreuzigter auftritt und dieser Brian heißt, weist den Weg – und doch ist es kein Humorkrimi. Hard Man entpuppt sich auch stilistisch als des Autors Meisterwerk : Die Perspektive wechselt von Person zu Person, bis sie, in der Darstellung eines Drogenwahns, die für sich gesehen schon ein Schmankerl ist, bei zwei Personen gleichzeitig weilt, deren Sichtweisen ineinander geschachtelt parallel zu bestaunen sind.
   
tb.jpg 7. Joe R. Lansdale, The Bottoms (deutsch: Die Wälder am Fluss): The Bottoms entfaltet eine archaischen Geschichte, die sich auf die lokalen Mythen und Sagen Texas‘ bezieht und somit auch mit den Ängsten des Protagonisten “spielt”, einen zutiefst humanistischen Kern hat, wunderbar (ach was: wunderbarst) im Stille eines Geschichtenerzählers vorgetragen ist und natürlich dem “Volk” auf Maul schaut.
   
rv_m4_guilty.jpg 8. Jim Nisbet, Dark Campanion: Ein so undemonstrativ kluges und witziges Buch, das einem solch einen Reichtum an Gedanken zu bieten hat, stimmig aufgebaut und doch von leichter Hand vorgetragen ist, gibt es selten. Dark Companion ist ein „Philosophic Noir“, die Vermählung einer dem Prinzip der freien Assoziation folgenden Erzählung mit einer noir-Kurzgeschichte. Eine deutsche Ausgabe des Buches folgt.
   
schneeblute.jpg 9. Nancy Pickard, The Virgin of Small Plains (deutsch: Schneeblüte): Das Buch erzählt von den Sünden der Väter, die die Lebensplanungen der Kinder zerstören, spielt in einer Kleinstadt in den USA und zeigt die Narben, die nach vielen Jahren wieder aufbrechen, wenn aus jenen Kindern Erwachsene geworden sind. Geschrieben im Stil eines Cozys, überzeugt es durch seine reiche Sprache. Dabei zeichnet Pickard ihre Personen glaubwürdig und stimmig, mit ihnen sympathisierend, aber nur da auch sympathisch, wo es passt. Diese Personen sind es, die dem Buch Herz und Tiefe geben. An Ihnen lässt sich aber auch der Wandel der Zeit festmachen.
   
mrclarinet.jpg 10. Nick Stone, Mr. Clarinet (deutsch Voodoo): Ein großes Leseereignis, das sich zwischen Weltuntergangsstimmung in einem zerfallenen Land, spannender Darstellung der Gewaltbereitschaft im Sumpf der Armut und euphorisierender Atmosphäre des Voodoo Kultes bewegt und von Aufbau, Darstellung und erzählerischer Qualität überzeugt; auch seine Personen haben die nötige Glaubwürdigkeit und die literarische Exaltiertheit: Für einen Erstling hat es geradezu eine atemberaubende Qualität.
   
11. Cathi Unsworth, The Not Knowing (deutsch: Die Ahnungslose): Eine Geschichte die zwischen den Kneipen Londons, der kulturellen Undergroundszene und den Exzessen eines Unglücklichen angesiedelt ist. So gekonnt atmosphärisch das Buch anfängt so verstörend gewaltsam endet es. Mit einer Frau in der Hauptrolle, deren Schuldzuweisungen an die eigene Person, an Ken Bruens Jack Taylor erinnern.
   
12. Charlie William, Fags and Lager : Voller proletarischer Philosophie, weiser Beobachtungen über eine Kultur, die vor die Hunde geht und mit intensiven Bildern ( „There’s a hole between his shoulders like a horse pissed for half-hour in the snow.“) ist Fags and Lager einer der wenigen Krimis, deren Humor nicht eskapistische Sehnsüchte befriedigt, sondern der angemessenen Darstellung einer miserablen Welt dient.
   

 

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