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Archive for Februar 2009

Bei -> Arte gibt es die Krimiwelt-Bestenliste des Monats März 2009:

1. Richard Stark – Keiner rennt für immer

2. Jan Costin Wagner – Im Winter des Löwen

3. Stefan Kiesbye – Nebenan ein Mädchen

4. Åsa Larsson – Bis dein Zorn sich legt

5. John Farrow – Eishauch

6. Tom Rob Smith – Kolyma

7. Roger Smith – Kap der Finsternis

8. Christine Lehmann – Nachtkrater

9. Zoran Drvenkar – Sorry

10. Philip Kerr – Das letzte Experiment

Ein reicher Schatz tut sich diesen Monat auf.

Roger Smith ist ein neuer Autor aus Südafrika. Mixed Blood, sein erstes Buch erscheint zeitgleich in den USA, UK, Neuseeland, Südafrika, Australien und eben in Deutschland. Auf der Homepage des Autors sind eine Vielzahl von positiven Blurbs zu lesen, und was er sagt -> klingt sehr interessant. So ganz will mir allerdings nicht einleuchten, weswegen der Roman aus dem Amerikanischen übersetzt sein soll, hört sich ja nicht so an, als wenn das Bch in Afrikaans geschrieben sei :“I was born in Johannesburg, South Africa. I have worked in film and TV as a writer, director and producer. My credits as a screenwriter are numerous and my work is seen regularly on African television. I now live in Cape Town, a city as violent as it is beautiful„.  Aufgrund des Vine-Programms gibt es bei Amazon-USA schon 32 „Kunden“-Rezension zu dem Buch, obwohl esh erst am 10. März erscheint.

John Farrow ist das Pseudonym des kanadischen Autoren (von  „literary novels„) Trevor Ferguson, ein ausführliches Interview mit ihm gibt es beim January Magazine, Eishauch ist 1995 unter dem Titel City of Ice erschienen. Philip Kerrs Serie um Bernard Gunther, vor und nach dem zweiten Weltkrieg spielend, erfreut  sich allgemein großer Beliebtheit. Das letzte Experiment müsste das Buch sein, welches Kerr letztes Jahr die Nominierung für den Ellis Peters Award eintrug.

Jan Costin Wagner ist wohl einer der wenigen erfolgreichen Exporte, er  ist auch im englischsprachigen Ausland einigermaßen populär und war letztes Jahr immerhin für den LA-Book Prize nominiert. Erstaunlich die Persistenz von Stefan Kieslbye, der das dritte Mal dabei ist.

Vier der zehn Bücher sind Tb-Ausgaben, drei Bücher sind von einem deutschsprachigen Autor, zwei Bücher sind von Frauen geschrieben, fünf der Titel sind neu.

bernd

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  • James Patterson treibt sein System der Franchiseliteratur voran. Sein neuestes Produkt ist ein Kettenthriller, ein Buch dessen einzelne Kapitel durch 38 ausgewählte (Nachwuchs)Autoren geschrieben wurden. Lediglich die zugrunde liegende Idee, das erste und das letzte Kapitel sind von Patterson selber. Erscheinen soll das Buch elektronisch, eine kommerziell verfügbare Papierform soll es nicht geben. Das Buch ist letztendlich ein Marketinggag von Ransom House und Borders Australia und wie die internationale Reaktion zeigt ein einigermaßen erfolgreicher.
  • Dank Thomas Klingenmaiers Filmblog bin ich auf Bullshit Science gestossen, dort beschäftigt man sich mit „quatsch von verpackungen„, also Texte, Graphiken, Formen von Verpackungen, die uns glauben lassen, die Produkte sein besser, gesünder, wissenschaftlich untersucht oder was es noch so an Lügen Marketingquatsch gibt. Man muss sich fortlaufend durch die einzelnen Einträge des Blogs arbeiten um so langsam das komplette Wahnsystem der Werbefuzziez zu verstehen – ich hab‘ Tränen gelacht. Dabei ruft Bullshit Science sein volles Potential noch gar nicht ab, Hinweise von Katjes, dass ihre Zuckerprodukte kein Fett oder auf Ölen, dass diese kein Cholesterin enthielten, gehörten da unbedingt hin, erfordern aber Hintergrundwissen, denn Fett oder Cholesterien erzeugt unser Körper aus den Produkten, wenn wir zu viel davon essen.
  • Über das „Vine-Programm“ von Amazon für verdiente (d.h. viel gelobte) Rezensenten hatte ich schon einmal geschrieben. Dass es mich nicht so antörnt, ist klar, dass es andere Meinungen geben kann auch. Olen Steinhauer, der sich als Autor meiner unverbrüchlichen Sympathie sicher sein kann, zeigt an seinem Beispiel, wo der Charme des Systems für Autoren sein kann. Nächste Woche erscheint nach langer Vorarbeit sein Buch The Tourist und Dank dieses Systems gibt es bei Amazon schon 28 Rezensionen zu dem Buch, davon 27 positive. Vom Standpunkt der reinen Kritik her, mag der Wert dieser Rezensionen nicht besonders hoch sein, aus der Sicht des Autors sind sie natürlich Gold wert.  Dass der Verlag für die Teilnahme seines Buches brennen musste (an Amazon, nicht die Reviewer), ist für Steinhauer klar, dass dieses nicht transparent ist, scheint mir nicht korrekt.
  • Sarah Weinman verweist auf ein Interview des Wall Street Journals mit Robert B. Parker, drei Bücher erscheinen dieses Jahr von ihm, Nr. 58, 59 und 60, und sie decken wieder sehr unterschiedliche Bereiche ab, bis hin zum Western. Das Interview gibt nicht viel her, aber die Aussage zu den großen drei ist doch interessant: „I don’t think Ross Macdonald will be read [in 50 Jahren, bk]. The other two, yes. Dashiell Hammett because of „The Maltese Falcon,“ which is an excellent novel, and Raymond Chandler because he was a master of the language. I don’t know many who wrote better than he did. It seems to me that Macdonald became one note, one theme. I never found the wit there that I was hoping for. He was almost, but not quite.„. Das macht aus MacDonald ja beinahe einen Jugendbuchautoren.

bernd

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Der US-amerikanischen Krimipreis, bei dem die Bücher um den Sieg buhlen, die die etwas kleineren Brötchen der Obsession backen, hat die Bücher benannt, die dieses Jahr nominiert sind:

Bestes Buch
Six Geese A-Slaying, von Donna Andrews
A Royal Pain, von Rhys Bowen
The Cruelest Month, von Louise Penny
Buckingham Palace Gardens, von Anne Perry
I Shall Not Want, von Julia Spencer-Fleming

Da wird dann auch sofort der Unterschied zum Edgar deutlich, alle der Damen sind schon mal (häufiger mehrfach) für den Agatha nominiert gewesen – alleine drei letztes Jahr – beim Edgar waren es null von elf Nominierten in den Kathegorien Bestes Buch und Bestes Taschenbuch.

Bestes Erstes Buch
Through a Glass, Deadly, von Sarah Atwell
The Diva Runs Out of Thyme, by Krista Davis
Pushing Up Daisies, von Rosemary Harris
Death of a Cozy Writer, von G.M. Malliet
Paper, Scissors, Death, von Joanna Campbell Slan

Bestes Non-Fiktion
African American Mystery Writers: A Historical and Thematic Study, von Frankie Y. Bailey
How to Write Killer Historical Mysteries, von Kathy Lynn Emerson
Anthony Boucher, A Bibliography, von Jeff Marks
Edgar Allan Poe: An Illustrated Companion to His Tell-Tale Stories, von Dr. Harry Lee Poe
The Suspicions of Mr. Whitcher, von Kate Summerscale

Die Kategorie bietet einige interessante Titel, alle eigentlich (außer der letzte vielleicht, true crime interessieren mich nicht besonders).

Preisverleihung ist am 2. Mai (kurz nach den Edgars)

Mit Dank an Sarah Weinman.

bernd

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nachtkraterEs verschlägt Lisa Nerz, Heldin etlicher Bücher von Lehmann auf die Mondstation. Was Stoff für einen fetzigen Science Fiction-artigen Roman sein könnte, kommt hier glaubwürdig, direkt nüchtern ‚rüber. Wenn Morgen so ein Teil auf unseren Trabanten gebaut werden würde, so wie in Nachtkrater dargestellt, könnte es funktionieren. Lehmann entwickelt eine detaillierte Welt, mit feinem Blick für die interessanten Details, aber ohne die Liebe des technischen Onanisten. Ihr Blick gilt mehr den praktischen Dingen. Wie verändern sich Alltagsphänomene (die Klospülung zum Beispiel) bei der reduzierten Gravitation, wie sich wirkt die fehlende Atmosphäre auf die Sicht aus, wie ist das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Nationen usw usf.

Ähnlich wie die ISS ist die Mondstation eine Gemeinschaftseinrichtung der verschiedenen Raumfahrtnationen und wird nach fein ausgewogenem Proporz genutzt. Gemeinsam will man den Mond und das Weltall erforschen und die Voraussetzungen für den Marsflug schaffen. Dass, wenn es geht, auch ein ordentlicher ökonomischer Nutzen, als Folge von Rohstofffunden, rausspringen sollte, versteht sich von selbst. Deshalb ist Lisa Nerz wohl auch auf dem Mond gelandet.

Wie sie dort hin kam, weiß sie nicht. Sie kann sich nur noch erinnern, dass sie mit ihrem Lover, dem Oberstaatsanwalt Dr. Richard Weber unterwegs war und ein paar der einflussreichen weltrauminteressierten Deutschen kennenlernte, allesamt mit erheblichen ökonomischen Interesse am Mondprojekt, ein Gespräch mit einem kritischen Franzosen führte, der dann kurz darauf besoffen in eine kaputte Schaufensterscheibe gefallen und dort verblutet sein soll  und das Gefühl hatte, dass da etwas nicht stimmt, dass da eine riesige Sache am Kochen sei, schließlich war erst vor wenigen Wochen ein deutscher Astronaut beim Außeneinsatz auf dem Mond zu Tode gekommen.

Kaum ist Lisa auf dem Mond geht es rund. Sie trifft dort auf einen bunten Haufen unterschiedlichster Menschen, die von Lehmann höchst liebevoll zusammen gestellt wurden und die gemeinsam mit Lisa, die wie eine freche, laute Göre daherkommt, für gelungene Unterhaltung sorgen. Lisa gerät in Gefahr, jemand stirbt, Erpresserbriefe werden gefunden und das Leben auf der Station scheint von Ameisen und Cyanobakterien bedroht. Lehmann trägt in einem fast slapstickartigen Stil vor, schafft es aber immer hart am Rand der Realität zu bleiben.

So kommt es dann, dass sie plausibel beschreibt, wie eine solche sozialen Gruppe, die in der Extremsituation lebt, funktioniert, wie die Wissenschaftler und die Militärs quer zueinander stehen und wie sich die Menschen ihre Rückzugsräume auch unter diesen Bedingungen suchen.

Nachtkrater ist nicht nur extrem witzig und beschreibt das Sozialverhalten plausibel und die physischen Realitäten glaubwürdig mit denen auf einer Mondstation zu rechnen sind, es ist auch ein ungemein klug unterhaltendes Buch und es begeistert immer wieder mit pfiffigen Gedanken. Die Auflösung ist gewöhnungsbedürftig, zeigt aber die Selbstironie, zu der die Autorin fähig ist. Nachdem das Buch beim DKP schmählich übersehen wurde, kann man nur auf Gerechtigkeit und die Nominierungsliste des Glauser hoffen.

Lehmann hat sich offensichtlich, eine Literaturliste im Abspann und diverse Zitate in den Kapitelanfängen zeigen das,  sehr viel Mühe bei der Recherche gemacht. ‚Rausgekommen ist dabei auch noch so etwas wie ein opus magnus der Mondliteratur.

bernd

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Eher zufällig, beim Surfen bin ich auf ein Interview mit Georges Simenon gestoßen, das dieser 1955 Carvel Collins gab und welches in The Art of Fiction No. 9, Issue 9, Summer 1955 erschien. Finden kann man es bei The Paris Review. Es entpuppt sich als wahre Fundgrube von klugen Gedanken zum Schreiben.

Every sentence which is there just for the sentence.
You know, you have a beautiful sentence—cut it.

Mancher der Aussagen sind insbesondere interessant, weil sie so manche zeitgenössische Sorge in die historische Perspektive rücken.

Because society today is without a very strong religion, without a
firm hierarchy of social classes, and people are afraid of the big
organization in which they are just a little part, for them reading
certain novels is a little like looking through the keyhole to learn
what the neighbor is doing and thinking—does he have the same
inferiority complex, the same vices, the same temptations? This is
what they are looking for in the work of art. I think many more
people today are insecure and are in search of themselves.

Ausführlich äußert sich Simenon in der zweiten Hälfte des Interview auch dazu, wie ein Buch bei ihm entsteht und welche Rolle sein Hausarzt dabei spielt.

Die Meinungen Simenons … höchst subjektiv, natürlich, aber insgesamt schwer beeindruckend, weil es so manche Überspanntheit der heutigen Zeit als eben solche entlarvt, so sagt er zum Schreibenwollen ganz idealistisch:

I think that everyone who does not need to be a writer,
who thinks he can do something else, ought to do something else.
Writing is not a profession but a vocation of unhappiness. I don’t
think an artist can ever be happy.

Dabei unterscheidet er kommerzielle und nicht-kommerzielle Kunst und erläutert wo der Unterschied liegt.

bernd

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(Deutsch: Ein Ring aus Blut)

thecolourofbloodThe Colour of Blood ist die zweite Geschichte mit dem Privatdetektiv Ed Loy, der sein Handwerk in den USA erlernte und dessen Job in Irland so neu ist, dass er noch nicht einmal eine Lizenz erwerben kann, denn diese gibt es in im Hughes‘ Irland nicht.

Die Tochter von Shane Howard ist verschwunden. Bald erhält dieser Bilder, die die Tochter in üblichen und weniger üblichen Kopulationsposen zeigen und den Hinweis, dass diese Bildern ins Internet gestellt würden, wenn er nicht bereit wäre ein Entgelt zu entrichten.

Ed erhält den Auftrag die Tochter zu finden, was sich auch recht einfach gestaltet, weniger einfach ist es jedoch zu verstehen, was da vorgefallen war und unmöglich scheint es ihm diese Familie zu verstehen. Zu gerne ist er deshalb bereit den Fall weiter zu verfolgen, als Howards Frau und kurze Zeit später der frühere Freund der Tochter ermordet aufgefunden werden.

Howard ist Zahnarzt und Spross der Howard-Clans. Sein Vater war einst ein politisch einflussreicher Frauenarzt, eine charismatische Persönlichkeit, die eine eigene Klinik gründen und aufbauen konnte. Auch wenn der Gute schon viele Jahre tot ist, scheinen seine Kinder immer noch unter seinem Einfluss zu stehen. Insbesondere  Jessica die Schwester Shanes versucht eifrig das Erbe das Vaters zu bewahren und zu pflegen.

The Colour of Blood ist nichts anderes als ein Familienroman, der die Anatomie einer Familie bloßlegt – ein Zitat am Anfang des zweiten Abschnitts von Ross MacDonald, dem Meister dieses „Subgenres“ macht das deutlich. Es ist eine stolze Familie, die um ihre Tradition und ihre Stellung in der irischen Gesellschaft weiß, es ist aber auch eine Familie, die eigentümlich disfunktional wirkt und kurz vor dem Knall zu stehen scheint. Immer wieder macht Ed einen Anlauf das Geheimnis, das diese Familie umgibt zu ergründen.

Es ist aber auch ein exemplarischer Krimi über Irland. Der stolze Gründervater, er war schließlich an so mancher der Schweinerein beteiligt, mit denen die Allianz aus katholische Kirche und gesellschaftlichen Eliten des Landes einst ihre moralischen Positionen und ihre Dominanz aufrecht erhielten. Von daher ist es, wenn man das Ende betrachtet, auch ein bitterböses Buch.

Aber Hughes schreibt in allererster Linie einen spannenden und klassischen Detektivroman, in dem Shane Howart nicht nur mit den Bildern bedroht wird, sondern für die Polizei auch der Hauptverdächtige ist. Und auch Ed hat die Rolle inne, die ein Privatdetektiv so hat. Die Polizei kann ihn gar nicht leiden und macht ihm entsprechend das Leben schwer, während zeitgleich der Täter unterwegs ist und eine breite Spur in die Unterwelt Dublins führt. Dabei fügt sich die Persönlichkeit Eds, mit ihren Beschädigungen, ungezwungen in das Buch ein und ist weniger demonstrativ als häufig üblich.

Hughes wandelt erfolgreich auf den Spuren Ross MacDonalds. Er zeigt, was aus den literarischen Vorgaben ‚rauszuholen ist und sich eigenständig und zeitgemäß umsetzen lässt. Wenn Hughes es schafft, den eingeschlagenen Weg erfolgreich weiter zu gehen, dann könnte er sich, bei der Aufmerksamkeit, die er erzeugt, zu einem wichtigen Chronisten Irlands entwickeln.

bernd

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the boy Hughes is rapidly becoming one of the most important Irish novelists of his generation.

Declan Burke über Declan Hughes.

Zufälligerweise hatte ich mir so etwas letzte Woche auch gedacht.

bernd

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