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Archive for Juni 2008

Im Beitrag letzten Montag über Serien, die immer wieder den gleichen Helden präsentieren, hatte ich einen Aspekt außen vorgelassen, der für die literarische Wahrnehmung zwar unwichtig ist, der aber dennoch eine große Rolle spielt. Serien sind eine Art Marke, zumindest wenn die Serie erfolgreich läuft. Dem hat sich auch die Präsentation des Buches, also die grafische Gestaltung und der Buchtitel unterzuordnen. Alles setzt auf ein rasches Erkennen. The Telegraph hatte passend dazu einen Beitrag über Buchtitel.

„Signature Title“ nennt John Sutherland das und behauptet, dass diese außerhalb des Genres kaum anzutreffen seien. Schon Erle Stanley Gardner hatte die Bücher seiner Perry Mason Serie „The Case of … “ bezeichnet. Ein anderes Beispiel seien die Easy Rawlings-Bücher von Walter Mosley, die da Devil in a Blue Dress, A Red Death, White Butterfly, Black Betty, A Little Yellow Dog usw lauten.

Easy to see the signature theme. But why the palette-play? Because Easy Rawlins is the genre’s most famous African American PI, and Mosley’s the genre’s pre-eminent author of colour. QED

Tatsächlich hat Mosley die Idee von John D. MacDonald, die Titel der Travis McGee Bücher waren genau nach dem gleichen Muster aufgebaut.

Interessant ist da natürlich die Frage ob die Übersetzung solche Signaturen wahrt. Bei John D. MacDonald ist das der Fall, bei Walter Mosley nicht durchgängig. Manchmal wie bei Stieg Larsson entsteht in der Übersetzung erst ein alliteratives Titeltrio.

bernd

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Bei -> Arte gibt es (demnächst) die Krimiwelt-Bestenliste des Monats Juli 2008:

1. Matti Rönkä: Bruderland

2. Allan Guthrie: Abschied ohne Küsse

3. Magdalen Nabb: Vita Nuova

4. Jenny Siler: Portugiesische Eröffnung

5. Colin Cotterill: Dr. Siri und seine Toten

6. John Harvey: Schlaf nicht zu lange

7. Matt Beynon Rees: Der Verräter von Bethlehem

8. Stuart McBride: Der erste Tropfen Blut

9. Michael Chabon: Die Vereinigung jiddischer Polizisten

9. Rex Miller: Fettsack

Tobias Gohlis scheint auf die aktuelle Liste recht stolz zu sein und in der Tat sind einige gelungene Überraschungen zu verzeichnen.

Neun der gelisteten Autoren sind englischsprachig. Zu den „bad boys“ McBride und Guthrie hat sich Rex Millers Fettsack (engl. Slob) gesellt. Eine andere Klientel bedient Michael Chabon, dessen Buch „Die Vereinigung jiddischer Polizisten“ hatte ich schon letzten Monat erwartet. Es hat den Nebula Award (Fantasy und Science Fiction) gewonnen. Colin Cotterills Serie um Dr. Siri spielt in Laos, Dr. Siri und seine Toten (engl. The Coroner’s Lunch) ist sein Erstling aus dem Jahr 2004 und dieses Jahr für den Duncan Lawrie Dagger nominiert. Cotterill selber ist Brite und Australier und arbeitet auch als Zeichner.

Bei dem raschen Turnover sind Nabb, Guthrie und Rönkä nun schon fast alte Bekannte. Jenny Siler wird im eigenen Lande nicht so recht wahrgenommen, sie klagte auch schon darüber, dass Leser von ihr als Frau etwas anders erwarten würden und so ist dann ihr jüngstes Buch auch unter einem „männlichen“ Pseudonym erschienen.

Fünf der zehn Bücher sind Tb-Ausgaben. Kein Buch ist von einem deutschen Autoren, zwei Bücher sind von Frauen geschrieben.

bernd

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  • Peter Rozovsky führte ‚mal wieder ein interessantes Interview. Der Gesprächspartner ist auch bei uns kein Unbekannter: Hakan Nesser. Drei Bücher Nessers aus den 90er Jahren liegen nun nämlich ins Englische übersetzt vor.
  • Martin Edwards beschäftigt sich auf seinem Blog Do You Write Under Your Own Name gerne mit typisch britischer Krimikost. Diesmal im Zentrum des Beitrags: Locked Room Mysterys. So weist er auch auf Locked Room Murders von Robert Adey hin, einem Buch, dass diese Art von Krimi durchdekliniert und einige Beispiele und Auflösungen auflistet.
  • Gregory Huffstutter geht der Frage nach, wie rational wir in Wirtschaftsdingen vorgehen. Nicht ganz neu die Frage, meine ich, und eine Vorgehensweise zur Beantwortung wurde auch schon, so glaube ich mich zu erinnern, mit dem Nobelpreis bedacht. Aber Huffstutter ist ja Marketingmensch und Praktiker und sieht das aus einer anderen Perspektive. -> Hier seine Buchempfehlung.
  • Case in point: Ariely tested pricing on a pain reliever that was actually a placebo, vitamin C. First he priced it at $2.50, then at 10 cents. Which one delivered the greater pain relief, in the minds of test subjects? Most thought the $2.50 pain reliever was effective. Half that number thought the cheaper one did the job.

    Auch hier kann man mit den modernen bildgebenden Verfahren der Gehirnforschung interessante Einsichten gewinnen:

    He firms that notion up citing yet another experiment, a Pepsi versus Coke taste challenge. The participants tasted the two drinks, and as they did so their brain activity was measured. Researchers found that the brain reacted differently when the product names were revealed than and when they weren’t.

    The mention of Coke stimulated the area of the brain relating to higher order association. That’s to say, the mention of the Coke name earned a more positive response.” That’s where the higher enjoyment comes from, not the taste,” says Ariely.

    Coke’s years of brand building were paying off where it mattered most, not in the mouth but in the brain.

    Was das mit Büchern zu tun hat ? Einiges würde ich meinen. Wenn ich denn mal ein Hardcover habe, ist es schon ein besonderes Lesegefühl.

  • Petrona zeigt, dass die Zukunft des Buchgeschäfts wieder ein Stück näher gekommen ist. Laut eines Artikels in The Bookseller führt Blackwell in seine 60 Geschäfte POD (Print-on-Demand) Geräte ein – Espresso Book Machine genannt. Durch die Kooperation mit On Demand Books hat das Gerät Zugang zu etwa 1.000.000 Titel, 600.000 durch eine Partnerschaft mit Lightning Source, die restlichen als Public Domain. Das Gerät arbeitet mit Vierfarbdruck und druckt 40 Seiten die Minute. Ein wichtiges Argument für Blackwell sind die fehlenden Lagerbestände.
  • Und so funktiert die Wundermaschine:

  • Der Unterschied zwischen Pattersons, Patterson’s und Pattersons‘ scheint eigentlich nicht schwer, von daher überraschen mich -> solche Probleme.

bernd

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Ab und zu, des Ausgleichs wegen, überkommt es mich und ich lese ein Humorkrimi, ein Buch also das eher nur lose dem Genre verpflichtet ist und häufig dieses als Vorwand verwendet um witzig zu sein. Häufig bin ich enttäuscht: Diese Bücher sind höchstens vordergründig spannend, suhlen sich im Blut der Leichen und treten wenig subtil auf. Eine Ausnahme ist sicher Christopher Brookmyre, eine zweite kann Carl Hiaasen sein und eine dritte Ausnahme ist möglicherweise J.A. Konrath; dessen Buch Dirty Martini illustriert recht schön seine Vorgehensweise.

Man nehme überdrehte Beschreibungen, voll mit witzigen überbordernden Darstellungen, die ein wenig an genannten Hiaasen erinnern, mit Personen, die nicht unbedingt plastisch aber plakativ dargestellt sind und sich zur Illustration von Sachverhalten unseres Lebens eignen. Man spanne diese Darstellung um einen knackigen Thrillerplot, der vor Spannung nur so knistert.

Konrath schafft tatsächlich etwas was in diesem Subgenre selten ist: Dirty Martini ist spannend, ausgesprochen spannend sogar.

Das liegt gar nicht so sehr an der Handlung, die, wie bei Thrillern so üblich, einer gewissen Zwangsläufigkeit folgt, sondern an den kleinen einzelnen Szenen und das was Konrath aus ihnen macht. Die Geschichte ist eigentlich schnell erzählt. Ein Killer ist unterwegs, erst macht er sich mit Botulinustoxin auf und vergiftet Nahrungsmittel. Es dauert Tage bis die Polizei versteht was da passiert und als sie es begreift, trifft auch schon das Schreiben des Killers ein, in dem er von der Stadt Chicago 2 Millionen Dollar fordert.

Der Mann baut das geschickt auf, die nächste Giftwelle rast über die Stadt, nun werden diverse Pflanzengifte eingesetzt. Leiterin der Sonderkommision ist Jack Daniels, Leutnant bei der Polizei und aufgrund ihrer früheren Erfolge bei schlagzeilenträchtigen Fällen ausgewählt worden. Für den Killer ist das eine Herausforderung und es entwickelt sich ein Zweikampf zwischen den beiden Protagonisten.

Um die Geschichte am Laufen zu halten (und sie läuft mit hohem Tempo), wechselt Konrath häufig die Perspektive und so witzig die zum Teil unbeholfenen Personen um Jack sind und ihr Leben mit den üblichen Schwierigkeiten gespickt ist, so humorlos und trocken sind die Darstellungen aus der Sicht des Killers. Schluss ist mit dem Humor natürlich auch, und deshalb funktioniert das Buch auch so gut, wenn ausgewählte Spezialeinsätze dargestellt werden.

Dirty Martini ist ein ordentlich recherchierter Thriller, der spannend ist und sich doch nicht ganz ernst nimmt und deshalb auch für Leser geeignet, die auf Weltuntergangsszenarien üblicherweise genervt reagieren.

Konraths Homepage findet sich -> hier.

bernd

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Darin liegt die Schwäche dieses packenden kurzen Krimis. Es wird nicht klar, was der Krieg mit den Menschen gemacht hat und was der Mord an der Familie Danner damit zu tun hat. So erzählt, hätte er jederzeit stattfinden können. Hauptsache auf dem Land.

Schreibt Elfriede Müller über Tannöd von Andrea Maria Schenkel in einer Rezension, welche die deutsche wie die französische Sichtweise (Titel der französischen Ausgabe. La ferme du crime) berücksichtigen will. Abgesehen davon, dass ich nicht weiß wie die französische Sichtweise aussieht, frage ich mich, ob Müller hier nicht ihre Erwartungshaltung an das Buch apportiert. Offensichtlich ist es nicht wichtig für die Geschichte, was (und ob) der Krieg mit den Menschen gemacht hat.

bernd

PS. Anders als im Text geschrieben, würde ich den Corine-Weltbild-Leserpreis nicht als Krimipreis bezeichnen.

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Nun sind also auch die Bücher bekannt gegeben worden, die von Mystery Readers International für die 2008 Macavity Awards nominiert worden sind:

Bestes Buch:
Soul Patch, von Reed Farrel Coleman
The Unquiet, von John Connolly
Blood of Paradise, von David Corbett
Water Like a Stone, von Deborah Crombie
What the Dead Know, von Laura Lippman

Starke Bücher, mit Ausnahme von Water like Stone auch schon wiederholt dieses Jahr nominiert worden. Anders als bei den meisten anderen Preisen treten hier Taschenbücher und Hardcover gemeinsam auf.

Bestes Erstes Buch:
In the Woods, von Tana French
Heart-Shaped Box, von Joe Hill
The Spellman Files, von Lisa Lutz
Stealing the Dragon, von Tim Maleeny
The Collaborator of Bethlehem, von Matt Beynon Rees

Mit In the Woods, The Spellman Files und The Collaborator of Bethlehem sind drei Bücher vertreten, die woanders auch schon Berücksichtigung fanden.

Sue Feder Memorial Historical Mystery:
Her Royal Spyness, von Rhys Bowen
Mistress of the Art of Death, von Ariana Franklin
The Snake Stone, von Jason Goodwin
Consequences of Sin, von Clare Langley-Hawthorne
The Gravedigger’s Daughter, von Joyce Carol Oates

Jason Goodwin ist der Edgar Gewinner des letzten Jahres, Her Royal Spyness tauchte auch woanders dieses Jahr schon auf und es ist Joyce Carol Oates erste Nennung in diesem Jahr.

Mit Dank.

bernd

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Louise Ure lässt sich bei murderati über die dicken, die ganz dicken Bücher aus. Nicht unerwartet kommt sie zum Schluss, dass Größe weder beim Flachbildschirm, noch beim Krimis ein relevantes Kriterium ist. Darüber gibt sie Empfehlungen für kleine, windschnittige Bücher:

But what about the lean, mean shorter books? Books by James Sallis (Drive, 158 pages) and Megan Abbott (Queenpin, 192 pages). Richard Aleas (Little Girl Lost, 221 pages) and Anne Argula (Homicide My Own, 219 pages).

Siehe da, die scheinen wir fast alle zu kennen – bei Aleas habe ich allerdings nur den Nachfolger Songs of Innocense besprochen.

Die Diskussion um die dicken Bücher mag dem einen oder anderen vertraut vorkommen, -> nicht ohne Grund.

bernd

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