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Archive for Mai 2008

Bei -> Arte gibt es die Krimiwelt-Bestenliste des Monats Juni 2008:

1. Matti Rönkä: Bruderland

2. Robert Littell: Die Söhne Abrahams

3. Allan Guthrie: Abschied ohne Küsse

4. Matt Beynon Rees: Der Verräter von Bethlehem

5. David Peace: 1983

6. Lawrence Block: Verluste

7. Lee Child: Sniper

8. Marek Krajewski: Festung Breslau

9. Magdalen Nabb: Vita Nuova

10. Stuart McBride: Der erste Tropfen Blut

Sieben der gelisteten Autoren sind englischsprachig, fünf stammen aus Großbritannien. Aber was für Autoren: McBride und Guthrie sind „bad Boys“, Lee lebt in den USA, Peace in Japan, Rees derzeit in Palästina und die letztes Jahr verstorbene Nabb lebte in Italien.

Guthrie scheint derzeit (wenig überraschend) die interne Wertung der Hard Case Crime Bücher deutlich anzuführen. Mit Matti Rönkä hat sich eine „deutsche Spezialität“ sofort an die Spitze der Liste gearbeitet, ins Englische scheinen seine Bücher noch nicht übersetzt zu sein. Die Söhne Abrahams (engl. Vicious Circle) finden immer noch zahlreiche begeisterte Juroren (eigentümlich, dass dagegen die Blogleser allesamt diesem Buch mit Zurückhaltung begegnen).

Vier der zehn Bücher sind Tb-Ausgaben. Kein Buch ist von einem deutschen Autoren, ein Buch ist von einer Frau geschrieben.

bernd

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Ich gebe es zu, wenn die neuesten Ergebnisse der Pisa Studien erscheinen, lese ich diese und die Deutungsversuche nach (zumindest teilweise). Klaus Klemm hat einige Ungereimtheiten zwischen den drei Pisa Studien in der ZEIT in einem sehr lesenswerten Artikel zusammengestellt.

Wie korrekt das alles ist, was er schreibt, kann ich selber gar nicht einmal beurteilen, aber der Autor ist von Fach und seine Einwände, die sich nicht gegen die Studien als solche richten, scheinen mir plausibel. Da die Politik derartige Studienergebnisse als Handlungsvorgaben and Rechtfertigung nutzt, bleibt ein etwas schaler Nachgeschmack:

… in der Ergebnispräsentation in verwirrender Weise Definitionen und die Auswahl der Indikatoren gewechselt werden, weil Zweifel an der Repräsentativität der Ergebnisse aufkommen können und auch die Interpretationen der Daten nicht immer über jeden Zweifel erhaben sind.

  • Als Risikogruppe versteht man „Jugendliche, die den entsprechenden Anforderungen nicht gewachsen sind„. Pisa 2000 definierte in Bezug auf Lesekompetenz „15-Jährige, die die Kompetenzstufe I nicht erreichen … diese Schüler sind de facto Analphabeten„. Bei Pisa 2003 „wurden auch diejenigen Jugendlichen zur Risikogruppe gerechnet, die auf der Kompetenzstufe I verharren; dazu gehören dann auch Schüler, die einzelne Wörter erkennen, aber nicht im Sinnzusammenhang einordnen können.“ In der Folge gehörten 2000 10% und 2003 22% der Fünfzehnjährigen zur Risikogruppe – „ohne dass die vorgenommene Definitionsausweitung mitgeteilt oder gar begründet würde.“ In der Tat wäre es hier wohl notwendig die Daten der 2000er Studie nachzurechnen.
  • Die Pisa Studie zeigt in aller Deutlichkeit den extrem starken Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildung. „In den Studien werden drei verschiedene Maße zur Bestimmung der sozialen Lage der Familien verwendet. Auch für die Indikatoren, die den Zusammenhang zwischen sozialer Lage und Bildung beschreiben, bieten die Studien drei unterschiedliche Indikatoren an.“ Da die Indikatoren in den drei Studien unterschiedlich dargestellt werden, ist ein Vergleich über die Studien hinweg nicht möglich.
  • Auch zur Repräsentativität der untersuchten Schüler gibt es Zweifel. 2006 betrug der Anteil der Fünfzehnjährigen mit Migrationshintergrund an allen getesteten fünfzehnjährigen Schülern 19,4 Prozent. Aufgrund der Daten aus dem Mikrozensus des gleichen Jahres kann „von etwa 25 Prozent [Fünfzehnjährige mit Migrationshintergrund] ausgegangen werden„. Da diese Jugendlichen aber statistisch gesehen, zu der schwächsten Leistungsgruppe gehören, stelle sich die Frage, ob der im Vergleich zur 2003er Studie beobachtete Leistungsanstieg, nicht eine Folge der Unterrepräsentanz dieser Gruppe sei.

bernd

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Zoe Sharps First Drop entwickelt sich zu einem wilden Spektakel. Charlie Fox ist Bodyguard, genauer: hat die Ausbildung, das Training und die Vorbereitungslehrgänge zum Bodyguard abgeschlossen und ist bereit loszulegen. Für den ersten Job wird sie dann von UK in die USA geholt, um dort den 15 jährigen Trey zu bewachen. Schon am ersten Tag kommt’s dicke und Charlie kann im letzten Moment einen Anschlag verhindern.

Am Ende des Tages ist sie auf der Flucht, auf ihren Fersen eine US-amerikanische Polizei, die davon überzeugt ist, dass sie nicht einen, sondern gleich mehrere Mode begangen hat. Sharp schafft es, eine schöne Grundannahme als gegeben erscheinen zu lassen: Fox ist einsamst und verlassen in einem fremden Land, ohne Anlaufstelle; als sie Kontakt mit UK aufzunehmen versucht, ist es dort mittlerweile Freitag Nachmittag, für zwei und halb Tage gibt es auch von dort keine Unterstützung.

Dabei ist First Drop ein witziges Buch, so kommen sie zuerst bei den pubertierenden Freunden ihres Schützlings unter und sie macht, kaum zehn Jahre älter, aber eben doch durch’s Leben gehärtet auf „weise alte“ Dame.

Auch wenn da die Verfolgung im Vordergrund steht, das Buch nimmt durchaus die Form eines rasanten Whodunits an, bei dem Charlie darüber rätselt, wer den eigentlich verantwortlich ist, für die Taten deren sie beschuldigt wird und wie dem Täter beizukommen wäre. Das Buch steuert auf ein großes, langes und komplexes Finale hin, in dem auf circa hundert Seiten, die verschiedenen Stränge die den verschiedenen Verdächtigen entsprechen, mehrfach miteinander verknotet werden – hier passt er dann tatsächlich ‚mal der Begriff der wilden Achterbahn.

Charlie selber ist eine vielschichtige Persönlichkeit. Einerseits selbstsicher, zielstrebig, kaltblütig, andererseits mit Wunden aus der Vergangenheit. Auch ihr Arbeitsstil hat so eine Zweiteilung. Als Bodyguard ist sie, die ehemalige Soldatin, gut, als Detektiven jedoch vermutlich deutlich langsamer als die meisten der Leser.

Bis zum Finale, welche wirklich gelungen ist, wirkt der Text mitunter ein wenig „off beat“, und gerät erzählerisch etwas aus dem Takt, es gibt da immer wieder Situationen oder Beschreibungen, die ein wenig ungeschickt wirken, wo einem als Leser das Licht schon aufgegangen ist, wenn die Autoren erst das Zündholz zur Reibe führt.

Insgesamt ein gemischter Auftritt also, aber durchaus einer der Hoffnung macht, auf eine Heldin, die ein wenig vom üblichen „Schema F“ Einheitspowerfrauenbrei abweicht.

bernd

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  • Über den Charm und den Reiz von Literaturfestivals schreibt der Independent; um genau zu sein über das 21. Hay Literary Festival, welches rund 80.000 zahlende Besucher versammelt und gute Unterhaltung für Leser, Autoren und Verlagsmenschen bietet soll.
  • Von selbigen Festival berichtet übrigens Crimeficreader.
  • Einen sehr schönen Beitrag über Büchereien im 21, Jahrhundert gibt es im New York Review of Books. Der Beitrag strotz mit klugen Bemerkungen und Ansichten und, wenn er auch die faktische Dominanz des Internets zur Wissensbeschaffung in den heutigen Zeiten anerkennt, plädiert für’s Buch.
  • Martin Edwards erzählt von den Sammelbänden mit Kurzgeschichten, die die CWA jährlich herausgibt (deren Herausgeber er schon seit Jahren ist) und seiner Einschätzung des damals jungen Ian Rankins angesichts dessen Kurzgeschichte ‘Herbert in Motion’.
  • Bei Publishing News online ist eine Zusammenfassung eines Buchmarketingreport aus UK zu lesen. Quintessenz: Ein Drittel der Buchkäufer sind empfänglich für die Gestaltung von Buchcover, insbesondere junge, sozial gut gestellte Frauen. Ältere Menschen, die größere Mengen an Bücher kaufen, sprechen weniger auf die Cover an.

bernd

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Über Print-on-Demand hatte ich ja schon wiederholt geschrieben, zuletzt -> hier. Bei Brave New World gibt es nun einen Beitrag zu eine dieser Wundermaschinen, welche die Buchverkaufswelt revolutionieren sollen. PSik 1Book™ model D druckt und bindet 250 Seiten starke Taschenbücher, schwarzweiß und in farbe in 7 Minuten. Die Verbrauchskosten sollen 3-3.50 $ betragen .

Eigentümlicherweise liegt die Tageskapazität nur bei 35-100 gedruckte Bücher am Tag und 25-40 Buchbindungen pro Stunde.

Die Vorteile liegen für den Hersteller auf der Hand. Seiner Meinung nach können nicht nur Buchgeschäfte, sondern auch Verlage (Demoversionen) und Leser aus der Maschine Nutzen ziehen.

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Wie kommt ein Mensch dazu, einen Zusammenhang zwischen den Vorfällen in Österreich, der österreichischen „Volksmentalität“ und historischer Literatur oder so zu zimmern, – tät ja nie ein vernünftiger Mensch machen.

Anders als JL (oder vielleicht auch nicht so anders) fällt mir dazu nur das Kausalitätsbedürfnis des Menschen an. Kennt jeder, eher ein Zeichen vor-rationaler Kultur. Ein schwarze Katze läuft über meinen Weg, am nächsten Tag knick ich mit den Fuß um, also konstruieren ich mir einen Zusammenhang. Das Vorgehen bietet dem Durchführenden genug Möglichkeiten der Befriedigung.

Zusammenhänge zu suchen und aufzuzeigen ist natürlich und entspricht zum Beispiel wissenschaftlichem Denken. Der Unterschied zum Kausalitätsbedürfnis des Menschen ist die Schwelle, die der rational denkende Mensch setzt, bevor er einen Zusammenhang vermutet.

Die einfachste Art einen Zusammenhang zu sehen ist die Statistik. Jedes Mal wenn ich hier auf der Erde die Hand öffne um den Gegenstand darin loslassen wird dieser zu Boden fallen. Nach meinen statistischen Auswertungen korrelieren (hängen zusammen) die Ereignisse zu 100 %. Häufig sind Zusammenhänge weniger eindeutig, wie jeder aus eigener Erfahrung weiß, ist die vorhandene Korrelation zwischen Rauchen und Sterblichkeit nicht hundertprozentik, es gibt Raucher die werden älter als Nichtraucher – obwohl, vielleicht ist das eine Frage der Perspektive, der Raucher würde möglicherweise älter werden, wenn er nicht rauchte, vielleicht, zu überprüfen ist das nicht.

Mitunter kann es sehr schwierig sein, einen Zusammenhang nachzuweisen oder auszuschließen, so publizierte ein bekannter (und seriöser) amerikanischer Statistiker in den 80er Jahren eine Arbeit, die zu zeigen schien, dass Kaffeekonsum die Entstehung des Bauchspeicheldrüsenkrebses begünstigt – später hat er selber die Arbeit nach erneuter Überprüfung der Daten zurückgezogen (ein seltenes Ereignis).

Selbst wenn man einen Zusammenhang nachweist, sagt es nichts über Kausalität aus. Ein Beispiel welches mancher noch aus der Schule kennen wird, ist der eindeutige statistische Zusammenhang zwischen dem Rückgang der Störche in den 60er Jahren und den Rückgang der Geburtenrate. Einen Zusammenhang gibt es natürlich, nur keinen kausalen, sondern beide Ereignisse sind Folge einer gemeinsamen Ursache.

Nun scheint es natürlich so, dass der Autor des Artikels aus der Times mit solchen Nicklichkeiten nicht behelligt werden will und lieber dem großen intuitiven feulletonistischen Gestus folgt und Sinn sucht. Mag sein, er mag sich auch bekreuzigen, wenn ihm eine schwarze Katze über den Weg läuft. Es fängt möglicherweise schon mit Österreich an; nun bin ich, was die Völkerwanderungen dort nach dem 1. Weltkrieg betrifft, nicht so firm, aber die vermutete „völkische Homogenität“, sie wäre erst einmal zu zeigen.

Über alle sonstigen Kausalitäten hat sich Thomas Wörtche deutlich klüger ausgelassen.

bernd

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Zehn Jahre verbrachte Gil Adamson angeblich an diesem Buch, zwei Jahre lang soll es in der Schublade geruht haben, bis ihr Lebensgefährte, Kevin Connolly (ebenfalls Dichter) es einer Lektorin zuführen konnte, danach ging alles ganz schnell, dann war das Buch in Kanada erschienen; nun ist es auch in den USA auf dem Markt. Als Krimi würde ich die durchaus spannende Geschichte um die Fluch einer Frau am Anfang des 20. Jahrhunderts tief in die Wälder allerdings nicht bezeichnen – als lesenswert schon. Meine Besprechung ist bei -> wtd.

Gil Adamson ist Dichterin und hat zuvor hat zwei Gedichtsbände und einen Kurzgeschichtenband herausgebracht. Ihre Homepage gibt es -> hier, etwas zur Vorgeschichte -> hier.

bernd

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