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Archive for Juli 2008

Tobias Gohlis moniert, dass irische Krimis zu wenig politisch seien:

Zum Beispiel das Irische: gleich, ob man Benjamin Black nimmt, Declan Hughes oder jetzt Tana French, drei ganz unterschiedliche Temperamente – auffällig ist, dass von den politischen Ereignissen, die Irland jahrelang erschüttert haben, kaum die Rede ist, alles dreht sich um Familiengeschichten, ganz unpolitisch, ganz in der persönlichen Erinnerung verankert, lange vergangen.

So viel mehr Autoren sind da auch gar nicht übersetzt, aber der gesamte Text bei Arte klingt ein wenig sehr nach pars pro toto. Das sind ja nun drei Behauptungen in einem: Die Bücher der genannten Autoren seien unpolitisch (1), der irische Krimi sei unpolitisch (2) und der irische Krimi nähme nicht Bezug auf die politischen Ereignissen, die Irland jahrelang erschüttert haben“ (3). Ich vermute ‚mal, dass mit diesen „Ereignissen“ der Nordirlandkonflikt gemeint ist.

Da der erste Punkt schon nicht ganz richtig ist, liest sich das dann so, als wenn alle Romane die nicht auf den Nordirlandkonflikt (oder wie Declan Burke schreibt: „of the 30-year conflict that involved the Provisional IRA, the INLA, the British Army, the RUC (latterly the PSNI), the Gardai, and more Loyalist paramilitary armies than you could shake a cat-o’-nine-tails at ) Bezug nehmen, unpolitisch seien. Diese Beziehung hielte ich für verkehrt (ich weiß auch nicht ob Gohlis sie beabsichtigt hat), zumal nicht jede Region Irlands in innigen Kontakt zum Konflikt stand oder steht.

Declan Burke zumindest ist etwas überrascht und nimmt Stellung. Vorausschicken muss man, dass der größere Teil der durchaus aktiven irischen Krimiautorengemeinde nicht ins Deutsche übersetzt ist, eine verallgemeinernde Aussage ist aber nur natürlich möglich, wenn man auch die nicht übersetzten Bücher berücksichtigt.

Zum Punkt, dass irische Autoren auf die Ereignisse keinen Bezug nehmen, bringt Burke einige Gegenbeispiele (hätte aber mehr in Petto):

  • Adrian McKintys Michael Forsythe ist ein ehemaliger britischer Soldat, der in THE DEAD YARD undercover verräterische Republikaner ausräuchert und In THE BLOOMSDAY DEAD hat er bei seiner Rückkehr nach Belfast Kontakt mit und eliminiert eine Vielzahl von Paramilitärs.
  • Sylvester Youngs SLEEPING DOGS LIE handelt von einem ex-IRA Mann der in die USA reist.
  • Ähnlich Ken Bruens AMERICAN SKIN.
  • In Declan Burkes EIGHT BALL BOOGIE, gehen ehemalige Paramilitärs neuen Beschäftigungen nach, insbesondere dem Kokainschmuggel.
  • In David Parks THE TRUTH COMMISSIONER werden ehemalige Paramilitärs und ehemalige RUC Offiziere für frühere Taten zur Verantwortung gezogen.
  • Colin Bateman lebt und schreibt in und über Nordirland.
  • Ebenso Sam Millar.
  • Und letztlich schreiben Autoren wie Peter Cunningham, Jack Holland and S.J. Michaels über das Thema seit den späten ’80zigern und frühen ’90zigern.

Also, der irische Krimi, können wir folgern, beschäftigt sich durchaus mit den Ereignissen. Es ist lediglich so, dass entsprechende Bücher nicht ins Deutsche übertragen werden, aber dafür kann ja nun keiner ‚was – außer den Verlagen.

Ist denn nun jeder Roman der sich nicht mit den Ereignissen beschäftigt unpolitisch ? Ist jeder, stellt ein Kommentator bei Declan die Frage, italienische Roman unpolitisch, er sich nicht mit der Mafia beschäftigt ? Wohl kaum, eine Zivilgesellschaft darf sich kaum so in „Geiselhaft“ nehmen lassen.

Bleibt also die Frage, ob den die von Tobias Gohlis genannten Autoren und deren Bücher, wie von ihm behauptet, apolitisch seien und lediglich in längst vergangenen, familiär gefühligen Zeiten verweilen ? Hierzu muss man ein wenig wissen, woher Irland kommt und wohin es geht – from being to becoming gewissermaßen. Die Abstimmung zur EU-Verfassung hatte es ja wieder in unser Bewusstsein gebracht. Irland, auch celtic tiger genannt, ist ökonomisch in den letzten 10 bis 15 Jahren explodiert und eines der ehedem ärmsten Länder der EU ist mittlerweile eines der reichsten Länder. Dieser Prozess führte natürlich auch zu beträchtlichen gesellschaftlichen Verwerfungen.

Zu Tana French Grabesgrün hatte ich schon geschrieben, dass es die drohende Zerstörung einer alten heidnischen Kultstätte thematisiert, an deren Stelle eine Autobahn gebaut werden soll. Sicher ist es nicht das Hauptthema, aber doch ein prominenter Nebenstrang. Declan Burke schreibt dazu:

In Ireland, many such developments are highly controversial and politically charged, the most obvious example being that of the M3 motorway, currently planned to run through the Tara Valley (right), an archaeological complex dating back to 2,000 BC.

Und er weist darauf hin, dass auch das Thema der Korruption von French aufgegriffen wird.

In den 50er und 60er Jahren war das Land in einem Ausmaß, welches uns kaum vorstellbar erscheint, durch die katholische Kirche dominiert. Ken Bruen verweist zum Beispiel auf die Magdalen Martyrs (Musikkennern ist „The Magdalene Laundries“ von Joni Mitchell, vom Album „Turbulent Indigo“ bekannt). In dieser Zeit spielt auch Benjamin Blacks Nicht frei von Sünde und beschreibt eindrücklich die Allmacht der katholischen „Bruderschaften“. Angesichts der Stellung der katholischen Kirche im heutigen Irland, wäre also unpolitisch für das Buch der falsche Begriff.

Declan Hughes dagegen zeigt anhand eines aus den USA zurückkehrenden Irens in Blut von meinem Blut mit welcher Kraft der celtic tiger wütet und die Gesellschaft umkrempelt.

Das letzte Wort jedoch soll Adrian McKinty gehören, einem aus Nordirland (NI) stammenden Autoren, der mittlerweile in den USA lebt:

Cant speak for the rest of NI never mind Ireland but where I’m from Carrick/North Belfast you can’t run a business without dealing with certain people who enjoy wearing ski wear in the summer. These people dont like to see themselves put down in print or TV and that has a certain chilling effect. I’m not back in Ulster that often but me and my family have had unpleasant ‚dealings‘ with these people several times in the last couple of years that has unsettled us. It can make you think twice.

bernd

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(Deutsch: Crack)
Slide ist das zweite Buch des Autorenpaars Bruen/Starr und setzt die Erzählung des ersten Buchs, Bust (deutsch: Flop) fort. Die Helden, so könnte man sagen, lecken ihre Wunden, um dann zu neuen „Höhenflügen“ anzusetzen.

So gesehen, ist es eine recht komplexe Handlung. Da will Max Fisher, Held des letzten Buches einen Drogenhandel aufbauen, ohne die geringste Ahnung zu haben, seine zugekaufte Geliebte will ihn abservieren, sucht sich aber die falschen Partner und seine frühere Geliebte angelt sich einen der von der Karriere des Serienkillers träumt und nicht einmal eine Entführung ordentlich durchziehen kann, ohne zuvor das Opfer zu töten.

Man könnte die Lektüre als guilty pleasure bezeichnen. Die Geschichte ist zwar sauber und wie im ersten Buch merkt man den Personen, die von den Autoren gnadenlos dran gegeben werden die noir-Tradition der Autoren an, aber der größere tragende Ernst, der fehlt dem Buch. Dafür ist es immer und immer wieder urkomisch, voll mit guten Szenen und Sprüchen und guter Sprache. Die Figur von Max Fisher, einem pompösen, von seiner selbst über alle Maßen überzeugter Egomane ist dabei wirklich gelungen.

Wer dieses Buch mit literaturwissenschaftlichem Ehrgeiz liest, hat es nicht verstanden und nimmt es ernster als die Autoren es beim Schreiben nahmen, wie ihre diversen Anspielungen und Cameo-Auftritten zeigen. Das brüllende Gelächter der beiden Autoren, wenn sie das nächste Mal in New York von der Kneipentour heimkommen, dürfte demjenigen sicher sein. Und doch, diese zahlreiche Anspielungen (auszugsweise von Peter Rozovsky zusammengestellt) sind schon gut, wenn auch üppig gesetzt.

Ein Buch also für die leichte Unterhaltung, zügig zu lesen, dünn zudem, ohne dass man es auf einen Rutsch durchlesen würde wollen, so fesselnd ist es nicht. Aber, dass man das nicht missversteht, ein Buch, dass das beabsichtigte Ziel erreicht.

bernd

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Mittlerweile haben sich einige Informationen zu Krimipreisen bei mir angesammelt. Künftig will ich diese ein wenig weitergeben. Den Anfang machen Anthony Awards, Barry Awards und Hammett Prize. Über den Reiter oben, Krimipreise sind die Angaben der Gewinner, Nominierten, eine kurze allgemeine Einschätzung zum Preis, die diesjährigen Nominierten und soweit der Preis dieses Jahr schon vergeben wurde auch (soweit verfügbar) eine Einschätzung der Nominierten. Ich will versuchen zukünftig entsprechend mehr Preise dazustellen.

Für Hinweise usw. bin ich, wie immer, dankbar.

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Blogstilkundeberaterin Ano von bella, auch Vivian Westwood des deutschen Blogwesens genannt, hat festgestellt, dass es sich für ein modernes Krimiblog gehörte eine Lesevorschlagsliste zu haben. Ich habe also reagiert und werde zukünftig sogar zwei Listen auf dem Seitenstreifen bereithalten, einmal mit fünf englischsprachigen Büchern, einmal mit fünf Büchern die auf deutsch erhältlich sind.

Bei den deutschsprachigen Büchern ist derzeit Tana Frenchs Grabesgrün gelistet, ein Buch das zwischen den Subgenres wechselt, mit seiner Intensivität (nicht nur mich) ein wenig an Black Dahlia erinnert, mühevolle Polizeiarbei zeigt, ein wenig Psychotriller ist, mit seinem Ende quer zu den Erwartungen steht und (nach Abwägung) mit üppiger Sprache zu glänzen weiß. Lee Childs Sniper zeigt wie perfekt Child Rätsel und Thrill kombiniert und sprachlich und stilistisch Eigenständigkeit bewahrt. Dagegen ist Matti Rönkäs Bruderland weniger für Leute die Rätsel oder den Thrill suchen. Es zeichnet, und das ist nun nicht so leicht, ein Bild eines fernen Finnland, welches diese Land ganz nah an das unsrige ‚ranführt. Es tut dieses unangestrengt, sprachlich überzeugend und enorm unterhaltend. Laura Lippman ist in den USA eine „Großmacht“, manchmal wird sie dort auch überbewertet. Das dritte Mädchen rekonstruiert die Leben dreier Schülerinnen, nachdem eines der Mädchen erschossen wurde. Es ist auch ein Buch welches, stilistisch in der Tradition Mystic Rivers, einen Ausschnitt der sozialen Wirklichkeit junger Mädchen/Frauen in den USA liefert. Stalins Geist von Martin Cruz Smith hat eigentlich nur ein Fehler: Es ist nicht von einem Russen geschrieben. Ansonsten zerlegt hier jemand sehr stimmig die russische Gegenwart und ihre „Lebenslügen“ mit Darstellungen die lange nachhallen.

bernd

Internationaler Teil folgt

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(deutsch: Blind)

Manchmal gibt es sie, die Bücher, die es den Lesern der Genres schwer (oder: leicht) machen. The Yiddish’s Policemen Union (deutsch: Die Vereinigung jiddischer Polizisten) mit dem Gewinn des Nebula Awards und den Nominierungen beim Edgar und Hammett ist ein Beispiel. The Heart-Shaped Box mit dem Gewinn des Bram Stoker Awards und des ITW (International Thriller Writer) Awards jeweils in der Kategorie Bestes Erstes Buch ist ein anderes Beispiel. Den Chabon finde ich ja als Fantasy oder Science Fiction fehlplatziert und so ganz glücklich scheinen die eingeschworenen Leser der entsprechenden Genres auch nicht zu sein. Joe Hills Buch jedoch geht eindeutig als Horror durch, keine Frage. Wenn man aber nicht unbedingt auf Cozys steht, kann man es auch als Thriller gelten lassen.

Natürlich, ein gelegentlich genanntes Axiom, dass Krimis Realitätsnähe zu demonstrieren hätten, muss man aufgeben. Aber andererseits, wie viele Thriller, bei denen es um nichts weniger als die Rettung der Welt geht, sind wirklich „realitätnah“ ? Will man sich auf The Heart-Shaped Box einlassen, muss man für die Zeitdauer der Leküre die Prämisse akzeptieren, dass da Geister unterwegs sind, die den Menschen zusetzen können. Zum Beispiel um noch offene Rechnungen aus der Zeit zu begleichen, als die Körper der Geister noch existierten.

Auch Judas (Jude) Coyne muss das akzeptieren. Nun, fällt ihm nicht so schwer, aber überraschend ist es doch. Schlecht nur, dass er gar keine Ahnung hat, wie man mit ihnen umgehen muss, geschweige denn, sich ihrer erwehren kann. Andere hatten deshalb auch die für sie einzig logische Konsequenz gezogen und Selbstmord begangen. Jude jedoch ist ein Kämpfer und er ist eine Legende der Rockmusik, stilistisch irgendwo zwischen Nirvana, Nine Inch Nails, Black Sabbath vielleicht mit einem Schuss Johnny Cash. Seine Band besteht nicht mehr nachdem zwei der Kumpels umgekommen sind. Nun lebt er als alternder Mann (54 Jahre) auf seinem Anwesen und sammelt junge „gothic“ Frauen, die er nach dem Bundesstaat benennt, aus denen sie stammen.

Derzeit ist er mit Georgia zusammen, als der Geist des Stiefvaters von Florida sie heimsucht, die ihrerseits Selbstmord gegangen hatte, nachdem Jude sie, ihrer Depressionen überdrüssig, heimgeschickt hatte. Für Jude und Georgia beginnt eine „gespenstische“ Reise durch die USA auf der verzweifelten Flucht und Suche nach Hilfe gegen den Geist.

In meinen Augen funktioniert das recht vortrefflich. Hill schafft es immer wieder die Geschichte zuzuspitzen und überraschende Wendungen zu finden. Dabei enthält das Buch eine Vielzahl von Musikzitate (der Titel zum Beispiel, nach einem Song von Nirvana), von denen ich sicherlich nicht alle mitbekommen habe.

Es funktioniert aber auch deshalb, weil Hill die Geisterebene ernst nimmt, andererseits die wenigen Menschen, die vorkommen, ausführlich zeichnet … so dass letztlich die Ereignisse dazu führen, dass Jude anfängt über seinen Umgang mit Frauen nachzudenken.

Im Krimibereich eher ungewöhnliches Buch, dass sich aber gut lesen lässt und Menschen, um die gelegentlich ein Bogen gemacht wird, ein menschliches Angesicht verleiht. Ob man nun tiefer darauf einsteigen mag, dass es sich letztlich um eine girl-saves-man Story handelt, muss der Leser für sich selber entscheiden.

bernd

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Bei der Suche nach Informationen die zum Beitrag vom Freitag zum Thema Detektive und Orte passen, fand ich einen Internetauftritt der definitiv eine eigene Würdigung verdient: G.J. Demko’s Landscapes of Crime

Der Internetauftritts des Collegeprofessors hat einiges zu bieten.

So zum Beipiel Landkarten zur Häufigkeitsverteilung von Krimis auf Orte bezogen. Basierend auf Allen J. Hubins Crime Fiction: A Comprehensive Bibliography sind die großen Orte/Länder der Welt danach dargestellt, in wie vielen Krimis sie Spielorte sind. Berücksichtigt wurde der Zeitraum von 1749 bis 1994 und nur Bücher, die ins Englische übertragen wurden.

Von G.J. Demko.

Dieser hält diverse Karten bereit, die entsprechende Informationen für die Städte und Länder der einzelnen Kontinente bereitstellen.

Nimmt man die verschieden Karten zusammen, ergibt sich, dass Los Angeles und New York, mit 1000 – 4000 „Settings“ die beiden populärsten Orte sind, dann folgt London mit 600 – 1000 und Paris mit 500 – 600. Berücksichtigt man, dass mancher Roman der in Paris spielt, nicht ins Englische übertragen wurde, dürfte Paris zu London aufschließen.

Aber Demko Auftritt hat nicht nur einige Landkarten um’s Thema Krimi und „Location“, sondern auch zahlreiche Texte hierzu. Die Darstellung des Ortes wäre für das Krimigenre ein spezifisches Kennzeichen, schreibt er – eine durchaus ungewöhnliche Behauptung.

The physical setting, type of legal system, types of people involved, the accessibility of the place of the crime, and many other characteristics are critical to the story and important in order to understand what is transpiring.

Das habe aber nichts mit dem Konzept des Regiokrimis zu tun, sondern mit der Wechselwirkung von Ort und Handlung („The concept of regional writing is somewhat silly inasmuch as all fiction is regional„). Dabei kann man die landschaftliche Umgebung und die kulturelle Umgebung unterscheiden, wobei in einem Buch natürlich auch mehrere Umgebungen vorkommen können („Many of the Sherlock Holmes stories change contexts from posh, upper class manors and characters to terrible opium dens of inner London.„). Gemeinsam können diese unterschiedlichen Darstellungen in einem komplexen Gesamtbild resultieren:

A masterful author can also imbue the location with deeper meaning – a sense of place. This sense of place is something greater than the combination of locational descriptors; it is an ambiance conjured up by nuanced writing that captures the aura, the abstract and real components of a place in a special way that allows the reader to feel, smell, and even touch the setting […]

Da die Autoren und die Krimis die sie schreiben ein Teil der realen Situation vor Ort sind, gibt es eine Wechselwirkung zwischen Settings und Art der Romane, wie er am Beispiel von Krimis feststellt, die ökologische Gegebenheiten aufgreifen:

Environmentally oriented mysteries are often associated with more rural, topographically rugged areas such as Alaska, the Southwest and Northwest. Places such as Florida, New Orleans and California, where environments are being despoiled by development, are also noted for such themes – works by Carl Hiaasen in Florida, Marcia Muller in California and M.T. Kingsley in Louisiana are good examples.

In den USA seien gerade die Bücher bekannter Autoren mit dem Ort oder der Region verbunden wie Raymond Chandler für Los Angeles, Mickey Spillane für New York, Robert Parker für Boston, James Lee Burke für Louisiana, und Nevada Barr für die U.S. Nationalparks zeigten.

Die sogenannten “regionalen” Autoren sein häufig besonders populär und erfolgreich, hier nennt er Tony Hillerman im Navahogebiet, Sue Grafton deren Heldin die kalifornische Westküste bearbeitet und Sara Paretsky deren V.I. Warshawski Chicago in und auswendig kennt.

Ein Beitrag beschäftigt sich mit Krimis als Reisebücher. Wenn sie auch die besten Restaurants und Museen nicht benennen, könnten sie Orte charakterisieren, gute Beispiele seien Donna Leon (sic !) und Venedig (ebenso Magdalen Nabb), Barbara Nadel und Instanbul, Georges Simenon und Paris sowie Batya Gur und Robert Rosenberg und Israel.

In den USA selber seien Tony Hillerman und Navaho Country (-> Literaturempfehlung), Nevada Barr und die Nationalparks, Laura Lippman und Baltimore, S.J. Rozan und New York, Julie Smith und New Orleans sowie Linda Barnes und Boston entsprechende Beispiele.

Und für eine Zeitreise nach Rom sei zum Beispiel Lindsey Davis eine idealer Begleiterin.

Darüber hinaus liefert er reichhaltige Informationen zu Bücher die tatsächlich Landkarten enthalten, liefert einen Buchtipp für ein Buch welche britischen Krimilokalitäten beschreibt und beschäftigt sich mit Krimis die in eisigen Regionen spielen, zum Beispiel Martin Cruz Smiths, Polar Star, das wesentlich interessanter sei als Gorky Park (Demko ist wohl russischstämmig) und nicht nur Jonathan Gibbs stimmt ihm zur Verwunderung Tobias Gohlis zu, sondern auch die Krimicouchleser, oder Kerstin Ekmans Blackwater (deutsch: Geschehnisse am Wasser) und natürlich Peter Hoegs Smilla’s Sense of Snow (deutsch: Fräulein Smillas Gespür für Schnee).

Man mag ja manches davon ein wenig heimelig finden und für Literaturwissenschaftler unterhalb der Akzeptanzschwelle sein, aber wenn man sich die Texte genauer anschaut, sieht man auch dass Demko sehr kundig ist, zahlreiche gute Tipps hat und einen ungewöhnliche aber interessanten Zugang zu Krimi hat – sagt ja keiner, dass es sein einziger ist. Seine Liste neuerer europäischer Autoren zumindest zeigt, dass er am Puls der Zeit und vielen seiner Landleute weit voraus ist.

bernd

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Bei -> Arte gibt es die Krimiwelt-Bestenliste des Monats August 2008:

1. John Harvey: Schlaf nicht zu lange

2. Jenny Siler: Portugiesische Eröffnung

3. Tana French: Grabesgrün

4. Colin Cotterill: Dr. Siri und seine Toten

5. Garry Disher: Niederschlag

6. Matti Rönkä: Bruderland

7. Rex Miller: Fettsack

7. Richard Stark: Fragen Sie den Pagagei

8. Wolfgang Schorlau: Brennende Kälte

9. Leonardo Padura: Der Nebel von gestern

Die Liste wird ihrem Ruf als Durchlauferhitzer gerecht, fünf der Titel sind neu, vier waren letzen Monat hinzugekommen, lediglich Matti Rönkäs Bruderland ist schon im dritten Monat dabei.

Sieben der Bücher stammen von englischsprachigen Autoren, diese schreiben jedoch über (oder stammen aus) Australien, Laos, dem Mittelmeerraum und Irland, eine bunte Welt also. Mit Garry Disher ist ein zweifacher Gewinner des DKP vertreten, der Australien schon international vertrat, als Peter Temple noch weithin unbekannt war.

So ganz mag mich der Deutung Tobias Gohlis zu den irischen Krimis nicht anschließen. Ob Tana French jetzt ein gemachter Star ist, wie er behauptet, kann ich nicht beurteilen, nur ist es schlichtweg auch so, dass ihr Buch eine Vielzahl guter Rezensionen erhalten hat (Declan Burke hat das dokumentiert). Man kann kaum behaupten, dass diese Rezensenten nur dem Marketing hinterher hechelten.

Ein zweiter Punkt ist der rasche Wandel, den Irland die letzten Jahre durchgemacht hat; der Irische Krimi (auch French) würde diesen nicht abbilden, sondern zöge sich ins unpolitische Off zurück. Im Vergleich zu Padura und seiner unmittelbaren Darstellung politischer Ereignisse könnte man Gohlis zustimmen, ansonsten weniger. Auch ist Irlands Krimiwelt wesentlich vielfältiger als von ihm gezeichnet (ich sage nur: Ken Bruen). Bei Grabesgrün wird der Wandel auch nicht ausgeklammert, sondern stellt einen Nebenarm der Erzählung dar. Der umstrittene Bau einer Autobahn und die drohende Vernichtung einer alten Kultstätte … na wenn das nicht symbolträchtig ist. French selber hatte in einem Interview gesagt, dass ein derartiges reales Ereignis der Ausgangspunkt für das Buch war.

Sechs der zehn Bücher sind Tb-Ausgaben. Ein Buch ist von einem deutschsprachigen Autoren, zwei Bücher sind von Frauen geschrieben.

bernd

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Der Artikel aus dem Independent der mit 80 Detektiven (sleuths) um die Welt reist, wurde schon mehrfach besprochen, so von Tobias Gohlis, auf dem Vienna Writer’s Blog und bei Sarah Weinman, eine Reposte gibt es von David J. Montgomery.

So ganz ist mir der Sinn des Artikels nicht klar, geht es um Detektive oder um die Orte oder um das Wechselwirken zwischen den beiden ? Es lohnt sich auf jeden Fall den Artikel von Gohlis zweimal zu lesen, denn in der Tat ist die Sichtweise Jonathan Gibbs britisch, zutiefst britisch. Leonie Swann als Vertreter des ländlichen Irlands, dazu muss man wohl Brite sein (weil es das eigenständig Irische missachtet), dazu passen auch Robert Wilson für Lissabon, Sherlock Holmes für die Schweiz, Nikolas Freeling für Amsterdam, Barbara Nadel für Istanbul, Nick Stone für Miami, Agatha Christie für die Karibik und für Ägypten, Alexander McCall Smith für Botswana, Michael Walters für die Mongolei, David Peace für Tokyo, die einzige japanische Stadt die genannt wurde und Colin Cotterill für Laos.

Manche der Autoren sind wohl zwingend, sicher Cotterill, Wilson, Walters, aber bitte, Christie kann nicht alles sein was es zu Ägypten gibt (zumal Gibbs ansonsten nur auf relativ wenige ältere Autoren zurückgreift). Nick Stone als Vertreter Miamis, so gut der Autor ist, aber es gibt besser verwurzelte Detektivgeschichten in Miami, zum Beispiel die Serie von Jonathon King.

Wie die Nennungen von David Peace und Derec Raymond zeigt, ist Gibbs durchaus offen für moderne, eigenwillige Autoren, aber Galway und Ken Bruen auszulassen. ist schon fast sträflich. Ähnlich wie Gohlis verwundert es mich, das die kurze Episode in Cinnamon Kiss (erscheint demnächst auf Deutsch) von Easy Rawlins in San Francisco für diese Stadt herhalten muss. Andere Autoren schaffen es mit Leichtigkeit Bilder der Stadt aus der Vergangenheit und Gegenwart zu wecken, zum Beispiel Laurie R. King oder Domenic Stansberry. Scheint fast so, als sollte Rawlins unbedingt untergebracht werden, aber dann hätte Gibbs es auch wie in New York machen können, das als Brooklyn ein zweites Mal genannt wird.

Interessant scheint mir die Würdigung Jakob Arjouni, der vor Kurzem ja von Glenn Harper als Referenz für den modernen Hardboiled bezeichnet worden war. Viele deutsche (und österreichische) Autoren sind ansonsten bisher nicht übersetzt worden, wie ein Blick auf die Liste bei Eurocrime zeigt.

Die Idee über Krimis etwas über Orte und Regionen zu erzählen, geht mit schon eine Weile im Kopf ‚rum, aber die Umsetzung ist eigentlich zu aufwändig für einen Blog, also freue ich mich über das was Gibbs gemacht hat, zumal da ja auch einige Leseempfehlungen verborgen sind.

bernd

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Man könnte ganze Bücher mit den Klagen von Frauen über die Benachteiligung im Krimigenre füllen, manche derartige Beschwerde scheint mir nachvollziehbar: „She [Denise Mina, bk] says: ‚Coverage in the UK is always gendered. In the States you talk about Foucault or the purpose of your writing and that gets into the papers. In Australia, you’ll be asked ‚what’s your manifesto as an artist?‘ In Britain it’ll be: ‘How do you manage the housework?‘‚“

Zumeist dann, wenn es wieder eine Liste der fünfzig besten, schönsten, wildesten oder dümmsten Bücher oder eine aktuelle Nominierungsliste gibt, wird der Mangel an Frauen auf diesen Listen beklagt. Hier setzt dann gerne (bei mir) der Reflex ein, genervt zu sein. Zwei der drei großen Kategorien dieses Jahr bei den Edgars wurden von Frauen gewonnen, ebenso zwei von vier bei den Daggers und der Hammett and die beiden Kategorien beim Agatha sowieso. So schlecht schneiden sie also nicht ab. Sollte dagegen, wie letztes Jahr beim Anthony Award in der Kategorie bestes Buch, Männer abwesend sein, beschwert sich ja auch niemand.

Wie schaut es aber wirklich aus ? Wie werden Frauen bei den großen Krimipreisen berücksichtigt ? Vielleicht kann man versuchen, das Bild ein wenig objektiver zu gestalten. Also habe ich den Anteil der nominierten Frauen an den verschiedenen Kategorien und Preise in den letzten zehn Jahren gezählt – gelegentlich lagen nur die letzten neun oder acht Jahre vor, dann musste ich mit diesen vorlieb nehmen, dort wo Daten für weniger Jahre zur Verfügung standen, habe ich ganz drauf verzichtet. Beim Glauser habe ich im Netz die entsprechenden Informationen nicht gefunden (sollte sie jemand kennen, wäre ich sehr verbunden).

Es gibt doch erhebliche Unterschiede. Bei den Agatha Awards (dem Preis für Cozys) lag der Anteil der Frauen (alle Kategorien zusammengefasst) bei 96 %, beim Los AngelesTime Book Prize bei 10 %. Bei den Macavitys lag der Anteil bei 49 %, bei den Anthonys bei 53 %, ansonsten: Dilys 37 %, Hammett 35 %, Edgars 32 %, Daggers 32 %, Barrys 31 % und Shamus 22 %.

Die Zahlen sind ein wenig mit Vorsicht zu werten, ich kenne den Anteil der Frauen an den insgesamt erschienen Krimis nicht, insbesondere wird der Anteil über die verschiedenen Subgenres nicht gleichmäßig verteilt sein. Der hohe Anteil der Frauen bei den Agathas dürfte einem größeren Anteil an den publizierten Büchern dieses Subgenres entsprechen, ebenso der kleinere bei den Thrillern (John Creasey Award 17 %). Hier wird es dann aber schon haarig, nicht umsonst beklagte sich Jenny Siler, weil sie im harten Milieu als Autorin nicht wahrgenommen wird.

Betrachtet man die einzelnen Kategorien, fällt auf, dass der Anteil der Frauen in der Kategorie Bestes Erstes Buch und/ oder Bestes Taschenbuch üblicherweise höher ist als in der „Königsdisziplin“ Bestes Buch – siehe unten. Bedeutet das jetzt, dass die Juroren Frauen weniger zutrauen das große Buch zu schreiben oder dass Frauen weniger Verträge für große edle Hardcoverausgaben bekommen ?

Aber schon auffällig, wenn man Anthony und Macavity als Maßstab nimmt, scheint bei den meisten anderen Preisen eine gewisse Unausgewogenheit da zu sein, auch beim Shamus der ja das Subgenre des Privatdetektivromans bedient, welches möglicherweise mehr männliche Autoren sieht. Und, wie man sieht, gilt das auch außerhalb des englischen Sprachraums.

Bestes Buch Bestes Erstes Buch Bestes Taschenbuch Bester Thriller Bester Brite Gesamt
Agatha 98 % 94 % 96 %
Anthony 45 % 57 % 57 % 53 %
Barry 23 % 36 % 49 % 19 % 31 %
Dagger 35 % 46 % 17 % 32 %
Dilys 37 %
Edgar 36 % 27 % 34 % 32 %
Hammett 35 %
LA Times 10 %
Macavity 43 % 57 % 49 %
Shamus 17 % 14 % 35 % 22 %
Deutsch International Gesamt
DKP 20 % 3 % 12 %
Glauser 37 % 37 % 37 %

Anteil der Frauen an den Nominierten der verschiedenen Preise und Kategorien im Zeitraum 1999 bis 2008 (Shamus 1998 – 2007).

Ach ja, bevor es Gemaule gibt, Antwort zur Eingangs gestellten Frage: Natürlich nicht.

bernd

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Dass die USA zunehmend einen Teil der schmutzigen Arbeit auslagern, die im und um den Krieg herum stattfindet, dürfte kaum jemanden entgangen sein. In The Hard Way gerät eine Truppe, die derartige Dienste anbietet, an der Heimatfront unter Druck. Und eher zufällig stolpert Jack Reacher in eine Geschichte, die den Moralisten und Ehrenmann auf’s Höchste fordert.

Die Frau von Edward Lane, dem Leiter der Truppe wird entführt, Lösegeldforderungen und Anweisungen zur Übergabe des Lösegeldes treffen ein. Die Truppe besteht aus Männer, die alle in Spezialeinheiten gekämpft haben. So sehr aber auch erfahrenste Kämpfer in der Truppe sind, zum Aufspüren der entführten Frau und des Geiselnehmers fehlt Ihnen die Kompetenz.

Mehr als sonst ist Reacher in diesem Buch als Rätsellöser gefordert und so zwingend seine selbstsicheren Aussagen auch scheinen, er liegt doch häufiger daneben. Folgerichtig hat er dann seine stärksten Auftritte, wenn er wieder als Ritter gefordert ist, der scheinbar gegen Übermächtige kämpfen muss.

Wirklich schlecht können die Bücher Lee Childs überhaupt nicht sein, aber einen der Höhepunkte der Serie stellt The Hard Way nun auch nicht dar. Schon am Anfang die erste Szene, als er sich breit schlagen lässt und einem Emissär folgt, weil Lane die Beobachtungen Reachers aus erster Hand hören möchte, schon dort wirkt es nicht ganz glaubwürdig. Wie kaum eine andere Serie folgt diese einer der Vorgaben der Klassikern. Natürlich lernen wir in vielen Büchern neue Seiten von Reacher kennen, aber eine Entwicklung seiner Persönlichkeit ist ja nun abwesend. Wenn, wie hier, die Geschichte nicht so stark ist, dann fehlt ein wenig das ausgleichende Moment.

Ohne aufregende sprachliche Extravaganz, im ersten Teil etwas zögerlich, The Hard Way ist ein Buch, welches sich müht, um am Ende, wie üblich, hohe Drehzahlen zu erreichen.

bernd

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