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Archive for November 2007

Barry Eisler ist nicht nur ein Autor von spannenden Thrillern, sondern wie sein Blog The Heart of the Matter zeigt, auch ein extrem guter Beobachter und Kommentator von Politik, Gesellschaft und Literaturbusiness. In einer Folge von Beiträgen (-> 1., -> 2., -> 3.) mit dem Titel First Madonna and Radiohead; Next, James Patterson auf M.J. Rose‘ Blog Buzz, Balls & Hype hat er sich nun ein wenig mit der Zukunft des Buches als Medium und Geschäft beschäftigt.

Die Tatsache, dass Radiohead und Madonna nahezu gleichzeitig ihre Plattenfirmen verlassen haben, um sich selber zu vermarkten, sei kein Zufall sondern eine Folge der Digitalisierung von Medien. Der wesentliche Geschäftsvorteil den Plattenfirmen, Buchverlage, Filmstudios und Zeitungen in der Vergangenheit gehabt hatten und der verhinderte, dass Fremde in ihre Märkte einbrachen, war der Vertrieb. Dieses ändere sich mit der digitalen Technologie: Nicht nur die Herstellung sondern insbesondere die Verteilung wird deutlich billiger. „I’m not arguing that labels offer no value other than distribution, just that distribution has always been their *key* value, the one thing that only they could offer.“ Die genannten Zweige werden deshalb andere Möglichkeiten finden müssen einen Wettbewerbsvorteil zu generieren.

Denn die Probleme mit denen die Musikindustrie zu kämpfen hat, greifen auf andere Zweige über. Die Filmindustrie wird folgen, „As more and more theaters install digital projectors, movies will be distributed to thousands of locations with a single click of a mouse.“ und Zeitungen/Zeitschriften leiden derzeit schon, „The newspaper business — or, more broadly, mainstream media — is already reeling from its loss of distribution as a competitive advantage.“.

Dem digitalen Buch räumt er keine so große Chance ein [in einem Kommentar scheibt die diesjährige Edgargewinnerin Naomi Hirahara dagegen, dass die Lektüre von Büchern über’s Handy schon Realität sei und sie an die Zukunft des digitalen Lesens glaube: „Looking at how technology is used in Tokyo is a harbinger of what is to come here. People reading novels on their cell phones? Yup, I can see it.“]. Auf jedem Fall glaubt Eisler an die Zukunft des POD:

I’m talking about standalone print-on-demand (POD) stations like Jeff Marsh’s Espresso Book Machine that can receive a digital download, and then print out and bind a book in a matter of minutes.

At some point, as POD quality goes up and traditional book quality goes down, the two will meet in the middle.

Wenn nun die großen Buchhandelsketten, wie Thalia, Weltbild oder Karstadt oder Globus sich solche Geräte aufstellten, was würden dann passieren ?

[Sind die Geräte überhaupt erfasst durch die Buchpreisbindung ?]

Die Buchpreisbindung (BPB) in Deutschland bindet in der Praxis lediglich den Ladenpreis eines Buches nicht den Verkaufspreis an den Großhändler. Die großen Händler handeln also bessere Konditionen aus – etwas das der BPB auch eines Tages den Hals brechen wird, denn die Unterschiede im Einkaufspreis zwischen den großen und kleinen Händlern werden größer, so dass die Verbraucher mit der PPB die großen Handelsketten subventionieren. Die POD-Maschinen würden den Wettbewerbsvorteil der großen Mengenabnahme reduzieren [hier bin ich mir unsicher, die Bereitschaft ein Buch auf einer Maschine zu listen, werden die Aufsteller sich möglicherweise bezahlen lassen wollen]. Möglicherweise also eine gute Nachricht für kleinere Buchhändler, so Eisler.

Auf jeden Fall wird in der Folge die Distribution flacher, und Buchhändler werden versuchen ihre eigenen Bücher `rauszubringen, etwas das in den USA jetzt schon losgeht. In Deutschland scheint mir da Weltbild gut aufgestellt zu sein.

„My guess is, as retailers become more like publishers, publishers will become more like agents.“

Mehr den je wird es darauf ankommen, eine Marke darzustellen. Verlage selber stellen für Käufer kaum einen Grund dar, ein bestimmtes Buch zu kaufen (im Sachbuchbereich könnte es anders sein). Die einzige Marke die Eisler sieht, ist der Autorenname.

Nun denkt man ja ganz naiv, dass bei den meisten Autoren die Kapazitätsgrenze bei einem maximal zwei Büchern pro Jahr erreicht ist, aber auch hier gibt es Abhilfen. Zum einen diese Sprüche mit denen bekannte Autoren, Bücher anderer, weniger bekannter Autoren segnen (im Englischen „blurbs“ genannt) : „Blurbs are a modest form of brand extension. Blurbing a book implicitly says to a potential customer, „I’ve read this book [ha-ha] and I liked it. You trust me, so trust me when I tell you you’ll like this book, too.“

Und zum anderen das was man als Pattersonphänomen beschreiben kann. Denn James Patterson schreibt mittlerweile mit Koautoren, so schaffte er es in 2006 mit fünf verschiedenen Büchern den ersten Platz der NYT (New York Times) Bestsellerliste für insgesamt 16 Wochen inne zu haben. Wie da welche Arbeitsanteile verteilt sind, ist natürlich völlig unklar, aber es erinnert an die mittelalterlichen Schulen der Maler, wo die Bilder auch alle unter dem Namen des Meisters ‚rauskamen, aber von Schülern angefertigt worden waren – Rembrandt ist ein Beispiel.

Wie dem auch sei, es gibt viele Leute, die glauben, dass Patterson den Ausstoß seiner mit Koautoren geschriebenen Bücher locker auf zehn, vielleicht bis zu 100 Büchern erhöhen könnte.

bernd

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[…] würde es mich nicht überraschen, wenn ‚Songs of Innocence‘ nächstes Jahr auf der einen oder anderen Nominierungsliste auftauchen sollte.Schrieb ich zu Charles Ardais Buch.

Nun, welche Nominierungslisten da auch immer in Frage kommen mögen, die des Edgar Awards gehört auf jeden Fall nicht dazu. Nicht, dass man dort die Qualität des Buches zwingend anders einschätzte, aber er darf nicht. Gewissermaßen juristische Gründe: Selbstpublizierte Bücher sind nicht zugelassen (-> bei Sarah Weinman kann man’s nachlesen, incl ausführlicher Diskussion).

Der Edgar ist der mit Abstand renommierteste Krimipreis der USA und wird von den „Mystery Writers of America“ (MWA) vergeben. Diese hatten 2006 die Kriterien des Preises (der in unterschiedlichen Kategorien vergeben wird) geändert. Da Charles Ardais Buch bei Hard Case Crime erscheint und ihm diese Firma gehört, gilt das als Selfpublishing [es gibt da noch Detaildiskussionen, aber wir wollen es dabei vorläufig belassen] und dieses ist Ausschlusskriterium.

MWA ist auch eine Interessenorganisation und will offensichtlich ihre Mitglieder schützen. Deshalb lassen sie auch eine gewisse Art von Autoren nicht als Mitglieder zu (Ardai ist seit Jahren Mitglied und war auch schon Juror). Das kann ich verstehen, nur die Frage, ob ein Buch preiswürdig ist, berührt ja einen ganz anderen Sachverhalt und per se muss man kein Mitglied bei MWA sein, damit das eigene Buch einen Edgar gewinnt.

Mich erinnert das an Arnold J. Toynbee, der eine umfassende Analyse über den Aufstieg und Fall von Kulturen und Gesellschaften geschrieben hat – und was ist, im Kleinen, Edgar und MWA anderes ? MWA will ihre Mitglieder schützen und könnte mittelfristig ihren Preis beschädigen. Denn das wäre ja so, als wenn Madonna oder Radiohead keine Preise bekommen dürften.

bernd

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It’s as simple as that, John. Everybody is playing their own angle in this, including the law.

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Diese Aussage Bobby Genarros, der Hauptperson des Buches, trifft es ziemlich genau. Italienische Mafia, irischer Mob, chinesische Banden und Polizisten, ehrliche und wie korrupte. Alle mit undurchsichtigen Interessen, ‚mal miteinander, ‚mal gegeneinander gerichtet. Sie täuschen, lügen und betrügen und meinen auch noch ihre männliche Ehre verteidigen zu müssen.

Mitten drin Roberto Genarro, der früher ein Wettbüro für die Mafia betrieb, aber nicht so richtig zur Familie gehörte. Er stieg aus, weil er ein neues Leben anfangen und eine Familie gründen wollte. Mitten drin also auch Lin Yao, seine Freundin und die Cousine eines aufstrebenden chinesischen Gauners. Auch sie möchte eine Familie gründen, aber nicht mit einem Mann der erschossen werden könnte.

Wer ein Wettbüro der Mafia führt, hat „illegal “ Geld mitgehen lassen, so die Logik der Mafia. Also beschließt sie eine Sondersteuer, die Genarro zu entrichtet hätte. Der mag aber nicht, worauf man bei der Mafia beschließt, ihm eine kleine Lektion zukommen zu lassen. Da gibt es einen Irischen Schläger, der immer wieder für die Mafia tätig ist, aber leider nichts über Lin Yao Verbindungen weiß.

Schlag auf Schlag geht das, die gesamten 280 Seiten des Buches über. Das Buch hat keinen Fokus, keine ruhende Mitte; die Perspektive und die Geschichte wechseln von Kapitel zu Kapitel und doch wirkt Shakedown nicht chaotisch sondern dynamisch. Das Buch hat den Humor, der zu der Mafiageschichte passt und Stella ist ein meisterhafter Erzähler.

Das merkt man gleich im ersten Kapitel, wo zwei Mafiosi, ein Neuling und ein eiskalter Killer, der Probleme hat, seine Aggressionsausbrüche im Zaume zu halten, sich im ehemaligen little Italy aufhalten, das mittlerweile fest in chinesischer Hand ist.

Dialoge, Szenerie, Handlung wirken einfach stimmig. Stella gehört bisher auch zu den Autoren mit ausgezeichnetem Ruf und geringer Leserzahl. Hierzu trägt möglicherweise auch die Tatsache bei, dass seine bisherigen Bücher nur als Hardcover erschienen sind. Shakedown ist nun das erste Buch, das auch als Paperback erscheint, vielleicht hilft es dem Autoren.

bernd

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Coverkunst

Ich bin ja ein großer Fan der Coverbilder, die Axel Bussmer neuerdings allwöchentlich darbietet (z.B. -> hier oder -> hier). Besonders beeindruckt mich der gute Zustand (selber eingescannt ?) in dem sich die Bücher zu befinden scheinen. Ich habe zwar auch einige Bücher mit interessanten Cover aus den 50er bis 70er Jahren, aber da ich sie als Schüler gebraucht gekauft hatte, nicht so gut erhalten.

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Für alle, die sich ebensfalls für diese Cover interessieren, gibt es bei Rap Sheet den Hinweis, dass man -> dort entsprechende Wallpapers ‚runterladen könne – siehe oben.

bernd

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Mit der Besprechung des -> Janissary Tree habe ich nunmehr alle Bücher gelesen und besprochen, die für die Kategorie „Bestes Buch“ des Edgars 2007 nominiert waren.

Gelegenheit ein kurzes Resumee zu ziehen. Nominiert waren dieses Jahr die folgenden Bücher:

Eine Ansammlung qualifizierter Bücher, ohne Frage. Mina nähert sich mit den Büchern Ihrer Serie langsam den 90er Jahren, in denen es dank des Ölbooms zu einem rapiden Umbau der schottischen Gesellschaft kam; Harris liefert eine schöne Charakterstudie, Steinhauer lässt mit seiner Serie den kalten Krieg Revue passieren und wechselt auf die andere Seite der einst unpassierbaren Grenze und Pickard schreibt eine Anatomie einer Kleinstadt und ihrer „Granden“.

Größtenteils spielen die Bücher in der Vergangenheit. Goodwin und Bayard (letzterer auch sprachlich) setzen deren Atmosphäre besonders prächtig in Szene.

Die Hälfte der Bücher sind von Briten verfasst. Das ist im Durchschnitt der letzten Jahre ein relativ hoher Wert (obwohl, 2004 gab es gar keinen US-amerikanischen Kandidaten), kommt aber angesichts der frischen jungen Stimmen, die auf der Insel auftauchen, nicht ganz überraschend. Allerdings gehören die diesjährigen Kandidaten dieser „Bewegung“ gar nicht an; alleine Denise Mina gehört zu den Autorinnen, die so etwas wie die Weiterentwicklung des klassischen britischen Detektivromans probieren.

Insgesamt war dieser Wettbewerb nicht auf dem Niveau des Vorjahres. Dessen Kandidaten hatten zum Teil einen nachhaltigen Eindruck auf mich gemacht.

Was bleibt ? Meiner Meinung nach wird The Virgin of Small Plains das Buch des Sextetts sein, dass am längsten bei den Lesern Zuspruch finden wird. Es war auch das Buch, welches über alle US-Krimipreise des Jahres 2007 gesehen, das erfolgreichste war. Mina und Steinhauer sind jüngere Autoren von denen man noch hören wird.

Müsste ich mich entscheiden, würde ich zwischen The Virgin of Small Plains, Gentlemen and Players und The Dead Hour schwanken. Einige werden sich vielleicht daran erinnern, dass ich Minas Buch beim Anthony Award keine Chance eingeräumt hätte, aber der Edgar ist auch ein anderer („literarischerer“) Preis.

bernd

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Klassiker

-> dpr weist auf ein interessantes Buchprojekt hin. Herausgegeben von Frank Göhre erscheinen als „Kriminelle Sittengeschichte Deutschlands in zehn Bänden“ bei der Edition Köln 10 klassische deutsche Krimis, Erstpublikation zwischen 1957 und 1993, in der Neuauflage, jeweils mit einem Porträt des Autors.

Interessante Zusammenstellung: Hansjörg Martin: Kein Schnaps für Tamara, Friedhelm Werremeier: Taxi nach Leipzig, -ky: Einer von uns beiden, Irene Rodrian: Schlaf, Bübchen, Schlaf, Peter Zeindler: Feuerprobe. (Die, die ich selber im habe).

Einer von uns beiden ist auch -> verfilmt worden. Bei Martin und Werremeier hätte ich gedacht, dass aufrechte Leser diese für nicht satisfaktionsfähig hielten. Einen anderen Werremeier (Ein EKG für Trimmel) hatte ich letztes Jahr gelesen und war überrascht gewesen, wie frisch und schlackenlos das Buch wirkt.

Wenn das Projekt gut anläuft, soll es verlängert werden. Dann könnte vielleicht auch der einzige kleine Makel des Projekts abgestellt werden, dass nämlich ein hoher Anteil der Bücher aus Hamburg und Umgebung kommt. Nicht, dass ich etwas gegen meine Heimatstadt hätte, aber es scheint mir nicht die tatsächliche regionale Verteilung widerzuspiegeln.

bernd

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(Deutsch: Die Weisheit des Eunuchen)

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Jason Goodwin ist bisher als Autor von Reisebüchern in Erscheinung getreten. The Janissary Tree ist der erste Roman des Autors und verdankt seine Entstehung, so schreibt Goodwin im Nachwort, auch seiner Faszination für Istanbul und so liegt dann auch ein Teil des Reizes des Buches in seiner Darstellung der Stadt als Teil des osmanischen Reiches. Meine Besprechung des Buches findet sich bei -> wtd.

Mittlerweile ist ein zweites Buch um den Helden des Buches, dem Eunuchen Yashim in englischer Sprache erschienen und eine ältere Reisereportage von Goodwin wird demnächst auch in Deutschland auf den Markt kommen.

Goodwin hat auch eine -> Homepage, die aber noch im Aufbau zu sein scheint . Der Grumpy Old Bookman weist in seiner Besprechung (die ich „vollinhaltlich“ teile) darauf hin, dass Goodwin (natürlich) nicht der erste ist, der ein Buch schreibt mit einem Eunuchen in der Hauptrolle.

bernd

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