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Archive for November 2008

In der neuen grafischen Darstellungen gibt es bei -> Arte die Krimiwelt-Bestenliste des Monats Dezember 2008:

1. John le Carré – Marionetten

2. Jean-Francois Vilar: Die Verschwundenen

3. Jerome Charyn – Citizen Sidel

4. Jo Nesbø – Schneemann

5. José María Guelbenzu – Stört den Mörder nicht

6. Ian Rankin – Ein Rest von Schuld

7. Fred Vargas/Baudoin – Das Zeichen des Widders

8. Kate Atkinson – Lebenslügen

9. Bernhard Jaumann: Die Augen der Medusa

10. George Pelecanos – Der Totengarten

Wer in der letzten Zeit die Alligatorpapiere studierte, sah es vermutlich kommen, dass John Le Carre hoch einsteigt. Dass dagegen Der Totengarten von George Pelecanos noch den Weg in die Liste fand, ist überraschender – Axel Bussmer wird’s freuen. Das Buch hat bei uns einige sehr negative Kritiken erhalten, die deutlich überzogen sind und zu wenig die Situation in den USA reflektieren, so gesehen freut mich Sylvia Staudes Rezension aus der FR.

Kate Atkinson scheint mir ein neuer Name in Deutschland zu sein, die Whitbreadgewinnerin von 1995 kommt gerade von einer Deutschlandtour, möglicherweise hat diese ein wenig geholfen, die Aufmerksamkeit der Kritiker zu bündeln. -> hier kann man sich von ihr aus dem Buch Lebenslügen (original: When Will There Be Good News?) vorlesen lassen.  Das Zeichen des Widders, seines Zeichnes ein Comic oder Graphic Novel hat sich weiter nach vorne gearbeitet – O tempora, o mores. Schneemann von Jo Nesbo dürfte wohl (neben Marionetten) das massenkompatibleste Buch der Liste sein.

Zwei der zehn Bücher sind Tb-Ausgaben, eines ist ein Comic. Ein Buch ist von einem deutschsprachigen Autor, zwei Bücher sind von Frauen geschrieben, sechs der Titel sind neu.

bernd

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Das ist möglicherweise die Folge davon, wenn Verlage versuchen statt Bücher Geld zu drucken. Zumindest ist es eine Nachricht, die für viel Aufregung sorgt.

Houghton Mifflin Harcourt ist ein frisch aus dem „Merger“ zwischen Harcourt und Houghton Mifflin hervorgegangener großer New Yorker Verlag mit irischen Eigentümern (Riverdeep aka Education Media). Diese Woche wurde bekannt, dass HMH einstweilen die Akquise von neuen Büchern eingestellt hat. Laut Sarah Weinman sei der Grund möglicherweise darin zu suchen, dass man bei dem neuen Konzern erstmal die Bestände an vorhandenen Autoren sichten müsse. Die Süddeutsche Zeitung verweist (off-line) ebenso wie die Irish Times online darauf, dass der Eigentümer von HMH Schulden in Höhe 7 Milliarden hat, diese Schulden waren beim Erwerb der beiden Teilfirmen entstanden.

Der Mehrheitsgesellschafter von HMH ist ein Ex-Investmentbanker (sic !).

Ausnahmen vom Akquisestopp könne es aber wohl geben:

He [Josef Blumenfeld, vice president of communications HMH] said he could not be specific about what criteria would govern decisions about what manuscripts to buy, but said that editors would have to prove to an acquisitions committee that the book showed concrete evidence of „market interest.“

market interest“ wohlgemerkt, nicht „artistic interest“.

Ein Opfer gibt es bereits zu beklagen. Declan Burke, dessen Buch The Big O letzthin zahlreiche fantastische Kritiken bekam, teilte diese Woche mit, das HMH das zweite Buch seiner Serie nicht mehr publizieren möchte – im Rahmen des Mergers ging die Editorin, die ursprünglich Burke zum Verlag geholt hatte. The Big O war ursprünglich im Selftpublishing ‚rausgekommen und dank seiner Qualität und der Persönlichkeit Burkes dann von HMH für den US-Markt übernommen wurden.

Und auch bei Random House (zu Bertelsmann gehörend) scheint man zur Zeit die Notwendigkeit zu verspüren, seine Liquidität nicht unnötig zu belasten. Für neue Mitarbeiter ab Januar 2009 werden keine Einzahlungen in den Pensionskasse mehr geleistet, bei alten Mitarbeiter werden die Einzahlungen auf den jetzigen Stand eingefroren.

bernd

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thedeadyardDas zweite Buch, so lautet es häufig, sei das schwerste. Hier müsse der Autor zeigen, ob er wirklich einer sei, oder ob es lediglich zum One-Book-Wonder reiche. Ebenso zeigt sich im zweiten Buch einer Serie, ob der Autor den Möglichkeiten, den der Stoff des ersten Bandes bietet, Herr werden und dennoch Eigenständiges schaffen kann.

Mit The Dead Yard setzt Adrian McKinty seine Geschichte um Michael Forsythe fort. Fünf Jahre sind vergangen, seitdem Forsythe die Wirren in Dead I Well May Be überstand. Dann kriegt ihn MI6 am Arsch und zwingt ihn die Söhne Cuchulainns, eine winzige, aber angeblich hoch gefährliche nordirische Splitterorganisation in den USA zu unterwandern.

Es ist die Zeit (1997) als die IRA darüber nachdachte, die Waffen niederzulegen. Nicht jeder katholische Hardliner war angetan von der Idee. Umgekehrt, so argumentierten diese Gruppen, würde ein Schuh daraus, die Briten hätten eine neue Regierung (unter PM Blair), die so schwach und gleichzeitig so uninteressiert an der irischen Frage sei, dass jetzt endlich die Chance bestünde, die Briten endgültig vom irischen Boden zu vertreiben.

Da steckt eine Symmetrie dahinter, denn genau so wie die nordirischen Hardliner die Briten unterschätzen, irrt sich auch MI6 mit seiner Einschätzung der Inkompetenz der Söhne Cuchulainns, so dass sich der Job Forsythes als wesentlich gefährlicher entpuppt als erwartet.

Adrian McKinty schnürt hier wieder sein bekanntes Päckchen. Forsythe erweist sich wieder als Sammelbecken des populärkulturellen Wissens unserer Zeit und gerät in eine auf Leben und Tod dramatische Geschichte, die sich zum Ende hin, über alle denkbare Maße, steigert.

Und doch ist The Dead Yard alles andere als ein Abklatsch des Vorgängerbuches, der Aufbau des Buches ist anders, die dramatische Geschichte ist anders, beinahe schon eine Spionagegeschichte und auch die Liebesgeschichte mit einer jungen Frau ist anders, schon fast romanzenhaft und Forsythe als einen gereiften Mann zeigend.

Stöbert man ein wenig durch’s Netzt, sieht man, dass mehrheitlich Dead I Well May Be stärker als The Dead Yard eingeschätzt wird. Ich weiß nicht recht, DIWMB kommt ungeschlachteter und da es das erste Buch ist, überraschender daher, The Dead Yard wirkt im Vergleich reifer … besser, schlechter … nun, das sind Worte. Eigentlich ist es nicht wichtig, beide Bücher sind stark, sehr stark sogar und eine unbedingte Empfehlung wert.

bernd

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Retro-Zen ?

Diese Reihe von vierzehn Krimis verfügt über einen verrückten Charme, der sich aus der Sanftheit der beiden Ermittler speist, aus ihrer Ablehnung jeglicher Gewalt und dem Respekt, der die Beziehungen auf ihrem Revier bestimmt. In der Hoffnung, dass diese Welt nicht längst vergangen ist …

Aus einem lesenswerten Beitrag von Sophie Colpaert/Etienne Borgers (Übersetzung: Kerstin Schoof) über Janwillem van de Weterings Serie um De Gier und Grijpstra bei Europolar.

Was immer auch „verrückter Charme“ ist.

bernd

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Mit wenigen Klicks das eigene Buch veröffentlichen und vielleicht sogar Bestsellerautor werden

Tchibo

Also, alle Leute, die unbedingt ‚mal ein eigenes Buch publizieren wollten, haben nun „günstig“ die Gelegenheit dazu. Wie boersenblatt.de berichtet, gibt es bei Tchibo für 39,90 € einen Gutschein für die Publikation eines selbst verfassten und -editierten Buches bei Books on Demand GmbH (BoD). De Facto bedeutet das zwar nur, dass der Kunde ein gedrucktes Exemplar erhält, aber es gibt dazu auch eine ISBN und die alleine kostet schon mehr als 39,90 €. Zudem soll das Buch von BoD mitvermarktet werden, so dass es über die Buchhändler erhältlich ist (wie circa 100.000 andere Bücher bei BoD auch).

Und -> so geht das.

bernd

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(deutsch: Hardcore Angel)

moneyshotWas fängt man jetzt mit so einem Buch an, dass doch mit einigen Vorschusslorbeeren aus den USA zu uns nach Europa gekommen ist und dass uns das Pornogewerbe ‚mal aus einer anderen, der weiblichen Sicht präsentieren will. Da mutete es schon beinahe wie politische Unkorrektheit an, dieses Buch nicht bedingungslos zu preisen.

Im Mittelpunkt des Buches steht Angel Dare, alternde Ex-Pornodiva, einst ein Star im Gewerbe. Um der gewerbetypischen überschnellen Alterung zu entkommen, probte sie vor einigen Jahren erfolgreich den Absprung. Nun ist sie Leiterin einer Consort-Agentur und vermittelt Schauspielerinnen für Pornodrehs. Eher zufällig gerät sie ins Visier fürchterlich finsterer Killer, die meinen, dass Angel sich einen Geldkoffer angeeignet hat. Sie wird entführt, vergewaltigt, beschossen und … überlebt.

Benommen zuerst und ohne Ziel macht sie sich auf, die Täter zu finden, später und wieder geistig klar, sinnt sie auf Rache. Dabei, so versteht sie, geht es nicht nur um sie, sondern auch um andere Frauen.

Vielleicht um zu zeigen, dass Angels betont weibliche Strategie am Ende doch die Überlegene ist, gibt Faust ihr einen Helfer mit, einen Typ der doch deutlich an Robert Crais Joe Pick erinnert, cool ist wie Packeis und ebenso stark und einen Großteil der Arbeit erledigt.

Es ist eine simple, gradlinige Handlung, mitunter mit Twists, die eher albern als zwingend sind, in einer simplen gradlinigen Sprache geschrieben, die gar nicht einmal schlecht ist und die Geschichte angemessen transportiert, die aber vollkommen ohne … Esprit ist.

Was an diesem Buch fasziniert ?  Ich weiß es nicht. Der Blick aufs Pornogewerbe wohl kaum. Die nüchternen Beschreibungen von Viagra, Kerlen, die sich Alprostadil in den Penis spritzen und Silikonimplantaten mögen Know-how vermitteln, sind nun aber so originell nicht (hätten aber für witzige Einlagen sorgen können) und auch die Tatsache, dass da Frauen aus dem Osten Europas quer über die Welt in die USA verschleppt werden, hatte auch schon den Mainstream z.B. via Tess Gerritsen erreicht.

Wobei Money Shot gar kein richtiges Buch über das Milieu ist – Angel selber ist nun gewiss keine Kritikerin des Pornogewerbes und verteidigt in einer Szene ein paar Filmchen mit jungen Teens gegen einen angewiderten Mann. Stattdessen ist es ein ziemlich plattes Buch, in dem eine junge Frau sich rächen will und die Spur zum Verursacher ihrer Misshandlung finden muss, dabei, da sie aus dem Milieu kommt, besucht sie auch einige Locations und pflegt alte Erinnerungen.

Aufspüren, Verstehen und Rächen. das sind Themen, welche nun wirklich in Dutzenden US-amerikanischen Krimis verwurschtelt werden, zumeist mit etwas Tiefgang, einem Hauch von Originalität und Charakteren, die wenigstens einen Ansatz von Tiefe besitzen.

Gemessen an ihrem Ziel, das Gewerbe schonungslos zu präsentieren (verstehe ich zumindest so), ist Faust gescheitert, gemessen daran, dass ich das Buch nicht gelangweilt in die Ecke feuern möchte, auch. Aber, so kann man gelegentlich lesen, das sei genau der Kniff: Faust schreibt handwerklich so roh, banal, trivial, dass es Kunst sei, gewissermaßen Jasper Jones und Robert Rauschenberg auf Krimi.

bernd

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Bei Gerard Brennans Crime Scene NI gab es eine kleinen Themenwoche zu den Büchern von Hard Case Crime (HCC). Im Rahmen dieser Woche brachte Gerard auch einige kürzere, standardisierte Interviews mit Autoren des Verlags.

Den Anfang machte Max Allan Collins, der ausgesprochen gut zu HCC passt und sich deshalb auch aktiv um HCC bemühte: „I knew from the start that I wanted to be part of Hard Case Crime — it reflected exactly the kind of book I grew up on, the quarter/35-cent reprints of Spillane, Hammett, Chandler, James M. Cain, and the Gold Medal and Dell originals, Jim Thompson, Richard S. Prather, John D. MacDonald. Those books, with their vivid sexy covers, connected with me as a teenager, and led me to where I am, for good or ill.“

Collins ist sich sicher, dass da immer ein Markt sein wird für „noir novel — the crime novels that have heists at their center, or murderous love triangles, or private eye novels with vengeance and/or femme fatales as their engines.„.

Als nächstes folgte Ken Bruen, der über HCC sagt: „the most innovative, exciting publishing event of the past 50 years, […] I think it will make the fat cats sit up and clean up their snotty act, to see that a real committed publisher, who obviosuly cares deeply about the readers is going to make them get off their ivory towers.„. Ein wenig übertrieben vielleicht, aber der „Elfenbeinturm“ zeigt wieder einmal Bruens sicheres Gespür für Sachverhalte.

Danach kam Seymour Shubin, der in den 50er Jahren mit Anyone’s My Name einen der Klassiker des Genres schrieb. Über die Zukunft des Noirs sagt er:“I think the future of the noir novel, in all its forms, is strong and bright. For one thing, to put it simply, these novels offer sheer entertainment. For another, and far more complex, they enable the reader to enter a world of emotions and action that he/she shares with the writer in a you-are-there way

Am Samstag folgte Peter Pavia, der von dem Nutzen des HCC-Konzeptes für ihn persönlich spricht: „Everybody loved Dutch [sein erstes Buch Dutch Uncle] in manuscript, but nobody knew how to sell it. Charles had a strategy.Pavia gibt eindeutig die differenzierteste Stellungnahme zu Pulp („The whole idea of pulp bugs me. Tabloid newspapers are pulpy, formulaic westerns are pulpy. Chop-socky movies are pulpy. This doesn’t mean that I don’t love those things, but in terms of what I like to think of as crime fiction, ‚pulp‘ suggests badly written books … „) und Hardboiled („…a style more or less invented by Dashiell Hammett and yes, Ernest Hemingway (and James M. Cain).„) und sagt zur Zukunft des Hardboiled: „I think the future holds a healthy respect for the genre, but in the form of well-wrought books that strive to expand noir’s (if you will) somewhat narrow parameters„.

Zum Abschluss kam Allan Guthrie. Und der hat einige sehr interessante Leseempfehlungen: Dave Zeltsermans SMALL CRIMES, Neil Smiths YELLOW MEDICINE, Tom Piccirillis THE COLD SPOT, Mike Knowles‘ DARWIN’S NIGHTMARE, Christa Fausts MONEY SHOT, Duane Swierczynskis SEVERANCE PACKAGE, Ray Banks NO MORE HEROES, Tony Blacks PAYING FOR IT und Russel D McLean’s THE GOOD SON.

Man darf diese kleinen Interviews natürlich nicht so ernst nehmen, aber die unterschiedlichen Charakter der Autoren zeigen sich ebenso, wie der Respekt vor der Editorenarbeit Charles Ardais.

So nebenbei erfahren wir auch, dass HCC pro Jahr circa 4-5 Bücher ‚rausbringt, die neu sind. Dem stehen cira 1,000 von Autoren eingereichte Buchmanuskripte gegenüber.

bernd

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