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Archive for the ‘Shamus’ Category

salvationDas Opfer ein Atheist, der Angeklagte ein Muslim, sein Verteidiger ein Jude und dessen Detektiv ein strenggläubiger Christ. Man meint zu wissen, wo das hin führt. Doch Larry Beinhart ist ein Autor der gerne unsere Erwartungshaltungen narrt und so verschiebt sich so langsam im Verlauf der Geschichte ihr Schwerpunkt. Was sich nicht ändert, ist, dass Salvation Boulevard immer ein politisches Buch bleibt, und zwar eines, welches wesentlich mehr enthält, als man auf den ersten Blick vermutet.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht Carl Vanderveers, jahrelang war der als Polizist tätig, irgendwie ist er dann abgerutscht, hat mehr getrunken als notwendig, seine Frau ans Strafsystem verloren und dann Halt bei Paul Plowright, einem Prediger gefunden. Dieser ist nun nicht nur ein x-beliebiger Prediger, sondern einer der Televangelisten, mit hoher Strahlkraft, wirtschaftlichen Gespür und einer rasch wachsenden Gemeinde, die z.B. eine eigene Schule unterhält und zum ganz großen Wurf  ansetzt.

In der Gemeinde sieht man Carls Arbeit mit viel Misstrauen, Der Angeklagte sei ein Terrorist und Terroristen verdienen keine Verteidigung, sondern die Hinrichtung. Carl selber ist gespalten, natürlich möchte er den Konflikt in der Gemeinde vermeiden, doch dem Verteidiger gegenüber fühlt er sich verpflichtet und so sucht er ständig nach dem Punkt, der ihm erlaubt mit Anstand den Fall abzugeben, gleichzeitig versucht er aber auch weiter Indizien zu finden, die den Täter entlasten.

Es entwickelt sich ein hochdramatisches Buch, in dem Carl in den Mittelpunkt rückt. Er selber droht alles, neue Ehefrau, Tochter, Leben zu verlieren und der muslimische Täter wandert langsam zum Rand der Geschichte. Bis es allerdings so weit kommt, hat Beinhart die Folgen der Reaktionen auf 9/11 für die Rechte der Einzelnen noch einmal durch dekliniert.

Thematisch ähnelt Salvation Boulevard Ancient Rain von Domenic Stansberry, während jener jedoch sprachlich ein wenig mehr glänzt und eine relativ intime Geschichte erzählt, bewundert man Beinharts komplexe Geschichte, in der Carl mehr und mehr unter inneren wie äußeren Druck gerät, angegriffen und bedroht wird sowie Beinharts intellektuellen Anspruch. Das Opfer war nämlich Professor für Philosophie und sein Versuch eine Geschichte der Motivation des Glaubens zu schreiben wird im Buch reflektiert.

Salvation Boulevard ist ein klug konstruierter und mit Genuss zu lesender Krimi, welcher den USA auf mehrfache Art und Weise einen Spiegel vorhält.

bernd

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Ancient_rainMit The Ancient Rain zeigt Domenic Stansberry (wieder einmal), dass seine Bücher nicht nur interessant und vielschichtig sind, sondern dass sie auch sprachlich und stilistisch überzeugen. Das meiste von dem, was über dessen Chasing the Dragon zu sagen war, trifft auch wieder auf dieses Buch zu. Ruhig und ohne albernen Pathos vorgetragen, vereint es Vergangenes und Gegenwärtiges, bringt die Reaktionen auf den „linken“ Terror der Symbionese Liberation Army aus den 70er Jahren mit denen auf 9/11 zusammen und zeigt wie die Großen und Mächtigen jedweder politischer Couleur die Interessen und Sehnsüchte der Menschen für ihre eigenen Zwecke nutzen.

Nur rein zufällig gerät Dante Mancuso, der stille, wortkarge Privatdetektiv, der einst bei der Polizei tätig war, an den Fall. Bill Owens, ein entfernter Bekannter ruft ihn an und bittet ihn sich um dessen Kinder zu kümmern, die Ehefrau sei auf Geschäftsreise und er werde gerade wegen Mordverdacht verhaftet. Es stellt sich raus, dass Owens einst Mitglied der Symbionese Liberation Army war (die einst real die Zeitungserbin Patty Hearst entführt hatte). Er soll an einem Banküberfall der Gruppe beteiligt gewesen sein, bei dem eine Kundin erschossen wurde. Im Rahmen der Terrorabwehr nach dem Einsturz der Twin Towers hat die Staatsanwaltschaft nun diesen Fall wieder aufgegriffen.

Angetrieben worden war die Staatsanwaltschaft letztlich durch die Tochter der ermordeten Frau. All die Jahre hat diese, nur durch einen Privatdetektiv unterstützt, den Fall im Bewusstsein der Öffentlichkeit gehalten und viel Häme einstecken müssen. Dante wird von Owens und dessen Anwalt gebeten, die Strategie der Staatsanwaltschaft aufzudecken und herauszufinden ob diese neue Indizien präsentieren kann.

Es ist der Kampf des Staatsanwaltes gegen den Terror – die Geschichte spielt Ende 2002, Anfang 2003 – und da er dem Publikum keinen Islamisten vorführen kann, muss eben Owens herhalten. Im Schatten dieser Auseinandersetzung stehen die Tochter und der ihr treu ergebene Privatdetektiv, beide sind nicht in dem Umfang medienpräsentabel, wie es sich der Staatsanwalt vorstellt. Im Schatten steht aber auch Owens. Der führt mittlerweile ein bürgerliches Leben und im Grunde geht es auch gar nicht um ihn, sondern um die Hintermänner, und diese sind es dann auch, die die Verteidigung übernehmen.

Es ist schon sehr pfiffig, wie Stansberry das Thema der Gefährdung bürgerlicher Freiheiten im Namen der Terrorabwehr angeht und diesem neue Gesichtspunkte abgewinnt. Die veschiedenen Ebenen der Geschichte sind sehr zwanglos miteinander verbunden, der Leser kann die Verbindungen beim Lesen entdecken, wird aber nicht mit aller Gewalt drauf gestoßen. Die gleiche Unaufdringlichkeit findet sich bei den Personen des Buches, die alle in kurzen Abschnitten selber einmal zum Fokus der Darstellung werden können. Diese Personen biedern sich nicht an, sie handeln aber alle nachvollziehbar und geben der Geschichte zusätzliche Komplexität. Auch sprachlich ist Ancient Rain ein Vergnügen. Stansberry erzählt nicht nur einfach eine Geschichte, immer wieder stößt man auf liebevoll polierte Sätze und Abschnitte.

bernd

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triggercity_MM_plainRay Drudgeon ist Privatdetektiv in Chicago. Er wirkt wie ein Nachfahre Philip Marlowes. Dieses meinte man auch schon im Vorgängerbuch und Erstling des Autors Big City, Bad Blood zu spüren. Ansonsten, so kann man erfreut feststellen, hat Trigger City mit dem Buch, welches im letzten Jahr für viel Furore sorgte, stilistisch gar nicht so viel gemein. Mit der Freundin, die einfach nicht in ständiger Angst um ihn leben will, scheint auch ein wenig der Impetus Rays abhanden gekommen zu sein. Trigger City ist im Vergleich wenig Thriller, Ray verletztlicher und das Buch mehr für Verschwörungstheoretiker geeignet.

Ray wird von einem pensionierten Oberst gebeten, den Tod der Tochter aufzuklären. Eigentlich scheint die Sache klar. Die Tochter hat die Buchhaltung einer größeren Firma geleitet und wird eines Tages von einem Programmierer, den sie angestellt hatte, erschossen. Kurz danach begeht der Täter Selbstmord. Der Ablauf, wie gesagt, ist unstrittig, doch die Motivation des Täters, die Beziehung zwischen ihm und der Tochter wünscht der Vater aufgeklärt.

Schnell stellt Ray fest, dass hinter dem Fall wohl mehr steckt als eine persönliche Beziehung zwischen Opfer und Täter. Die Informationen, die Ihm die Menschen geben, die Opfer und Täter kannten, scheinen alle nicht ganz wahr zu sein. Er merkt, dass er beobachtet wird und dann irgendwann erhält er auch den Hinweis, dass es lukrativer für ihn wäre den Fall fallen zu lassen.

Man könnte sagen, Trigger City ist ein Privatdetektivkrimi mit Elementen des Spionageroman. Was da am Ende ‚raus kommt, speist sich aus der damalige (2008) Paranoia der US-Bürger, die Dienste der USA überschritten gelegentlich Grenzen. Diese Geschichte entwickelt Chercover streng nach den Spielregeln des Noirs, weit weniger demonstrativ als es zum Beispiel eine Sara Paretsky tut. Die Art und Weise, wie Chercover das macht, ist geschickt. Da wird wenig souffliert, sondern eher stillschweigend entwickelt sich die Paranoia im Buch.

Die Figur Rays passt sehr gut dazu. Der braucht eigentlich gar keine Paranoia, sein Leben genügt da vollkommen. Die abhanden gekommene Freundin, die Polizei, die sein Tun mit Missfallen beobachtet und ein Fall, der sich ganz anders entwickelt, da kommen Mitspieler hinzu, von deren Existenz man am liebsten gar nicht wüßte.

Vielleicht kein besonders innovatives Buch, mit einem Privatdetektiv, der innerlich und äußerlich unter Druck steht, aber ein gut gemachtes. Auch wenn eine allgemeine Bedrohung ständiger Gast in Big City, Bad Blood war, ist Trigger City erfreulich anders als der Vorgänger.

bernd

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empty ever afterReed Farrel Coleman ist eines der großen US-amerikanischen Autorentalente, Empty ever after macht das nur zu deutlich. Trotz des Gewinns zahlreicher Preise und noch mehr Nominierungen, beim breiten US-Publikum scheint Coleman nur wenig bekannt zu sein. Für dieses Buch hat er sich offensichtlich einen neuen Verlag suchen müssen. Es wirkt wie der Abschluss der Serie um Moe Prager, die, wie die Jack Taylor-Serie von Colemans Freund Ken Bruen als Ganzes zu sehen ist, als ein Werk, in dem die einzelnen Bücher lediglich einzelne Kapitel darstellen.

Der Hinweis FaulknersThe past is never dead. It isn’t even past.“, den Moe in Soul Patch, dem vorausgegangenen Band zitierte, könnte als Motto der gesamten Serie voraus gestellt werden – er passt auch sehr gut zu Empty ever after, dem (bisherigen) Kulminationspunkt.

Eine alte Geschichte verband ihn auf ewig und im Hass mit seinem Schwiegervater. „Do you believe in ghosts ?“ war immer wieder dessen Frage. Mit dem Tod des Schwiegervaters wurde die Büchse geöffnet und all die Geister kommen ‚raus, die Moe in den vorangegangenen Büchern angesammelt hatte und sie verfolgen ihn.

Empty ever after beginnt damit, dass Unbekannte das Grab des Schwiegervaters verwüsten, und Moe frühere Frau einen Geist sieht. Moe ahnt, was da passiert sein könnte und ihn, seine Frau und die Tochter bedroht und er macht sich mit all seiner Kraft auf, die zu finden, die hinter all dem stecken.

Welch maligne Kraft setzt Coleman da frei: Empty ever after ist ein verstörendes, emotionales Buch, das Moe und den Leser bis auf Äußerste fordert. Es bringt die verschiedenen Geschichten der Vorgängerbücher alle noch einmal zusammen. Dabei muss man die Vorgänger nicht kennen, aber es ist schon erstaunlich, wie zwanglos die Geschichten, die Coleman über mehrere Jahre geschrieben hat, hier zusammen kommen.

Wie die Vorgänger ist Empty ever after ein wunderbar geplottetes Buch, voller philosophischer Gedanken, großer Melancholie und zarten Humor. Einst hatte Coleman als Poet begonnen, seiner Schreibe sieht man das immer wieder an, die Wortwahl, die vielschichtige Art und Weise wie z.B. mit dem Begriff „Geist“ umgegangen wird, das ist pures Lesevergnügen.

Mit Ken Bruens Jack Taylor fliegt raus wurde eine der letzten größen Lücken in der deutschen Krimilandschaft geschlossen, nun wird es also auch Zeit, dass sich einer der Verlage Coleman annimmt und dessen Moe Prager Serie in der Geschlossenheit, die diese verdient und benötigt auf den deutschen Markt bringt.

bernd

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blue doorDavid Fulmer ist der Autor mehrerer Bücher, die in der dunklen Vergangenheit der USA angesiedelt sind. Helden seiner Bücher waren bisher „farbige“ Männer, mit denen Fulmer zeigt, unter welchen Bedingungen nicht-Weiße in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den USA lebten.  The Blue Door ist nicht wirklich anders, auch wenn der Held des Buches, ein weißer Boxer italienischer Abstammung ist.

Eddie Ceros Zeit als Boxer geht zu Ende. Beim letzten Kampf ist wieder einmal der Cut über der Braue geöffnet worden. Zufälligerweise kann er auf dem Heimweg einem Mann helfen, als dieser überfallen wird und zufälligerweise, so stellt sich ‚raus, ist dieser Mann Privatdetektiv. Er bietet Eddie einige kleinere Jobs an, und wider Willen bleibt Eddie bei der Stange und wird so etwas wie ein Schüler des Mannes.

Er stößt auf Valerie, schwarze Sängerin in einem ‚Nachtclub. Sie fasziniert ihn und zieht ihn in ihren Bann. Vor wenigen Jahren war sie Mitglied der Excels, einer Band, die an der ganzen Ostküste erfolgreich war, bis dann eines Tage und plötzlich Johnny der Leader der Band verschwand. Eddie fragt sich, was denn wohl damals vor drei Jahren mit dem Sänger passiert war und ehe er sich versieht, ist er Mitten in den Ermittlungen, die vor ihm auch schon Polizei und erfahrene Privatdetektiv anstellten.

Nun ja, die Rahmenhandlung ist wohl einfach eine Rahmenhandlung. Im Weiteren stolpert Eddie ein wenig durch „seinen Fall“, trifft auf viele Widerstände, zwei Männer werden getötet, und irgendwie bringt er seine Gesprächspartner immer wieder dazu, obwohl sie es eigentlich nicht möchten, mit ihm zu reden, So zeichnet sich mit der Zeit ein Bild ab, alle scheinen sich sicher, dass Johnny getötet wurde und am Ende findet Eddie dann auch die Lösung.

David Fulmer hat als Journalist viele Artikel über Musik geschrieben. Die Musikszene der jeweiligen  Zeit und Region in der die Bücher spielen, ist immer ein wichtiger Bestandteil seiner Bücher. Hier also Philadelphia, bevor der sog. Philly Sound entstand und Soul und Rock noch dominierten. Die Atmosphäre der Nachtsclubs und Kaschemmen, die Vibes der Straße, ihre Sprache und die Einfachheit des Lebens, all das bringt The Blue Door gut rüber. Wobei einem aber auch immer wieder das wörtchesche Diktum anlässlich des ersten Buch des Autors einfällt „It don’t mean a thing, if it ain’t got that swing“, manchmal wirkt doch alles ein wenig angelesen.

Schwachstelle des Buches ist die Pace. Das liest sich wie Wassertreten. Der Autor ist so sehr damit beschäftigt, an seiner (wie gesagt, gelungenen) Atmosphäre zu basteln und an den Reflektionen Eddies teilhaben zu lassen, dass er vergießt auch gelegentlich ‚mal das erzählerische Gaspedal zu bemühen. Kurzum: The Blue Door ist das Buch für Jägers des Atmosphärischen, die mal Straßenluft schnuppern wollen. ohne dass es gleich „richtig“ dirty sein soll.

bernd

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Die PWA (Private Eye Writers of America) haben die Bücher bekannt gegeben, die dieses Jahr für die Shamus Awards (die Preise für die Krimis ohne Polizisten als Aufklärer) nominiert sind.

Bestes Hardcover:
Salvation Boulevard, von Larry Beinhart
Empty Ever After, von Reed Farrel Coleman
The Blue Door, von David Fulmer
The Price of Blood, von Declan Hughes
The Ancient Rain, von Domenic Stansberry

Bekannte und erfolgreiche Autoren, die schon Edgar (Beinhart, Stansberry) oder Shamus (Coleman, Fulmer, Hughes) gewannen, dominieren die Königsdisziplin. Die Nominierung Declan Hughes war ja schon von mir vorhergesagt worden.

Bestes erstes P.I. Buch:
Stalking Susan, von Julie Kramer
Swann’s Last Song, von Charles Salzberg
The Eye of Jade, von Diane Wei Liang
In the Heat, von Ian Vasquez
Veil of Lies, von Jeri Westerson

Wieder einmal schaffen es die PWA Bücher zu nominieren, die bei den anderen großen USA-Krimipreisen keine Berücksichtigung finden.

Bestes Taschenbuch:
Snow Blind, von Lori Armstrong
Shot Girl, von Karen Olson
The Stolen, von Jason Pinter
The Black Hand, von Will Thomas
The Evil That Men Do, von Dave White

Dave White, Lori G. Armstrong und Will Thomas waren früher zumindest schon einmal für den Shamus nominiert, Jason Pinter für den Barry.

Die Gewinner werden am 16.10 beim Bouchercon in Indianapolis bekannnt gegeben.

Mit Dank an Rap Sheet

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Für seine Bücher wurde John Connolly mit dem amerikanischen Shamus Award ausgezeichnet.

Schreibt man bei Ullstein.

Den Shamus erhält ein Autor für ein einzelnes Buch, dieses war bei Connolly sogar sein erstes, Every Dead Thing (deutsch: Das schwarze Herz) weswegen er auch 2000 den Shamus Award for Best First P.I. Novel, also gewissermaßen den Juniorpreis erhielt. Kein anderes Buch von ihm gewann ansonsten den Shamus oder einen anderen großen Krimipreis (1).

bernd

(1) Nachtrag 18.04.09: Vollkommen zurecht verweist Rolf Kluge darauf, dass Connolly in 2003 den Barry in der Kategorie „Best British Crime Novel“ mit The White Road (deutsch: Die weiße Straße) gewann. Worauf mir einfiel, dass er 2008 mit The Unquiet den Crimespree in der Kategorie Bestes Buch gewann. Beides aber eher kleinere Preise, ohne die Bedeutung des Shamus.

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