Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘hot and new’ Category

  • Auch in Kansas versucht man durch landesweite Aktionen die Lesemotivation zu heben. Eine jährliche Aktionen steht unter dem Motto Kansas Reads. Jedes Jahr wird dazu ein Buch mit regionalem Bezug ausgewählt. Einen Monat haben Jugendliche und Erwachsene Zeit das Buch zu lesen und darüber zu diskutieren. Ein weiteres Ziel ist auf diesem Wege auch Bibliotheken zurück ins Bewusstsein der Leseöffentlichkeit zu rufen. Dieses Jahr wurde ein Krimi ausgewählt und zwar ein richtig guter: Virgin of Small Plains (deutsch: Schneeblüte) von Nancy Pickard.
  • This raises a critical ethical question: what is all this darkness for? James Ellroy, a master of noir, has claimed he wants to write a new American mythology, „from the gutter to the stars“. He counters the dream factory of Hollywood with his own unsettling nightmares. Rees, in common with lesser crime writers, simply uses darkness as an ever-present chiaroscuro that reflects tabloid fears.

  • So Nicholas Blincoe über das Element des Düsteren in Samaritan’s Secret, dem dritten Buch der um Omar Jussuf von Matt Beynon Rees. Auch sonst war Blincoe nicht übermäßig begeistert: Jussef rede wie ein Kolumnist der Jerusalem Post, Matt Beyon Rees selber verdrehe die Realität, gebe ein falsches Bild der Samariter wieder und hat ein bizzares Geschichtsbild.

  • An Ken Bruen, so könnte man behaupten, kann Suhrkamp sich beweisen.  Sei es doch Ziel der neuen Krimireihe des Verlags Bücher „mit Lust und Verstand auszuwählen„. Was eignete sich da besser als einer der wichtigsten (und besten) Krimischriftsteller der englischen Sprache ? Bis es allerdings soweit ist, kann sich der deutsche Leser mit der Verfilmung eines Buches des Autors behelfen. Wie man nämlich nun bei Gerard Brennans Crime Scene NI lesen kann, kommt jetzt die Verfilmung des Bruen-Buches London Boulevard in die konkrete Phase, Schauspieler sind schon gefunden, zum Beispiel, der aus Brügge sehen bekannte Colin Farrell. Der hat für die Rolle den Golden Globe bekommen und der Film insgesamt ist derzeit für den Edgar nominiert. Gute Hoffnung also für die Bruen-Verfilmung.
  • Mehmet Murat Somer ist ein junger türkischer Autor, dessen Bücher im Transvestiten-Milieu Istanbuls spielen.  Sein erstes Buch in Deutschland, Die Propheten-Morde. Ein Hop-Çiki-Yaya-Thriller erscheint im März (-> hier, die in meinen Augen etwas peinliche Ankündigung des Verlags). In UK und den USA ist man schon ein wenig weiter, dort hat der Autor schon für Furore gesorgt. Grund genug für Peter Rozovsky ein Interview mit dem türkischen Autor zu führen und wie immer bei Peter ist das Interview sehr lesenswert.

bernd

Read Full Post »

  • Eine sehr schöne Würdigung Andrew Taylors, des diesjährigen Cartier Diamond Dagger Gewinners hat Martin Edwards geschrieben: „A star of the genre, who will be a very popular Diamond Dagger winner indeed.„.
  • Als „tief verstörendes Buch“ „mit einem überraschenden Ende“ bezeichnet The Scotsman Sebastian Fitzeks Therapy (deutsch: Die Therapie).
  • Das Wall Street Journal sprach mit Bernhard Schlink über den Film zu seinem Buch Reader (Der Vorleser), der dieses Wochenende in den USA ins Kino kommt – da trifft es sich ja, dass Kate Winslet für ihere Rolle gerade erst den Golden Globe für die beste Nebenrolle erhalten hat. Bei uns kommt der Film wohl Ende Februar in die Kinos.
  • Anita Elberse setzt, wenn man so will, beim Wall Street Journal ihre Analyse zu Grand Central (ehemals Time Warner) und den Blockbustern fort.  Während es letztes Mal eine relativ allgemein gehaltene Betrachtung gab, über den Sinns der Strategie der großen Verlagshäuser Blockbuster zu forcieren (also auf einige erfolgreiche Bücher zu setzen, statt auf die vielen durchschnittlichen Verkaufserfolge zu hoffen), folgen diesmal einige Beispiele. Sie zeigt die Konsequenzen, wenn einzelne Verlage sich von der Strategie verabschiedeten. So würden sie von Agenten nicht mehr mit hoffnungsvollen Nachwuchs versorgt werden, die Buchhändler konzentrierten ihre Ressourcen auf Bücher von Verlagen, die ihre Bücher intensiv bewerben und, natürlich, Menschen sind Herdentiere, sie kaufen gerne Blockbuster, andere in der Herde tun es schließlich auch.
  • Eine Bemerkung des Textes passt ganz wunderbar zu -> dieser Diskussion.

    […] the lion’s share of marketing activity takes place before their launch — when it’s still largely unknown how audiences will respond.

  • Manche findet, das sei geradezu brillantes Marketing: Burger King „belohnt“ diejenigen sich bei den Sozialen Diensten (z.B. Facebook) von ihren Freunden trennen.

bernd

Read Full Post »

  • penguin_books_wideweb__470x3130Ein ganz klarer Fall von Retro-Nostalgie ist das, was Penguin in Australien veranstaltet: Die kramen dort nämlich wieder ihr altes Design mit dem orange-weiß gestreiften Bücher hervor. Und das offensichtlich mit Erfolg, die Bücher verkaufen sich nämlich gut.Die Idee hinter dieser Geschichte ist natürlich alt, so alt, dass sie von den Verlagen in Deutschland, die auch einmal Krimiserien mit typischen Design besaßen, auch schon wieder aufgegeben wurde:“Even if you’ve not heard of Geoffrey Robertson’s Crimes Against Humanity you think, ‚It’s part of the collection, I trust the brand and it’s surrounded by all these other classics by authors like Waugh or Fitzgerald so it must be OK.‘„. Aber wer weiß, vielleicht kommt es ja auch bei uns wieder in Mode.

    Witziges Detail am Rande; „Each title costs $9.95, making the books cheaper than a packet of cigarettes.

  • Seit Montag kann man bei Frauenkrimis.net mitlesen. Betrieben wird der Auftritt von Henny Hidden, die als Krimilady immer wieder durch wunderbare Rezensionen begeistert und er soll sich der Förderung des „Frauenkrimis“ widmen. Die Motivation zum Betreiben der Seite verstehe ich gut. Ich vermute allerdings, dass es der Sache nicht schadet, wenn Qualität auch eine gewisse Rolle spielte – können Frauen auch, fünf der zwölf Titel meiner Jahresbestenliste 2008 sind von Frauen.
  • Offensichtlich sind die Zeiten hart, wenn scheinbar krisensichere Bereiche der Unterhaltungsindustrie massive Probleme haben:“Struggling companies need investors to help right their operations, and those that are thriving in a brutal market need funding for growth.„.
  • Obwohl, wenn man dem CNN-Bericht glauben darf, dann geht es der Industrie nicht so schlecht, und das Ganze ist wohl eher als provokanter Gag zu werten.

  • Es ist in der Tat lustig was Brian Lindenmuth da gefunden hat:
  • Es muss wohl am pinkfarbenen Umschlag liegen, dass Miami Purity von Vicki Hendricks in der Romantik- und Herz-Schmerz-Ecke der Buchhandlung zu finden ist. Dabei sind ihre Bücher in der Nähe derer von Anais Nin besser aufgehoben, so auch Miami Purity: „Miami Purity is driven by its characters‘ lustful perversities and unquenchable sexual desires„.

bernd

Read Full Post »

quer

  • Das ist ja nun eine ungewöhnliche Ansicht, aber Bild auf dem Cover von Russell Atwoods Losers Live Longer, das im nächsten September bei HCC in den USA erscheint, steht tatsächlich senkrecht.
  • Die Criminalbibliothek demonstriert welches preisliche Potential im E-Buch steckt. Der erste Band der Bibliothek, Emilie Heinrichs Leibrente wird bei beam eBooks für 6.99 € angeboten, die papierene Fassung kostet das Doppelte, 13,90 €. Zu so einem günstigen Preis macht es nicht einmal Amazon, die wollen in den USA üblicherweise knapp 10 $ für E-Bücher haben. Diese sind auch nur für das Kindle zu haben. Die Criminalbibliothek bietet ihre E-Bücher als pdf-Fassung an, ob diese auf dem Sony-Reader gelesen, qualitativ gleichwertig zum Kindle ist, kann ich nicht beurteilen. Sollte es so sein, sollte Sony präemptiv mit Verlagen zusammenarbeiten.
  • Wenn es um die Aufgabe geht, dass die Form und die Darstellung einer Rezension optimal das besprochene Buch abbilden soll, dann hat Bill Crider diese perfekt gelöst. Jeder der schon mal ein Buch von Ken Bruen gelesen hat, erkennt sofort den Stil. Jeder der noch kein Buch des Meisters gelesen hat, bekommt eine klare Vorstellung über Bruens Stil.
  • David J. Montgomery ist ein Rezensent, der den US-amerikanischen Krimi-Mainstream hochhält, es ist also als bedenkliches Zeichen zu werten, dass er meint, dieses Jahr nicht so richtig gute Bücher gelesen zu haben. Es gäbe da natürlich eine Lösung: Andere Länder haben nämlich auch schöne Töchter.
  • Fast könnte man meinen, Joachim Linder verfolgte diese Woche eine bestimmte Agenda. Erst lenkte er unsere Aufmerksamkeit auf die Unterschiede der Rezensionen von Laien und Profis, nun verweist er auf einen Artikel, in dem ein unglücklicher Literaturprofessor über sein Fach schimpft. „[…] the invention and codification of a professionalized study of literature„: Ein Ruck sei in den letzten 50 Jahren durch die Literaturforschung gegangen, mit der Folge, dass man vom Rest der Welt und insbesondere von den Lesern isoliert sei.
  • We’re not teaching literature, we’re teaching the professional study of literature: What we do is its own subject. Nowadays the academic study of literature has almost nothing to do with the living, breathing world outside. …Reading literature doesn’t require us to check our list of identifying adjectives to see if we’ll understand. Instead, we just have to dive in. Maybe we’ll sink, maybe we’ll swim. Nobody can tell beforehand. That’s the beauty of books.

    Sehr lesenswert und mit einigen schönen Bonmots.

  • Weniger mit Krimis und mehr mit unserer Kultur hat ein Beitrag auf Brain.Wash zu tun. Der erzählt nämlich die Geschichte einer Kampagne von Johnson & Johnson. Der Pharmahersteller gezeichnete in einer Anzeige für eine Schmerzmittel Babys als Modeaccessoires. Nachdem die Anzeige lanciert war, passierte lange Zeit nichts, dann mokierten sich einige Frauen über diese Anzeige bei Twitters und innerhalb weniger Tage schwoll diese Kritik zu einem Sturzbach an, sogar von Boykott war die Rede, bis nun Johnson & Johnson die Anzeige stoppte. Für diejenigen die da die richtigen Fäden ziehen können, scheinen soziale Dienste wie Twitters ein enormes Potential zu bieten.

bernd

Read Full Post »

So wie ich die Bücher einschätze, die ich dieses Jahr noch lesen werde, ist keines mehr darunter, das es unter die Allerbesten schafft. Zeit also, sich einen Überblick über die gelesenen Bücher des Jahres 2008 zu verschaffen. Ich hatte Glück: Gute Bücher habe ich viele gelesen, packende, mich nachhaltig beschäftigende einige. Zwölf besondere Werke sollen im Folgenden herausgehoben werden. Mit dabei Bücher einer Irin, eines Nordire, zweier Briten, eines Norweger und eines Franzose. Lediglich drei der Bücher sind ins Deutsche übersetzt, mindestens eines folgt noch und die Aufzählung erfolgt streng alphabetisch; Topfavoriten gäbe es mehrere.

1. James Lee Burke, The Tin Roof Blowdown: Erst rasen und toben Katrina and the Waves (der Hurrican and die Fluten) dann der Protagonist. Die Folgen der Naturkatastrophe geben Burke Gelegenheit Korruption, Typen, die vom Sonnenlicht träumen und doch im Morast zu vermodern drohen, Stalker und die Alltagsrisiken von Schwarzen zu schildert, dabei ist seine Sprache das Sahnehäubchen vom Ganzen.
2. Katie Estill, Dahlia’s Gone: Drei unterschiedliche Frauen in einer bibelfesten Region. Die eine versucht sich zu integrieren, die andere sondert sich ab und die dritte versucht zu verändern – unglücklich sind sie alle. Es ist ein reiches Buch (wenn man mag auch schlichtweg: schön), das in einer souveränen Art eine kleine innige Geschichte erzählt und das eine Kultur und eine Haltung zeigt, die gar nicht so weiter weg sind, wie wir gemeinhin glauben.
3. Tana French, In the Woods (deutsch: Grabesgrün) Ein beeindruckender Erstling, eine Mischung aus Ellroys Schwarzer Dahlie und einem Whodunnit, das eine klassische Aufklärung inszeniert und mit einem überraschenden (und nicht unumstrittenen) Ende daherkommt. Deshalb auch ein gewagtes Buch: Einfachere Geister hätten es zusammen gekürzt, hätte die Erzähllust gezügelt und das Ende konventioneller gestaltet – aber die hätten auch den Edgar nicht gewonnen.
4. Vicki Hendricks, Cruel Poetry: Ein Noir, so weiblich, so aufregend, so eigenständig wie nur wenige. Renata betört Mann und Frau, sie spielt mit den Menschen, die ihr verfallen. Als sie eines Tages von einem Kunde attackiert wird und dieser dabei stirbt, kommt das Gefüge der Personen um Renata aus dem Gleichgewicht … Ungeschick reiht sich an Pech und immer tiefer versinken die Personen im Morast des unweigerlichen Unglücks. Cruel Poetry ist ein emotionales Buch mit Personen, die den Leser bewegen, da sie so sind, wie sie sind, unverstellt und ohne falschen Pathos..
5. Adrian McKinty, The Bloomsday Dead: Steht pars pro toto für die gesamte Dead-Trilogy. Mit einem Helden, der mal unermüdlicher Sammler von Wissens-Trivia, mal gnadenloser Killer ist. Seit Jahren ist er auf der Flucht, der kleine Junge aus Belfast, der seine Stadt nur verließ, weil er seine Arbeit verlor. Er will nur seinen Frieden haben, nun also ein Auftrag … aber was für einer. Allein gegen eine Stadt, der Gewalt in ihr Innerstes eingebrannt ist.
tb.jpg 6. Jo Nesbo, Schneemann: Der erste Serienkiller Norwegens scheint unterwegs zu sein, die Gelegenheit für Kommissar Hole. Ein Buch für Leser die (wie ich) glauben, dass das Rätsel mittlerweile am Krimi nicht mehr das Entscheidende sei. Denn Schneemann ist ein ganz feiner Rätselkrimi (man muss ja dennoch nicht miträtseln) bei dem Fall um Fall aus der Wundertüte gezogen wird und Nesbo ist ein vorzüglicher Autor, der witzig, klug und pfiffig schreibt.
7. Derek Nikitas, Pyres : Ein Vater wird vor den Augen seiner jugendlichen Tochter erschossen, die Mutter verliert die Kontrolle über sich und das Mädchen steht plötzlich alleine da. Die Aufklärungsarbeit der Polizei, das Innenleben einer Motorradgang, die nach Außen hart nach Innen jedoch familiär auftritt und das Seelenleben der Tochter, mit seiner Bandbreite und mit seiner gediegenen Sprache ist Pyres ein spannender Thriller, ein einfühlsamer Roman, ein beeindruckendes Lesevergnügen.
8. P.J. Parrish, A Thousand Bones: Ein Buch das mit der Erwartungshaltung seiner Leser spielt, und diese zum Narren hält. Was wie ein Whodunnit amerikanischer Prägung anfängt, wechseln plötzlich seine Form als nach 200 Seiten der Täter zu Wort kommt und sich ein außergewöhnlich spannender Thriller entwickelt, bei dem die beiden älteren Damen, die hinter dem Pseudonym stehen, zeigen, dass sie mit zu den Besten gehören.
9. Davis Peace, Tokyo Year Zero: Das Buch zeigt eine Stadt in Trümmern und Seelen in Trümmern, die der Einzelnen ebenso wie die des Volkes. Der Icherzähler ist gedanklich selten an einen Ort und der Text spiegelt dieses graphisch und mit immer wieder auftauchenden Lautbildern und Sätzchen wider. Das Buch macht es dem Leser nicht leicht, belohnt ihn aber reich und zeigt wozu Texte fähig sind.
10. Richard Price, Lush Life: Ein Mann wird erschossen, ein Zeuge sieht zu, die Polizei ermittelt. Price schildert das Panorama einer Stadt: New York als rassischer, ökonomischer und kultureller Schmelztiegel. Mit Personen die keine wandelnden Klischees oder von der Agenda des Autoren gesteuerte sind. So divers, so vielschichtig und so offen liest man das ganz selten. Zudem und überhaupt zeigt Price wie man gekonnt eine Erzählung, ihren Rhythmus und ihre Struktur variiert und er setzt Maßstäbe bei den Dialogen.
11. Cathi Unsworth, The Singer: Unsworth beschreibt die Rekonstruktion der Geschichte des Punks und zeichnet ein komplexes Bild der damaligen Szene, der Anfänge dessen was man als „Gothic Movement“ bezeichnen mag und dem Weiterwirken dieser Kunst- und Lebensformen in der Gegenwart hinein. The Singer ist ein enorm reiches Buch, deutlich ambitionierter als das erste Buch der Autorin, mit dichter Atmosphäre, intensiven Darstellungen und Textpassagen zum Niederknien, dabei stimmig und perfekt aufgebaut – Lippman on Speed, gewissermaßen.
12. Jean Francois Vilar, Die Verschwundenen: Vilar konstruiert in dem betörenden Buch die Auseinandersetzungen widerstreitender kommunistischen Gruppen in den späten 30er Jahren in Frankreich und bezieht diese auf die Gegenwart und den Untergang des Ostblocks. Das Buch überzeugt mit seiner brillanten Komposition, der komplexen Struktur und  ist reich an Anspielungen und Bezüge, denn die verschiedenen Orte, politischen Ereignisse und Zeiten, sie referenzieren einander. Dabei kann man es auch problemlos Leuten schenken, die prinzipiell keine Krimis lesen, die merken nämlich gar nicht, dass es einer sein soll.

Read Full Post »

Splitter

  • The Book Design Review zeigt die von ihm am meisten geschätzten Buchcover des Jahres. Einige sind auch wirklich gelungen.

  • Aber wäre es nicht interessant, die Frage zu beantworten, warum man plötzlich umgeben ist von intelligenten Menschen, die allesamt den Büchern Stieg Larssons erlegen sind – mithin einem Erzähler, der so offensichtlich alle Fehler macht, die ein Autor nicht machen sollte, dessen Bücher wohl nie lektoriert wurden, der die Grundregeln der Spannungsdramaturgie, der Glaubwürdigkeit, des Realismus über hunderte Seiten missachtet und der dennoch im Handumdrehen weltweit eine Gemeinde von Millionen Lesern gefunden hat? Freilich, sollte ich der Einzige sein, den die Antwort interessiert, wird ein entspanntes Gespräch darüber auf absehbare Zeit wohl nur als Monolog denkbar sein.
  • So Jan Seghers in einem Blogbeitrag zu dem ich nicht verlinken kann. Autoren, auf die Seghers Anmerkungen zutreffen, gibt es ja nun viele, die Zauberworte sollen wohl „intelligenten Menschen“ sein, aber die Beweisführung zu „intelligente Menschen lesen die besseren Bücher“ steht auch noch aus. Tatsächlich finde ich es eine äußerst spannende Frage, ob es länderspezifische Unterschiede in der Wertschätzung von Büchern gibt und woher diese kommen. Larsson ist in UK um einiges wohlgelittener als bei uns, ebenso Matt Beyon Rees. Im Bloggermilieu zumindest gab es in den USA eine derart wüste Kritik gegen HCC  wie die vom ehemaligen Herausgeber vom metro nicht und die geradezu überschwängliche Wertschätzung die Laura Lippman in den USA erfährt, wird bei uns wohl kaum verstanden. Wie überhaupt die Liste US-amerikanischer Autoren, die im eigenen Land hoch geschätzt sind und sich bei uns nicht durchsetzen konnten, lang ist. Umgekehrt dürften die meisten der US-amerikanischen DKP-Gewinner der letzten Jahren in den USA nicht so bekannt sein.

  • Tess Gerritsen begann in den 90zigern ihre Karriere als Autorin von Romanzen. Da ihr Name so überaus bekannt ist, werden diese auch immer noch verlegt, immer wieder führt das zu Irritationen bei ihren neueren Lesern, die so ein Buch kaufen. Gerade zwei ihrer Bücher erfahren da besonders heftige Kritik CALL AFTER MIDNIGHT und PRESUMED GUILTY, das sind aber genau die Bücher, die ihr einst eine Nominierungen für den Rita Award einbrachten. Der hat im Romanzen-Genre ein ähnliches Prestige wie der Edgar im Krimibereich. Gerritsens logische Schlussfolgerung: „The „best“ books in any genre may not be judged the „best“ by another genre’s readers. While romance judges clearly thought these two books were worthy of being honored […] thriller readers consider them garbage.“ Trivial eigentlich. Lediglich die Vertreter der dpr-Schule lassen sich von so etwas nicht beeindrucken, die lesen so ein Buch einfach als Text und da die Schriftstellerin von Romanzen und Thriller die gleiche ist, wird das Urteil ähnlich sein.
  • Na wer sagt’s denn. Nicht nur die deutsche Sprache geht vor die Hunde, auch das britische Englisch verdirbt von innen heraus. Die Überarbeitung des Oxford University Press Junior Dictionary sorgt für Ärger. Zahlreiche Wörter (laut Daily Telegraph, in einem relativ pathetischen Artikel, insbesondere solche aus den Gebieten christliche Religion, Monarchie und britische Geschichte) sind ‚rausgenommen und durch zeitgemäßere Begriffe ersetzt worden. Crimeficreader hat die kompletten Listen. Die verwendeten Wörter beruhen natürlich auf einer Analyse der tatsächlich benutzten Wörter und sagen also viel über die Kultur in UK aus. Die Wörter, die nicht mehr auftauchen, werden wohl, wenn überhaupt, den Lesern von (klassischen) Büchern fehlen – eine Auswahl:
  • Carol, ivy, mistletoe, dwarf, elf, goblin, abbey, aisle, altar, bishop, disciple, minister, monastery, monk, nun, sin, devil, coronation, duchess, duke, emperor, empire, monarch, adder, ass, beaver, boar, lark, leopard, lobster, panther, pelican, raven, spaniel, starling, acorn, almond, apricot, ash, bacon, hazel, hazelnut, heather, porridge, poultry, primrose, prune, radish, rhubarb,

bernd

Read Full Post »

keepitrealTed ist bei einer Reality Show tätig. Dort entwickelt und gestaltet er Einlagen, die die Realität verdichten sollen, um die einzelnen Sendungen ein wenig aufzupeppen und den mitunter lahmen Ablauf zu forcieren. In der letzten Zeit ist die Einschaltquote der Show gefallen, deshalb wird seine Chefin geschasst und er steigt zum co-executive producer auf: Mit der Folge, dass er mehr Leute anpissen kann und dem Chef vom Ganzen unmittelbar ausgesetzt ist.

Wie sollte es auch anders sein, aber Teds Leben ist alles andere als im Lot. Mit seiner früheren Frau führt er einen Rosenkrieg, in der Folge darf er qua Gerichtsentscheid die gemeinsame Tochter eine Stunde pro Wochen unter Aufsicht einer Person des Sozialamtes sehen und muss sich dabei aller suspekten Äußerungen zu enthalten. Nach der Scheidung kam der einstige Investigativjournalist ein wenig ab vom Pfad der Tugend. Er verhielt sich nicht immer weise und landete unter Abbrennen aller sozialen Brücken beim jetzigen Job.

Eher zufällig beobachtet er wie ein kommender Rapstar seine derzeitige Gespielin bedroht und schlägt und wenige Tage später erfährt er über die Medien, dass das Nachwuchsmodell vermisst wird. Als der Chef vom Ganzen droht auch ihn zu entlassen, da die Zuschauerzahlen weiterhin im Keller sind, engagiert er den Rapper um ihn in die Reality Show einzubauen.  Er hofft, so etwas über das verschwundene Modell herauszubringen und nimmt es auch hoffnungsvoll (in Bezug auf die Zuseherzahlen) zur Kenntnis, dass das Publikum der Show natürlich eher weiß und kleinbürgerlich ist.

Bryan ist offensichtlich ein guter Beobachter, der in nie enden wollenden ironischen Folgen Spitzen gegen das Business setzt und dabei auch gerne auf die amerikanische Kultur verallgemeinert. Im Vergleich zu vielen anderen vergleichbaren Humorkrimis gibt es hier sogar etwas wie ein Krimiplot, wenn dieses sicherlich auch nicht besonders zwingend ist, zahlreiche Details etwas unglaubwürdig wirken und echte Spannung kaum entsteht.

Im Grunde ist Keep it Real ein Buch das wunderbar in die Genrediskussion hineinpasst. Mord und Aufklärung qualifizieren es offensichtlich als Krimi, als solcher ist das Buch jedoch stereotyp und banal. Als humorvolles Buch kann es dagegen punkten.

bernd

Read Full Post »

« Newer Posts - Older Posts »