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Archive for the ‘1’ Category

Narren !

Manchmal liefern die staatseigenen Fernsehleute wirklich überzeugende Argumente für die Abschaffung der Rundfunkgebühren. Da machen sie auf Arte ein superinteressantes Programm mit James Ellroy und lassen dieses von Mitternacht an laufen (Wiederholung an vier Tagen zerstückelt, um 5:00 Uhr morgens).

Soll das jetzt ein dezenter Hinweis der Fernsehmacher sein, dass sie gewisse Bevölkerungsgruppen (Berufstätige, Eltern mit schulpflichtigen Kindern) ausgrenzen wollen ? Oder hat irgend ein kluger Programmchef beschlossen, dass brave Bürger sich nicht für Ellroy interessieren.

bernd

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Pageturner: Schneemann von Jo Nesbo

schneemann1Harry Hole ist ein Star in Norwegen. Er war der erste norwegische Polizist, der einen Serientäter stellte. So friedvoll ist das reichste Land der Erde, dass er hierzu nach Australien reisen musste. Seine Vorgesetzten belächeln ihn, die Medien bewundern ihn und für manchen Mitbürger wird er zum Kristallisationskern der eigenen Erwartung.

Kein Frage, mit seinem bei FBI erworbenen Wissen fühlt er sich im beruflichen Alltag unterfordert.  Als Frauen spurlos verschwinden und jedes mal der Schneemann, der dem Buch seinen Titel gibt,  das einzige ist, was zurückbleibt, sieht er seine Stunde gekommen.

Rein grundsätzlich kann man ja Hole (ähnlich wie es für Michael Connellys Harry (sic !) Bosch behauptet wird) gar nicht richtig als Polizist bezeichnen, natürlich ist er dort angestellt und kann die Ressourcen nutzen und Informationen erlangen (es ist schon erstaunlich, was das Labor zum Beispiel alles mitteilt), aber mit seinem Verhalten, so losgelöst von jeder Konformität ist er funktionell eigentlich ein Privatdetektiv. So arbeitet er dann – allein gegen alle – an den Fällen, eine neue Kollegin ein und sich so nebenbei an der latenten Beziehung mit seiner Ehemaligen ab. Immer, oder doch meistens darauf bedacht seinen alten Freund Johnnie Walker auf Distanz zu halten.

Wenn auch am Ende die Überraschung nicht so groß ist, die Struktur des Buches zeigt Nesbos Könnerschaft. Wie bei einer Matroschka steckt Auflösung in Auflösung in Auflösung. Häufig ist es in Krimis andersherum, es gibt mehrere Fälle und wie der Zufall es will, hängen sie am Ende zusammen. Nesbo macht es anders: Mehrere kleine Fälle stecken in dem (einzig sichtbaren) größeren – welch Vergnügen und welch seltene Kunst.

Nesbo ist ein guter Erzähler. Seine Figuren haben Fleisch und Individualität, er hat Humor und gibt auch gerne ein Stück seines offensichtlich umfangreichen Allgemeinwissens in nonchalanter Art weiter. Seine besondere Fähigkeit ist es elegant und unauffällig Übergänge zu schaffen. Da ist es dann irgendwann: Das Nadelör, das der Ermittler nicht finden kann, durch das die Ermittlung muss und da ist auch die Situation in der Holes Vorgesetzten dessen Marotten und Sonderwege endlich satt haben. Jetzt noch die ein oder andere skurrile Figur. an der der Autor sein Können zeigen kann und warum nicht auch sowas wie ein Lügendetektor verwenden, plausibel natürlich, dass es in die norwegische Situation passt. Nesbo montiert aus dem eine Folge von Szenen und schwupps findet Hole das Nadelöhr und weiter geht es.

Schneemann ist im Grunde ein Whodunnit moderner Bauart, Nesbo ist aber ein derart guter Autor, dass er nicht nur lesenswert schreibt, sondern ein äußerst gelungenes Ganzes schafft, dessen einzelnen Teile geschmeidig verbunden sind.

bernd

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Die witzigste Palin

Da heute anscheinend Fool’s Day ist, kann man auch Georgs, resp. John Cleeses Frage beantworten, wer der witzigste Palin sei.

Ganz klar: Tina Fey.

Die Komikerin trifft Gestik, Mimik, Worthülsen des Vorbilds absolut perfekt, wie die VP (Vice President)-Debatte, und insbesondere die Wiederholung ihres unglücklichen Interviews mit Katie Couric (-> hier das Original) zeigt:

Vodpod videos no longer available.

Abgerundet wird das unterhaltsame Paket durch einen gemeinsamen Auftritt von Sarah Palin und Hillary Clinton.

bernd

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Die Besten im Oktober

Mit einer deutlich überarbeiteten grafischen Darstellungen gibt es bei -> Arte demnächst die Krimiwelt-Bestenliste des Monats Oktober 2008:

1. Heinrich Steinfest: Mariaschwarz

2. Richard Stark: Fragen Sie den Pagagei

3. Jean-Francois Vilar: Die Verschwundenen

4. Deon Meyer: Weißer Schatten

5. Leonardo Padura: Der Nebel von gestern

6. Massimo Carlotto: Die dunkle Unermesslichkeit des Todes

7. Jenny Siler: Portugiesische Eröffnung

8. Andrew Vachss: Der Fahrer

9. Michael Collins: Tödliche Schlagzeilen

10. Bernhard Jaumann: Die Augen der Medusa

Vier der Titel sind neu. Mit Jean-Francois Vilar und Massimo Carlotto gibt es zwei interessante Zugänge aus romanischen Ländern. Jenny Siler ist jetzt das vierte Mal dabei, möglicherweise hat sie damit Chancen auf den DKP (?) – schließlich sind einige Juroren auch bei diesem aktiv.

Was die deutschsprachigen Autoren betrifft, scheint es beinahe so, dass Steinfest einer der ganz wenigen ist, der es auf der Liste ganz nach vorne schaffen. Im Vergleich zu früheren Monaten kann man von einer kleinen Zahl englischsprachiger Autoren auf der Liste sprechen.

Fünf der zehn Bücher sind Tb-Ausgaben. Zwei Buch sind von deutschsprachigen Autoren, ein Buch ist von einer Frau geschrieben.

bernd

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Thomas Klingenmaier schreibt in der Stuttgarter Zeitung über Andrew Vachss, man weiß zwar nicht genau was, aber  Georg bringt zumindest einen kleinen Auszug. So schreibt Klingenmaier über Kata (englisch: Flood), dem Erstling Vachss‚, für den er 1989 den 3. DKP gewann: „Der war weit düsterer, brutaler, paranoider als der Durchschnittskrimi, die Hauptfigur Burke die extreme Verwilderungsvariante herkömmlicher Privatdetektive. Als frage Vachss, ob wir tatsächlich an die moralische Unbescholtenheit all der Revolverritter glauben, die sonst so für die gute Sache in die Gosse steigen.

Literaturwissenschaftlich geschulte wie Thomas Wörtche, Joachim Linder und Georg schätzen Vachss nicht besonders, wohl weil er, wie Klingenmaier an anderer Stelle ausführte, die Darstellung seinem Thema unterordnet: „Man kennt den Amerikaner Andrew Vachss als Kreuzzügler, als hassdurchsäuerten literarischen Vigilanten, der als Anwalt und Autor Kindesmissbrauch zu seinem Thema gemacht hat.

Ich bin mir nicht ganz sicher wie Klingenmaier zu Kata steht (mir scheint, der Daumen bleibt oben), aber meiner Meinung nach ist es ein erstklassiges Buch, sowohl wegen seiner kristallinen Sprache als auch wegen der von Klingenmaier beschriebenen düster dunklen Atmosphäre. Es ist dem Der Fahrer (englisch: The Getaway Man), vom dem derzeit so viel Gutes zu lesen ist, haushoch überlegen. Letzteres schwächelt ein wenig daran, dass die Figur des Simpels mit seiner harten Kindheit schon ‚mal von Vachss in seinem erschütternden Shella verwendet wurde.

Auch in diesen Büchern ist Vachss im Grunde seinem Konzept des trojanischen Pferdes treu geblieben, mit dem er dem Leser sein Thema Kindesmissbrauch (im weitesten Sinne) und seine Ursachen nahe bringen möchte, denn auch hier zeigt er die Bedingungen unter denen Kinder, Jugendliche auf die schiefe Bahn geraten. Seine Burke-Romane sind konsequenter und die von Klingenmaier beschriebene „Blickverengung: das Böse tritt stets in Gestalt von Kinderschändern auf.“ ist richtig und von Vachss gewollt. Mit dem Resultat, dass spätere Bücher schwierig sind und ein Buch wie False Allegations schlichtweg unlesbar ist.

Bei Klingenmaiers Aussage, sie seien „authentische Selbstjustizplädoyers, voll kruder Rachefantasien“ bin ich mir nicht ganz sicher. Sicher, Täter (wie in vielen Krimis) sind bei Vachss häufig Todgeweihte, sein metaphysisches Choice of Evil (das Ende hat mich ans Ende von Philip K. Dicks Ubik erinnert), das von einem Mördern handelt, der Pädophile verfolgt, zeigt, dass es wohl ein wenig komplizierter ist.

In Choice of Evil, the author is seriously back and running on all six cylinders, turbocharged, using every literary implement in the house, co-opting cyber and S & M culture, elements of supernatural fiction, pulp and literary structural trickery and more to bring his dark universe to light.

bernd

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Der lange Schwanz und Marketingstrategien

Shelf Awarness weist auf ein Treffen der Book Industry Study Group hin, das letzte Woche stattfand. Dabei ging es unter Anderem um den Einfluss des Internets auf den „Long Tail„. Bei vielen Gütern (nicht nur Büchern) macht ein kleiner Anteil der Gesamtproduktion einen großen Anteil am Gesamtverkauf aus – der sog. Kopf. Vom überwiegenden Teil der Produkte (dem langen Schwanz) werden dagegen nur geringe Mengen umgesetzt – auch 80/20 Regel genannt, 20 % der Waren machen 80 % des Umsatz und 80 % der Waren 20 % des Umsatz. Jeder Produzent/Händler möchte natürlich diesen langen Schwanz dicker machen (den Verkauf pro Produkt erhöhen) oder ihn abschneiden. Bei den Verlagen führt das zum Beispiel dazu, dass Autoren, deren Bücher sich nicht so gut verkaufen, aus dem Programm fliegen.

Die Long Tail Theorie ist die Vorstellung, dass durch die Möglichkeiten des Internets der lange Schwanz so sehr angefettet werden kann, dass dieser mehr als 20 % Verkaufsanteil ausmacht. Das macht durchaus Sinn und leitet sich im Grunde aus der Vorstellung ab, dass das Internet die Zugang zu Information demokratisiere.

Ökonomisch ist das natürlich extrem wichtig, denn wenn diese Vorstellung richtig wäre, müssten Verlage und Händler ihre Werbestrategien ändern und mehr auf die Nischenprodukte ausrichten. Die Folge wäre eine Stärkung der Vielfalt, deren zunehmende Gefährdung ja von allen beklagt wird.

Auf dem Treffen gab es nun einen Vortrag von Anita Elberse, Professorin in Harvard zum Thema. Am Beispiel von Grand Central (früher Warner Books) macht sie die Strategie deutlich. „Whereas the 61 hardcover titles Grand Central put on its 2006 front list, on average, incurred costs of $650,000 and earned gross profits of just under $100,000, a wide range of numbers contributed to those averages. Grand Central’s most heavily marketed title incurred costs of $7 million and achieved net sales of just under $12 million, for a gross profit of nearly $5 million—50 times the average. […] In 2006 just 20% of Grand Central’s titles accounted for roughly 80% of its sales and an even larger share of its profits (sic !, bk).“ Um dann im Weiteren anhand der „music and home-video industrie“ zu überprüfen, ob am Long Tail etwas dran ist. Die Detail sind leider nicht ohne Weiteres verfügbar, aber laut Elberse ist es eindeutig, dass es in diesen Bereichen immer mehr Produkte gibt, die sich immer schlechter verkaufen, der Effekt also hier keine besondere Rolle spiele.

In einer Antwort schreibt Chris Anderson (der Erfinder der Long Tail Theorie), dass für ihn der Unterschied zwischen Kopf und Schwanz der zwischen Ladengeschäft und Internethändler sei. Mehr als 1% der verfügbaren CD’s, DVD’s, Bücher hält kein Ladengeschäft vorrätig, diese machen aber bei je nach Internethändler „lediglich“ 32% bis 70% der Umsätze aus.

Beide weisen übrigens darauf hin, dass der Unterschied zwischen jemanden der sich intensiv mit einem Medium, einer Gattung, ein Genre beschäftigt und einem Gelegensheitskäufer der ist, dass erstere sich eher aus dem Schwanz bedienen und letztere aus dem Kopf.

bernd

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ITW Awards vergeben

Die internationalen Thrillerautoren (ITW) haben nun ihre Preisträger bekannt gegeben:

  • Bestes Buch

The Ghost von Robert Harris

  • Best Erstes Buch:

Heart-Shaped Box von Joe Hill

  • Bestes Taschenbuch:

The Midnight Road von Tom Piccirilli

ThrillerMaster als Würdigung des Gesamtwerkes wurde Sandra Brown.

Den Silver Bullet Award für die Förderung der Lesefähigkeit (literacy) bekamen Macy’s und David Baldacci.

Zu den Gewinnern kann ich nicht viel sagen. Die anderen Nominierten finden sich -> hier.

Mit Dank an ITW.

bernd

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