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Archive for 2. September 2009

envy the nightFalsche Erwartungen, Annahmen, die nicht stimmen, Lügen, auf denen Lebensentwürfe aufgebaut sind. Das ist der Stoff, der die Personen in Envy the Night antreibt. Es gibt keinen Zeremonienmeister, niemanden, der sie steuert und doch rennen sie aufeinander zu und ihre Leben werden einen tragischen Moment lang miteinander verwoben.

Vor sieben Jahren verlor Frank Temple III seinen Vater. Ein Verrat war es, der diesen in den Selbstmord trieb. Sieben Jahre lang hat Frank seinen Rachedurst unterdrückt. All die Jahre vagabundierte er durch die Lande, nun bringt die Nachricht von der Rückkehr des vermeintlicher Verräters (der ebenfalls die Gegend verlassen hatte) sein labiles Gleichgewicht durcheinander. Auch er, mittlerweile Mitte 20, kehrt zurück und will mit diesem Teil seiner Geschichte abzuschließen.

Kaum angekommen, stolpert er (im wahrsten Sinne des Worts) über einen Wagen, der dem Widersacher gehören könnte. Tatsächlich ist es der Wagen einer anderen Person. Eigentümlich verdächtig benimmt sich diese und im Weiteren zeigt sich, dass sie von Profikillern gesucht wird. Da ist es aber schon zu spät, Frank ist zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort und plötzlich richtet sich die Aufmerksamkeit der Killer auch auf ihn.

Schnell sammeln sich einige Leichen in dem kleinen Ort an und Frank hat eine hübsche Frau zu schützen. Die Killer sind der Polizei der kleinen Gemeinde ebenso deutlich überlegen wie dem hinzugezogenen FBI Agenten, dem nichts besseres einfällt als sich aufgrund der zwielichtigen Geschichte seines Vaters auf Frank zu stürzen.

Envy the Night ist ein klassischer US-Krimi, Frank war von seinem Vater perfekt ausgebildet wurden. Er ist ein Superschütze, kennt die richtigen Moves um Gegner zu entwaffnen, hat keine Angst, ist mithin kaum zu bekämpfen. Hinzu kommt, dass ihm ein ehemaliger Freund seines Vaters, wie dieser einst Elitesoldat in Vietnam, hilft. Der Tod seines Vaters nagt an Frank. Seine Empfindungen sind komplex, den Verrat selber möchte er rächen, seinen Vater vermisst er, aber dessen Schicksal sieht er auch als gerecht an. Auch die Frau, an die er gerät, hat ihre Geschichte. Eigentlich ist sie für etwas Feineres geboren, jetzt leitet sie aber die Autowerkstatt ihres Vaters, denn der liegt nach einem Schlaganfall im Pflegeheim. Und auch der Polizist, der Frank einst über dessen Vater befragte und der Freund, der ihm hilft, haben ihre Last zu schultern. All das erfährt der Leser scheibchenweise, er ahnt nur, dass da irgendwelche Päckchen auf den Rücken der Personen liegen und wird nach und nach aus der Sicht der einzelnen Personen über die Vorgeschichten aufgeklärt.

Dennoch, Envy the Night, das dieses Jahr den LA-Times Book Prize gewann, überzeugt. Michael Koryta übertreibt es nicht mit dem Grübeln der Personen. Die moralischen Fragen und Entscheidungen, denen sich die Personen im Buch stellen müssen, sie geben dem Buch Komplexität (denn sie formen die Personen), ansonsten halte ich sie für ein wenig aufgesetzt. Er erzählt seine Geschichte in einer sehr zurückhaltenden Art, sehr nüchtern, sehr reduziert und führt sie zu einem spannenden Finish. Wenn auch dieses Ende den Erwartungen entspricht, im Verlaufe des Buches gibt es genug Überraschendes um den Leser bei der Stange zu halten.

bernd

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