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Archive for 26. Mai 2009

donkey-punch-mmRay Banks ist einer der wilden jungen Briten, die sich vom getragenen Stil der Altvorderen entfernen und einen tüchtigen Schuss Realismus und Straßenschmutz in ihre Bücher packen. Seine Serie um Callum Innes ist derzeit im vierten Buch, immerhin. Spricht doch dafür, dass Banks einige Leser findet, viel Aufhebens wird um ihn eigentlich nicht gemacht, er ist wohl ein wenig das, was man einen writer’s writer bezeichnen.

Für Donkey Punch muss Cal Innes nach Los Angeles, die Tätigkeit als Privatdetektiv in Manchester hat er eingestellt, aber ein Freund bietet ihn, eine junge Boxhoffnung zu einem Amateurwettbewerb zu begleiten. Der junge Mann hat Potential, vielleicht sogar zum Profiboxer, aber wenn so ein junger Kerl vom kleinen Manchester in die Metropole kommt, kann ein wenig Rückendeckung hilfreich sein. Boxen ist nicht nur Unterschichtsport (wird zumindest im Buch behauptet) sondern auch finanziell lukrativ, es dauert also nicht lange und Cal steckt im Schlamassel.

Am Ende entwickelt sich das zu einer richtig gut geplotteten Gechichte mit wechselnder zeitlicher Perspektive und einem Ende, welches vielleicht nicht ganz überraschend, aber doch anders daherkommt, als zumindest Cal es erwartet hätte.

Diese Darstellung Cals in LA ist aus mehreren Gründen sehr reizvoll. Erst einmal  ist Cal zwar alles andere als der typische Privatdetektiv, in Donkey Punch hat er nicht einmal einen richtigen Fall, dennoch: Mit seinem Auftreten wirkt er wie der ins britische Milieu tranportierte Philip Marlowe und der fühlt sich in LA gar nicht wohl, nicht genug Regen, Gewalt aller Orten, aber nirgends darf er rauchen.

Banks erzählt seine Geschichte mit Humor, das Aufeinandertreffen von Manchester und Los Angeles bietet genug Anlass dazu und er verwendet die Portion Gewalt, die notwendig ist um die Milieudarstellung glaubwürdig zu gestalten, Cal hat ein wenig ein Problem seine Aggression im Zaum zu halten, deshalb ist sein Urteilsvermögen mitunter getrübt.  Dennoch ist (und das ist eigentlich interessant) die Darstellung erstaunlich unspektakulär, ja geradezu konservativ. Denn bei aller Gewaltbereitschaft, Gewalt setzt Cal nur dann ein, wenn seine Werte bedroht sind, denn Cal ist ein moralischer Mensch. Im Grunde also ein Buch, welches trotz der Darstellung der Welt an dem Rande zur Unterschicht erstaunlich klassisch daher kommt.

bernd

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