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Archive for 14. Mai 2009

dein wille gescheheIch könnte es mir ganz einfach machen: Dein Wille geschehe ist ein saugeiles Buch …. so funktioniert das hier allerdings nicht.

Joe O’Loughlin ist klinischer Psychologe. Früher (sprich in den vorigen Büchern der Serie) hatte er der Polizei immer wieder bei Fällen geholfen, nun lebt er, da er körperlich nicht mehr so fit ist, mit seiner Familie in Bath, also in der tiefsten Provinz. Als eine Selbstmörderin nackt auf einer Brücke steht, wird er eher zufällig hinzugezogen. Hilflos muss er dort mit ansehen, wie diese ihn ignoriert und stattdessen mit dem Handy telefoniert und dann in die Tiefe springt. Dieses Verhalten, so scheint es O’Loughlin, will gar nicht zu dem Bild passen, dass die Umgebung und ihr Haus von der Frau zeichnen. Es scheint fast so, als wenn sie da jemand manipuliert hätte.

Den Klang einer zerbrechenden Seele. Es ist kein lautes Knacken wie von splitternden Knochen, wenn ein Rückgrat bricht oder ein Schädel birst. Auch nicht weich und feucht wie ein gebrochenes Herz. Es ist ein Klang, bei dem man sich fragt, wie viel Schmerz ein Mensch ertragen kann; ein Laut, der das Gedächtnis zerschmettert und die Vergangenheit in die Gegenwart einsickern lässt; ein Ton so hoch, dass nur die Hunde der Hölle ihn hören können. Hörst Du ihn ?

Es gibt im Buch immer wieder einzelne Kapitel, in denen der Täter von seinen Taten und Gedanken spricht. Es ist einer dieser großen bösen Charaktere, die so „souverän“ und unangreifbar wirken. Körperliche Gewalt wendet er nicht an. Die Opfer, er berührt sie üblicherweise nicht einmal, um sie letztendlich genauso zu entwürdigen, wie es Opfer in solchen Bücher eben üblicherweise werden.

O’Loughlin erweist sich, damit ist sicher nicht zu viel verraten, am Ende als würdiger Gegner des Täters. Dahin sind es jedoch mehr als 500 steinige Seiten für ihn. Seine Figur ist Robotham sehr gut gelungen. Natürlich ist O’Loughlin gut in seiner Tätigkeit als klinischer Psychologe und liefert wichtige Erkenntnisse, dennoch demystifiziert Robotham ein wenig die Rolle des Psychologen, die häufig im Genre doch sehr aufgeladen mit allerlei Pseudowissen daherkommt. Er zeigt uns, was O’Loughlins Meinung speist und dieser ist auch nicht gefeit davor sich zu irren.

Und dann ist da der Mensch O’Loughlin. Er hat Parkinson, eine chronische Erkrankung des Nervensystems, die dazu führt, dass er sich nicht immer unter Kontrolle hat, da zittern die Finger der linken Hand,  da frieren die Gesichtszüge ein, da fehlt die Kontrolle über das linke Bein. Freilich, man kann die Symptome behandeln, aber letztlich schreitet die Erkrankung voran. Robotham baut die Fluktuation der Symptome und die Reaktion des Erkankten auf seine Krankheit, die bei einem Psychologen auch nicht anders ist als bei anderen Menschen, sehr gut ein.

Seine Frau ist gar nicht begeistert von seinem neuen Job, sie ist ihrerseits als Übersetzerin viel mit ihrem Chef in Europa unterwegs und irgendwie klappt da die Kommunikation zwischen den beiden Eheleuten nicht mehr so recht.

Das fügt sich sehr schön zusammen bei Robotham, ist klug geschrieben, immer wieder auch mit Humor erzählt und interessanten Personen versehen, treibt den Leser an, weiter zu lesen und letztlich ist dann der Autor auch bereit, die Geschichte in ein mutiges aber hochdramatisches Finish zu treiben, dass dabei der Zugriff auf den Täter thrilleruntypisch ruhig daher kommt, zeigt auch, dass es dem Autor nicht nur auf Show ankommt.

Und für die Leser, die da noch einen „Mehrwert“ brauchen, liefert Robotham diesen auch noch und zwar ganz nachdrücklich: Wie wollen wir westliche Gesellschaften es halten, die wir doch auf die ein oder andere Art und Weise im Krieg stehen und jungen Menschen ausbilden getötet zu werden und (!) zu töten, mit den Traumata, die diese jungen Menschen mit zurückbringen.

bernd

Goldmann 2009,
Original: Shatter, 2008
Übersetzt von Kristian Lutze

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