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Archive for 5. Mai 2009

fiftygrand1Adrian McKinty ist für Leser ein besonderer Glücksfall. Ich zumindest finde es höchst beeindruckend, wie er in seinem neuesten Buch, Fifty Grand im Vergleich zu den früheren Büchern eine andere Art der Darstellung wählt. Seine Dead Triologie (-> hier, -> hier und -> hier) hatte gezeigt, dass er ein sehr guter Autor ist, der variantenreich schreibt, populärkulturelle Anspielungen ohne Ende bietet und packende Szenen entwickelt. Fifty Grands ist mehr von dem und doch ganz anders.

So ist es viel dezenter, während Michael Forsythe, Held der Dead Trilogie, ein „Wunderkind“ war, das ständig Assoziationen ausschied wie eine Kuh Methan, und als junger Mann agierte, der sich seiner sicher war, ist Mercado, die Heldin des neuen Buches eine junge Kubanerin (1), die zwar pfiffig ist, aber eben auch in eine Welt geworfen wird, die ihr gänzlich fremd ist: Der US-amerikanischen. Von daher sind ihre Bezüge zu aktuellen und weniger aktuellen Wissensschnipseln subtiler, aber sie sind wieder reichhaltig vorhanden.

Mercado ist auf Kuba Polizisten, erst frisch ist sie vom Streifendienst zur Kriminalpolizei gewechselt. Ein „Makel“ haftet allerdings an ihr und ihrer Familie. Anfang der 90er flüchtete ihr Vater in die USA und tauchte dann dort spurlos unter. Nun, so erfuhr sie, wurde er Opfer einer Verkehrsunfalls mit Fahrerflucht. Sie will Rache. Gar nicht so einfach für sie; mit falschen Angaben erhält sie die Erlaubnis für eine Stippvisite nach Mexiko, illegal macht sich sich von dort als Mexikanerin getarnt auf nach Colorado. Eine knappe Woche hat sie dort Zeit, sollte sie bis dahin nicht zurück sein, wird ihre Familie Besuch von der kubanischen Staatssicherheit erhalten.

Man erlebt im Verlauf des Buches Mercado als mittel- und rechtlose Mexikanerin in den USA, dabei dürfte die Sicht, die das Buch bietet, nicht so weit von der Realität entfernt sein, schließlich werden die meisten der insgesamt 11 Millionen Immigranten als billige Arbeitskräfte von US-Bürgern beschäftigt. Später dann (bei McKinty nicht unüblich) wird es auch sehr romantisch und endet mit packender und hochdramatischer Action. McKintys Erzählung ist absolut geschmeidig, die wechselnden Tempi und Teile des Buches sind perfekt ineinander gefügt.

Wer McKinty stilistisch in die Rauhe-Kerle-Ecke unterbringen möchte, sieht sich mit Fifty Grand eines Besseren belehrt. Das Buch zeigt, dass der Autor vielseitig ist wie sonst nur wenige. Es ist ein abwechslungsreiches, zuweilen auch heftiges Buch, mit einem kräftigen Schuss Realität und tiefsinnigen Humor.

Weiterhin gilt: Nicht nur der Autor hätte es verdient bekannter zu sein, sondern die Krimileser dieser Welt auch.

bernd

(1) McKinty war ein wenig unglücklich, dass in einer Rezension in Publishers Weekly das Geschlecht der Heldin verraten wurde, McKinty versucht da im ersten Kapitel den Leser zu foppen, aber schon der/die Verlage/e geben den Hinweis über die Texte auf den Umschlägen und den Bildern.

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