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Archive for 24. April 2009

Am 30. April werden die Gewinner der Edgar Awards bekannt gegeben. Es wird also langsam Zeit die Kandidaten in den drei großen Kategorien unter die Lupe zu nehmen.

Wie die Erfahrungen der letzten Jahre gezeigt haben, ist es schwierig die Gewinner zu tippen. Der Edgar scheint ein wenig anders als die anderen US-Krimipreise zu funktionieren und in manchen Jahren haben es „literarische“ Krimis besonders leicht, in manchen aber auch nicht.

Den Anfang macht dieses Jahr die Kategorie „Best Paperback Original“. Dieses Jahr waren in der Kategorie folgende Bücher nominiert:

Die Taschbuchkategorie hat in den letzten Jahren häufig interessante und ungewöhnliche Bücher präsentiert. Im letzten Jahr gab es eine starke Liste, die Liste dieses Jahr bewegt sich auf einem ähnlichen Niveau und bietet Bücher, die recht unterschiedliche Stile und Subgenres vertreten.

The Cold Spot von Tom Piccirilli repräsentiert am ehesten den klassischen US-amerikanischen Krimi. Die Geschichte des Rachefeldzuges eines Fluchtautofahrers („Wheelman“) ist schlank, trocken, ohne anzugeben erzählt. Ebenso wie die Idee zur Geschichte wirkt diese Darstellung wie aus den fünfziger Jahren. Dabei zeigen Wortwahl und die Art und Weise wie der Protagonist charakterisiert wird, dass es ein zeitgenössisches Buch ist. The Cold Spot gelingt es vortrefflich, die schwierige Balance zwischen klassischer Darstellung und Modernität zu wahren.

Fast ebenso klassisch, aber eben mit dem Dreh einen Hardboiled mit einer weiblicher Heldin zu besetzen, ist Christa Fausts Money Shot. Eine alternde Ex-Pornodiva will Rache nehmen und gerät ins finstere Herz des Milieus. Es ist eine gradlinige Handlung, mitunter mit Twists, die aber nicht besonders zwingend wirken, in einer einfachen Sprache geschrieben, welche die Geschichte angemessen transportiert, die aber ohne eigenen Reiz ist.

Enemy Combatant ist formal ein Gerichtsthriller und beginnt auch so. Voller Tricks und Action und mit enormen Drive erzählt das Buch eine Geschichte bei der die Finten und Strategien vor Gericht keine Rolle spielen, die private Seite des Helden dagegen schon. Ein Anwalt stolpert in die Verteidigung eines Terrorverdächtigen und hat plötzlich Gegner gegen sich, die diesen mit aller Gewalt verurteilt sehen wollen. Gaffney inszeniert in in diesem Buch nichts anderes als den Kampf des all-American Boy gegen Bushs Reich der demokratischen Unkultur, das versucht Guantanamo nach Phönix zu holen. Alleine das Ende wirkt etwas pathetisch und ein wenig wie ein Fremdkörper.

Ebenfalls den modernen Thriller repräsentiert China Lake von Meg Gardiner, welches den Kampf einer Autorin gegen eine langsam außer Rand und Band geratende religiöse Sekte zeigt, die an den Untergang der Zivilisation glaubt, auch wenn man diesem möglicherweise auf die Sprünge helfen muss. Es ist ein sehr gut geschriebener, extrem spannender Thriller, wenn auch in meinen Augen am Ende schon ein recht großes Fass aufgemacht wird. Diese maligne Präsenz der Sekte, insbesondere des Predigers, die Aura die er ausstrahlt, Gardiner bringt das absolut glaubwürdig rüber. Zudem, als besonderer Glücksfall, schreibt sie gut, mit Anspielungen, Witz, Sprachgefühl und dem gewissen Etwas, das sie auch in dieser Disziplin aus der Masse der Thrillerautoren heraushebt.

The Prince of Bagram Prison ist die Geschichte eines jungen islamischen Spitzels, der auf der Flucht ist und von diversen US-amerikanischen Diensten gesucht wird. Es ist eine sparsam erzählte, komplex aufgebaute Geschichte. Jenny Siler/Alex Carr bedient sich einer Vielzahl von Perspektiven, aus der Gegenwart ebenso wie aus der Vergangenheit. Dabei hat sie ein feines Auge für die kleinen Details und für Charaktere und schafft es eine üppige Geschichte auf knappe 280 Seiten unterzubringen.

Für mich persönlich fällt Money Shot im Kreis der Kandidaten ein wenig ab, Enemy Combatant ist ein gutes Buch, aber die verbleibenden drei sind einfach stärker. China Lake wäre ein würdiger Gewinner, The Cold Spot erst recht. Beim besten der Bücher, The Prince of Bagram Prison fürchte ich eine wenig, dass viele Leser die gewisse Mühe scheuen, die sie in das Buch investieren müssen.

bernd

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