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Archive for 23. April 2009

sweetsmoke-hc-cHistorische Krimi stehen gern ‚mal im Ruf ein wenig altbacken und behäbig zu sein. Dabei gibt es. wie die Listen der Preise für historische Krimis wie CWA Ellis Peters Historical Dagger, Bruce Alexander Memorial Historical Mystery und Herodotus Award zeigen einige gute Vertreter des Subgenres. Sweetsmoke, der Erstling von David Fuller ist ein weiterer Krimi, der historische Atmosphäre, Sorgfalt und literarische Qualität verbindet.

Sweetsmoke ist der Name einer Farm in Virginia, 1862, mitten im amerikanischen Bürgerkrieg. Ein Sohn der Farm ist schon im Krieg gefallen, der andere ist im Einsatz. Ständig zieht der Quartiermeister des Heeres der Südstaaten durch die Gegend um Verpflegung und sonstige nützliche Utensilien zu requirieren.

Cassisus ist einer der Sklaven der Farm, allerdings hat er Glück, anders als die meisten anderen Männer ist er nicht auf den Tabakfeldern unter der strengen Aufsicht von  Aufseher und Treiber, sondern sein Herr hat ihn als Schreiner ausbilden lassen und er kann relativ frei seinem Tagwerk nachgehen.

Mit seinem Herren verbindet ihn eine eigentümliche Beziehung. Früher waren sie, man könnte fast sagen, befreundet, dann kam eine Frau in ihr Leben. Cassius heiratete sie, aber das Kind das sie bekam war weiß. Die Herrin verkaufte es, Cassius Frau beging Selbstmord und Cassius selber versuchte (natürlich vergeblich) zu flüchteten, Emoline eine freie Schwarze päppelte ihn wieder auf.

Nun wird sie tot aufgefunden, erschlagen und Cassius will unbedingt Rache nehmen. Gar nicht so leicht für einen Schwarzen, der sich außerhalb der Farm nur mit einem Pass aufhalten darf, den der Herr ausgestellt hat und der schon gehängt werden kann, wenn er nur in der Nähe einer weißen Frau gesehen wird.

Man könnte daraus einen fetzigen Thriller machen. Dieses ist Sweetsmoke allerdings überhaupt nicht, zumindest lange Zeit nicht und dann auch anders als erwartet. Bedächtig, introspektiv und nachsinnend erzählt Cassius seine Geschichte, selten nur wechselt die Darstellung kurz in die dritte Person zu einer anderen Person.

Cassius ist schlauer als erlaubt. Er kann sogar lesen, etwas, das schwer bestraft werden kann, wenn es ‚raus kommt (1). Er steht etwas außerhalb der Gesellschaft und wird von den anderen Sklaven misstrauisch beobachtet, dieses erlaubt es ihm aber auch seine Umgebung sehr genau zu beobachten. So lebt dann das Buch insbesondere von diesen Beobachtungen, die sich zu einer beeindruckenden, atmosphärisch überzeugenden Darstellung der Südstaatengesellschaft und ihrer Sklavenhaltung zusammenfindet.

Auch wenn die große moralische Stoßrichtung des Buches klar ist, diese Gesellschaft ist nicht nur schwarz-weiß gezeichnet, sonders es finden sich immer wieder genug Zwischentöne, etwas das durchaus mit der Realität zu korrespondieren scheint, denn wenn man ein wenig nachliest, findet man, dass nicht alle Fragen historisch so klar und eindeutig sind, wie man meinen könnte.

Am Schluss sind wir dann mitten im Bürgerkrieg der Weißen. Cassius bewegt sich dort wie ein unsichtbarer Mann zwischen den Fronten, aber was er dort beobachtet, beeindruckt in sprachlicher wie inhaltlicher Sicht. Bei all der Zurückhaltung, die Fuller sich auferlegte, hier lässt er direkt die Sau rau, und zeigt uns einen richtig widerlichen Krieg.

Sweetsmoke ist ein Buch, welches langsam beginnt und zackig endet. Es ist klug aufgebaut, lebt von den Wahrnehmungen seines Protagonisten und kann als Geheimfavorit für den Edgar gelten.

bernd

(1) Das ist mittlerweile eine Fähigkeit, die nur wenige Autoren weglassen, auch Walter Mosleys Easy Rawlings ist ja literarisch gebildet.

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