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Archive for 16. März 2009

Wie schreibt man erfolgreich einen Krimi, oder genauer: wie bringt man diesen an den Lektor (1). Dieter Paul Rudolph stellt fünf erfolgsverwöhnte Regeln vor, die beschreiben, wie man es nicht machen sollte. Auch wenn ich gerade keinen Krimi schreibe, seine zweite Regel und die Debatte um diese ist auch für nur-Leser interessant: „Ihre Protagonistin / Ihr Protagonist ist unsympathisch“ Üblicherweise, so dpr, wollen Leser sich mit den Helden identifizieren („Als Massenmedium legt es die TL [Trivialliteratur, bk] natürlich darauf an, dass möglichst viele LeserInnen diese Sympathie / Identifikationsmöglichkeit entdecken„), Ausnahmen wie Patricia Highsmith belegten die Regel. Im Weiteren diskutiert man dann über die Frage ob Ripley sympathisch ist oder nicht und ob er nun Identifikationsfigur ist oder eher nicht.

Das mit der Sympathie resp. Identifikation ist tatsächlich eine spannende Frage. Ich sag‘ mal auf die Schnelle, dass ich diese Charakterisierung des Genres so nicht glaube und dass der Begriff der „Identifikationsfigur“ ein wenig den Blick verstellt. Natürlich, grundsätzlich hat ein Protagonist, unabhängig davon ob nun die Geschichte in der ersten oder dritten Person vorgetragen wird, einen nahezu unbegrenzten Vertrauensbonus. Die Romane bei denen dieser erfolgreich vor Ende des Buches aufgebraucht ist, sind selten. Massimo Carlottos Arrivederci amore, ciao fällt mir ein, ein weiteres erscheint irgendwann bei Hard Case Crime. Im Allgemeinen, so scheint mir, wünschen wir auch den moralisch Zweifelhaften, dass sie durchkommen und hoffen, dass sie in der Folge bessere Menschen werden.

Aber die Feststellung dprs geht ja in eine andere Richtung, er behauptet ja, dass der Erfolg von Büchern auf sympathischen Helden beruhen, die als Identifikationsfiguren dienen. Mehr noch: Dpr setzt die beiden Begriffe möglicherweise gleich (2). Nun weiß ich nicht, was dpr unter Identifikation versteht, aber es kommt von „Identität“, eine Identifikationsfigur weckt den Wunsch nach Gleichartigkeit (idem lat. bedeutet eigentlich das/der selbe). Deshalb kann ich mich mit einem Alkoholiker oder Schläger (selbst wohl mit einer Frau) zum Beispiel nicht identifizieren, geht nicht – wirklich nicht. Identifikationsfiguren dienen nämlich der Übernahme von Rollenbildern.

Besser geeignet für das was da vom Leser erwartet wird, ist der Begriff der Empathie, etwas das die Wikipedia auch so sieht. Unter Empathie versteht man die Fähigkeit sich in einen Menschen hinein zu versetzen, das bedeutet nicht, dass man diesen Menschen auch noch sympathisch finden muss – wenn zum Beispiel ein Psychiater mit einem Pädophilen spricht, will er ihm helfen, nicht ihn liebhaben.

Also Empathie ! Da leuchtet mir auch ein, was die Wikipedia schreibt: „Rezeptionstheoretiker gehen davon aus, dass ein Theaterstück, ein Text oder ein Film nur dann als spannend empfunden wird, wenn eine Identifikation des Zuschauers mit der fiktiven Figur möglich ist.“ – wobei hier eben Identifikation im Sinne der Empathie gemeint ist. Mit Sympathie hat das wenig zu tun.

Nun gibt tatsächlich auch Bücher, die ihre Leser über die Sympathie des Helden binden (so manche Äußerung von Lesern spricht dafür) aber die überwiegende Zahl der Bücher, die ich lese, hat doch Helden, die ich wohl nicht besonders sympathisch fände, wenn ich sie träfe. Aber hineinversetzen kann ich mich sehr wohl in sie.

Mithin, das ist jetzt aber trivial, ich glaube, dass ein Buch (und natürlich auch ein Krimi) Figuren braucht, die interessant sind, in die man sich hineinversetzen kann, aber so richtig sympathisch muss man die nicht finden. Ein Problem für die Bildung einer Empathie beim Leser entsteht wohl erst dann, wenn die Antipathie ein gewisses Maß übersteigt – oder der Autor sein Handwerk nicht beherrscht. Bezogen auf Ripley hieße das, dass es keine Rolle spielt, ob er jetzt sympathisch ist oder nicht, offensichtlich fühlt der Leser mit ihm mit. Dass es jetzt ein literaturtheoretisches Qualitätszeichen sei, wenn der Leser keine Empathie entwickelt, halte ich für ein Gerücht, ich würde es üblicherweise für handwerkliches Unvermögen halten. Die paar Bücher, deren Helden eindeutig und gezielt Antipatie wecken, scheinen mir genau deshalb häufig umstritten, selbst bei Profis (galt auch für den Band von Hard Case Crime).

bernd

(1) Der weibliche Genus ist stets mitgemeint und mitzudenken

(2) der „/“ in „Sympathie / Identifikationsmöglichkeit“ lässt sich als und aber auch als oder deuten

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Indem der Kopierschutz dem E-Book-Käufer kein Kauferlebnis, sondern ein kompliziertes Verfahren zumutet, öffnet man illegalen Downloads Tür und Tor. Das hatten wir alles vor Jahren schon mal, als die Musikindustrie alles daran setzte, das Internet zu stoppen. Vergeblich wie wir wissen, heute wird kopierschutzfrei Musik verkauft. Der Lernprozess hat diese Branche Milliarden gekostet. Warum die Verlagsbranche glaubt, den gleichen Kampf im Jahr 2009 zu gewinnen, erschließt sich mir nicht.

Aus einem Interview mit Jürgen Rink aus dem boersenblatt über das aufwendige Prozedere mit dem  Sony E-Book Reader ein E-Book zu laden – Jürgen Rink ist E-Book-Experte bei c’t und leitender Redakteur der c’t specials.

An anderer Stelle findet sich dann im boersenblatt auch noch der Satz: „Der Sony-Reader ist ein technischer Dinosaurier und sein Geld nicht wert.

bernd

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