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Archive for 12. März 2009

bookcover-curse-smLisa Lutz erstes Buch The Spellman Files (Deutsch: Miss Undercover: Ein Familienroman) war in den USA letztes Jahr für fünf unterschiedliche Krimipreise nominiert, in Deutschland wurde es kaum und schon gar nicht als Krimi wahrgenommen. Nun ist die Autorin des Buches, das in Deutschland so gar nicht als Krimi aufscheinen will, im Zentrum des US-amerikanischen Krimis angekommen: Ihr zweites Buch Curse of the Spellmans ist für den Edgar in der Kategorie Bestes Buch nominiert.

The Curse ist mehr vom Gleichen und doch, es ist gereifter. Es erzählt eine richtige Geschichte, ist komplexer, nutzt das erste Buch erfolgreich als Mine, in der es schürft und auch in der Darstellung macht Lutz einiges anders. Doch eines nach dem anderen.

Izzy, die Protagonistin des Buches ist 30 Jahre alt und dennoch wirkt sie immer noch wie ein widerspenstiges Kind, innerhalb des Familienverbandes ist die diejenige, die dank ihrer anarchischen (1) Persönlichkeit durch gelegentliche Erschütterungen dessen Erstarrung verhindert. Izzy ist misstrauisch und neugierig und so hat sie dann innerhalb weniger Seiten einige Fälle am Hals, die es zu lösen gilt. Die Mutter schleicht nachts aus dem Haus, der Vater neigt zu eigentümlichen Attacken von sportlicher Aktivität, die kleinere Schwester … usw usf.

Insbesondere der neue Nachbar ist Objekt ihrer paranoiden Aufmerksamkeit: Warum lügt er bei der Angabe seines Geburtsorts und seines Geburtstag, warum hat er, der als Gärtner arbeitet, so viel Büroabfall, hält ein Zimmer in seiner Wohnung abgeschlossen und warum verschwindet eine Frau, mit er er sich traf, kurz nach diesem Treffen ? Wie ein Pitbull verbeißt Izzy sich in diesen Fall, da nützen auch keine Verhaftungen und keine gerichtlichen Verbote sich in der Nähe des Mannes aufzuhalten.

Gerade am Anfang des Buches nimmt es immer wieder Bezug auf Episoden des ersten und baut diese aus, das ist für diejenigen die den Vorgänger kennen witzig zu lesen, schadet aber dem Neuling nicht. Neu ist, dass Lutz sehr viel mit Fußnoten arbeitet, über 100 Stück kommen im Buch vor. Sie sind immer wieder Mittel um den Text ironisch zu brechen, so bleiben zum Beispiel die Dialoge schlank, aber die Körpersprache und Mimik kann sie trotzdem mitteilen.

Was mich an diesem Buch, genauso wie an dem Vorgänger, beeindruckt, ist die Leichtigkeit, die der Text ausstrahlt. Dabei ist er sorgsam konstruiert, da geht es gerade am Anfang wüst (aber sorgsam gezügelt) in der zeitlichen Ebene hin und her und auch die diversen Stränge wollen gekonnt miteinander verknotet werden. Zuerst und insbesondere ist es aber ein witziges Buch, Lutz reiht eine witzige Erläuterung an die nächste, ist eine feine Beobachterin der kleinen menschlichen Schwächen und kann sich auch selber auf die Schippe nehmen. Krimis, die meinen aufgrund des Humos eine Lizenz zur sinnfreien und ungezügelten Gewaltdarstellung zu haben, sind meine Sache nicht, ungezügelter, mitunter raffinierter Humor, wie ihn Lutz präsentiert dagegen schon.

bernd

(1) in der verbreiteten Bedeutung, nicht wie in Bakunin

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