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Archive for 10. März 2009

Die AutorInnen des Syndicates vergeben jährlich einen dotierten Krimipreis. Unter den folgenden Büchern werden die Preisträger ermitteln:

Kategorie Kriminalroman

  • Das magische Jahr von Rob Alef
  • Paragraph 301 von Wilfried Eggers
  • Die Augen der Medusa von Bernhard Jaumann
  • Nacht ohne Schatten von Gisa Klönne
  • Mariaschwarz von Heinrich Steinfest

In der Kategorie DEBUT

  • Der 13. Brief Lucie Klassen
  • Die Henkerstochter von Oliver Pötzsch
  • Restlicht von Jochen Rausch
  • Die Sehnsucht der Atome von Linus Reichlin
  • Selmas Zeichen von Amaryllis Sommerer

in der Kategorie KURZKRIMI

  • Alles für Bergkamen von Sebastian Fitzek
    (in: Mord am Hellweg IV, Grafit)
  • Das Gewissen von Werl von Sandra Lüpkes
    (in: Mord am Hellweg IV, Grafit)
  • Die Matraze von Uentrop von Jörg Juretzka
    (in: Mord am Hellweg IV, Grafit)
  • Himmel und Hölle von Hans Forster
    (in: Im Kreis der Familie, Fischer TB)
  • Monopoly von Judith Merchant
    (in: Money. Geschichten von schönen Scheinen, Verlag J. Heyn)

Insgesamt bin ich ein wenig enttäuscht, Christine Lehmanns Nachtkrater fehlt, dass die nominierten Bücher in der Kategorie Kriminalroman alle besser sind, mag ich nicht glauben. Man muss dem Glauser allerdings zugute halten, dass er der/die einzige Preis/Liste ist, dessen/deren Jurys die Bücher eines Jahres vollständig zur Kenntnis nehmen. In Karlsruhe ist man wohl auch enttäuscht. Nachdem Linus Reichlin schon den DKP gewann, wird sein Buch Die Sehnsucht der Atome wohl die Kategorie Debut für sich entscheiden.

Die Bekanntgabe der Gewinner erfolgt bei der Criminale in Singen am 9.Mai.

bernd

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coldspotTom Piccirilli könnte ein Ziehsohn Joe R. Lansdals sei. Er schreibt Western, Erotica, Gedichte, Horror und eben Krimis. In unterschiedlichen Kategorien gewann er Bram Stoker Awards und letztes Jahr auch den ITW (International Thriller Writer) Award. Der Uneingeweihte merkt The Cold Spot dieses scheinbar mehr dem Düsteren zugeneigte des Autors nicht an, der Erfahre meint es allenfalls zu ahnen. Das Buch ist ein lupenreiner Neoretrokrimi über Chase, einem Getawaydriver, der Person also, die während des Einbruchs vor dem Geschäft/ der Bank wartet und sich durch nichts und niemand aus der Ruhe bringen lässt um dann Beute und Meute an der Polizei vorbei Heim zu kutschieren.

Als Chase zehn war, wurde seine Mutter bei einem Überfall erschossen, sein Vater hielt seinen Schmerz nicht lange aus und Chase landete bei seinem Großvater, einem Verbrecher der ganz harten Sorte, bei Freund und Feind gefürchtet, der sich und seine Truppe mit Betrug und Überfall ernährt. Dort lernte Chase das Handwerk von der Pieke auf, insbesondere seine Künste beim Frisieren und Fahren von Autos entwickelten sich zügig. Als dann der Großvater einen der Mannschaft scheinbar ohne Grund erschießt, verlässt Chase, er ist zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre alt, seinen Großvater und tingelt einige Jahre alleine durchs Land. Dann lernt er er Lila, Tochter seines Sheriffs und selber Deputy (und zwar nicht ehrenhalber) kennen und innerhalb kurzer Zeit zeigt sie ihm, was in ihm steckt und er wendet sich vom erlernten Handwerk ab.

Einige Jahre geht das gut, sehr gut sogar. Er arbeitet als Lehrer und bildet Automechaniker aus, sie arbeitet als Polizistin. Natürlich, ab und an juckt es ihm in den Fingern und er muss mit seinem Schlitten ein wenig über die Highways rasen.

Dann kommt Lila bei einem Einsatz zu Tode, Chase‚ Leben kommt ins Straucheln und er sinnt auf Rache.

Die Geschichte ist so schlank erzählt, als wäre sie aus den fünfziger Jahren, sie ironisiert das Thema nicht (wie es zum Beispiel Duane Swierczynski in the Wheelman tat) sondern erzählt trocken die Geschichte eines Rachefeldzuges und wie es dazu kam. Auch Chase selber passt wunderbar dazu, er verkörpert genau den Getawaydriver wie wir ihn aus James Sallis‘ Drive und zum Teil auch von Andrew Vachss‘ Getaway Man kennen: Kompetent nicht nur mit Autos, unspektakulär, ruhig. Chase ist ein Mann mit moralischen Prinzipien, wenn diese vielleicht im Vergleich zu unseren auch etwas verschoben sind. Aber, und das macht dieses Buch zeitgenössisch, die Wortwahl (wie -> hier von einem amerikanischen Leser dargestellt) zeigt ebenso wie die Art und Weise wie Chase charakterisiert wird, dass wir uns erzählerisch in der Jetztzeit bewegen.

The Cold Spot gelingt diese schwierige Balanze zwischen klassischer Vorlage und Modernität auf vortreffliche Weise. Es ist ein Buch auf sehr hohem Niveau, wenn es auch anders als zu Beispiel Sallis‘ Buch weniger Erlerntes beim Literaturwissenschaftler abfragt, sondern viszeraler daherkommt.

bernd

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