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Archive for 5. März 2009

theforeignerZum 40. Geburtstag, so sagt man, sei der weitere Verlauf des Lebens festgelegt, viel Überraschendes sei da kaum noch zu erwarten. So sitzt denn Emerson Chang just an diesem Geburtstag, wie jeden Freitag, mit seiner Mutter im Chinarestaurant um dann später in ihrem Hotel zu übernachten. Die Mutter ist, könnte man sagen. eine Powerfrau, vor mehr als dreißig Jahren ist sie mit ihrem Mann und Emerson aus Taiwan gekommen und hat sich mit ihrem Hotel eine Existenz aufgebaut. Der Mann ist bald gestorben und später hat sich der zweite, deutlich jüngere Sohn auf nach Taipeh gemacht, ohne dass bis heute jemand weiß, wo er genau ist und was er treibt.

Ihren älteren Sohn jedoch, den hat sie, bis zu seiner eigenen Selbstverleugnung, im Griff. Neben ihrem Universum gibt es da für ihn nur noch seine Arbeit als Buchhalter und die Erinnerung an J., einer reiferen Frau, die vor 20 Jahren, nach längerer Zeit des Wartens seines Aufsparens müde wurde und sich mit einem Anderen davon machte.

Aber nichts bleibt so wie es ist, Emersons Mutter erleidet in dieser Nacht einen Herzstillstand und so findet er sich dann plötzlich in Taipeh wieder. Schließlich muss die Asche der Mutter beigesetzt und der Bruder zurück in die Welt geführt werden. Es ist eine fremde Welt, Emerson verfügt kaum über Sprachkenntnisse, die Anverwandten, bei denen er sich meldet, entpuppen sich als zwielichtige Gesellen und er gerät in gefährliche Situationen. Für so ein kreuzbraves Muttersöhnchen ist das natürlich harter Tobak, aber er schlägt sich wacker, taumelt zwar halbblind, aber unterstützt von einer Journalistin durch die Stadt, lernt so nebenbei die eigenartigen politischen Verhältnisse Taiwans zwischen Selbstständigkeit und Festland kennen und und meint die Asche der Mutter und das Leben des Bruder retten zu müssen.

Von Anfang an zieht die Sprache des Buches in seinen Bann, so literarisch (1), niveauvoll, umsichtig und gekonnt findet man es selten. Emerson selber erzählt uns die Ereignisse und so erleben wir, wie er an die Käfigstäbe seiner Werte stößt und versucht seine selbstgesteckte Aufgabe zu lösen. Er ist natürlich ein wenig naiv und kann Personen, mit anderen Wertesystemen nicht richtig lesen, aber er hat ein großes Herz.

So ein Buch, das lebt natürlich mehr von seiner Innerlichkeit und diese bekommt die taiwanstämmige Autoren sehr gut hin. Sie erzeugt dabei eine leicht unheimlich, bedrohlich wirkende Atmosphäre in einem Land, das weniger fremdartig wirkt als dessen Menschen – was ja durchaus dazu passt, dass Emerson von seiner Mutter mit den Traditionen gefüttert wurde. Kein Wunder ist es allerdings auch, dass sich trotz entsprechender Bemühungen der Autorin der ultimative Thrill nicht einstellt.

bernd

(1) Ich weiß, dass Wort gilt nicht als korrekt, aber es beschreibt, genau das was das Buch ist.

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