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Archive for 5. Februar 2009

Die Buchwerbung der Neun steht für bedarfs- und kundenorientierte Buchwerbung an der Schnittstelle zwischen Verlagen und Buchhandel.

Welch Satz … zurücklehnen und genießen. Letztlich ist Die Buchwerbung der Neun eine schnöde Marketing-Agentur, die „Profilthemen des Buchhandels entdeckt„, so auch das Thema Krimi. Deshalb gibt es dann auch wortundtotschlag.de – „das Portal für Krimi-Fans“ und wieder ganz neu: Mimi, „den einzigen Krimi-Publikumspreis des deutschen Buchhandels„.

Noch so ein Satz, der die ganze manipulative Kraft der Werbetexter enthüllt, wobei mit Kraft ist es ja nun nicht so weit her. Bei Publikumspreis im Bereich Krimi denke ich ja eher an den Krimi-Blitz der Couch, und ob jetzt eine einzelne Werbeagentur für den Buchhandel sprechen darf oder der Buchhandel überhaupt mehr als einen Pries vergeben sollte, bleibt wohl fraglich.

Der Mimi also: „Die Wahllokale im Internet waren von Anfang Dezember 2008 bis Ende Januar 2009 geöffnet. Zur Wahl standen 10 Krimis, die sich aus einer Auswahl von 30 Spitzentiteln in einer ersten Ausscheidungsrunde von Anfang Oktober bis Ende November 2008 durchgesetzt hatten.“ Diese 30 Titel (erstellt von einem „Team erfahrener Buchhändlerinnen und Buchhändler„) der ersten Ausscheidungsrunde kenne ich leider nicht, aber die 10 der zweiten Runde:

* Volker Klüpfel / Michael Kobr, Laienspiel (Piper)
* Peter James, Nicht tot genug (Scherz)
* Veronika Rusch, Das Gesetz der Wölfe (Goldmann)
* Simon Beckett, Kalte Asche (Wunderlich)
* Matt Beynon Rees, Der Verräter von Bethlehem (C.H.Beck)
* Ingrid Noll, Kuckuckskind (Diogenes)
* Tana French, Grabesgrün (Scherz)
* Cecil Oker, Dunkle Geschäfte am Bosporus (Unionsverlag)
* Tom R. Smith, Kind 44 (DuMont)
* Simone Buchholz, Revolverherz (Droemer)

Insgesamt wurden 8000 Stimmen abgegeben, wenn die denn (wie es korrekt wäre) alle Bücher gelesen haben, wäre ich schwer beeindruckt. Gewonnen hat Volker Klüpfel / Michael Kobr, Laienspiel mit einen Anteil von fast 60 % der Stimmen. Hätte gedacht, dass das mehr ein regionales Leseerlebnis sei (ist es womöglich auch).

bernd

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bad-waldenEin Bedrohungskrimi soll Bad Walden: oder El sueño de la razon produce monstruos, wie der vollständige Titel lautet, sein. In den frühen 80er Jahren arbeitete Rudolf Lorenzen an einer ersten Ausgabe, erst als Film, dann auch als Buch. Beide Male war es ihm, als wäre dieses Bedrohungsmotiv nicht recht verstanden worden. Nun bot ihm die Werksausgabe seiner Bücher beim Verbrecherverlag die Gelegenheit das Buch noch einmal umzuschreiben und das zentrale Motiv deutlicher hervorzuheben.

Ein Ehepaar kommt aus dem Urlaub zurück, vier Wochen Südfrankreich. Neben Erholung stand vor insbesondere die Beschaffung von Antiquitäten für das heimische Geschäft in Frankfurt auf dem Programm. Insbesondere sie, zudem auch deutlich jünger als ihr Mann, hat gar keine rechte Lust wieder heimzukehren. Da das Geschäft durch die Teilhaberin versorgt ist, beschließt das Paar also noch zwei Tage im Ort zu verweilen. Doch Seltsames spielt sich ab, Leute im Ort stellen ihnen nach, sie geraten in sonderliche Situationen … und reisen fluchtartig ab.

In Frankfurt angekommen, entdecken sie eigentümliche Aufnahmen auf ihren Urlaubsfilmen und so fahren sie zurück nach Bad Walden um dort zu ergründen und aufzuklären was es mit diesen Aufnahmen auf sich hat.

Tatsächlich gibt es in diesem Buch so etwas wie ein wachsendes Bedrohungsmoment, das sich um das Ehepaar aufbaut, mit geheimnisvollen unergründlichen Szenen, die sich aus scheinbar banale Gegebenheiten entwickeln. Das entfaltet einen Sog, wie man es sonst bei einem Noir kennt und offenbart ein Gestrüpp in dem sich das Paar zunehmend zu verheddern droht.

Wenn das Buch auch sonst wenig mit einem Noir gemein hat. Das Paar findet sich in einer deutlich surrealen Welt wieder, die einfach keinen Noir-Geist verströmen kann. Der spanische Teil des Buchtitels verweist auf ein Bild der berühmte Bilderserie Goyas und spielt auf die sinnvolle Ergänzung an, die Phantasie und Vernunft darstellen, fordert also eine künstlerische Darstellung jenseits der Vernunft ein. Gleich am Anfang schon, als das Ehepaar noch im Auto sitzt, ziehen kunsttheoretische Gedanken durch’s Auto resp. Buch. Dabei verwundert die Kunstsinnigkeit des Kunsthändlers nicht, sie ist aber etwas, das das Buch gut widerspiegelt – im Schreibstil des Autor meint man auch immer eine ganz unkrimihafte deutsche Gemütlichkeit zu verspüren.

Dabei ist die von Lorenzen dargestellte Welt liebevoll und mit feinem Auge gezeichnet und zeigt Gespür für die gesellschaftlichen Realitäten der Zeit. Lorenzen ist jemand, den der Schalk antreibt. Bad Walden ist ein Buch voll hintersinnigen Humors, durchaus spannend zu lesen. Wenn auch dieser Aspekt nicht überstrapaziert werden sollte, aber es interessiert einen doch, wohin die Geschichte das Paar führt.

bernd

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