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Archive for 27. Januar 2009

victory_squareVictory Square ist der Abschluss einer auf fünf Büchern angelegten Serie, in der Olen Steinhauer die Zeit des Kalten Kriegs aus der Sicht Osteuropas darstellt. Die Serie spannt einen Bogen von den späten 40er Jahren bis hin zu den revolutionären Zeiten Ende 1989 und spielt in einem fiktiven Land, das fest in der Hand der kommunistischen Machthaber ist. Jedes einzelne dieser Bücher erzählt eine persönliche Geschichte und verbindet diese mit den politische Ereignissen der jeweiligen Zeit.

Mit Victory Square ist die Serie des amerikanischen und mehrere Jahre in Ungarn lebenden Autoren nun angekommen im revolutionären Jahr 1989, in einem fiktiven Land. Der Kriminalpolizist Emil Brod, den wir im ersten Band als jungen Mann kennen lernten, wird aufgefordert den natürlichen Tod eines Generals der Geheimpolizei festzustellen und stößt auf Ungereimtheiten und auf mehrere ältere Männer, die sterben. Im Weiteren findet er eine Liste, auf der die Namen dieser Männer und sein eigener vermerkt sind, so muss er sich einen Tag vor seiner Pensionierung noch einmal mächtig ins Zeug legen. Währenddessen versucht der Geheimagent Gavra Noukas, im vorigen Buch noch in der „Ausbildung“, vom General in die USA geschickt, dort das Leben eines Überläufers zu schützen, um dann bald selber um sein Leben zu rennen. Gleichzeitig beginnt die Situation im Lande zu eskalieren: Sicherheitskräfte schießen auf Demonstranten, das Volk erhebt sich.

Die Revolution, Brod als Ich-Erzähler und Noukas in der dritten Person, um diese drei Stränge baut Steinhauer seine Geschichte, die auch ein Stück Historie, sowohl fiktiv als auch erkennbar diejenige Nicolae Ceauşescus rekapituliert. Das entwickelt sich zu einem spannenden Spionagekrimi, der in klassischer Manier die Zwänge zeigt, in denen Einzelne geraten können, die sich gegen größere Gruppen stellen. Victory Square ist aber auch ein Buch, welches diese Einzelnen nicht aus dem Blick verliert und sie als Persönlichkeiten schildert.

Das Buch ist ein gelungener Schlussstein der Serie, dabei gelingt Steinhauer ein zweifacher Abschluss. Mit der Revolution ging für dieses (fiktive) Land die Zeit des kalten Krieges zu Ende, gleichzeitig nahm das Buch die zahlreichen Lebenslinien der Personen aus den früheren Bücher wieder auf und führte diese Geschichten weiter und innerhalb des kalten Krieges auch zu einem Ende. Man merkt auch diesem Buch an, dass Steinhauer immer ein wenig intelligenter als andere Spionagekrimiautoren seiner Generation zu Werke geht. Mit der ruhigen Darstellung, die auch den Menschen darstellt, erinnert er an die Klassiker des Genres. Ausgangspunkt für Steinhauer war ein Jahr Aufenthalt als Fullbrightstudent in Bukarest, deshalb hier auch die große Nähe zum realen Ende Ceauşescus(eine „Dokumentation“ dessen Ende ist in zwei Teilen, -> hier und -> hier zu sehen; die Ereignisse, die Anfang des zweiten Teils zu sehen sind, sind im Buch fiktionalisiert dargestellt).

Wenn im Moment bei uns wieder die Diskussion um den „literarischen Krimi“  hoch kocht, bitte: Hier gibt es beides. Die komplette Serie ist eine, es dem Leser dankt, wenn sie vollständig und in der richtigen Reihenfolge gelesen wird.

bernd

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