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Archive for 23. Januar 2009

In der ZEIT gibt es einen längeren Beitrag Tobias Gohlis über den Einstieg von Suhrkamp ins Krimigeschäft. Wenn ich es recht verstehe, ist für ihn dieser Einstieg ein Zeichen für das Ende der Ächtung des Krimis durch die  „Parfümprosapreiser„, darüber hinaus würden durch diesen Einstieg aber auch zementiert gedachte Grenzen eingerissen:“ Suhrkamps Aktion Mimikry ist ein ernsthafter Einstieg ins systematische Krimigeschäft und schlägt eine weitere, enorme Bresche in die Chinesische Mauer zwischen E- („ernster“) und U- („unterhaltender“) Literatur.

Ich meine mich zu erinnern, dass dpr schon einmal über diese Unterscheidung von E und U gemeckert geschrieben hat. Was der Satz suggeriert, ist, dass E und U mit Genres korrelieren. Kaum zu glauben und funktioniert schon bei Musik nicht (wo diese Begrifflichkeit, glaube ich, herkommt). Ellroy, Peace, Cook, Bruen usw.  dürften wohl das sein, was man unter E-Literatur verstehen kann – ich glaube ja auch, dass Gohlis das weiß, bei den ZEIT-Lesern scheint er sich da nicht so sicher zu sein.

Ansonsten, ich weiß nicht, vielleicht ist das nur eine Frage des Alters ? Da war es  laut Gohlis bisher „todsicher„, „dass der der Suhrkamp Verlag für hohe Literatur steht„, „mancher reibt sich die Augen“ und die Literaturwelt sei „erstaunt„. Allerdings, etwas liegen sie ja schon zurück die ruhmreichen Zeiten des Verlags. Als wenn das Image eines Herstellers ihn für immer vor wirtschaftlichen Schaden bewahrte. Man braucht ja nur mal gelegentlich durch die Supermärkte zu gehen, um zu sehen, wie (erfolgreiche) Marken sich umbauen. Warum sollte das bei den Verlagen anders sein, so groß ist Suhrkamp nun nicht, ruhig waren die letzten Jahre wohl auch nicht immer und wenn Krimi ein guter Markt ist, wäre es doch grob fahrlässig in diesen nicht einzusteigen und Suhrkamps guten Namen zu nutzen (obwohl beim klassischen Krimipublikum wird er nicht viel nutzen, vermute ich). Zumal es ja die guten, zu Suhrkamp passenden Autoren gibt, sie sind nur nicht bei uns verfügbar.

Etwas nüchterner ist es in der Süddeutschen zu lesen, dort gibt es im Feuilleton ein Artikel über die Umzugsgerüchte um den Verlag (soweit ich sehe nur off-line). Nachdem der Autor (Lothar Müller) der Geschichte des Verlags und des Standortes Frankfurt Referenz erwiesen hat, verweist er ganz nüchtern auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Vom schlechten Image, das der Krimi besitzt, hat er sich, laut Gohlis, auch schon befreit (ist bei meinem wenig belesenen Nachbarn noch nicht angekommen): „Für Marcel Hartges hat das Umdenken in den Verlagen längst stattgefunden: »Krimis waren immer populär. Sie sind jetzt nur aus der Schmuddelecke herausgeholt worden.«“ schreibt Gohlis weiter. Dass Suhrkamp jetzt scharenweise das gutbürgerliche Klientel zum Krimi zieht, kann ich mir nicht recht vorstellen, eher könnte die Bestenliste da schon was bewegen.

bernd

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