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Archive for 20. Januar 2009

Viel ist zum gestrigen Edgar Allan Poe Tag geschrieben worden, sicher auch manches das interessant und richtig ist. Es gibt also wenig Gründe, hier noch etwas anzuhängen. Wer aber mag, findet bei den Rap Sheeets eine Zusammenstellung von Beiträgen, die in der englischsprachigen Onlinewelt verfügbar sind.

Beeindruckend finde ich die Rezitation des Gedichtet The Raven durch John Astin:

Vodpod videos no longer available.

more about "The Raven", posted with vodpod

Wer dazu in den engl. Text schauen mag, findet ihn -> hier.

bernd

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Viele haben sicher schon mitbekommen, dass der Deutsche Krimipreis 2009 vergeben worden ist, dennoch, um der Chronistenpflicht Genüge zu leisten, hier die diesjährigen Preisträger:

NATIONAL:
1. Platz:  Die Sehnsucht der Atome von Linus Reichlin (Eichborn Berlin)

2. Platz:  Die Augen der Medusa von Bernhard Jaumann (Aufbau)

3. Platz:  Mariaschwarz von Heinrich Steinfest (Piper)

INTERNATIONAL:
1. Platz: Fragen Sie den Papagei (Ask the Parrot) von Richard Stark Deutsch von Dirk van Gunsteren (Zsolnay)

2. Platz: Citizen Sidel (Citizen Sidel) von Jerome Charyn Deutsch von Jürgen Bürger (Rotbuch)

3. Platz: Weißer Schatten (Onsigbaar / Blood Safari) von Deon Meyer Deutsch von Ulrich Hoffmann (Rütten & Loening)

Bei den deutschen Titeln hätte ich, aufgrund der Nennungen auf der Bestenliste Heinrich Steinfest vorne erwartet. Ein wenig bin ich aber überrascht weder Jenny Siler noch Kate Atkinson auf der Liste zu finden und für Donald E. Westlake ist der Gewinn in der internationalen Kategorie gewissermaßen ein schönes Geleit.

bernd

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der-russeDer Russe aus Nizza ist ein exzellentes Beispiel dafür, dass es sich mitunter lohnt durchzuhalten, wenn am Anfang das Buch nicht so recht in Schwung zu kommen scheint. Wer da den Klappentext gelesen hat und sich auf einen internationalen Thriller einstellt, in dem vor dem Leser die schöne neue Welt Russlands ausgebreitet wird, sieht sich in seinen Erwartungen enttäuscht.

Es ist der Blick Marcus Hoffmanns nach Innen, der das Buch anfänglich dominiert und der auch im Weiteren einen bestimmenden Teil des Buches ausmacht. Marcus arbeitet als Angestellter bei einem Betrieb der Lebensmittelergänzungsstoffe herstellt, er reist über die ganze Welt um mit seinen Verhandlungspartnern Verträge auszuhandeln. Die Gespräche scheinen jeweils sehr anstrengend und aufwändig zu sein, aber der Job, bei dem er häufiger für längere Zeit weg von daheim ist, gefällt ihm sehr gut. Er ist mit Nathalie verheiratet, die er in Russland kennen lernte und mit der seit über 10 Jahren in Dänemark lebt. Auch das Leben mit ihr erfüllt ihn mit Glück. Mit einem Wort der Mann ist zufrieden und ruht in sich.

Als Nathalie mit ihm eine Schifffahrt entlang der Wolga machen möchte, ist er überrascht und gar nicht recht begeistert, willigt ihr zuliebe aber ein. Dort verschwindet sie dann … und Marcus muss erfahren, dass die heile Welt, in der er sich so schön eingerichtet hatte, zum Teil nur in seiner Vorstellung besteht. Nathalie zumindest scheint da ein Gepäck mit sich zu tragen, welches er nie wahrnahm.

So ist er dann in Russland, mitten im Land, Moskau und die Bürokratie ist weit – und, als diese später näher rückt, hilft es ihm auch nicht viel. Auf so viel Korruption, Machtmissbrauch, Gewalt war er nicht vorbereitet. In diesen Passagen kann man das Buch als Ergänzung zu Stahlin’s Ghost (deutsch: Stalins Geist) von Martin Cruz Smith und dem unterschätzten Volk’s Game (deutsch: Russisches Abendmahl) von Brent Ghelfi lesen. Anders jedoch als diese ist es weniger auf die Macht und die Gewalt fokussiert, sondern mehr auf die Opfer. So lernen wir den kleinen heimatlosen Jungen Sascha kennen und der führt uns in die Unterwelt und zeigt uns Bilder, die den Erfahrungen der Überlebenden von Doris Lessing stark entsprechen.

Das Buch verliert aber nie wirklich einen ruhigen Duktus und hat eine These die Davidsen transportieren will. Der bezieht die Gewalt in dem Lande nämlich nicht einfach auf den Untergang der KPDSU und den Diadochenkriegen in Folge des Zusammenbruch des Systems, sondern deutet sie als Kommunikationsmittel, das die russische Geschichte seit sehr viel längerer Zeit prägt.

Die Gewalt wird aber nie das Buch dominieren. Marcus, zumindest übersteht diese Zeit und kehrt ohne Nathalie zurück nach Dänemark und es beginnt eine Zeit, in der er reflektiert über dieses typische Kommunikationsversagen in einer Ehe (nie fragt er, nie fordert sie) und versucht seine Frau zu verstehen. Es ist auch eine Phase der Larmoyanz, die beendet wird durch einen Anruf Saschas und ihn zurückholt nach Russland, wo genregerecht am Ende des Buches nochmal mächtig Action angesagt ist.

Eine kleine Schwäche hat das Buch,  Davidsen leidet unter einer milden Form des Morbus Mankell, er schwatzt gerne, da werden Szenen aus der Sicht Marcus beschrieben und dann erklärt uns dieser warum er so gehandelt hat. Wie überhaupt weite Szenenfolgen über scheinbar gar nichts passiert und Marcus lediglich durch Moskau flaniert und wartet, sein Selbstmitleid im Sommerhaus pflegt oder einfach im Lokal sitzt. Tatsächlich jedoch baut, bastelt und feilt Davidsen an seinen Charakteren ‚rum.

Kein Thriller, kein Gaspedal, fast schon die Studie einer Person in der Lebenskrise und dabei mit einem Blick auf Russland, so eindringlich wie wir ihn nur selten bekommen. Der Russe aus Nizza kommt anders daher und überzeugt.

bernd

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