Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for 20. November 2008

Bin ich eigentlich der einzige Hörer, dem das so geht ? Da musste ich Montag und Dienstag nach Leipzig, knapp vier Stunden hin und ebenso lange zurück, perfekte Gelegenheit sich aus einem Hörbuch während der Fahrt vorlesen zu lassen. Child 44 (deutsch: Kind 44) von Tom Rob Smith sollte es sein. In UK hatte ich doch einige sehr lobende Kritiken gelesen, während sie in Deutschland gemischter waren. Die ersten beiden CDs erzählen auch eine spannende Story. Atmosphärisch dicht und düster versetzt sie den Leser in Spannung und schafft Neugier … dann ist aber Schluss, der Player im Auto akzeptiert die dritte CD nicht und bei der späteren Inaugenscheinnahme sieht man deutliche Kratzer auf der Ableseseite der (neuen !) CD.

Bei den letzten fünf Hörbüchern die ich gekauft habe, war keines dabei, bei dem es keine Aussetzer gab, alle hatte kleinere Kratzer und nun das. Ist das eigentlich normal ? Liegt das an den englischensprachigen Produktionen, die billiger sind ? Wie auch immer: Hörbücher, nur noch als Download via mp3 und Stick.

bernd

Read Full Post »

deadiwellmaybe1Adrian McKinty ist Nordire. Er lebte jahrelang in den USA und ist im Sommer nach Australien übergesiedelt. Sein Blog The Psychopathology of Everyday Life bietet ein breitgefächertes Themenspektum und zeigt McKintys intellektuelle Umstriebigkeit. Ich hätte also vorbereitet sein können, auf das was da auf mich zu kam und war doch von Dead I Well May Be überrascht.

Von welcher Ebene aus man das Buch auch betrachtet, McKinty ist ein äußerst talentierter Autor und das Buch vereinigt auf vorteilhafte Art und Weise rasanten Thriller, raue Straßenrealität und intelligente Schreibe.

Michael Forsythe, 19 Jahre alt, lebt als illegaler Immigrant in Harlem, nicht gerade der übliche Ort für einen bleichgesichtigen (Nord-)Iren. Sein mageres Brot verdient er als Mann fürs Grobe bei Darkey, Chef einer kleinen irischen Gang. Lang ist er noch nicht in den USA, dennoch, so scheint es, erwirbt er sich, durch Mut und Gnadenlosigkeit schnell den Respekt seines Chefs.

Die am Rande des Ghettorealimus stehende Story kippt, als er mit Kollegen nach Mexiko geschickt wird, Drogen einkaufen. Die Sache geht gründlich schief, Michael landet im Gefängnis und erlebt dort einen Albtraum an Gefängnisabenteuer. Ein weiteres Mal kippt die Story als Michael zurück nach New York kommt und sehr handfest versucht das Erlebte aufzuarbeiten.

Das Buch lebt zum einen von der Unmittelbarkeit der Beschreibung. Michaels Leben ist nicht auf Rosen gebettet. Nüchtern und kompromisslos erzählt er davon, wie er sich im wörtlichen und übertragenen Sinne durchs Leben kämpft, das wird zuweilen ausgesprochen düster und ruppig. Andererseits ist Michael ein belesener und weit über die Jahre gebildeter Mensch, Dead I Well May Be ist voller Anspielungen, da wird auf Banquos Geist, die Beziehungen von Farnen mit Fibonacci-Zahlen, Beethoven usw. usf. Bezug genommen. Der Text ist voll damit, wer’s mag für den ist es ein großer Spaß, zu sehen wie bei dem jungen Mann die Gedanken nur so ins Kraut schießen, keine Beobachtung ist sicher davor, nicht als Assoziation genutzt zu werden.

Das Buch ist in drei Teile unterteilt, die sich jeweils unterschiedlich präsentieren, Milieustudie im ersten Teil, innige Darstellung eines Loosers im zweiten Teil und Jack-Reacher artige Abrechnung zum Schluss. Es ist ein starkes Buch, kaum zu glauben, dass es sich um einen Erstling handelt. Mit den Qualitäten im Bereich der Gestaltung und der Abdeckung unterschiedlicher Spielarten des Krimis ebenso wie mit seiner eigenwilligen authentischen Stimme sollte McKinty eigentlich bekannter sein als er ist. Die einzige Erklärung die ich dafür habe, dass sein Name noch relativ unbekannt ist, ist dass er zu intelligent schreibt – aber das muss gar nicht einmal stimmen.

bernd

Read Full Post »