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Archive for 4. November 2008

Kelley Armstrong ist in den USA durch ihre Women of the Otherworld Series bekannt geworden. In der Parallelwelten mit Geistern, Werwölfen und Hexen beschrieben werden, die in unsere Welt einzubrechen drohen und in denen befähigte Frauen die Ordnungen aufrecht erhalten. Mit Exit Strategy wendet sie sich dem konventionelleren Krimigenre zu und behält doch den Tick Andersartigkeit bei, der ihre Bücher bisher auszeichnete.

Nadia arbeitet in einem der ältesten Gewerbe der Welt. Im Grunde ist sie noch eine Auszubildende, viele Kunden hat sie nicht, eine kleine Mafiafamilie versorgt sie regelmäßig mit Aufträgen. Sie ist mehr so zufällig ‚reingerutscht, als Jugendliche musste sie erleben, wie der Mörder der Kusine frei kam, dann wurde sie Polizistin und als bei einem anderen Fall ein ähnliches Debakel drohte, erschoss sie den Täter in „Notwehr“. Sie flog aus der Polizei, kaufte ein kleines Ressort in den kanadischen Wäldern, abgelegen von den Menschen. Als dieses in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet, bot ihr ein Mitglied einer Mafiafamilie einen Auftrag an, seitdem ist sie nebenerwerbsmäßige Profikillerin.

Eines Abends erscheint Nadias Mentor, selber ein Profikiller, der sie ein wenig unter die Fittiche nimmt, bei ihr. Wieder einmal ist ein Serienkiller unterwegs, möglicherweise sogar ein aus der Art geschlagener Kollege. Ihre Mentor schlägt ihr vor, sich einer Gruppe von Profikillern anzuschließen, die sich aufmachen, den Serienkiller aufzuspüren, bevor die Polizei bei der Suche nach ihm zuviel Schaden anrichtet.

Es ist eine eigentümliche Truppe, die sich da aufmacht und ihr Quartier bei einer der großen alten Dame des Gewerbes einrichtet. Wie eine Truppe von Privatdetektiven machen sie sich auf, versuchen ihre Quellen zu nutzen, Informationen zu sammeln, Hypothesen zu bilden und diese in Interviews zu bestätigen.

Es ist durchaus eine interessante Annahme, die Armstrong hier macht und sie folgt dem Gedanken auch konsequent. So ein Profikiller, so lernen wir, hat immer ein ganzes Arsenal an Perücken, Kosmetika und Wäsche dabei um sich zu verkleiden, natürlich tritt er/sie eigentlich nie auf. Der Umgang in der Gruppe ist durch ein gewisses Misstrauen geprägt. Nicht nur, dass jeder mit dem Serientäter zusammen arbeiten könnte, auch hat jeder ja das Geheimnis seiner Identität zu wahren. Dennoch, es ist ein Vertrauensverhältnis von Nadia zu ihrem überaus schweigsamen Mentor und auch die große alte Dame würde Nadia gerne unter ihre Fittiche nehmen.

Am Ende kommt ein abwechslungsreiches Buch ‚raus. Einerseits dieser verschworene Charakter der Gruppe mit ihren Gepflogenheiten, die eine Abwechslung ins Thrillereinerlei bringt, andererseits diese subtilen psychologischen Spielchen innerhalb der Truppe (und natürlich albträumt Nadia regelmässig und kämpft mit den Dämonen ihrer Vergangenheit) und zum Schluss ein packendes Finish. Alles verwoben mit einem feinen Humor.

Gute Unterhaltung also. Aber auch wenn zwei der Killer auf Vigilantismus machen, ich tät es für übertrieben halten, hier von einem Buch zu sprechen, dass dieses Thema, also die Selbstjustiz durch die Bürger, thematisiert (wie es eine Rezension die im Einschlag zitiert ist, andeutet). Dafür ist es dann doch zu eindimensional.

bernd

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