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Archive for 31. Oktober 2008

Krimis werden am liebsten im Buchhandel gekauft

Klingt doch nach was, oder ? Zu lesen ist dieser Satz bei boersenblatt.de, im Weiteren erfährt man dort dann, dass 40% der Krimileser ihre Bücher im Internet kaufen und es folgt dann ein ziemlich lausiger Text über eine Erhebung, die die audio media Verlag GmbH gemeinsam mit der Couch-Familie durchgeführt hatte. Diese hatten über einen gewissen Zeitraum die Couch-Nutzer (User genannt) über ihr Krimikaufverhalten ausgefragt. Und die Nutzer haben geantwortet, man hat also einige Daten. Mit denen können die Erhebenden sicher auch etwas anfangen. Aber aus diesen Daten kann man natürlich kaum verallgemeinere Informationen ziehen. Deshalb ist der Beitrag im boersenblatt etwas erschütternd.

Erstens erlaubt die Erhebung keine Übertragung der gewonnen Zahlen auf andere Nutzer des Internets die Krimis kaufen, zweitens erlaubt sie keine Übertragung auf sämtliche krimikaufenden Leser und dritten hat die Zahl der Nutzer nichts mit der Zahl der Bücher zu tun. Will sagen, es wäre möglich, dass diejenigen, die Bücher per Internet kaufen mehr, weniger oder genauso viele Bücher pro Jahr kaufen wie der Durchschnitt der Befragten/ Leser/User, mithin ist es möglich, dass 90% der Bücher die diese untersuchte Gruppe kauft, per Internet gekauften werden oder auch nur 10%.

Die Überschrift ist natürlich eine Katastrophe, denn sie ist inhaltlich falsch (siehe oben) und wenn der Inhalt richtig wäre, dann wäre es auch eine Katastrophe, denn eine massive Schrumpfung des stationären Buchhandels wäre die unweigerliche Folge, wenn 40% der Keser von Krimis ihre Bücher regelmäßig per Internet kauften.

Darüber hinaus erfährt man, dass das Verhältnis von Taschenbuchleser zu Hardcoverleser in diesem Kollektiv 4:1 beträgt.

Und ist jetzt eigentlich das Hörbuch ein anderes Format, oder ein anderes Medium ? Die locker flockige Gleichsetzung  mit Büchern ist sicher der audio media Verlag GmbH geschuldet, aber irgendwie stört’s mich (nicht das Hörbuch, die Gleichsetzung) – muss am Alter liegen.

bernd

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Ja, so geht das. Schnell mal mit dem Flieger aus den USA nach Deutschland, hier ein paar Lesungen gehalten, einige offensichtlich dümmliche Fragen gestellt bekommen und schon kann man Grundsätzliches zum deutschen Verständnis von Krimis schreiben.

But the Germans have this idea that crime fiction ought to be much more literary and „serious.“ Apparently this means no explicit sex or violence, just lots of depressed, angst-ridden (male, of course) detectives brooding and contemplating the meaning of life.

Booh eeh ! Das geht sogar noch als Zitat des Tages. Axel ? Das meintest Du ironisch !

Ein klein wenig naiv vielleicht was Christa Faust, Autorin von Money Shot (deutsch: Hardcore Angel) da schreibt.

the Germans“ Welche Deutschen ? Kritiker der „haut literature“, Krimikritiker der Zeitungen, die im Internet schreibenden Blogger/Forenbetreiber/engagierten Leser, sonstige Leser ? Alle haben, wie man sofort den Bestsellerlisten ansieht, nur schwere Krimiliteratur im Sinn, bloß kein expliziter Sex und keine Gewalt. Das muss man sich nun wirklich nicht von einer US-Amerikanerin sagen lassen, die in einem Land lebt, in dem schon nackte Hintern im Fernsehen zu drastischen Strafen führen können, Bücher aus Schulbibliotheken gebannt und bestimmte Schimpfwörter im Fernsehen weggepeept werden.

Aber was sagt uns das über „the Americans“ ? Richtig: Nichts.

[…] apparently in Germany hardboiled pulp (vintage or modern) is basically considered lowbrow trash on the level of supermarket romance. I had several interviewers ask me about how it feels not to be taken seriously

Mir scheint es eher so, dass es bei uns kaum eine Pulp Tradition gibt und die allermeisten Leser (von genrediletierenden Journalisten ganz zu schweigen) wenig mit den Bezügen und Cover von Hard Case Crime und Rotbuch anfangen können.

I may be a trashy pulp writer, but I have no problem talking about the underlying gender issues and other socially relevant „serious“ themes in Money Shot.

Ja, das kenne wir natürlich gar nicht in Deutschland.

bernd

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