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Archive for 23. Oktober 2008

Krimis im Stile der 50er Jahre sind der Lebenssaft von Hard Case Crime. So wundert es dann auch nicht, dass der als „renaissance manbezeichnete Max Allan Collins, ein häufig zwischen den verschiedenen Darstellungsformen des Genres (Film, Comik, Buch) wechselnder Tausendsassa und eben Hard Case Crime eine produktive Beziehung haben.

Collins Buch Deadly Beloved ist die Nachgeburt einer Ikone, Ms. Tree. Diese war die Namensgeberin und Heldin der langlebigsten Comicserie (von 1983 bis 1998) die einen Privatdetektiv (Privatdetektivin, um genau zu sein) im Mittelpunkt hat. „How many other P.I.s […] dealt with the topics of homophobia, abortion, devil worship, child pornography, date rape and incest? And not just dealt with them, but asked some pretty damn hard questions that aren’t easily answered by either end of the political spectrum.„, so Thrilling Detective.

Für Deadly Beloved hat Collins die ersten beiden Bände der Comicserie nun als Buch „neu“ geschrieben. Ms. Tree ist beim Psychiater, sie versucht mit der Tatsache klar zukommen , dass sie Witwe geworden ist. Im Rückblick erzählt sie ihm, wie es dazu kam und wie sie darauf reagierte. Ihr Mann und sie und einigen Kollegen waren von der Polizei weggegangen und hatten eine eigene Agentur gegründet. Am Hochzeitstag wurde ihr Mann von einem frisch aus dem Gefängnis entlassenen Typ erschossen, den er einst hinter Gitter gebracht hatte; Ms Tree übernahm die Agentur, einer der Partner der Agentur stieg aus und es gab viel Aufmerksamkeit durch die Medien, so dass es anfänglich nie an Aufträgen mangelte.

Als sie dann den Auftrag erhalten, die Hintergründe einer Mordtat zu untersuchen, bei der die Klientin mit der Waffe in der Hand in einem Motel festgenommen wurde, nachdem sie dort ihren Mann und eine Nutte im Bett erschossen hatte, wird Ms Tree überraschend gezwungen sich mit dem Tod ihres Mannes auseinander zusetzen.

Ms. Tree ist einer dieser Frauen, die kein Blatt vor dem Mund nehmen, mit der Waffe perfekt umgehen und die sich (die Wurzeln des Buches liegen ja in den 70ziger Jahren) in einem von Männern dominierten Umfeld beweisen müssen und dieses natürlich mit Bravour und zur großen Unterhaltung der Leser tun. Das erinnert an Janet Evanovich, kommt aber mit weniger demonstrativen Humor und hardboiliger ‚rüber. Damals konnte das sicher als originell durchgehen, heutzutage lebt es von der knackigen Sprache Collins, die dem ganzen eine Nüchternheit verleiht, die die Lektüre vergnüglich macht.

Ob und inwieweit Ms. Tree einst die Welt des Frauenkrimis beeinflusste, wie von Collins behauptet, vermag ich nicht zu beurteilen, auch nicht wie weit die Figur für das vorliegende Buch modernisiert worden ist. Mich lässt das Buch ein wenig ratlos zurück, es ist durchaus lesbar, aber eigentlich, abgesehen von historischen Gründen, in heutigen Zeiten schlichtweg überflüssig.

Echte Fans der Comicserie mögen das natürlich anders sehen.

bernd

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