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Archive for 16. Oktober 2008

Die dunkle Unermesslichkeit des Todes, sie hält Silvano gefangen und sie droht auch Raffaello aufzunehmen. Raffaello sitzt im Gefängnis, lebenslänglich, nach einem Raubüberfall mit einem Komplizen hatte er auf der Flucht Frau und Kind Silvanos erschossen.

Die Geschichte, die nun das Buch erzählt, setzt fünfzehn Jahre später ein. Silvano hat das Ereignis aus der Bahn geworfen, der einst erfolgreiche Weinhändler lebt im Stupor des Alltagstrotts, Raffaello hat einen unheilbaren Krebs und möchte nicht in der Erbärmlichkeit des Gefängnisses sterben. Er stellt eine Gnadengesuch, dieses jedoch muss von Silvano befürwortet werden. Plötzlich reißt es ihn aus seiner Erstarrung, denn er sieht die Möglichkeit Rache zu nehmen.

Man hätte hier den eiskalten Thrill aufziehen können, zwei Männer einander belauernd, wie zwei Schachspieler auf den Fehler des Gegners wartend, aber darum geht es gar nicht so sehr. Es geht mehr darum, was in den Menschen verborgen liegt und in solchen außergewöhnlichen Situationen zu Tage gefördert wird.Silvano entwickelt eine geradezu erstaunliche Fantasie, als es darum geht sich „sein“ Recht zu verschaffen.

Das Buch lebt von der sehr reduzierten Darstellung. Silvano und Raffaello erzählen abwechselnd ihre Sicht der Dinge, andere Personen tauchen lediglich in diesen Erzählungen auf. Nüchtern, ohne moralischen Pathos ist der Vortrag, wobei mir insbesondere die harsche Poesie der Sprache Raffaellos gefiel. Effektiv, aber ohne grellen Effekte erzählt er vom tristen Gefängnisalltag, von den kleinen Freuden und größeren Sehnsüchten, etwas das, angesichts der Zeit die Carlotto im Gefängnis verbrachte, wohl als authentisch gelten kann. Dabei spielt Carlotto natürlich auch mit uns, den Betrachtern, wenn er zum Beispiel eine Sprachwissenschaftlerin zu Raffaello ins Gefängnis schickt, die dessen „restringierten Code“ bewundert.

Dass Carlotto immer wieder durchscheinen lässt, für wie korrupt der den italienischen Staat hält, wird Leser, die seine Lebensgeschichte kennen, nicht wundern, dass er das unaufdringlich und ihm Dienste der eigentlichen Geschichte macht, darf man erwarten. Noch deutlich mehr als Arrivederci Amore, Ciao ist Die dunkle Unermesslichkeit des Todes ein intimes Buch.

bernd

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