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Archive for 15. Oktober 2008

Es war, nicht unerwartet, ein großes Wochenende für Laura Lippman. Insgesamt vier Krimipreise wurden auf dem Bouchercon vergeben, dreimal war ihr Buch What the Dead Know nominiert, dreimal gewann es. So dominant war in dieser Kategorie schon lange kein Buch mehr.

Wenn man nach der Liste der erfolgreichsten Autoren bei Krimipreisen von Award Annals geht, kann man nun Lippman als erfolgreichste Krimiautorin der USA bezeichnet. Noch sieht die Liste so aus (in der zweiten Spalte ist eine, über Gewinne und Nominierungen aufsummierte Punktzahl angeben):

1     (207.00)  Michael Connelly
2     (197.28)  Laura Lippman
3     (118.90)  Margaret Maron
4     (115.47)  Nancy Pickard
5     (114.50)  Max Allan Collins
6     (112.36)  Robert Crais
7     (110.47)  James Lee Burke
8     (107.52)  Peter Lovesey
9     (102.98)  Dennis Lehane
10     (102.68)  Daniel Stashower

Diese List ist allerdings noch nicht aktualisiert, Lippman wird noch 12 zusätzliche Punkte bekommen. Auffällig ist doch der große Abstand der ersten beiden zu den folgenden Autoren.

Unabhängig davon, ob nun erste, zweite oder gar „nur“ dritte, die große Anerkennung die Lippman in den USA im (gehobenen) Qualitätssegment genießt, ist erkennbar.

Eigenartig, dass sie bei uns dagegen kaum zur Kenntnis genommen wird. Googelt man auf deutschsprachigen Seiten nach „Laura Lippmanfinden sich insgesamt 5.400 Einträge (im Vergleich Michael Connelly 47.300, „Robert Crais“ 13.300 und der (noch) nicht wirklich übersetzte „Ken Bruen“ auf 3830). Wenn man sich die ersten 100 dieser Seiten anschaut (Stand 13.10.08, 23.00 Uhr), dann sieht man überwiegend Seiten von Buchhändler. Insgesamt finden sich dreizehn Besprechungen, davon zwei von mir und Henny Hiddens Besprechung von Das Dritte Mädchen insgesamt dreimal. Diese Besprechungen resp. Meinungsäußerungen sind von Bloggern, Gelegenheitsschreibern oder aus Foren, alle mehr oder weniger positiv, wenn auch bei den älteren Titeln bei Edgar Illert mit der Zeit eine gewisse Ermüdung zu konstatieren ist. Aus dem professionellen Printbereich fand ich eine Rezension aus dem Spiegel, nicht gerade ein Blatt in dem hochwertige Besprechungen zu finden sind und so ist diese Besprechung dann auch ein wenig schlampig (? wer finden den Stockfehler ?). Die Rezensenten der großen Blätter sind komplett abwesend – was allerdings nicht bedeuten muss, dass sie keine Rezensionen verfasst haben, nur dass diese nicht weiter vorne bei Google zu finden sind.

Den Unterschied, warum Lippman bei uns nicht richtig ankommt und in den USA eine göttergleiche Erscheinung ist, verstehe ich allerdings nicht. Sicher ist der deutsche Markt vielfältiger, nicht nur Autoren aus den USA, sondern aus aller Herren Länder buhlen um die Aufmerksamkeit der Leser und sicher war die „Markteinführung“ auch ungünstig, erschien doch zuerst das sechste Buch ihrer Serie um Tess Monaghan und dann erst das hochgelobte zweite. Mittlerweile sind aber mit Gefährliche Engel und Das Dritte Mädchen auch zwei ihrer Standalones (die mir manchmal so vorkommen als wenn John Updike jetzt über Mädchen und junge Frauen schriebe) bei uns zu haben, wobei das erste (im Original: Every Secret Thing) wohl in Qualität und Anerkennung in den USA den Durchbruch Lippmans markierte – dprs Besprechung gibt davon Zeugnis ab.

Es muss da noch etwas anderes sein. Sicher liegt es auch am Publikum, ihre Bücher missbrauchen ja, wie dpr richtig schreibt, immer ein wenig das Genre. MIt Thrill haben ihre Bücher nicht so viel zu tun zu tun und unter Psychothriller verstehe ich auch etwas anderes. In den USA ist man vielleicht froh um eine Autoren die weniger vordergründige Spannung bietet (und doch recht mainstreamig daher kommen), bei uns gibt es mehr davon.

bernd

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