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Archive for 14. Oktober 2008

Mit diesem Bild zitiert das New Yorker Magazin sich selber . Das Bild hebt darauf ab, dass Sarah Palin, die anscheinend nur einmal im Leben die USA verlassen hat (für einen Truppenbesuch), in einem Interview betonte, dass sie für das Amt des Vizepräsidenten geradezu prädestiniert sei, schließlich grenze Alaska an Russland und man könne den Nachbarn auch mit dem Fernglas sehen.

Wie Strange Maps betont, liegen tatsächlich Big Diomede und Little Diomede in der Mitte der Bering Strasse nur 2.5 Meilen voneinander getrennt. Bei Eis könnte man so von russisches Gebiet auf das der USA kommen.

bernd

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(Russisches Abendmahl)

Es ist immer ein wenig schwierig zu beurteilen, wie realistisch ein Buch ist, dass von den inneren Angelegenheiten eines Landes erzählt und dabei gar nicht von einem Bewohner dieses Landes geschrieben wurde. Stalin’s Ghost von Martin Cruz Smith zum Beispiel. Ein verstörendes Buch über ein Russland, das die alte Ordnung verloren und die neue noch nicht gefunden hat – leider, wenn man so will, von einem Amerikaner geschrieben, der nicht in dem Land lebt. Was nun wenn Smiths Klischees die gleichen sind wie die meinen ? Wo bliebe der Erkenntnisgewinn ?

Volk’s Game behandelt ähnliche Themen wie Cruz Smiths Buch. Es ist weniger ein Buch über Stalin’s Geist als über den, der von der putinschen Politik freigesetzt wurde. Alexei Volkovoy, genannt Volk war Scharfschütze in Tschetschenien, irgendwann hatten ihn die dortigen Rebellen erwischt, nach einem halben Jahr Gefangenschaft, Folter und dem Verlust eines Unterschenkels kam er frei. Nun lebt er in Moskau im Untergrund, betreibt illegale Geschäfte, findet Rückhalt in gewissen einflussreichen Kreisen und steht mit gewissen anderen Personen im Konflikt.

Ein früherer Freund bittet um seine Expertise bei dem Schmuggel eines unbekannten Werkes von Leonardo Da Vinci aus dem Lager der Eremitage in St. Petersburg. Mag die Sache auch noch so geheim sein, dennoch finden sich zahlreiche Personen, die brennend an dem Bild interessiert sind. Der Wolf (russ. Volkovoy) hetzt um die halbe Welt und trifft auf alte Bekannte und alte Gegner.

Es ist ein bemerkenswertes Buch. Mehrfach ändert diese mit Blut und Hirnmasse getränkte Erzählung ihre Richtung. Volk selber ist komplex charakterisiert, in ihm wüten die Erinnerungen an Tschetschenien, der Respekt vor den russischen Soldaten, die Schaden genommen haben und nun vom Staat vergessen sind und seine Zuneigung zu den Personen seiner Umgebung – da ist für ein Gewissen kein Platz, zumindest nicht für ein Gewissen konventioneller Prägung.

Düster, bitter, gewalttätig. Russland, ein Land das auf den Hund gekommen ist, moralisch gesehen auf den Wolfshund. Der Generation, die im Krieg in Tschetschenien war, bleibt offensichtlich nur die Möglichkeit in Friedenszeiten das erlernte Handwerk im eigenen Lande weiter auszuüben, Man mag das alles irgendwie glauben und ist bereit sich vorzustellen, dass niemand mit der Wimper zuckt, wenn Putin einen Oppositionellen tot haben möchte (wenn auch dieser in diesem Falle mit der Sache gar nichts zu tun hatte), aber darf man dieses Bild annehmen ?

Wie dem auch sei, wer Stalins Geist gelesen hat, findet hier, so gesehen, die Fortsetzung der Geschichte. Weniger literarisch verspielt, sondern mehr auf den Punkt gebracht, nie jedoch plump vorerzählt sondern immer gekonnt erzählt, mit einer den Leser verstörenden Atmosphäre.

Das Kunstwort „goregeous“ beschriebe das Buch ziemlich gut.

bernd

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