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Archive for 7. Oktober 2008

Ich hatte schon länger geplant gehabt, den nordirischen Autor Colin Bateman zu lesen, aber irgendwie war es bisher nicht dazu gekommen – ein schwerer Fehler wie sich nun ‚rausstellt, denn Bateman ist ein ganz ausgezeichneter Autor. Er schreibt Humorkrimis mit politischen Hintergrund, die Nähe zu Carl Hiaasen und insbesondere Christopher Brookmyre ist offensichtlich. Im Gegensatz zu den beiden anderen Autoren hat Bateman aber weniger die Absicht Leute in die Pfanne zu hauen (zumindest in dem vorliegenden Buch) und sein überbordernder Humor ist zwar genauso überdreht aber weniger grotesk. Es sind ganz normale Situationen in die Bateman seine Personen setzt, um dann einen Moment zu warten und zu beobachten wie die Helden darauf reagieren.

Die Geschichte, die dieses üppige und umfangreich Buch erzählt, ist so komplex, das man sie kaum wiedergeben kann und worum es „eigentlich“ geht, ist auch lange Zeit nicht klar. Margaret und Maeve sind zwei Frauen, die als Kaufhausdetektive arbeiten. Sie träumen von mehr. Maeve lebt von ihrem Mann getrennt, der wiederum ist Buchhalter von Pink einer zwielichtligen Gestalt der Belfaster Unterwelt und neuerdings mit politischen Ambitionen.Margaret lernt über eine Partnerschaftsagentur Walter kennen, der wiederum teilt sein Büro mit Mark, der Politikneueinsteiger ist und als persönlicher Helfer Pinks sich erste Sporen verdienen soll usw usf

Die Welt ist komplex und Belfast eine kleine Stadt, man kennt sich und die Lebenslinien der Menschen kreuzen sich, ein- oder mehrere Male.Fein säuberlich breitet Bateman vor dem Leser die diversen Fäden aus, die, kaum dass sie die Seiten des Buches verlassen haben, ein aufwendiges Geflecht bilden. Dann, so auf den letzten 100 Seiten des umfangreichen Buches, rippelt er dieses wieder auf und sammelt seine Fäden wieder ein, so dass wieder Ordnung im Kopf des Lesers herrscht.

Das ist nicht nur unterhaltsam, sondern liefert auch ein Bild Belfasts nach der Phase, die sie The Troubles nennen und eigentlich nichts anderes als einen Bürgerkrieg darstellte. Dieser ist überstanden, aber das bedeutet ja nicht, dass die Gewalt nicht wieder aufflackern könnte. Und wie, nicht nur die Verhaftung eines Agitators wie Pink führt zur Zerstörung der halben Stadt, auch der Tod eins Terroristen, der eben dieses in Nordirland nicht mehr sein darf und deshalb als Nachhilfelehrer in den Dschungel Boleviens reist, um dann in einem der dortigen Gefängnisse zu versterben, stürzt die Stadt für kurze Zeit ins Chaos.

Der Humor Bateman ist ein ganz vorzüglicher. Praller Wortwitz wechselt mit ironisch überzeichneten Szenen, die so fast passieren könnten. Und ständig müssen die Helden damit rechnen, dass der Autor, sie einem Dreh aussetzt, der ihre Pläne über den Haufen wirft. Natürlich kommt nicht jeder (heil) durch’s Buch, aber im Vergleich zu Brookmyre fällt schon auf, dass Bateman unparteiischer ist; seine Personen sind realistisch und warmherzig gezeichnet.

Wenn man das alles so gut wie Bateman macht, dann lesen Leser auch gerne 500plus Seiten dicke, großformatige Bücher.

Früher einmal wurden Batemans Bücher sogar ins Deutsche übersetzt, im Rezensionsmuseum fand ich -> diese und –> diese Rezension zu den Übersetzungen dieser Bücher. Ich kenne sie selber nicht, aber eine Leseempfehlung kann man wohl aussprechen.

bernd

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