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Archive for 2. Oktober 2008

Einen besonderen Nachruf gibt es über James Crumley im Missoula Independent zu lesen. Kollegen, Freunde und Bekannte berichten von kleinen und großen Begebenheiten und beschreiben einen warmherzigen Menschen. Gewürzt ist der Beitrag mit zahlreichen Fotos wie zum Beispiel dem links, das Crumley im Jahr 1959, als Soldat auf den Philippinen zeigt

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  • Am Beispiel Olen Steinhauer kann man studieren, was passiert, wenn Verlage sich einen Autor ausgucken um ihn zu pushen. Steinhauer hat soeben eine fünfteilige Serie abgeschlossen, die dem kalten Krieg aus der Sicht Osteuropas nachspürt – -> hier und -> hier besprochen. Sein neues Buch, The Tourist wird sich thematisch ein wenig neu ausrichten und ist, soweit ich weiß, ein Thriller rund um die CIA.Nicht zu unrecht erhielt Steinhauer in der Vergangenheit gute Kritiken und Nominierungen für Anthony-Historical, Barry, Edgar, Macavity und Historical Dagger, beim Publikum dagegen war er bisher nicht so erfolgreich.
  • Die Pläne von St. Martin Minotaur sind ehrgeizig: „100,000-Copy First Printing, $250,000 Consumer Marketing Push“. (Seine Bücher hatten sonst eher eine erste Auflage von 10.000). Wohin das Geld, zumindest teilweise geht, zeigt er uns im Weiteren; „[…] a prepublication tour that’ll whisk me through six cities (DC, Boston, New York, San Francisco, Seattle and St Paul) in 10 days. Group lunches and dinners, cocktail parties, and lots of book expos.“ – und er reist nicht einmal allein, sondern mit zwei Begleitern vom Verlag. So passiert es dann auch dass er regelmäßig (-> hier, -> hier und -> hier) von den Stationen der Tour berichtet, aber eben nur zum Teil auf seinem Blog, Contemporary Nomad. Wer den vollständigen Eintrag lesen will, muss jeweils zum Werbeblog von St. Martin Minotaur wechseln.

  • Ein Artikel in der Los Angeles Times zeigt, dass Hard Case Crime mit seinen Retro- und Neoretrobüchern Teil eines Trends in den USA ist. Einer der größten und erfolgreichsten Anbieter von Klassikern ist New York Review Books wo man Bücher von Adalbert Stifter, Euripides oder James Thurber findet und die mit einer recht umfangreichen Liste europäischer Autoren aufwarten. Als Grund für den Erfolg derartiger Verlagen wird, Joachim LInder wird’s grausen, der Verlust der Fähigkeit der modernen Literatur Geschichten zu erzählen, genannt, „The toughest statement about what role reprints are filling comes from Persephone’s Nicola Beauman, who doesn’t hesitate to say that modern fiction has lost the art of storytelling, an attribute she distinguishes from plot.

bernd

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Was fängt ein Leser nun mit diesem Buch an, wie geht er um mit dessen Gewalt ? Thomas Klingenmaiers Verweis auf Pieke BiermannsGewalt ist entgegen allem Marketinggesäusel der Fiction-Industrie nicht sexy“ kommt in den Sinn und mehrfach bei Lesen kam mir die Frage, ob jemand wie Biermann, die heutzutage nicht mehr über fiktive sondern reale Verbrechen schreibt, das Buch akzeptieren würde ?

Auch beim vorausgegangenem Buch, Hard Man wurde Allan Guthrie vorgeworfen, er feierte Gewaltorgien. Falsch natürlich. Was kann er dafür, dass die Welt so ist, wie er sie beschreibt, da könnte man auch seiner Landsfrau Val McDermid vorwerfen, sie berausche sich an Gewalt.

Der Kampf zweier Familien, Savage gegen die Parker, beide aus einfachen Verhältnissen stammend, darum geht es. Tommy Savage hat früher Zigaretten geschmuggelt und die Überschüsse in legale Projekte investiert, irgendwann hat er dann mit den krummen Dingern aufgehört, legal gab’s einfach mehr Geld zu verdienen. Soweit ist sein Bruder nicht gekommen, der ist mehr ein Schlägertyp und hat sein Geld irgendwie immer verjubelt. Die Parkers sehen das Brot von der anderen Seite, der Vater ist frisch aus der Haft entlassen und lebt mit in der winzigen Wohnung, die seine Tochter mit ihrem Freund teilt. Sie brauchen Geld, viel Geld. Die Mutter hatte sich das Licht ausknipsen wollen und lebt nun im zerebralen Permafrost. Die Pflege ist teuer und als die Tochter mit der Idee daherkommt sich an der Familie Savage schadlos zu halten, da diese doch den Mord an dem Vater ihres Freundes zu verantworten habe, stoßen die beiden Familien aufeinander. Was kommt ist „mad“ (Mutual assured destruction). Der Zug der Gewalt einmal in Fahrt gebracht, er lässt sich nicht mehr stoppen.

Guthrie erzählt das in einem enorm dichten Geflecht. Gleich am Anfang findet sich eine der zentralen Stellen des Buches. Im Weiteren geht er vor und zurück in der Zeit und wechselt von zu Person zu Person, so dass nicht selten ein Ereignis aus zwei verschiedenen Perspektiven beschrieben wird. Angetrieben wird die Geschichte immer wieder von solchen unglücklichen Ereignissen, die allzu zufällig eintreten und die häufig mit einer gehörigen Portion Humor verknüpft sind. Denn wie die früheren Bücher auch ist Savage Night immer wieder mit witzigen Szenen und Sprüchen durchsetzt, ohne deshalb ein witzige Buch zu sein. Bestimmt nicht. Wie hier Menschen zerlegt werden … Stück für Stück … das ist schon extrem. Wer so schreibt, hat eindeutig nicht das primäre Ziel in die Bestsellerlisten zu kommen.

Seiner Schreibe kann man sowieso nichts vorwerfen, sie ist lakonische wie je und und auch immer voll mit Zeichen seines Genrewissens, schon der Titel bezieht sich auf Jim Thompson. Der Ton, immer leicht ironisch, mit surreal wirkenden Details, verdeckt ein wenig, dass Savage Night ein Noir in reinster Form ist, dem lediglich die dunkel-düstere Darstellung fehlt, die viele Noirs sonst auszeichnet.

Savage Night ist ein Buch, das einen gereiften Guthrie zeigt und präsentiert eine raffiniert erzählte, komplexe Geschichte.

bernd

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