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Archive for 1. Oktober 2008

Nachdem ich letzte Woche die Nominierten der Kategorie Bestes Erstes Buch für Macavity, Barry und Anthony Awards vorstellte, folgen diese Woche die Bücher für die Kategorie Bestes Taschenbuch für den Barry und Anthony – beim Macavity wird diese Kategorie nicht vergeben; herausragende Taschenbücher können hier in der Kategorie Bestes Buch nominiert werden (wie dieses Jahr Blood of Paradise von Davis Corbett), in den letzten zehn Jahren betraf das insgesamt vier Bücher, gewonnen hatte allerdings keines.

Folgende Bücher sind dieses Jahr nominiert:

Anthony

Queenpin, von Megan Abbott
Slide, von Ken Bruen und Jason Starr
Blood of Paradise, von David Corbett
Baby Shark’s Beaumont Blues, von Robert Fate
A Thousand Bones, von P.J. Parrish

Barry

Queenpin, von Megan Abbott
Black Widow Agency, von Felicia Donovan
Choke Point, von Jay MacLarty
The Mark, von Jason Pinter
Wash This Blood Clean from My Hand, (deutsch: Der vierzehnte Stein) von Fred Vargas
Who Is Conrad Hirst ?, von Kevin Wignall

Insgesamt also 10 verschiedene Bücher für 11 Nominierungen, während es bei der Kategorie Bestes Erstes Buch (9 Bücher für 16 Nominierungen) einige Bücher gab, die zwei oder gar dreimal genannt wurden, gibt es hier nur ein Buch, das für beide Preise nominiert ist: Der Gewinner des Edgars in dieser Kategorie Queenpin von Megan Abbott. Nach all den begeisterten Besprechungen aus dem englischsprachigen Raum ist es sehr gut möglich, dass Abbott noch zweimal gewinnt.

Ihr Buch ist eine ins Weibliche gedrehte moderne Variante der klassischen Pulpkrimis aus den 50er und 60 Jahren. Sprache und Wortwahl verweisen auf die Vorbilder und zeigen doch Drive, Eigenständigkeit und machen einfach Spaß. Aber die Geschichte selber langweilt, die namen- und konturlose Icherzählerin, ihr Verhalten und ihre Motive, man versteht sie nicht so richtig. Ihr Verhalten ist nicht konsistent und scheint mir mehr der Dramaturgie geschuldet.

Von dem gleichen, weiblichen Geist ist Baby Shark’s Beaumont Blues von Robert Fade beseelt, auch hier eine Geschichte, die in den 50er Jahren spielt, auch hier eine junge Frau, die nicht als Heimchen am Herd weilt, extremer noch als bei Abbott schießt, schlägt und messersticht sie ganze Heerscharen von toughen Gangstern ins Jenseits. Viel authentische Atmosphäre und stimmige Zeitgeschichte darf man da nicht erwarten, im Vergleich zu Abbott eindeutig humorvoller, aber weniger handwerklich ambitioniert. Auch die vier Frauen der The Black Widow Agency von Felicia Donovan wollen es den Männern ‚mal so richtig zeigen. An Frauen begangenes Unrecht rächt die skurrile Truppe ohne sich um Gesetz und Ordnung zu scheren. Das ist schräg und unterhaltsam aber eigentlich flach wie das Meer bei Windstärke Null, wenn kein Schiff in der Nähe ist.

Slapstick und überdrehte Unterhaltung bietet auch Slide von Ken Bruen und Jason Starr. Der Nachfolger des in Deutschland wohl eher durchgefallenen Flop, will witzig sein und ist es auch häufig, diverse Anspielungen dienen der Bindung der Stammleser der Bücher der beiden Autoren. Weit weniger überdreht und mehr mit einem neckisches Augenzwinkern erzählt, ist Choke Point von Jay MacLarty. Ein Thriller, der mit der großen Politik kokettiert und sowohl spannend als auch witzig ist. Das Buch bietet gute Unterhaltung, der Kompromiss zwischen den beiden Polen fordert aber einen Tribut: Das Buch ist in keiner Hinsicht extrem.

Ein lupenreiner Thriller ohne Hintersinn und doppelten Boden ist The Mark von Jason Pinter, das die Geschichte eines jungen Journalisten erzählt, der von Mafia und Polizei gejagt wird. Es ist ein Buch mit überraschenden Wendungen und einem Hauch von Bruen bei der Darstellung des Helden, wenn auch die große Linie und das Ende wenig überraschend sind. Ebenfalls auf Thrillerpfaden wandelt A Thousand Bones von P.J. Parrish. Ein Buch, das nicht nur überraschende Wendungen hat, sondern die Stilistik ändern. Es beginnt als Rätsel mit dem Versuch den Fund einzelner Knochen aufzuklären und entwickelt sich zu einem außergewöhnlich spannenden Roman um einen Serienkiller.

Auch David Corbetts Blood of Paradise geht als Thriller durch. Es erzählt die Geschichte eines Bodyguards in El Salvador, der zwischen die verschiedenen Parteien in einem Land gerät, in dem offiziell Frieden und de facto eine Form von Bürgerkrieg herrscht. Es ist eine vielschichtige, kompromisslose und besselte Darstellung einer Realität, an der die USA und ihre diversen geheimen Dienste nicht ganz unschuldig sind. Ebenfalls fast ein Thriller könnte Kevin Wignalls Who is Conrad Hirst ? sein. Ein Buch, fast mit einer theaterstückähnlichen Anmutung, das den Versuch eines Killers nacherzählt auszusteigen. Dabei zeichnet Wignall den Weg des Menschen zu sich selber nach, was zu einer ganz anderen Geschichte führt, als vom Leser erwartet: Voller Innerlichkeit und allerdings auch Kühle, bei der Thrill nur bedingt aufkommt.

Mit Der vierzehnte Stein von Fred Vargas ist tatsächlich auch ein europäisches Buch vertreten und was für eins. Adamsberg und seine Truppe reisen nach Quebec, in eine andere Sprach- und Kulturwelt. Kaum ein Autor, der so mystisch versonnene Krimis, voller prickelnder Spannung schreiben kann. Das ist schon große Klasse wie hier zu dem Esoteroiden, Sphärischen die kalte Klammer kommt, die sich um Adamsberg zu schließen droht, dabei ist das Buch humorvoll und hat starke Dialoge.

Auch für diese Kategorie sind Voraussagen über die Gewinner müßig. Nach all der Hype ist Queenpin wohl Favorit bei beiden Preisen. Meine persönlichen Favoriten sind Blood of Paradise vor A Thousand Bones beim Anthony und Der vierzehnte Stein vor Who Is Conrad Hirst ? beim Barry. Die anderen Nominierten sind mehr oder weniger lesenswert aber angesichts dessen, dass sie für einen der großen US-amerikanischen Krimipreise nominiert sind, eine gewisse Enttäuschung.

bernd

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