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Archive for 23. Januar 2008

Georg hat bei ARTE einen Artikel über die französische Veröffentlichung von Davis Peace aktuellem Buch Tokyo Year Zero gelesen und war „not amused“. Er hat auch allen Grund:

Tokio 1945, nach der Bombe, ein Tokio in Trümmern, das im Rhythmus der Hammerschläge des Wiederaufbaus.

Nach der Bombe ? Suggeriert Hiroshima und Nagasaki. Tokyo wurde jedoch konventionell in Schutt und Asche gelegt.

David Peace hat zwar die Kulisse geändert, nicht aber den Stil.“ Ich bin mir da nicht so sicher. Zwei Zitate aus einer Rezension des Guardian machen es deutlich:

Sometimes, his paragraphs read like a basic English primer: ‚I haggle. To eat. I barter. To work. I threaten. To eat. I bully. To work. I buy three eggs and some vegetables,‘ he writes here, typically.

I see Senju Akira with his pistol-
Bang! Bang! Bang!
One, two, three, four –
Bang! Bang! Bang …
Dead Formosans –
Bang! Bang …
Five, six –
Bang!‘

Ich meine Sätze dieser Stilistik in 1974 oder 1977 nicht gelesen zu haben. Die Zitate erinnern im Stil an Ellroys The Cold Six Thousand (deutsch: Ein Amerikanischer Albtraum). So findet sich im Guradian-Artikel auch der Satz:

It is no surprise that the book comes with a jacket quote from James Ellroy: Peace’s style borrows much from the noir shorthand of the American, worrying at things, never letting his reader rest. As in Ellroy, the momentum depends on sudden fresh or shocking images being injected into the quickfire paranoia.

Auch von daher ist so ein Satz wie „‚Tokyo Year Zero‘ ist dem gesellschaftskritischen „roman noir“ zuzuordnen. Doch seine Sprache überwindet Genregrenzen.“ nicht ganz verständlich, insbesondere nicht das „doch“.

Das größte Ärgernis ist jedoch ein anderes, finde ich. Schweinerei. Zorn. Macht die kleinen engagierten Verlage nur kaputt: in Deutschland sind Peaces Bücher beim Heyne-Verlag zu finden. Punktum.

Nun kaufe ich mir ja auch keine Hardcover und warte auf die TB-Ausgaben, aber als Berichterstatter muss ich mich neutral verhalten und Ehre wem Ehre gebührt:

Die Erstveröffentlichungen der Peace-Bücher erscheinen beim kleinen Liebeskind Verlag.

Mehr Rezensionen aus GB und USA zum Buch übrigens -> hier

bernd

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In Kalifornien werden sie erst mit 21 Jahren volljährig, und obwohl sie sich an jeder Straßenecke Opium und Kriegswaffen besorgen können, dürfen sie kein Bier in der Kneipe trinken und noch viel weniger die Kaschemmen betreten, in denen das Leben mit einer silbernen Blume auf jeder Brustwarze tanzt.

Über US-amerikanische Urlauber in Tijuana, Mexiko aus Wüstenstaub von Rolo Diez

Zu dieser Fiktion passt, die Meldung Tinius, dass der Verlag Boyd Mills Press amerikanische Ausgaben der Wimmelbilderbücher der deutschen Zeichnerin Rotraut Susanne Berner erst nach einigen Retouchen ‚rausbringen wollte. Nackte männliche Statuen und Raucher meinte der Verlag den amerikanischen Kindern nicht zumuten zu können – oder: Bücher mit derartigen Darstellungen meinte der Verlag nicht verkaufen zu können (?).

Die mit dem Jugendliteraturpreis 2006 ausgezeichnete Zeichnerin hat sich verweigert und einen anderen Verlag für das Projekt gewonnen.

Nachtrag: Holger Schwab weist in der Kritischen Ausgabe darauf hin, dass auf Antrag in einigen Regionen der USA Bücher aus dem öffentlichen Bereich (Bibliotheken) verbannt werden können. Betroffen hiervon z.B. Huckelberry Finn„, schließlich kommt dort das Wort „Nigger“ vor; sicherlich ein Einzelfall … dennoch: Welch ahistorische Denkweise. Als nächstes werden sie vermutlich If He Hollers Let Him Go von Chester Himes verbannen, nicht nur dass Weiße dort regelmäßig „Nigger“ verwenden, sondern sie werden ihrerseits als „Peckerwood“ bezeichnet.

bernd

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