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Archive for 25. Oktober 2007


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Robert Beck hat im wahren Leben, wie im Buch den „street name“ Iceberg Slim

Iceberg ist Zuhälter und sitzt im Gefängnis.

I was having a bitch of a quarrel with a stupid jerk inside me.

Over and over I hollered at him, „You’re Iceberg Slim, the pimp.You can’t cash out like a square.“

I was trying to convince the screwy bastard that he shouldn’t go crazy and hang himself from the steel-barred cell door. (1)

Dort trifft er White Folks. Zehn Tage teilen sie sich die Zelle; während dieser zehn Tage erzählt White Folks ihm seine Lebensgeschichte.

White Folks ist ein con man, ein Betrüger. Er erzählt von seiner Kindheit, seiner Jugend und seiner Ausbildung bei Blue, der der beste Betrüger ist und sich seiner annimmt wie ein Vater. White Folks ist ein „white Negro“, einer den sie für einen Weißen halten. Seine Muter war ’ne schwarze Nutte, sein Vater ein weißer Jazzmusiker. Sie waren verheiratet … bis der Vater die Mutter verließ. Aufgrund seiner Hautfarbe nannten sie ihn als Kind Trick Baby [Trick: Besuch einer Nutte durch einen Freier] und nun zieht er mit Blue durch die Strasse Chicagos. Es sind dunkle Straßen, in denen finstere Gestalten lauern. Die Mafia und ihre schwarzen Vertreter und die Polizei sind immer in Reichweite. 

Er lernte den schnellen Betrug (short con) auf der Straße und den aufwendig inszenierten Betrug (long con). Betrug ist ein kleines Theaterstück und funktioniert nur bei denjenigen, die verführt werden möchten und in denen selber einen Betrüger schlummert.

Iceberg Slim erzählt die Geschichte in einer „dirty language“ frisch von der Straße direkt auf den Tisch. In ungewöhnlichen, starken Bildern und intensiven Dialogen folgt er dem Leben White Folks. Dessen Hautfarbe ist natürlich ein Trick des Autors um Zugang zu und „Vertrauen“ bei den weißen Figuren zu finden. Letztlich ist es die Liebe zu einer weißen Frau mit pseudoliberalen Background, die da gar nicht ahnt, was sie da an ihrer Brust „nährt“, welche White Folks an den Rand des Abgrunds führt: In expressionistischen Passagen wird da der Fieberwahn der Pneumonie des Alkoholabhängiges beschrieben.

Iceberg Slim ist ein vollkommen zu unrecht ignorierter/ vergessener Autor, der mit Sprachgewalt, Einschüben von Humor und Konsequenz von den dunklen Seiten Chicagos, dem Stolz der Schwarzen und der falschen Liberalität der Weißen berichtet.

Einiger seine Bücher, u.A. seine Biographie, Pimp sind auch ins Deutsche übersetzt worden. 

(Trick Baby ist auch verfilmt worden und in Deutschland unter Geh zur Hölle (Trick Baby, 1973) als Video erhältlich.) 

bernd

(1) Ich hatte einen Wahnsinnszoff mit einem Dummkopf in mir.

Wieder und wieder schrie ich ihn an, „Du bist Iceberg Slim, der Lude. Du kannst Dich nicht den Abgang machen wie ein Spießer.“

Ich versuchte den kleinen Scheißer davon zu überzeugen, nicht verrückt zu werden und sich an der Stahlgittertür aufzuhängen.  

[mein eigener Übersetzungsversuch, bk]

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