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Archive for 24. Oktober 2007

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Ein Buch dessen Sprache offensichtlich spaltet. 

Peter Rozovsky ist -> hier von Peter Temple im Allgemeinen und -> hier von seinem Buch The Broken Shore (deutsch: Kalter August) angetan und bezeichnet den Autor sogar als „style king“: „Off the two Jack Irish novels I’ve read plus The Broken Shore, I’d say Temple is one of the very best and most distinctive crime-fiction writers in the world.

Temple does the things other crime writers do, but he’ll add that extra charge, that extra little touch that keeps me interested: the deadpan elliptical transitions or, especially, the descriptions of the protagonist’s outside interests. Crime writers by the score will do the latter but rarely in so compelling and even beautiful a manner as in, say, the descriptions of Jack Irish’s cabinet work. An author has got to be pretty confident of his technique to believe that he can do that and still hold the reader’s attention. With Temple, it always works.

Vorhandene Differenzen zwischen verschiedenen Kommentatoren der Beiträge ergeben einen Sinn, denn während crimeficreader ein grammatikalisches Problem beim Autor sieht: „However, I hate and don’t support bad use of grammar, and here, it was adopted as a style. Unique perhaps, but oh so annoying to me!„,

erläutert Jim Winter, Mitarbeiter bei Rap Sheet:

I had to read Temple for an award I was judging. I thought I’d picked up a Ken Bruen novel.

Turns out Temple and Bruen have compared notes. One of those great minds moments when I learned that.

und albrecht (ein deutschsprachiger Leser ?) sekundiert: “ Bad grammar? I cannot believe that the person in the earlier post does not understand that Temple is compressing till the pips squeak. He is a language stress-tester. Love it. Huge talent.

Also, so lese ich das, ein sprachlich eigenwilliger und gewöhnungsbedürftiger Autor – womöglich. Da verstehe ich dann, dass, wie bookfool schrieb „I […] had to reread some paragraphs to figure out what he was trying to say, occasionally, but it moved quickly for me.“ – aber ist das schlimm ?

Auch -> in Deutschland fanden sich überwiegend wohlwollende Stimmen für das Buch, so schrieb Ulrich Kroeger in seinen Krimitipps:

Ein Befund, der nüchtern diagnostiziert, aber brillant in Worte gefasst wird – mit tiefenscharf gezeichneten Charakteren, glaubhaften Milieuschilderungen und treffenden Dialogen – das ist welt- und gegenwartsbezogene Literatur, die etwas zu sagen hat.  

Allein, die beiden älteren Herren auf dem Balkon nörgeln über den Aufbau und einer von ihnen schimpft auch über die Sprache:

Was ich auch interessant finde, ist, dass man das eigentlich schon gleich am Anfang merkt. Nicht nur an der von mir kritisierten Sprache, die nicht durch die Übersetzung vermurkst wurde (das merkt man, dass es schon im Original so holprig ist). Sondern auch insgesamt: keine Atmosphäre, keine Personen, keine Lebendigkeit. Auch das merkt man sehr schnell. 

Nun, über den Aufbau mag man ja noch diskutieren, aber die Sprache ? Können die Juroren des Duncan Lawrie Dagger so sehr irren, dass sie nicht einmal holprigre Sprache erkennen ? 

Vielleicht hat Axel Bussmer das Problem festgenagelt, wenn er schreibt :“Denn die durchgehend holprige Übersetzung, die – immerhin hat Hans M. Herzog in den vergangenen Jahren Elmore Leonard, Jason Starr, Tom Sharpe und Russell Banks übersetzt – anscheinend unter höchstem Zeitdruck gefertigt wurde, liest sich immer wieder wie ein Rohentwurf. Fast immer kann mühelos auf den Originalwortlaut zurückgeschlossen werden.“ ? Schließlich liest er auch häufiger Bücher in englischer Sprache.

Kann man eine holprige Sprache des Originals über den Umweg einer Übersetzung erkennen ? Muss man sich (als Übersetzer und als Leser) auf die sprachlichen Intensionen eines Autoren einlassen und kann man das überhaupt anhand einer Übersetzung ?

Spannend. Da hilft nur eins: Selber lesen !

bernd 

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