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Archive for 11. Oktober 2007

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Seltsame Dinge geschehen: Jack Taylor, in Galway lebender Held von Ken Bruens Gnaden und vormals alkohol-, koks- und zum Schluss auch tablettenabhängig, ist clean. Schon seit Wochen. Angefangen hat’s damit, dass sein Dealer ins Gefängnis kam, aber Taylor meint es erst, er besucht sogar regelmässsig die Sonntagsmesse und wird dort zum Abschluss vom Prister verabschiedet.

Sein Dealer hatte eine Schwester, die, so behauptet er, ermordet wurde. Treppensturz, unter ihr ein Buch von John Millington Synge. Wie immer muss Taylor zum Jagen getragen werden und hat gar kein Interesse, sich mit dem Verdacht seines Dealers zu beschäftigen. Aber irgendwie lässt er sich dann doch emotional erpressen und siehe da: Er findet einen zweiten, identischen Fall. 

Seine ehemaligen Kollegen von der Polizei interessiert’s nicht und schon ist er mitten drin im Schlamassel, denn Aufgeben tut Jack Taylor nie.

Im Vergleich zu den vorigen Bänden der Jack Taylor Reihe besitzt The Dramatist einen ordentlichen Plot. Aber, auch hier geht es in erster Linie wieder um Taylor. Das Leben fern der Flasche wäre ja ein Grund, den Alltag auch wieder in den Griff zu kriegen. Jedoch: Rückschläge bleiben nicht aus und deshalb (wir haben es ja mit einem Alkoholkranken zu tun) juckt es ihm mehrfach in den Fingern, wieder zur Flasche zu greifen.

Im Vergleich zu den früheren Büchern der Serie ist es auch ein Buch mit irischen Wurzeln: Taylor hört auf der Strasse Dialoge in gälischer Sprache und hat John Millington Synge im Kopf, dessen Theaterstück The Playboy of the Western World die katholische Welt Irlands wegen dessen blasphemischer Darstellung des Landlebens im Westen Irlands, Anfang des 20. Jahrhunderts so erregte.

Fast könnte man meinen, dass Bruen sich im Gefolge Synges sieht, über den W.B. Yeats schrieb:

He was the more hated because he gave his country what it needed, an unmoved heart.

Mit „an unmoved heart„, zumindest was Taylor betrifft, hat Bruen auch The Dramatist geschrieben. Ohne Alkohol scheint dessen Welt fast noch schwärzer zu sein.

bernd 

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