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Archive for 19. September 2007

Zum Glück für uns, die wir uns mit amerikanischen Krimis beschäftigen und immer wieder versuchen, die vielen dort vorhandenen Krimipreise richtig einzuordnen, gibt es Droemer Knaur.

Der Verlag vermarktet auch Bücher US-amerikanischer Autoren. Auch wenn keiner in Deutschland die amerikanischen Krimipreise kennt, ein Verweis auf daheim gewonnene Krimipreise ist bei der Werbung immer hilfreich. Und so schrieb Droemer Knaur dann über Julia Spencer-Fleming (-> hier):  

 „Die USA haben fünf große Krimipreise – Julia Spencer-Fleming gewann sie alle!“

Agatha, Anthony, Barry, Dilys, Edgar, Gumshoe, Hammett, Macavity, Shamus, scheinen mir die bekannten US-amerikanischen Krimipreise zu sein. Da kann einem die Übersicht schon einmal verloren gehen.  Fünf der genannten seien also groß. Nur welche ? Hier läßt Droemer Knaur uns im Stich.

Schauen wir also bei den -> bei Award Annals nach:

Nur ihr erstes Buch In the Bleak Midwinter (deutsch: Das weiße Kleid des Todes) hat bisher Preise erhalten. Nach dieser Quelle vier Stück. Also muss es noch einen großen amerikanischen Krimipreis geben, den die Award Annals (deren einziger Bestimmungzweck ja die Krimipreise sind) übersehen hat. Fündig wird man bei -> Spencer-Fleming selber:  

Anthony AwardAgatha AwardDilys AwardMacavity Award und Barry Award

In der Tat, fünf Preise. Aber, sind sie alle groß ? … sind sie überhaupt alle amerikanisch ?  

Es ist sicher sehr subjektiv, wer denn nun der „wichtigste“ sei. Ganz klar: Die eigene Tochter ist immer am schönsten. Will sagen, natürlich und mit Recht freut sich jeder Autor über den Gewinn eines/seines Preises, ist er doch Zeichen einer öffentlich bekanntgemachten Wertschätzung und führt möglicherweise zum Verkauf von Büchern. Aber eine gewisse Übereinstimmung, welchen Preis Autoren sich am liebsten ans Revers heften würden, gibt es dennoch.

Die Peise unterscheiden sich u.A. hinsichtlich der Organisation, die hinter dem Preis steht, der Preisrichter und der Zielsetzungen. Vereinfacht gesagt werden Edgar, Hammett und Shamus  von Autorenorganisationen vergeben und von unabhängigen und jährlich wechselnden Juroren ausgewählt. Agatha und Anthony sind Leserpreise, die von den Teilnehmern eines Konvents ausgewählt werden, Macavity ein Leserpreis einer internationalen „Fanorganisation“, Gumshoe und Barry Preise von Krimizeitschriften und Dilys ein Peis der unabhängigen Buchhändler. Shamus und Agatha sind „Spezialpreise“, die sich an PI (Private Ermittler)- bzw. Cozy-Krimis richten. 

Aus dem Bauch heraus würde ich meinen, dass der Edgar über allen anderen Preisen steht, in der zweiten Ebene stehen Anthony und Shamus und in kleinem Abstand Hammett und Agatha, zum Schluss folgen Macavity, Dilys, Barry und Gumshoe.  

Es geht auch etwas objektiver. Allgemein gilt: Was uns beschäftigt und was uns wichtig ist, über das reden wir. Also dürfte das Prestige eines Preises ungefähr mit der Anzahl der Nennungen im Internet korrelieren. Wenn man jetzt also in allen englischsprachigen Seiten mit den Begriffen „Edgar Award“, „Anthony Award“, … „Hammett Prize“ (in Anführungsstrichen) googelt, bekommt man eine einigermaßen genaue Abbildung, wie sehr die Preise die öffentlichene Wahrnehmung bewegen.

Dabei ergibt sich folgendes Bild (genannt ist die Zahl der Seiten im englischsprachign Raum – gerundet, zum 18.09.06-, welche die Namen der Preise im Text nennen):

Edgar Award        270.000
Agatha Award      107.000
Anthony Award      66.200
Shamus Award       43.200
Barry Award            21.000
Macavity Award       18.500
Dilys Award             15.300
Hammett Prize        12.000 
Gumshoe Award        9.500

Abgesehen von Hammett Prize und Agatha Award stimmt diese Sicht sogar ungefähr mit meinem Bauchgefühl überein. Mehrere Einschränkung ließen sich machen; zb. dass Anthony, Barry und Macavity auf der gleichen Veranstaltung vergeben werden, so dass der Anthony möglicherweise die anderen beiden mitzieht. Aber ich möchte jetzt auch nicht übertreiben. 

Bliebe noch letztlich die Anmerkung, dass der Dilys überhaupt kein (rein) US-amerikanischer Krimipreis ist, denn die veranstaltende Organisation schreibt -> über sich: „The Independent Mystery Booksellers Association is comprised of a network of independently owned retail bookstores across North America and the United Kingdom„, umfasst also auch Großbritannien und Kanada.

Vergleicht man das alles mit der markigen Aussage von Droemer Knaur, bleibt nur die Feststellung, dass der Verlag unstrittig die Unwahrheit geschrieben hat. Mag man sich auch um Kleinigkeiten streiten, aber eindeutig wurde der Edgar genauso häufig auf den englischsprachigen Seiten genannt wie alle anderen Preise zusammen.

Das Schöne ist, alle schreiben ab: Amazon, Thalia, Libri, Familie-im-Web,  Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Literaturportal – Es geht doch nichts über die eigene redaktionelle Arbeit.

PS. Bliebe noch nachzutragen, dass  All Mortal Flesh mittlerweile auch den Gumshoe Award for Best Mystery erhalten hat – dessen Wert können wir ja jetzt einschätzen.

bernd

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