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Archive for 10. September 2007

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Auch wenn morgen die Alligatoren ihren „Dienst“ wieder aufnehmen, wird es hier weiterhin gelegentlich Informationen aus des Tiefen des internationalen Netzes geben. Während NuT -> hier Informationen bereit halten sollte, liegt heute, wenn man so will, mein Schwergewicht beim Thema „Frauen und Krimi“:

Abschluss einer starken Woche von Poe’s Deadly Daughters war Sheila Lowes -> Beitrag über Graphologie, also dem Versuch den Charakter einer Person aus ihrer Handschrift vorherzusagen. Sheila Lowe ist zugelassenen Sachverständige vor Gericht (wobei der Schwerpunkt ihre Arbeit auf der Identifikation von gefälschten Texten liegt). Demnächst erscheint ihr erster eigener Krimi, der sich, natürlich, um eine Graphologen dreht. Bei den „Töchtern“ schreibt sie über einen realen Serienmörder aus den 70er Jahren nach Auswertung seiner Schrift:

You’ll see that the flow of ink is heavy and muddy-looking, an indication of dammed-up anger and frustration. There are letters that suddenly flop over to the right, which signals a sudden eruption of emotion. The way letters and words are spaced show his feelings of isolation and profound inability to connect with another person.

Aber da wär‘ man wohl auch ohne Gutachten drauf gekommen.

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Auf Rap Sheet wird immer wieder über Cover moderner Krimis gemeckert. In der Tat ist es ärgerlich, wenn dasselbe Agenturbild für unterschiedliche Cover verwendet wird (z.B. -> hier). Im Vergleich zu früher sind Cover heute sicherlich sehr viel profesioneller gemacht, aber sie wirken mitunter etwas blutleer. Deshalb schreibt J. Kingston Pierce (-> hier) über die klassischen (erst einmal wohl kaum anders als sexistisch zu bezeichnenden) Coverbilder. Wer’s mag, findet -> hier -> hier , -> hier , -> hier, ->  hier und -> hier mehr Beispiele. Der Stil der Klassiker hat übrigens Texte und Cover der Bücher von Hard Case Crime geprägt – eine auführliche Darstellung dieses Verlags durch Axel Bussmer gibt es im Krimijahrbuch 2006Hard Case‘ Coverbilder sind häufig subtiler und nehmen Elemente des Textes auf zumeist witzige Art wieder auf.

In Allan Guthries Ezine Noir Zine schreibt der in Berlin lebende Autor Damien Seaman über die (einseitige) Beziehung zwischen Frauen und Noir-Krimi: „Women, sex and guilt in noir fiction(-> hier).

Dabei behauptet er nicht nur, dass Noir-Krimis (wobei Seaman wohl zwischen Noir und Hardboiled nicht differenziert) alttestamentarischen Themen fortschreiben „Behind the sexy femme fatale image lies the male’s cry that woman is the cause of all his grief.„, sondern auch, dass kein Genre so von der Vorstellung von Männlichkeit dominiert wird wie Noir „Maleness, the idea of it and the reality of it, dominates noir fiction more than any other genre I can think of„.

Wobei man, wenn man Seamans Text liest, beinahe meinen könnte, dass Männlichkeit (maleness) hier auf Sex mit Frauen reduziert wird. Bliebe also die Frage, wie Seaman zu weiblichen und/oder homosexuellen Autoren des Genres steht. Trotzdem: Sehr schöner Text.


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Allan Guthrie selber ist ein Thema eines Artikels aus -> dem Independent (Dank an Peter Rozovsky), in dem Paul Vallely darstellt, wie er versucht sich mit Hilfe -> der sechs Bücher die für den „Theakston’s old Peculier Crime Novel of the Year“ nominiert waren, dem zeitgenössischen Krimi anzunähern, nur um – nicht ganz überraschend – festzustellen, dass dieser eine große Wegstrecke seit Agatha Christie zurückgelegt hat. Auf Guthrie bezogen erkennt Paul Vallely an, dass „Guthrie is an immensely skilful writer“ aber „The characters are clichéd“ und das schlimmste: „The shame of it is that he makes those patterns in blood and gore, with sharpened screwdrivers and testicles crushed in drawers.“. Manche Inhalte könne man so wohl auch bei Shakespeare lesen , aber es fehlen Guthrie und vergleichbaren Autoren an der „accompanying ontological scrutiny“.

Wer natürlich bei Heidegger nachschlägt, um in kurzer Zeit das Krimigenre zu verstehen, macht etwas falsch. Wenn er dann noch Ernst Jünger liest, braucht er zum Thema Gewalt auch nicht mehr Guthrie lesen. Einen möglicherweise guten Einwand bringt Vallely allerdings doch: „there is a sense in which some male writers, in particular, seem to enjoy the detail of the violence they inflict on their women characters. There is a gloating and a relish in some writing„. Manchmal könnte man in der Tat dieses Gefühl haben. Aber gerade Guthrie eignet sich hier nur bedingt als Beleg, denn in Hard Man (-> hier), seinem jüngsten Buch ist es gerade die weibliche Protagonisten, die am besten aus der Sache rauskommt – findet übrigens auch die weibliche Sandra Ruttan in->  ihrer Besprechung des Buches.

Und einen zweiten Hinweis verdankte ich Peter Rozovsky noch. -> women in world history ist eine Plattform die sich mit Frauen und Geschichte beschäftigt und zahlreiche gute Informationen bereithält. So gibt es Besprechungen von Sachbüchern die das Thema vertiefen und Lehrtexte zum Thema zu kaufen. Besonderes Schmankerl ist aber eine -> ausführliche Liste mit Rezensionen zu Krimis die in unterschiedlichen Epochen spielen, frei nach dem Motto: „A good story is a painless way to get into the period,„, so dass man sich durch die gesamte Zeitgeschichte der Menschen mittels Krimis lesen kann und sich so Geschichte „spielerisch“ erarbeiten kann.

Bleibt nur noch, darauf hinzuweisen, dass Joachim Linder eine Rezensentin -> sucht. Für Nicola Barfoot, Frauenkrimi / polar féminin. Generic Expectations and the Reception of Recent French and German Crime Novels by Women

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