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Archive for 3. September 2007

Einige kurze Hinweise

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Der Blogger von International Noir Fiction schreibt über Arnaldur Indridasons -> The Draining Lake (deutsch: Kältezone): „So if you’re looking for a thriller or violent noir, or a cozy, this won’t be your sort of story. But if you respond to dark tales of investigation and of darker (though sometimes funny or at least satirical) everyday lives (in the face of cultural and historical realities), The Draining Lake is very rewarding“. Nur die hineingewobene Spionageegeschichte sei etwas belehrend.

Peter Rozovsky schickt Detektive gerne über die Grenze. Heute geht es bei ihm um Grenzen einer anderen Art. Denn er schreibt über Shakespeares -> Macbeth und arbeitet in einem wunderbaren Text dessen noir-Qualitäten heraus. Bliebe höchstens noch einzumerken, dass Macbeth auch humorvollen Stellen hat.  

Wie immer Montags fasst Declan Burke -> Rezensionen (hauptsächlich über Bücher Irischer Autoren) zusammen. Diese Woche findet sich dort Links zu Rezensionen über Claire Kilroys Tenderwire, Ingrid Blacks The Judas Heart, Nick Stones King of Swords, John Connollys The Unquiet, Tana Frenchs In The Woods und Derek Landys Skulduggery Pleasant.

Auch Ken Bruen, genauer dessen Bücher Ammunition, Calibre und The White Trilogy fehlt nicht. Dabei gibt Burke zur White Trilogy den (richtigen) Hinweis weiter: “For those of you unfamiliar as of yet with this brilliantly dark and darkly funny series, here’s your intro.”

Und auch The Bloomsday Dead von Adrian McKinty wird mit wohlwollenden Worten vorgestellt: „Blending the gritty realism and brutal violence of Golden Age pulp legends like Mickey Spillane and Lawrence Block with adrenaline-fuelled and darkly poetic story lines a la contemporary masters Ken Bruen, Jason Starr, and Charlie Huston, “ – schon vorbestellt, würde ich sagen.

bernd

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Die Gerichtsmedizin ist ein Fach, welche üblicherweise im Verborgenen tätig ist. -> Aufmerksamkeit erregt es nur selten. Anders als in so manchen Büchern, in denen brillante Frauen vom Obduktionssaal aus ganze Mordfälle aufkären, ist die Arbeit meistens unspektakulär. Heutzutage arbeiten Gerichtsmediziner nicht nur im Obduktionssaal, sondern auch im Labor. Von einem höchst interessanten Beispiel der Arbeit eines Gerichtsmediziners war jüngst in der off-line Version der Süddeutschen Zeitung (30.08.07, Wissensseite), im -> Spiegel und (deutlich schwächer) in der -> Welt zu lesen.  Alle diese Artikel verweisen auf einen Beitrag des Wiener Gerichtsmediziners Christian Reiters im Mitteilungsblatt der Wiener Beethovengesellschaft (-> hier das Original).

Dass der große Musiker Ludwig van Beethoven (1770 – 1827) an einer Bleivergiftung gestorben ist, weiß man schon länger. Woher das Blei jedoch kam, dazu hatten man bisher keine vernünftige Vorstellung.  Christian Reiter hat sich nun ein wenig mit dieser Frage beschäftigt.

Blei wird in Knochen, Zähnen und Haaren eingelagert und verbleibt deshalb für Jahrzehnte im menschlichen Körper. Es wird über die Nieren (= Urin)  und via Galle über den Stuhl ausgeschieden. Bei reduzierter Leberfunktion ist die Ausscheidung herabgesetzt und geringere Mengen an Blei als gewöhnlich können zu akuten Vergiftungserscheinungen führen. Da Blei nicht nur für Menschen ein Gift ist, hat man früher organische Bleiverbindungen als Desinfektionsmittel eingesetzt.  

Da Haare üblicherweise nicht älter als ein Jahr werden, zeigen sie jüngere Bleivergiftungen an. Bei Lebenden wachsen die einzelnen Haare pro Tag circa 0.3 – 0.4 mm. Häufig untersucht man ein größeres Stück Haar, kann dann aber keine Aussage darüber machen, wann die Vergiftung auftrat. Christian Reiter hatte nun einzelne längere Haupthaare Beethovens zur Verfügung und hat mittels Laser sehr kleine Stückchen aus diesen Haaren verdampft und im endstandenen Rauch nach Blei gesucht. Mit ihrer hohen Auflösung gab ihm diese Methode die Möglichkeit die Bleiaufnahme im Haar zeitlich mit Einträgen aus dem Tagebuch Beethovens und Aufzeichnungen seines Arztes in Beziehung zu setzen. 

Dabei ergaben sich folgende Ergebnisse:

  • Die Verteilung des Bleis im Haar war nicht homogen, also erfolgte auch die Vergiftung Beethovens mit Blei nicht gleichmässig.
  • In den letzten 111 Tagen Beethovens traten einige sehr hohe Belastungen auf.
  • Die erste hohe Belastung fällt zusammen mit der Zeit als Beethoven eine Lungenentzündung hatte, die sein Arzt mit (vermutlich) bleihaltigen Mitteln behandelte. In Folge dieser Behandlung bekam Beethoven, der (möglicherweise nach einer Virusinfektion) schon seit längerem eine Leberzirrhose hatte, Bauchwassersucht. Die große Menge Wasser im Bauch drückte auf die Lunge des Komponisten und er bekam Atemnot.
  • In der Folge wurde das Bauchwasser insgesamt viermal abpunktiert. Solche Punktionen waren damals immer sehr gefährlich, denn eingeschleppte Keime können zu Infektionen des Bauchfells führen, etwas das ohne Antibiotika meistens tödlich endet.  Deshalb hatte Beethovens Arzt die Punktionsstellen mit Bleiseifen behandelt. So konnte Blei über die Haut aufgenommen werden. Dieses läßt sich in der Haaranalyse nachweisen.

Offensichtlich hatten die wiederholten Gaben von Blei der erheblich vorgeschädigten Leber den Rest gegeben.

Christian Reiter konnte in der Untersuchung auch zeigen, dass Beethoven längere Zeit vor seinem Tod gelegentlich kleinere Mengen Blei aufgenommen hatte. Möglicherweise weil Beethoven gerne süssen Wein trank. Denn manche Süßweine waren damals mit Bleisalzen geschönt worden. 

Als Ursache für seine Ertaubung kommt Blei wohl eher nicht nicht Frage. Zwar können Ertaubungen in seltenen Fällen durch Bleiintoxikation vorkommen, aber sehr viel häufiger sind Lähmungserscheinungen der Führhand.  Etwas das Beethoven, der ein begnadeter Klavierspieler war, sicher sehr schnell bemerkt hätte. Und auch die Haaranalysen deuten nicht darauf hin, dass der Körper Beethovens langfristig mit Blei belastet war, denn die Spitzen der besonders langen Haare waren frei von Blei.

bernd

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