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Archive for 1. September 2007

Brutal banal

Der Krimi hat die Intellektuellen erreicht: Höflich verweist -> Joachim Linder auf einen -> Artikel aus dem Stern, in dem sich Kester Schlenz über die „zunehmende“ Brutalisierung des Krimis auslässt. Der ausgewiesene -> Krimikenner Schlenz hat offensichtlich regelmässig bei der Krimicouch mitgelesen und kann deshalb fehlerfrei „das Dreigestirn der Brutaloszene“ benennen: Karin Slauter, Mo Hayder und Tess Gerritsen

Karin Slaughters Erfolgsroman „Belladonna“ oder Tess Gerritsens „Chirurgin“, in dem ein Unbekannter nachts in die Wohnungen von allein stehenden Frauen eindringt, sie einem gynäkologischem Eingriff unterzieht und dann tötet. Gemeinsam mit Mo Hayder („Der Vogelmann“) bilden ausgerechnet drei Frauen das zur Zeit härteste Dreigestirn der Brutalo-Szene.

Vermutlich lassen sich solche Klischees so wenig ausrotten, wie die Behauptung, dass die Inuit 40 verschiedene Wörter für Schnee kennen. Also, lieber Mitpapa: Artisanale, auf Showeffekte getrimmte Gewalt, aus einer „Welt“ in der die Guten gut und die Schlechten schlecht sind, sollte man(n)  – auch nach langjähriger Tätigkeit bei idealistischen Blättern wie Brigitte und Stern – nicht mit authentischer Brutalität verwechseln.

Es ist ja nicht gerade so, dass unsere Welt arm wäre an Brutalität und Gewalt und es gibt tatsächlich Bücher die uns ein Stück davon offenbaren. Ciao Papa von Juan Damonte (Dienstag mehr zu diesem Buch hier und bei wtd), Hard Man von Allan Guthrie, The Power of the Dog von Don Winslow oder (lieber JL, bitte überlesen) Shella von Andrew Vachss fielen mir spontan ein. 

Und überhaupt: Warum sollte es denn so verwunderlich sein, wenn Frauen brutal schrieben und warum sollten sie nicht wenigsten auf dem Papier vergewaltigen ? Soweit ich weiß, ist es in der Realität immer noch so, dass sie gemeinhin Opfer von Gewalt und Vergewaltigung sind.  

bernd

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