Angesichts dessen, dass die hochmögenden Mitglieder der Auswahljury der Bestenliste das Buch auf Anhieb auf den zweiten Platz setzten, ist es vielleicht etwas trivial, aber was zuerst auffällt: Sühne ist ein Buch, das viel Spaß macht zu lesen. Es ist wie ein fremdes Auto, in welches man sich setzt und in dem man sich gleich zurecht findet.
Das ist wohl so, weil Persson gut erzählt, mit interessanten Personen, abwechslungsreicher Handlung und einem gewissen ironischen Unterton. Sühne ist ein klassischer Polizeikrimi, dabei erinnert die vielschichtige Darstellung der Polizeiarbeit ein wenig an Arne Dahl. Persson legt den Schwerpunkt der Darstellung allerdings weniger auf den technischen Prozess und mehr auf den zwischenmenschlichen Bereich. Der Leser kann hier einer Truppe zuschauen, die aus verschiedenen Personen mit unterschiedlichen Kompetenzen besteht, während die Fandungstechnik selber nur eine Nebenrolle spielt.
Die erste unter verschiedenen Perspektiven aus denen das Buch erzählt wird, gehört Kommissar Bäckström. Ein pompöser, korrupter, aber irgendwie doch fast sympathischer Polizist, zumindest für diejenigen, die seine Gnade finden. Er und sein Team müssen den Mord an Karl Danielsson untersuchen. Ein Routinemord unter Alkis, wie es scheint. Parallel dazu ist die Polizei in Solna mit einem Raubüberfall beschäftigt. Bäcktröm ist nicht nur die Hauptfigur des Buches, was auch dadurch sichtbar wird, das der Erzähler immer wieder in dessen Hirn ‘reinkriecht und uns dessen Gedanken über seine Gesprächspartner mitteilt, er ist auch derjenige der Kraft seiner Person das Buch dominiert.
Die ganze Hierarchie, bis in die höchsten Kreise der Polizei hinein, erlebt der Leser aus nächster Sicht. Alle (oder zumindest doch viele) habe irgendwelche Eigeninteressen, die denen anderer Kollegen zuwieder laufen. Da wird intrigiert, geschummelt und verschwiegen, alleine der Leser behält, dank der Informationen des Autoren in diesem Ränkespiel den Durchblick. Dabei lässt Persson diese kleinen Spielchen das Buch nicht dominieren.
Eine bunte Mischung also, mit leichter Hand von Persson zusammengehalten, zeigend wie der Apparat funktioniert (und wie nicht). Dass Bäckström ein Bonvinvant mit erheblichen Alkoholkonsum ist, mag die Schwedenhasser in Aufruhr versetzen, aber eigentlich ist das nur ein kleines Element der Persönlichkeit des Kommissars. Sie spielt keine große Rolle und überhaupt, die dunkle Melancholie, die so gerne in Schwedenkrimis vorherrscht, sie hat in Sühne keinen Platz. So nebenbei ist es auch ein wenig ein politisches Buch, wie soll man es anders erklären, dass die Polizisten Schwedens in Lebensgefahr auch aus großer Entfernung mit ihrer Dienstpistole ja nur auf die Beide der Gegner zielen sollen – political correctness, most absurd.
Ja doch, Sühne ist ein sehr gutes Buch, im Laufe der Lektüre sieht man die persönliche Handschrift des Autors, der mit seinen Figuren ein doppeltes Spielchen spielt und zudem über eine gehörige Portion Humor verfügt.
bernd



