Orpheus rising ist ein ausgesprochen mutiges Buch. Es ist deutlich anders als die früheren Bücher Colin Batemans, der für dieses (1) Buch auch seinen Namen „änderte“ und nunmehr seinen Vornamen weg lässt. Bekannt geworden ist der nordirische Autor mit humorvollen Krimis, die ein wenig im Stile Carl Hiaasens gehalten sind. Hier jedoch ist von diesem Humor scheinbar wenig zu merken. Nicht, dass Bateman diesmal die Melancholie gepackt hätte, aber zu der Geschichte mit übernatürlichen Touch, vorgetragen von einem Autor, der zwar bis dato nur ein Buch veröffentlichte, doch mit diesem zum multi multi Millionär wurde, hätte der überbordernde Humor nicht gepasst. So sind es immer wieder kleine verdeckte, nüchtern vorgetragene Sätze, die zeigen, dass Bateman der Schalk im Nacken sitzt.
Michael Ryan, dieser Autor, hatte, noch bevor sein Buch seinen Siegeszug um die Welt antrat, erst seine Frau durch einen Banküberfall dann seine eigene innere Ordnung verloren, 10 Jahre zog er durch die Welt, nun soll in der Gemeinde eine Feier und ein Gedenken an den Banküberfall stattfinden und der berühmte Autor ist natürlich geladen. Widerwillig läßt er sich überreden. In der Gemeine angekommen, ist es tatsächlich so schrecklich wie erwartet: Das Erinnern nervt ihn, er weiß nicht recht, wie er mit der attraktiven Nachbarin umgehen soll und dann meint er seine Frau in der Stadt gesehen zu haben.
Von dort an, so ungefähr nach der Hälfte des Buches nimmt dieses einen ganz ungeahnten Verlauf. Man mag bei der Lektüre des Buch als Leser wiederholt auf dem Umschlag schauen, aber der Name des Autors dieses Buch, welche die amerikanische Provinz in schlichter Form so gelungen darstellt und letztlich doch eine ganz eigene Welt erschafft, ist und bleibt Bateman.
Orpheus rising ist ein klug und gelungen komponiertes Buch, das sehr gut und effizient erzählt ist. Es enthält genau die Elemente und Versatzstücke, die einen klassischen Krimi ausmachen. Inhaltlich passiert auf den ersten fast zweihundert Seiten nichts, was die Erzählung voran brächte und doch langweilt man sich keinen Moment. Danach jedoch ist kein Halten mehr, die Welt des Ortes steht tatsächlich Kopf, entweder ist Ryan durchgeknallt – Grund dafür hätte er – oder das alles ist in dieser Geschichte wahr. Leser, die ihren Krimi mit klarer eindeutiger Auflösung mögen, werden vielleicht mehr rätseln als ihnen lieb ist.
Diese Welt, die Bateman da entwickelt, sie ist überraschend aber stimmig und zieht den Leser in sich hinein. Damit die Erzählung funktioniert hat Bateman eine Rahmengeschichte um eine Rahmengeschichte gesetzt, so hat dann auch der titelgebende Orpheus seinen „Auftritt“. Ein Indiz mehr, dass dieses Buch so intelligent ist, wie man es von einem Buch Colin Batemans erwarten darf.
bernd
(1) Nachtrag: Tatsächlich war die Namensänderung schon im letzten Krimi (dazwischen entstand dann auch noch ein Kinderbuch), I Predict a Riot aus dem Jahre 2007 vollzogen, durch einen Kommentar auf einem anderen Blog und den ständigen Frotzeleien Declan Burkes im letzten Jahr hatte ich mich zu der obigen Aussage hinreißen lassen.




Ihre Inhaltsangabe läßt mich spekulieren, ob dem Bateman der Nachnamensvetter als Schalk im Nacken sitzt. Dazu würde auch der Orpheus passen.
Beste Grüße!
Hallo Bernd,
eigentlich ist es ja wurscht, aber trotzdem: I Predict A Riot, das ein Jahr vor Orpheus erschienen ist, hat u.a. folgende Widmung:
„For my Christian name, gone but not forgotten“
Der Verlag Headline hatte begonnen, seine Bücher mit neuer einheitlicher Covergestaltung und unter „neuem“ Namen zu veröffentlichen.
Viele Grüße
Richard
Hallo Richard,
Ja richtig, da bin ich mittlerweile auch drüber gestolpert. Ich hatte da Gerald Brennan miss gedeutet. Als ich „I Predict a Riot“ gelesen hatte (sehr gutes Buch übrgens), war mir die Widmung nicht weiter aufgefallen.
Beste Grüße
bernd
Lieber JL,
„In future I’ll just be ‘Bateman’. I’m a brand! I will also need to acquire some muscles, and perhaps a tattoo to go with my new image.“ schrieb Bateman Ende 2006.
Man denkt natürlich an Batemans Landsmann John Connolly. Die Idee einer paranormalen Nebenwelt erinnert an Duane Swierczynskis „Secret Dead Men“.
Beste Grüße
bernd
na ja, ich hab’ halt ‘n one-way-mind und an Ellis gedacht (Psycho, Glamorama, Lunar Park …). Aber das wird mich nicht dazu bringen, den Roman selbst zu lesen.
Beste Grüße!