Allzu viele Freunde dürfte sich Roger Smith mit Kap der Finsternis in Südafrika nicht gemacht machen. Schonungslos präsentiert er der Welt ein Bild seines Landes, welches sicher nicht den Weg in die Touristenführer finden wird.
Jack Burn ist US-Amerikaner, da er in den USA etwas angestellt hatte, ist er mit seiner Familie nach Südafrika geflüchtet; Rudy Barnard ist Vertreter der alten, vergangenen südafrikanischen Ordnung, er ist der Inbegriff des korrupten Polizisten und bringt Gewalt und Verzweiflung über die Schwarzen (genauer gesagt: Mischlinge) im Ghetto, Benny Mongrel ist einer von diesen, die in der Spirale der Gewalt sozialisiert wurde, jahrelang saß er im Gefängnis und ließ dort die Puppen tanzen, nun versucht er ein einfaches Leben in Würde zu fristen, und Disaster Zondi ist der Musterfall eines sauberen Polizisten, als Schwarzer hatte er noch vor der Wende seine Erfahrungen gemacht, nun ist er Sonderermittler und macht Jagd auf die Polizisten, die sich mit ihrer Waffe eine eigene Welt schaffen.
Man kann es als Laune des Schicksals deutet, dass diese Männer aneinander geraten, man kann es allerdings auch als Zwangsläufigkeit der Lebensumstände ansehen, die Smith beschreibt. Zwei Dealer ziehen sich Methamphetamin `rein und beschließen einem der besseren, immer noch von Weißen bewohnten Viertel, ein Besuch abzustatten. Dort treffen sie auf Burn und die Geschichte der vier Männer nimmt ihren Lauf.
Kap der Finsternis breitet in kurzen Kapiteln, nicht hektisch, aber zügig, jeweils aus der Sicht seiner Hauptfiguren deren Geschichte aus, die Sprache ist effizient und der Slang der Straße hat sich, ohne übertrieben zu wirken, in die deutsche Übersetzung gerettet.
Südafrika ist ein armes Land, nirgends wird das deutlicher als im Ghetto. Mögen die Drogendealer dort auch den symbolischen BMW fahren, die Verwahrlosung, die Gewalt, die Menschenverachtung übersteigen das, was man selbst in den schlimmsten Ghettos der USA dargestellt bekommt. Das Ende der Apartheit dürfte den Menschen im Ghetto das Ende der weißen Willkür, nicht aber das Ende der Willkür überhaupt gebracht machen. Smith beschreibt diese Welt vermutlich in der einzigen plausiblen Art und Weise: nüchtern und schonungslos, für Hoffnung und Perspektive ist hier kein Platz.
Nicht jedem wird das Buch gefallen, doch dadurch, dass man die Augen verschließt, so steht zu befürchten, wird die Welt auch nicht besser.
Die Besprechungen bei uns in Deutschland sind voll des Lobes, insgesamt fand ich das Buch gut, aber nicht überragend. Mir fehlte ein wenig das Exaltierte, das Überraschende, irgendwie war es doch ein wenig zu vorhersehbar.
bernd
Tropen, 2009
Original: Mixed Blood, 2009
Übersetzt von Jürgen Bürger und Peter Torberg




Keine Überraschung, wenn sich hier der Slang in die
deutsche Übersetzung gerettet hat,
Bürger und Torberg gehören einfach zur Creme
der Krimi-Übersetzer.
Zondi ?
Mag das eine versteckte Hommage an d e n
südafrikanischen Klassiker, an James McClure sein ?
Gruß
Jürgen
Ob Zondi eine versteckte Referenz sein soll, kann ich nicht beurteilen, aufgefallen wäre mir es nicht. Ich glaube, Smiths Zondi ist nicht einmal ein Bantu.
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