dpr sucht Vorstellungen dazu, was wir unter Klassiker des Genres verstehen und welche Werke / Autoren wir da nennen würden.
Interessante Frage das, obwohl es natürlich bei uns in Deutschland ganz einfach ist. Was von selbst- oder fremdernannten Krimipäpsten, ob nun echt oder wahr (die Päpste) als Klassiker bezeichnet wird, ist es, alles andere ist Retro.
Bücher die von einzelnen als Meilensteine gedeutet werden, gibt es natürlich zuhauf. Beispiele sammelt seit geraumer Zeit Patti Abbott in “Friday’s Forgotten Books” – interessante Geschichte, nicht dogmatisch besserwisserisch, sondern neugierig machend. Wen es interessiert, der findet -> hier Bücher über Bücher, manche mit Einfluss, viele schlichtweg vergessen, einige sicher von den Rezensenten als Klassiker verstanden.
Üblicherweise setzt für mich die Bezeichnung Klassiker ein Fortwirken in die Gegenwart voraus oder das Wirken in einem zeitlich und inhaltlich umschriebenen Genrebereich, eine zweite Voraussetzung ist für mich eine gewisse Wahrnehmung durch die interessierte Öffentlichkeit.
Aber offensichtlich (siehe oben) kann man auch von stillen Klassikern sprechen.
Mir scheint es nicht sinnvoll, “Klassiker” mit dem Wissen um spätere Werke im Hinterkopf zu lesen und zu bewerten. Natürlich, manchmal ist es schön zu sehen, wie ein Autor seiner Zeit voraus war, aber die meisten Bücher schauen nun mal im Vergleich zu jüngeren Meisterwerken alt aus.
Mein Klassiker der Woche: John D. MacDonalds The Deep Blue Goodbye (deutsch: Abschied in Dunkelblau)
Ich hatte es gelesen, um McGee erneut mit Jack Reacher von Lee Child zu vergleichen. Nicht dass das Buch so besonders wäre, aber es ist das erste Buch von Macdonalds Travis McGee Büchern. In Anlage ist schon alles vorhanden, was die Serie auszeichnet, in den späteren Bücher scheint mir McGee weniger bereit, körperliche Gewalt einzusetzen (obwohl er sie immer benutzte, wenn es not tat), und seine “Ritterlichkeit” tritt klarer zutage.
In den 60er Jahren waren die Bücher schon recht fortschrittlich (auch hier geht es um sexuelle Gewalt gegen Frauen) und viele der Krimiautoren aus Florida beziehen sich heute noch auf MacDonald und auch Reacher scheint mir beeinflusst zu sein. Zwei Coverbilder deutscher Ausgaben gibt es bei Axel Bussmer.
What could have been merely a string of cheesy paperbacks about a mouth-breathing pseudo-Robin Hood beach bum instead became, in many ways, a chronicle of America’s own growing awareness of social issues.
The McGee books are early 60s timepieces (the hero’s Hefner-like, paternal attitude towards women) in the same way that Spillane’s books represent a certain kind of attitude (paranoid, racist, homophobic) from the 50s. Think of them on one hand as social records, and try not to judge them from the perspective of our more “enlightened” present.
bernd



