- „Wir leben im Zeitalter des Wegwerfbuches“ schreibt Jonathan Karp in der Washingtonpost.com „What seems abundantly true to me, however, after almost 20 years in the publishing business, is that an increasing number of their books will be — and should be — mulched.“ Der Besuch eines beliebigen Supermarktes zeigt es überdeutlich, viele der dort angebotenen Bücher sind verdammt und werden eine äußerst kurze Lebensspanne haben. Die Verlage unterliegen dem Verdikt des „Wachsensollenwollenmüssens“ also versuchen sie mehr Bücher auf den Markt zu bringen und zwar insgesamt, pro Ausgabe oder pro Autor, sie folgen neuen Trends und versuchen die Kosten zu minimieren. Die Folge ?
Fewer authors are devoting more than two years to their projects. The system demands more, faster. Conventional wisdom holds that popular novelists should deliver one or two books per year. Nonfiction authors often aren’t paid enough to work full-time on a book for more than a year or two.
Was kommt, scheint für Karp eindeutig. Die Barrieren ein Buch zu schreiben, werden weiter abnehmen ( zum Beispiel durch das Selfpublishing) und dank elektronischer Medien und POD erreichen diese Bücher auch die Leute – die großen Verlage verlieren ihren größten Vorteil: Die Fähigkeit Bücher über das ganze Land an die Buchhändler und somit an die Kunden zu bringen, etwas das Barry Eisler auch schon gesehen hat. Vielleicht, so hofft Karp, führt das dann bei einigen Verlagen zur Rückbesinnung.
- Jürgen Albertsen schreibt nicht nur Bücher und Kurzgeschichten sondern auch Kurzrezensionen (ich glaube, man nennt das heute „Flashreviews“), -> hier und -> hier.
Über Marcus Sakeys The Blade Itself schreibt er “ [..] Eine gute Idee wird zu Tode konstruiert, die Personen sind zu schablonenhaft, man hört ständig die Karteikarten rascheln, auf denen der Autor sich den Plot notiert hat.„; über Cormac McCarthys No Country for Old Men „Das Buch ist ein ganz großer Wurf [...]. McCarthys Prosa strahlt gleichzeitig Wärme und Kälte aus. Wärme, weil sie uns mitnimmt in die Seele der Leute, die sich dem harten Leben an der Grenze zwischen Mexiko und der USA stellen müssen, und Kälte, weil sie uns klarmacht, warum genau diese Leute niemals werden überleben können.“ und über Leonardo Paduras Labyrinth der Masken „Aber eigentlich ist es klar, warum Bücher wie diese nie genug Leser finden werden: zu viele Anspielung, zu wenig Action, zuviel Innerliches. Wie viele andere “bessere” Krimi-Autoren auch, benutzt Padura den Krimi als Vehikel, um bestimmte Randthemen der Gesellschaft zu beleuchten, in diesem Falle die Kubas. Aber anders als manch anderer der “Literischer-Krimi”-Fraktion tut er das mit einem tiefen Respekt gegenüber dem Genre. [...] Unbedingte Empfehlung!„
- Lee Goldberg zeigt uns was. Zwei (nahezu) identische Filmausschnitte nämlich. Michael Mann hat einen Film zweimal und sehr ähnlich gedreht, lediglich die Schauspieler sind andere und für den zweiten Film stand mehr Geld zur Verfügung. Im Vergleich sieht man Scott Plank und Alex MacArthur in einem gefloppten Pilotfilm für eine Serie und Al Pacino und Robert DeNiro in dem Film Heat. Das Ergebnis ? Besonders packend sind beide Darstellungen nicht, aber deutliche qualitative Unterschiede lassen sich ausmachen.
- Bei Crimespace schreibt Paul McGoran über die fünf Essentials des Noirs. Wenn ich auch mit manchen seiner Vorstellungen von Noir nicht konform gehe, seine Essentials zur Charakterisierung der Bücher des Genre,
- Crime
- Obsession
- Fatalism
- Perversity
- Betrayal
finde ich gut.
Und die Anmerkung dass der Begriff Noir ein „retrofit“ ist, gefällt mir natürlich auch – der Gegriff wurde also nachträglich dem Genre gegeben.
bernd




Was heißt denn “Wachsensollenwollenmüssen” auf Englisch?
* liest gerade Essays und Gedichte von Gary Snyder im Original, da kommt so ein Ausdruck nicht vor
„They develop strategies for growth.“ ?
Vielleicht ist Snyder deshalb auch nicht groß ins Deutsche übersetzt worden ?
Flashreviews: schöner Ausdruck
Das Internet ist prima für faule Säcke wie mich. Die Inhaltsangabe kann ich mir sparen, weil man sie sowieso irgendwo findet….
Ich hätte gedacht, es wäre mindestens „they should want must grow.“
Wg. Snyder: Kann sein, allerdings hat er viele botanische, geologische, ökologische, anthropologische und buddhistische Fachausdrücke drin. Das entschädigt ein wenig.
@ Georg. Ich muss zugeben, dass ich Snyder nie gelesen habe, aber dass die Vita neugierig macht.
@ Albertsen. Ich lese Rezensionen meistens nach dem Buch, da ist eine Inhaltsangabe auch nicht so wichtig, manchmal zur Beurteilung einer Rezension ist sie allerdings schon interessant.